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DOKU: DIE MEGA-ARENA DER ANTIKE


TV Digital XXL-Ausgabe - epaper ⋅ Ausgabe 26/2018 vom 14.12.2018

Blutiges Technikwunder: Im Kolosseum in Rom kämpften nicht nur Gladiatoren, es gab auch Seeschlachten und Aufzüge für wilde Tiere


Die Zuschauer springen von den Rängen auf, der Verletzte windet sich auf dem blutgetränkten Boden der Arena. Laut schallen Sprechchöre. Zehntausende Stimmen fordern: „Töte ihn! Töte ihn!“ Das Leben eines Gladiators kann schnell vorbei sein, Ruhm und Verderben liegen extrem nah beieinander. Vor allem dann, wenn das Publikum dem Verlierer die Gnade versagt.

Überall im Römischen Reich gab es Arenen, in denen Gladiatoren um ihr Leben kämpften – zur Unterhaltung der Massen. Über 200 ...

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Überall im Römischen Reich gab es Arenen, in denen Gladiatoren um ihr Leben kämpften – zur Unterhaltung der Massen. Über 200 Amphitheater von England bis Ägypten sind belegt. Über Jahrhunderte waren organisierte Gemetzel Teil der Festkultur der Weltmacht. Doch nur die besten Gladiatoren durften in Roms Kolosseum kämpfen, der größten Arena der Antike.Das gigantische Amphitheater wurde in gerade mal zehn Jahren errichtet. Im Jahr 80 nach Christus wurde es mit hunderttägigen Spielen feierlich eingeweiht. Die Tribünen boten Platz für 50 000 Zuschauer. Mit Aufzügen, Rampen, Sonnensegel, 80 Eingängen und aufwendiger Bühnentechnik gilt es bis heute als architektonische Meisterleistung des Altertums. 400 Jahre lang wurde die Arena genutzt. Dabei standen bei Weitem nicht nur Gladiatorenkämpfe auf dem Programm.

1 SONNENSEGEL
Ausfahrbar dank Holzkonstruktion und Flaschenzugsystem

2 TRIBÜNEN
Platz für 50 000 Zuschauer. Frauen mussten im Oberrang sitzen

3 KAISERLOGE
Unter einem farbigen Sonnensegel saßen der Kaiser, seine Familie und Gäste

4 KATAKOMBEN
Aufzüge im Keller brachten Tiere nach oben

5 FUNDAMENT
Auf Kalkstein ruhen die Pfeiler der Innenwände

Zuschauer fanden Platz im Kolosseum. Damit war es das größte Amphitheater der Welt

Fahrstühle zur Arena

Unter der Arena befanden sich die Katakomben des Kolosseums. Mithilfe von beweglichen Rampen und insgesamt 28 kleinen Aufzügen wurden wilde Tiere in den Innenbereich des Amphitheaters transportiert. Zu den im Kolosseum niedergemetzelten Arten gehörten Löwen, Tiger, Affen, Bären, Nashörner, Wölfe und sogar Giraffen, Kamele und Elefanten.

Die Katakomben des Kolosseums wurden teilweise restauriert


Rekonstruierter Fahrstuhl im Keller des Kolosseums


Ein Tag im Kolosseum begann für die Zuschauer mit Tierhetzen. Aus allen Teilen des riesigen Reiches wurden dafür wilde Tiere nach Rom gebracht. Bären, Löwen, Tiger, Elefanten, Nashörner und Krokodile wurden aufeinander losgelassen oder mussten gegen Kämpfer antreten. In die Arena gelangten die meisten Tiere mit einem ausgeklügelten Aufzugsystem (s.links).

Zur Mittagszeit fanden häufig Hinrichtungen statt: Zum Tode Verurteilte wurden unbewaffnet wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen, gekreuzigt oder sollten sich mit Schwertern gegenseitig umbringen. Diese Todgeweihten hatten keine Chance, den Tag zu überleben. Am Nachmittag stand dann – sobald der Boden von Körperteilen gesäubert und neuer Sand gestreut worden war – der eigentliche Gladiatorenkampf an. Und der lief anders ab, als viele denken, weiß Prof. Christian Mann. Der Historiker der Universität Mannheim ist Experte für die Antike und Autor (u.a. „Die Gladiatoren“, Verlag C. H. Beck). „In den von Hollywood inszenierten Gladiatorenkämpfen ist häufig zu sehen, wie Kämpfer in bunt zusammengewürfelter Bewaffnung ohne jede Ordnung aufeinander einschlagen“, sagt Prof. Mann. Tatsächlich zeige sich aber in Gladiatorenkämpfen die römische Vorliebe für Ordnung. So war die Bewaffnung klar geregelt. Die Organisatoren bemühten sich, möglichst gleich starke Kandidaten antreten zu lassen. Schließlich wollten die Zuschauer ein spannendes Duell. Für den Kampf, so Mann, galt: „Besonders gerühmt wurden nicht Gladiatoren, die alle ihre Gegner in der Arena massakrierten, sondern diejenigen, die ihre Gegner nach allen Regeln der Kunst, jedoch ohne Blutvergießen besiegten.“ Und dennoch endeten zahlreiche Kämpfe tödlich.
Noch blutiger aber waren die sogenannten Naumachien. In diesen Seeschlachten wurden mit echten Schiffen oft historische Gefechte nachgestellt. Auch im Kolosseum fanden Naumachien statt, etwa bei der Eröffnung. Das Untergeschoss mit seinen Gewölben existierte seinerzeit noch nicht, sodass die Arena geflutet werden konnte. Logistisch ein komplexes Unterfangen. Bis heute ist unklar, woher die Wassermassen für die Schauspiele im Kolosseum kamen. Ein möglicher Kandidat ist das Aquädukt Aqua Claudia im Süden der Stadt.

Die Kämpfer in diesen brutalen Seeschlachten waren Kriegsgefangene und verurteilte Verbrecher. Ein Unterschied zu den Gladiatorenkämpfen, wo durchaus viele Freiwillige – auf der Suche nach Ruhm – in der Arena antraten. Bei den Naumachien galt: Selbst diejenigen, die das Gemetzel an Bord der Schiffe überstanden, entgingen dem Tod nur, wenn Kaiser und Volk Erbarmen hatten. „Das Volk von Rom erwartete vom Kaiser Spiele“, erklärt Christian Mann. „Gab es keine prächtigen Spiele, führte das zu Unzufriedenheit.“ Und die konnte für den Kaiser lebensbedrohlich werden. Das grausame Spektakel – übrigens stets mit freiem Eintritt – ist eine Reaktion darauf. Das Fazit von Prof. Mann: „Die Römer haben das Töten als Entertainment betrieben.“ Und zwar in technischer Perfektion.
MANUEL OPITZ / MICHAEL TOKARSKI

Schlachtengetümmel: Dicht an dicht fuhren die Schiffe im Kolosseum für eine nachgestellte Seeschlacht auf (Darstellung 18. Jahrhundert)


300000

Gladiatoren starben laut Schätzung im Kolosseum. Im Schnitt wurden die Kämpfer nur knapp 23 Jahre alt


FOTOS: LOURO/ZINKEVYCH/SHUTTERSTOCK (2), CIPRIANI/DI LAURO/GETTY IMAGES (2), BORGIA/DPA PICTURE-ALLIANCE, BRIDGEMANIMAGES.COM/COLORIZED BY SANTI PÉREZ; INFOGRAFIKEN: TV DIGITAL