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DONNER IM ANFLUG


Auto Bild sportscars - epaper ⋅ Ausgabe 8/2021 vom 08.07.2021

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Mächtige Grills und hohe Scheinwerfer verschaffen Respekt auf der linken Autobahnspur

! Noble Sport- SUV zwischen 550 und 650 PS auf dem Lausitzring. Das gibt ein Gewitter!

DIESE DREI BIETEN ÜBER- HOLPRESTIGE wie wenige andere. Die Scheinwerfer strahlen aus Hüfthöhe, die Grills und Lufteinlässe kommen so gierig daher, dass der ein oder andere Kleinwagen rasch rechts einschert.

DBX, X6 M Competition und Urus sind im Grunde merkwürdige Autos. Viel zu schwer, um schnell zu sein. Viel zu schnell, um familientauglich zu sein. Und viel zu familientauglich, um sportlich zu sein … Aber muss denn immer alles Sinn ergeben? Reicht es nicht auch mal, wenn Dinge einfach nur Spaß machen? Klar.

Die Herangehensweise ist bei allen dreien recht ähnlich: V8-Biturbo mit vier beziehungsweise 4,4 Liter Hubraum, fahrwerksseitig so ziemlich alles hineingepackt, was das jeweilige Konzernregal gerade hergibt. Dazu coupéhafte und dennoch hohe Hecks, die aus ästhetischer Sicht zumindest ...

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... diskussionswürdig sind, aber um die wir aktuell einfach nicht herumkommen. Im Fond kosten sie Kopffreiheit, generell leidet die Übersicht – und nach hinten bleibt nur eine schmale Schießscharte für die Rücksicht.

Aber bevor wir uns noch in Alltagstauglichkeit verstricken, kommen wir zurück zur Performance: Aston profitiert langsam merklich von der Partnerschaft mit AMG, auch wenn das Chassis nach wie vor von der Insel kommt. Ein bisschen Vantage steckt drin, doch grundsätzlich hat man für den Hoffnungsträger etwas völlig Eigenes auf die Räder gestellt. Das ist auch nötig, denn bislang fehlte noch ein rettender SUV im Portfolio. Irgendein Modell muss ja schließlich Geld verdienen, damit weiterhin so schöne Autos wie der Vantage F1 (siehe Seite 16) gebaut werden können. Und aktuell muss das eben ein SUV sein. Porsche macht das seit fast zwei Jahrzehnten so, und künftig zieht sogar Ferrari nach. Also bekommt nun auch Aston Martin seinen eigenen Goldesel.

Die Ingredienzien sind dabei schön teutonisch – und das endet nicht bei dem obligatorischen Vierliter-Biturbo-Achtzylinder aus dem Hause AMG, der in diesem Fall 550 PS an alle vier Räder schickt. Auch die angeflanschte Neunstufen-Automatik kommt im Paket, wobei sich deren manuelle Bedienung über zwei fix angebrachte Aluminium-Schaltpaddel deutlich von den bekannten 63ern mit Stern unterscheidet.

„Bei uns muss der DBX natürlich auf die Rennstrecke – auch wenn er dort nicht wirklich hin- will. Er spielt lieber die Verwöhn-Töne.“

Alexander Bernt, Redakteur

Auch die restliche Bedienung weckt nostalgische Erinnerungen, denn Stuttgart recycelt die letzte Generation seines Comand-Bedienkonzepts nach Gaydon. Das ist nichts Schlechtes, denn dieses setzt noch auf einen haptischen Dreh-Drück- Steller, weshalb der DBX in unseren Augen sogar einen Vorteil gegenüber AMG-Modellen mit Touch-MBUX hat. Schade, dass in diesem Vergleich kein AMG mit von der Partie ist.

BMW bleibt im Innenraum ebenfalls dem mechanischen Stellrad bei seinem iDrive-System treu. Der Lamborghini nutzt Audis Touch-Bedienkonzept, was an sich nicht verkehrt wäre, hätten sich nicht so auffällig viele Tasten aus Ingolstädter Hochregalen in den italienischen Stier verirrt. Lenkradtasten, Parkbremse, Fensterheber – für ein Auto mit einem Grundpreis von 215 915 Euro ist das ein bisschen unwürdig.

Durch seinen Radstand von 3,06 Metern streckt sich der DBX nicht nur optisch extrem in die Länge. Er ist auch in diesem Vergleich der mit dem meisten Platz zwischen den Naben. Dafür toppt ihn der Urus um sieben Zentimeter, wenn es um die schiere Länge geht. Das verdeutlicht schon mal die extremen Proportionen des Aston und hilft natürlich auch bei dem, was der Brite primär können soll – nämlich Komfort und Geradeauslauf. Aber bei dem, was wir hier ebenfalls machen, könnten sich derartige Anlagen vielleicht als kontraproduktiv herausstellen: Rennstrecke.

Der BMW ist von seinen Anlagen her der Wusler in diesem Vergleich, wobei das bei knapp fünf Metern Länge und knapp drei Metern Radstand schon etwas vermessen klingt. Aber: Es ist bei diesem Trio eben alles eine Sache der Verhältnismäßigkeit.

Auch in Sachen Gewicht: Dort macht der Bayer den ausgewogensten Eindruck, belastet seine Vorderachse nur mit knapp 52 Prozent seiner Gesamtmasse. Im Aston lasten 53 Prozent vorn, beim Lambo sogar 57. Kopflastig und ein hohes Gesamtgewicht? Ob dem Urus dies auf der Strecke zum Verhängnis wird, klären wir gleich. Zunächst werfen wir einen Blick auf das, was diese drei mutmaßlich den Großteil ihres Autolebens tun müssen – scharf beschleunigen und bremsen. Hier spielt der Lamborghini erwartungsgemäß seine Vorzüge aus: leistungs- und drehmomentstark von unten heraus, dazu windschlüpfig für hohe Geschwindigkeitsbereiche. Im Standardsprint auf Tempo 100 kann der BMW noch halbwegs mithalten, verliert nur vier Zehntel, bis Tempo 250 säbelt der Urus jedoch 3,7 Sekunden von der Zeit des X6 M ab. Und der DBX? Der muss erwartungsgemäß Federn lassen. Genauso schwer wie der BMW, muss er dem 75 PS stärkeren Bayern deutlich den Vortritt lassen. Vom leichteren und gar 100 PS kräftigeren Italiener wollen wir gar nicht reden. Auf der Bremse tut sich dagegen keiner besonders hervor. Alle drei ankern bissfest und ausdauernd. Dafür spielt der fein ausstaffierte und feinfühlig federnde Aston Martin seine Vorzüge auf dem Weg zum Lausitzring aus. Weiches Leder, edle und top verarbeitete Einrichtung – so lässt es sich reisen. Am Ring geht es dann nicht ums Reisen, sondern ums Rasen. Und dafür ist der DBX noch viel weniger gebaut als die anderen beiden. Dreieinhalb Sekunden sind die nahezu zeitgleichen BMW und Lamborghini schneller. Klar, dem Aston Martin fehlt offensichtlich Leistung. Aber auch das Fahrwerk müsste sich über die Adaptivstufen deutlich mehr in Richtung Sport spreizen. Und das Einlenkverhalten dürfte agiler sein.

„Führt man sich vor Augen, wie hoch man im BMW sitzt, dürfte er eigentlich gar nicht so agil zu fahren sein.“

Alexander Bernt, Redakteur

„Mit seinen P Zero Corsa baut der Urus viel mechanischen Grip auf. So lässt sich die schnelle Runde extrem sauber fahren.“

Alexander Bernt, Redakteur

BMW und Lamborghini fahren da in ihrer eigenen Liga, wobei der X6 M mit seinem heckagilen Allradsystem begeistert, welches ein allseits Spaß bringendes, aber zugleich schnelles Leistungsübersteuern zulässt. Der Urus gibt derweil die Scheitelfeile, spult seine Runden eher akustisch spektakulär ab, zeitet aber noch mal 16 Hundertstel schneller als der BMW.

Fazit

Alexander Bernt

BMW und Lamborghini zelebrieren die sportlichen Tugenden offensichtlicher und erfolgreicher als der Aston Martin, der X6 M sogar günstiger. Der DBX hat seine Stärken im Prestige- und Wohlfühl- bereich.