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Doppelspitze


Motorrad News - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 10.06.2020

Brandheiße Mittelklasse im Vergleich: 890 Duke R und MT-09 SP sind weniger brachial und weniger glamourös als die ganz großen Powernakeds. Aber die Formel von beherrschbarer Dynamik zum bezahlbaren Preis zündet in den Zulassungscharts.


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Bildquelle: Motorrad News, Ausgabe 7/2020

Im knallharten Wettbewerb der Mittelklasse bestimmen einfach gestrickte Allrounder das Bild. Das beste Preis- Leistungs-Verhältnis lässt sich durch den Verzicht auf all jene Zutaten realisieren,die auch nur im Entferntesten im Verdacht stehen,überflüssig zu sein. Solche Motorräder haben natürlich auch KTM und Yamaha im Programm,sie heißen 790 Duke und MT-09 - tolle Kumpels ...

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Neuer Motor,neues Fahrwerk,viel Elektronik: KTM geht die „Mission Update“ sehr gründlich an


Paartanz: Die KTM weckt mehr Sportsgeist,auf der Yamaha sitzt es sich aufrechter


Für Schmetterlinge im Bauch sorgen aber deren sportlich gepimpte Schwestern 890 Duke R und MT-09 SP. Yamaha spendiert der Edelversion im Wesentlichen ein gründliches Fahrwerks-Upgrade und bunte Kriegsbemalung. Vorne werkelt eine voll einstellbare USD-Gabel von Kayaba,hinten ein Öhlins-Federbein mit allen Gimmicks wie Ausgleichsbehälter und Hydroknebel für die einfache Anpassung der Vorspannung.

Edel-Modelle für die Schmetterlinge im Bauch

KTM geht die Mission „Upgrade“ gründlicher an. Mattighofen setzt neben hochwertigen Federelementen vorne und hinten auf einen fantastisch aufgepumpten Zweizylinder - mit Hubraumaufschlag,einer Extraportion Schwungmasse und Leistungsplus von 16 PS laut Prospekt. Dazu gibt es als Nachschlag echte Rennbremssättel aus den oberen Brembo- Regalen. Keine Frage,KTM will es wissen. Und irgendwo im Entwicklungsauftrag findet sich mit Sicherheit der Passus „Keine halben Sachen!“

Leckere Zutaten: Kayaba-Gabel und Advics-Bremsen an der Yamaha


Hypersport: Der Bridgestone Battlax S20 passt gut zur MT-09 SP


Goldschmuck: Ihre feinen Öhlins-Bauteile trägt die Yamaha offen zur Schau


Hat die Yamaha MT-09 SP da überhaupt noch ein Chance? Auf jeden Fall wird es schwer,der frechen Österreicherin Paroli zu bieten. Schon alleine,weil die technische Basis der Yamaha mittlerweile im verflixten siebten Jahr steckt. Und Yamaha kaum Maßnahmen zur Modellpflege ergriffen hat

Das zeigt sich besonders krass an der Ausstattungsliste.Um nur die wichtigsten Goodies zu nennen,welche die Duke voraus hat: Schräglagensensorik für ABS und Traktionskontrollen,buntes TFT-Display,bidirektionaler Schaltautomat,Bluetooth-Anbindung im Zubehör.

Ein sattes Pfund ist und bleibt natürlich der charakterstark sägende Yamaha-Triple,der in Sachen Antritt und Durchzug deutlich mehr zu bieten hat,als die reinen Pa pierdaten und vor allem als der Hubraum von 847 Kubik erwarten lassen. Dummerweise scheinen die Alpenbewohner genau diesen Triple bei der Entwicklung des 890er Twins zur Messlatte erkoren zu haben.


Beim Alpenkraftwerk rattert der Punktezähler. War die MT-09 bei der Entwicklung die Messlatte?


Till lässt sich hängen: Im Sattel der 890 Duke R kommt Rennfeeling auf


Immer aufrecht: Wulf kultiviert auf der SP den klassischen Stil


Egal wo das Yamaha-Aggregat ansetzt,das Alpenkraftwerk scheint es mindestens ein bisschen besser zu können. Leistung,Drehmoment,Beschleunigung,Höchstgeschwindigkeit,Kraftstoffverbrauch - der Punktezähler rattert.

Aber halt! Beim Durchzug kann sich der Yamaha-Triple doch noch das blaue Band sichern. Und die bescheidene Höchstgeschwindigkeit der Yamaha hat keine physikalischen,sondern rein politische Gründe: Die Abteilung Produktsicherheit legte ihre schönsten Sorgenfalten auf und deckelte die Höchstgeschwindigkeit auf 210 km/h.Natürlich macht sich auch KTM Gedanken zum Thema,findet aber eine völlig andere Lösung: Die 890 Duke R bekommt einen Lenkungsdämpfer. Und darf deshalb laut Fahrzeugschein mit 239 km/h über die hoffentlich leere Autobahn ballern.


Yamaha deckelt die Höchstgeschwindigkeit. KTM setzt auf Vollgas und einen Lenkungsdämpfer


Hebelfrei: Die Druckstufe am WPFederbein lässt sich in High- und Lowspeeddämpfung verstellen


Hausmarken: Die Federelemente stammen von Tochter WP,die Bremsen von Brembo


Alles Lambda? Die O2-Sensoren der KTM sitzen eng hinterm Auslass,was die Aufwärmphase verkürzt


Der lebhafte KTM-Twin pumpt ab 3000 Touren mächtig los,er leistet sich in der Mitte aber eine ziemlich wellige Drehmomentkurve. Der Yamaha-Triple zeichnet die gleichmäßigere Kurve und dreht weiter aus.


Also endlich Aufsitzen! Und direkt nochmal absteigen. Und auf der Verkleidung nachschauen,ob man wirklich die 890er gesattelt hat. Die KTM ist so schmal und leicht - unfassbar,dass hier eine „Fast-Tausender“ auf dem Seitenständer steht.

Die Sitzposition ist angenehm hoch,der Lenker nicht zu breit und weit vorne. Gerade weit genug,um die volle Rückmeldung vom Vorderrad zu spüren. Und gerade weit genug hinten,um in der City die Handgelenke lastfrei zu halten. Dass unsere Testmaschine als Einsitzer daherkommt,ist übrigens Politik,das Soziuspaket gibt es beim Neukauf obendrauf

Völlig anders sitzt es sich auf der Yamaha. Der Lenker ist ein gutes Stück weiter oben und weiter hinten. Der Oberkörper ist wie auf einer Reiseenduro untergebracht,mit leicht angewinkelten Unterarmen und absolut senkrechtem Rücken. Das vermittelt eher Entspannung als Sportsgeist,hat aber auf der Landstraße den Vorteil der weiteren Blickführung.

Federmäßig positioniert sich der KayabaÖhlins- Mix sportlich-straff mit satter Vorspannung und strammer Federrate hinten. Das passt gut,wenn der Fahrer kein Luftkotelett ist und es auf planem Asphalt schräg hergehen soll. Für Buckelpisten ist es da gegen schwierig,ein komfortables Setup zu finden. Besonders leichte Fahrer sollten unbedingt auch die Basis-MT-09 probefahren - es könnte sein,dass sie mit den simplen Federelementen in der Praxis besser zurechtkommen.

Frisch aus der Muckibude: Der aufgepumpte 890er Twin ist voller Steroide


Euro 5 kann kommen: Der Edelstahlstummel der KTM klingt sozialverträglich


Sägender Triple-Charme: Der MT-09-Topf sorgt für Gänsehaut


Multitalent: Der sagenhafte Dreizylinder befeuert eine ganze Yamaha-Modellpalette


Die WP-Komponenten der KTM bieten gewaltigen Einstellspielraum,sind in der Grundstellung aber bereits ein gutes Stück softer als die Yamaha-Bauteile. Außerdem dürfen auf der Duke längere Federwege verwaltet werden,was die Abstimmung ohnehin vereinfacht.

Auf Attacke gebürstete Fahrer mit dem Messer zwischen den Zähnen könnten sich auf der Rennstrecke etwas mehr Schräglagenfreiheit von der MT wünschen. Im Gegenzug genießen Alltagsfahrer den entspannteren Kniewinkel auf der Yamaha.

Bei der Reifenwahl huldigen beide Hersteller dem Sportsgeist. Yamaha setzt auf den hypersportlichen Battlax S20,KTM auf den schon ziemlich rennstreckenlastigen Michelin Power Cup 2. Die gewaltige Brembo-Anlage der KTM ist ein echter Zweifinger-Stopper,hier sollte mit wenig Kraft und viel Gefühl agiert werden. Die Advics-Sättel der Yamaha meistern ihren Job aber auch souverän,wenn auch weniger giftig.

Ein Feuerwerk an Lenkpräzision und Zielgenauigkeit

Auf der Nebenstrecke fackelt die KTM ein Feuerwerk an Lenkpräzision und Zielgenauigkeit ab. Die Ideallinie sehen und sie fahren sind quasi dasselbe. Spielerisches Abwinkeln und mühelose Korrekturen in Schrägläge - auf der 890 Duke können sich selbst alte Hasen noch weiterentwickeln und an ihrem Strich feilen. Das sportliche Potenzial ist gewaltig,alles geht wirklich leicht und willig von der Hand

Hier muss sich die Yamaha MT-09 SP dann wirklich geschlagen geben. Ihre größte Hypothek beim Paartanz durch die Eifel dürfte auch ihre anfänglich etwas unklare Positionierung im Spannungsfeld zwischen Straßensport und Supermoto sein. Die Sitzhaltung vermittelt dabei wenig Gefühl fürs Vorderrad und der extrem hoch bauende Steuerkopf kostet beim Einlenken Präzision.

Das fällt natürlich erst dann wirklich ins Gewicht,wenn man die gleiche Strecke im direkten Vergleich vorher mit der KTM 890 Duke R gefahren ist. Hochzufriedene MT-09-Piloten gibt es schließlich dennoch jede Menge.

Schön bunt: Das TFT-Display der KTM entpuppt sich als echter Mikro-Computer


Science-Fiction von gestern: Puristisches LCD-Cockpit der Yamaha


Fazit

Wulf Diplom-Tester


KTM kann in diesem Vergleich klar abräumen. Der aufgepumpte Motor strotzt vor Kraft,das Fahrwerk fasziniert mit dem Handling einer 500er. Dazu serviert die 890 Duke ein prall geschnürtes Ausstattungspaket und modernste Elektronik mit Schräglagensensorik. Dagegen sieht die sieben Jahre alte MT-09 schon etwas angestaubt aus,da hilft auch der Zusatz „SP“ wenig. Der Motor begeistert nach wie vor,aber Geometrie und Ausstattung könnten etwas Modellpflege vertragen.


Ausstattung Wulf / MT-09: Jacke,Jeans,Schuhe: Büse,Helm: Shoei,Handschuhe: Held Till / 890 Duke R: Jacke Icon,Jeans Vanucci,Schuhe Alpinestars,Helm Scorpion,Handschuhe Orina