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DOPPELTRAINING: SO GEHT DOPPELTRAINING RICHTIG


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2019 vom 17.06.2019

Wer kennt das nicht: vier Spieler, ein Platz, 60 Minuten Zeit. Um in dieser Zeit effektiv trainieren zu können, haben wir eine spezielle Einheit durchgetaktet. Dabei im Fokus: taktische und technische Verbesserungen für Ihr Doppelspiel


Artikelbild für den Artikel "DOPPELTRAINING: SO GEHT DOPPELTRAINING RICHTIG" aus der Ausgabe 70/2019 von tennisMAGAZIN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 70/2019

AUF DIE POSITION KOMMT ES AN: Will man das Netzspiel im Doppel taktisch klug trainieren, muss das schon beim Einschlagen richtig vorbereitet werden, sagt unser Experte.


Clubspieler haben oft Probleme im Doppel: Sie stehen entweder zu nahe am Netz oder nicht nah genug. Auch die Platzmitte nach dem Aufrücken eines Grundlinienspielers ist für Konter anfällig. Nicht zuletzt ...

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... deswegen ist das gemeinsame Verschieben im Doppel elementar wichtig. Die nachfolgende Trainingseinheit legt den Schwerpunkt exakt auf die Verbesserung dieser Problemfelder. Darüber hinaus werden die generellen technischen und taktischen Fähigkeiten im Doppel gefördert und gefordert. Credo des TennisGate-Experten Oliver Heuft: nur gemeinsam ist man stark.

HANDTUCH-DOPPEL

Nach dem Aufwärmen (fünf Minuten) steht ein taktisches Verschieben als Kleinfeldspiel an. Eine Paarung hält ein Handtuch jeweils in der einen Hand, den Schläger in der anderen. Nun spielt man gegen das andere Duo. Als Schläge erlaubt sind nur Bälle mit Touch. Volleys und Topspins sind untersagt. Gemeinsam muss man so verschieben, dass ein guter Treffpunkt erreicht und die Verbindung mit dem Handtuch nicht unterbrochen wird.

Variante
Der Ball wird mit Touch zum Partner gespielt, der schiebt den Ball über das Netz. Volleys sind erlaubt, die Spielfläche wird um den Doppel-Korridor erweitert. Dies erhöht den koordinativen und läuferischen Anspruch für alle vier Spieler auf dem Feld.

Zählweise
Für welche Zählweise man sich entscheidet (bis 7 oder bis 10), hängt von der Länge der Einheit ab und der Intensität und Qualität der Ausführenden. Wichtig: Die Spieldauer muss bei hohen Belastungsanforderungen begrenzt und klug gesteuert werden.

VERBUND: Beim Warm-up hilft ein Handtuch: „Im Doppel sollten die Partner beim Verschieben wie mit einem unsichtbaren Seil verbunden sein“, erklärt Heuft.


DOPPELTES WARMMACHEN

Oft geht es beim Einspielen locker und unkonzentriert zu. Wir haben die kurze Einspielphase in mehrere Schritte unterteilt: Zuerst starten die vier Akteure mit einem dosierten Einschlagen mit Rhythmus longline und cross. Anschließend folgt die Integration von Volley und Schmetterball. Am Ende der zehnminütigen Einspielphase soll der Fokus auf den Aufschlag und Return gelegt werden.

A) Grundlinie
Zwei, drei längere Rallys longline und cross sollten genügen. Wichtig: Miteinander auf den Rhythmus achten. Beim Cross-Duell sollen sich beide Spieler so bewegen, dass sie sowohl Vorhand als auch Rückhand spielen.

B) Am Netz
In dieser Einheit sollen die Akteure auf das Einschlagen mit Volleys nahe am Netz verzichten. „Das ist praxisfremd. Im Match spielt man von dort Volleys nicht lang geradeaus nach hinten, schon gar nicht rhythmisch. Darüber hinaus ist es für den Baseliner schwer, einen Rhythmus aufzubauen mit einem Netzspieler, der mit dem Bauch am Netz steht”, erklärt Heuft.
Die Spieler starten mit Volleys deshalb im Bereich der T-Linie; arbeiten sich von dort vor zum wichtigen Übergangs-Volley (Transition). „Richtig gute Akteure spielen im Training häufig deutlich hinter der T-Linie an und rücken dann mit dem ersten Volley über die T-Linie vor“, berichtet Heuft. Tipp: Wenn der Baseliner Bälle in die Füße spielt, erreicht man den gewünschten Effekt: viele tiefe Volleys und Halbvolleys.

C) Hoch und Tiefbau
Integration des Schmetterballs. Die Zuspieler spielen flach und hoch gemischt, für Smash und Volley, häufig sogar im Wechsel. „Netzspieler müssen so nach dem Smash wieder ans Netz vorrücken und ständig auch Volley im Übergang von hinten nach vorne spielen“, erklärt Heuft. Das werde bei mehreren Smashs hintereinander schlicht vernachlässigt.

D) Topspin auf Schmetterball
Heuft spricht von einem „genialen Nebeneffekt“. Denn der Topspin auf einen Schmetterball sei eine returnartige Schlagbewegung. „Und die kann man schließlich nicht oft genug in das Training einbauen“, sagt der Experte. Tipp: Vorhand- und Rückhandvolley nach Möglichkeit gleichmäßig einsetzen, um zu vermeiden, dass sich Spieler unbewusst links im Doppelkorridor oder auf der rechten Hälfte fast schon in die Mitte stellen. „Das kommt bei Spielern im Warm-up unbewusst häufiger vor, als man denken würde“, sagt der Experte.

E) Aufschlag und Return +1
„Bei dieser Übung soll jeder Aufschläger und Rückschläger seinen Schlag plus einen weiteren spielen. Dann wird der Ballwechsel sofort abgebrochen“, fordert Heuft. Warum? Es sollen die Sinne geschärft und der Fokus auf wenige Schläge gelegt werden. Qualität steht in diesem letzten Teil des Einspielens klar im Fokus.

INFO TENNISGATE

TennisGate ist seit 16 Jahren der Spezialist für visuelles Coaching rund um die Ausbildung von Tennisspielern und Partner nationaler wie internationaler Verbände und Organisationen. Das seit 2003 bestehende Projekt „Der Trainerclub“ ist ein Premium-Service für erwerbstätige Tennistrainer und -lehrer. Gerade neu erschienen ist die internationale Plattform „Tennis2Brain“, mit visuellem Coaching für Spieler, Trainer, Eltern und Tennis-Fans.
Mehr Infos unter: www.tennisgate.com

VERSCHIEDENE NETZPOSITIONEN:
Heuft möchte mit seinen Einspielübungen verschiedene Volleypositionen aus den Spielern herauskitzeln.


VERSCHIEBEN AM NETZ: Auch ungewöhnliche Volleys und viele Winkel sollten trainiert werden.


MOVING VOLLEY

Eine Wechselübung, bei der nur zwei Spieler, gleichzeitig agieren – die beiden anderen pausieren kurz. Die beiden Spieler stehen sich diagonal außen an der T-Linie gegenüber. Nach dem Anspiel halten sie den Volley im Spiel und bewegen sich entlang der T-Linie jeweils zur anderen Seite. „So selten wie möglich sollten sie einen Volley auf der gleichen Position spielen. Die Spieler müssen ständig in Bewegung bleiben“, fordert Heuft. „Bei dieser Rhythmusübung werden die Spieler dazu gezwungen, permanent Volleys am Körper zu spielen. Zudem wird der wichtige Diagonal-Volley trainiert“, erklärt der Trainer. Verschiedenste Winkel kommen dabei zur Anwendung. Nach 10-15 Schlägen oder einem Durchgang von der einen zur anderen Netzseite kommen die anderen beiden Spieler an die Reihe.

Hintergrund:
Die Übung klingt recht simpel, weist aber in der Ausführung durchaus ihre Tücken auf. Auch Weltklassespieler greifen auf diese Automatismen zurück. Die Weltklasse-Doppelpaarung Mike und Bob Bryan führen diese Übung regelmäßig im Training aus.

AUS 2 MACH 1

In dieser Übung wird Einzel mit Doppel kombiniert. Die beiden Doppel spielen gegeneinander im Team, zuerst gleichzeitig jeweils eins gegen eins (longline) auf halbem Doppelfeld. Sobald eines der Einzel den Ballwechsel beendet, ruft dieses umgehend „Doppel” und der noch laufende Ballwechsel wird zu viert als Doppel zu Ende gespielt. Gezählt wird bis zum zehnten Punkt.

Hinweis:
Man kann die Zählweise absprechen. Eine Variante ist zum Beispiel ein Punkt für ein gewonnenes Einzel und zwei für den Doppelpunkt. Oder: Es wird ausschließlich der Doppelpunkt belohnt.

Variante:
Zuerst fünf Ballwechsel mit Rhythmus spielen (ohne Punkte) und mit dem sechsten Ball auf Wettkampfmodus umstellen. Alternativ können die Einzelballwechsel wie oben beschrieben cross ausgeführt werden.

POSITIONSSPIEL: Man kann den Einzelballwechsel mit einem Netzangriff abschließen, um automatisch für den weiterführenden Doppelballwechsel gerüstet zu sein.


GLEICHZEITIGER START: Beide Einzelballwechsel starten gemeinsam und werden voll durchgespielt. Nicht nachlassen oder vorzeitig abbrechen, um wacher für den Doppelballwechsel zu sein.


EXPERTE

Oliver Heuft (54), wohnhaft in Freiburg, ist DTB-A-Trainer und war 15 Jahre lang stellvertretender Stützpunkttrainer am Stützpunkt Villingen (als Partner von Jürgen Müller). Er ist Gründer und Inhaber von TennisGate, Producer des DTB Online Campus und leitet den Lehrgang „Visuelles Coaching“ in der B-Trainer-Ausbildung des Badischen Tennisverbandes.

WINKELSPIEL: Wie bei der Übung „Moving Volley“ vorbereitet, geht es nun darum, den Volley mit einem gutem Winkel abzulegen oder wegzudrücken.


ABFANGJÄGER: Bei dieser Übung wird der Netzspieler aktiv gefordert, einzugreifen.


CROSS-DOPPEL

Zwei Doppel beginnen klassisch mit je einem Grundlinienspieler und einem Netzspieler. Auf Anspiel eines Spielers bauen die Grundlinienspieler ein Cross-Duell auf. Dabei ist Longline nur erlaubt, wenn ein Lob gespielt wird. Die Netzspieler versuchen sich einzumischen und „zu wildern“, wie es Heuft nennt. Dies wird ihnen durch die Cross-Pflicht der Baseliner erleichtert. Erst wenn sich etwas in dem Cross-Duell ändert – bei einem Eingreifen des Netzspielers etwa oder einem Longline-Lob, ist die Cross-Pflicht aufgehoben und der Punkt wird regulär ausgespielt.

Tipp:
Es macht Sinn, dass die Netzspieler – wie in einem richtigen Match auch – ihre Positionen ständig verändern und nicht außen warten, um den Korridor zu bewachen. Es hat sich bewährt, ein erfolgreiches Eingreifen des Netzspielers mit einem doppelten Punktgewinn zu belohnen.

Zählweise:
Bis zum siebten Punkt. Sollte noch Luft im Zeitbudget sein, dann kann es bis zum zehnten Zähler weitergehen. Alle Spieler sollten auf allen Positionen zum Einsatz kommen, also an Grundlinie und Netz. Die Spieler sollen nicht nur auf ihren Lieblingspositionen spielen. „Klar können die meisten mit der Vorhand leichter wildern als mit der Rückhand.“ Deshalb sollen alle Positionen durchgespielt werden.