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Dornier Do 17 P-1 I Maßstab 1:72 I Baubericht: Ein Aufklärer von RS Models: Fliegender Bleistift


ModellFan - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 30.03.2020
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Bildquelle: ModellFan, Ausgabe 4/2020

RS Models bietet mit dem Abziehbilderbogen eine recht attraktive Lackierung an


Ein gewisses Maß an Recherche ist ja immer sinnvoll, auch wenn man gerne glaubt, dass ein Hersteller schon an alles gedacht hat. Im Fall der Do 17 von RS Models ist das anders. Hier bekommt man einen guten Grundbausatz, der aber mit Eigenleistung noch weiter aufgewertet werden muss. Dazu ist eine umfangreiche Recherche unbedingt vonnöten. Wie weit man dabei jedoch geht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich versuche da immer einen für mich akzeptablen Mittelweg zu finden. Es soll ja in absehbarer Zeit ein fertiges Modell ...

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... dastehen. Für den Bau der Do 17 P-1 stand mir der bereits 2007 erschienene Bausatz mit Markierungen für die Ostfront zur Verfügung. Allerdings sollte es ein Flugzeug werden, das im Frankreichfeldzug eingesetzt wurde. Dazu gab es von RS Models auch einen Bausatz mit passenden Abziehbildern. Da ich diesen nirgends mehr auftreiben konnte und auch keine entsprechenden Abziehbilder auf dem Zubehörmarkt fand, fragte ich einfach mal beim Hersteller an, ob sie vielleicht noch einen Bogen mit den Markierungen haben. Und wirklich – nach zwei Wochen und einer Zahlung von fünf Euro hatte ich sie in meinen Händen.

Somit konnte der Bau beginnen. Und der sollte nicht ganz so einfach werden. Geholfen hat mir dabei sicherlich, dass ich schon einmal, vor zehn Jahren, dieses Modell gebaut hatte. Daher wusste ich schon, was auf mich zukommt und worauf zu achten ist. Als Zubehör organisierte ich mir noch ein paar wirklich schöne MG 15 von eduard und Landeklappen von ExtraTech. Viel mehr gibt es dazu auch nicht. Ach ja, die Masken von eduard sollten der Einfachheit halber auch noch Verwendung finden.

Cockpit mit Eigenleistung

Der Bau des Cockpits ist schon mal die erste Herausforderung. Es sind zwar ein paar Ätzteile und auch einige Resinteile im Bausatz enthalten, aber bei den 2007 erschienenen war das nicht viel und insbesondere die Resinteile hatten eine relativ schlechte Qualität (1). Also musste dort nach gründlicher Recherche ein wenig selbst detailliert werden. Erster Schritt war das Einkleben des Armaturenbretts und die Rückwand (2).

Dazu klebte ich die Rumpfhälften mit Klebeband zusammen, damit die Position stimmt und verklebte das Armaturenbrett und die Rückwand erst auf einer Seite, um die Rumpfhälften wieder auseinanderzubekommen. Der nächste Schritt war dann die Inneneinrichtung, wobei die Bausatzversion recht spartanisch ist. Da musste also mehr rein, auch wenn der Einblick später begrenzt ist. Dazu fixierte ich den Cockpitboden mit Uhu tac und ergänzte Verschiedenes mit Kunststoffprofilen und zurechtgeschnitte-nen Plättchen. Aus der Restekiste kamen dann noch einige Hebel zur Verwendung (3). Man kann sich hier sicherlich noch deutlich mehr austoben, wird es aber am Ende kaum noch sehen können. Alles hinter der rückwärtigen Trennwand habe ich einfach schwarz gestrichen (4). Dort befand sich der Bombenschacht und ein Teil der Kameraausstattung. Größeres verklebte ich mit dem Kleber von Humbrol, der mal in einem anderen Bausatz mit enthalten war und noch ausgesprochen gut funktioniert (5). Zwecks besserer Anpassung an den Rumpf wurden die Tragflächenoberseiten zuerst fixiert (6).

Die Unterseite könnte auch komplett mit feinen Linien überzogen gewesen sein. Fotobeweise fanden sich nicht


Rußfahnen waren nicht immer auf den Tragflächen zu finden. Der unregelmäßige Farbauftrag lässt die Oberfläche verbraucht aussehen


1 Das Cockpit, wie es vom Bausatz vorgesehen ist. Macht nicht viel her und muss daher ergänzt warden


2 Um das Cockpit einzupassen, sind die Teile einseitig eingeklebt und der Rumpf mit Klebeband zusammengeklebt


3 Das Innenleben, mit dem Notwendigsten ergänzt. Es wäre bei entsprechendem Zeitaufwand noch mehr möglich


4 Die Inneneinrichtung ist nun fertig lackiert. Das runde Fenster muss erst gebohrt werden


5 Für die Rückwand half ein Wattestäbchen zur Positionierung. Der Kleber stammt aus einem alten Bausatz von Airfix


6 Nach dem Verspachteln und Verschleifen des Rumpfes wurde erst die obere Tragfläche montiert


7 Auch die Fahrwerksschächte brauchen beim Festkleben etwas Zuspruch. Achten sollte man hier auf die genaue Positionierung


8 Die MG 15 von eduard sind sehr schön. Beim oberen Heckstand ist ein Schlauch aus Lötzinn am MG befestigt


9 Die Spritzguss-Lufteinläufe sind besser als die Resinteile. Aber man muss sie vorne aufbohren


Wenn man danach die Unterseiten befestigt, kann man mit einem Minimum an Spachtel auskommen (7). Die MG 15 von eduard sind sehr fein wiedergegeben und um Längen besser als die im Bausatz (8). Von dem MG im oberen MG-Stand musste der Hülsen-Auffangbehälter entfernt werden, da bei ihm die Hülsen über einen Schlauch in einen größeren Sack geführt wurden. Diesen Schlauch bastelte ich aus einem dickeren Stück Lötzinn. Die für die BMW 132 typischen Luftzuführungen waren als Resinteile vorhanden, allerdings völlig unbrauchbar. Deshalb verwendete ich die Spritzgussteile und bohrte sie vorne auf (9). Als Gitter kam ein Netz zum Einsatz, von dem ich leider nicht mehr weiß, wo ich es her habe (10).

Farbe kommt ins Spiel

Um es einfacher zu haben, verwendete ich Lackiermasken. Das sparte Zeit und Nerven (14). Nach einer Schicht RLM 02 um das Cockpit und einer weißen Grundierung habe ich das ganze Modell mit schwarzen Lini-en überzogen. Das sollte später für eine unregelmäßige, gealterte Optik sorgen (15). Der Effekt lässt sich noch verstärken, indem man die eigentlichen Farben auch unregelmäßig deckend aufträgt (17).

So hat man gleich einen gewissen Alterungseffekt, ganz ohne Mischen der Farben, was ja leicht zu übertriebenen Effekten führen kann. Ein Problem waren dann noch die Abziehbilder, die nicht gut kleben wollten. Trotz Mr. Mark Setter und Mr. Mark Softer von Gunze ließ sich ein Silbern leider nicht ganz vermeiden. Sehr ärgerlich, aber in diesem Stadium blieb mir nichts anderes übrig, als mehrmals die Bereiche mit den beiden Mitteln zu bearbeiten. Am Schluss lackierte ich um die Buchstaben auf der Unterseite noch mal herum, um hier die transparenten, silbernden Bereiche der Abziehbilder zu überdecken. Das war an den Rumpfseiten nicht möglich. Parallel dazu wurde das recht komplexe Fahrwerk montiert. Die Abgasrohre haben im Bausatz alle unterschiedliche Formen.

Daher sollte man jedes einzelne erst mal überall ausprobieren, damit man jeweils das bestpassende in das entsprechende Loch setzen kann. Zusätzlich mussten alle deutlich gekürzt werden. Da ist ein wenig Anpassungsarbeit nötig. Erst danach kam eine Schicht Mattlack mit einer 0,4-mm-Düse meiner Evo Silverline über das Modell und sorge für ein leicht seidenmattes Finish.

Die ein oder andere Hürde

Der Kit bietet Potenzial. Man muss aber gewillt sein, ein gewisses Minimum selbst zu leisten. Es ist kein Schüttelbausatz und somit auch nicht empfehlenswert für unerfahrene Modellbauer. Da gibt es schon ein paar Hürden zu meistern, und wenn man Detaillierung will, ist viel Recherche notwendig. Auch ist die Anleitung nicht sehr genau, was dann das Studium von Fotos des Vorbildes nötig macht. Wer aber schon etwas mehr Fertigkeiten im Modellbau gesammelt hat, kann einen schönen und durchaus herzeigbaren fliegenden Bleistift hinbekommen. Kurz gesag: nicht einfach aber machbar, mit einem am Ende guten Ergebnis.

Die schlanke Linie der frühen Do 17 kann man hier gut erkennen. Die Bombenlast war insbesondere beim Aufklärer recht begrenzt


10 Die Lufteinläufe bekamen noch ein feines Gitter. Wo das her ist? Kann man leider nicht mehr klären


11 Für die Verkabelung des Instrumenten-bretts diente 0,2-mm-Bleidraht. Dieser lässt sich sehr gut verarbeiten


12 Die fehlenden Trimmklappen sind aus dünnen Streifen Blech von einem Ätzteilrahmen zurechtgeschnitten


13 Die Ätzteile von Extratech beinhalten nur die Landeklappen. Deshalb sind sie nur leicht ausgefahren


14 Die Masken von eduard helfen beim Maskieren sehr. Die runden Fenster sind mit Maskierlack abgedeckt


15 Eine Grundierung mit Weiß und danach unregelmäßige Linien sollen später für eine fleckige, gealterte Lackierung sorgen


16 Die Maskierung für das Schwarzgrün ist wie immer in 1:72 etwas aufwendiger zu verkleben


17 Die Tarnfarben sind mehrfach dünn aufgetragen. Das steuert gut den Effekt der Unregelmäßigkeit


18 Die Tarnflecken entstanden mit Schwarzgrün und einer Evo Silverline mit 0,15-mm-Düse


19 Hier kann man gut den unregelmäßigen Farbauftrag erkennen. So ist ein Mischen der Grundfarbe nicht nötig


20 Die Scheiben sind schön klar und lassen sich mit einer Schicht Future noch weiter aufwerten


21 Die Motoren sind gut wiedergegeben. Bis auf die beiden Abgasrohre passt alles gut zusammen


22 Die Fahrwerksbeine sind mit Schienen für Klappen, Bremsleitungen und Streben zu den Kotflügeln ergänzt


23 Die Lämpchen entstanden aus einem Tropfen Weißleim und klarem Rot und Grün. Das gute Pitot ist ein Bausatzteil


Das Vorbild: Dornier Do 17 P

Dornier Do 17 1940 über London


Offiziell wollte man ein schnelles Postflugzeug mit zusätzlichem Platz für sechs Passagiere haben. Doch wurde dies später von der Luft Hansa abgelehnt, da der Innenraum viel zu beengt war. Ab 1933 sprach man von einem „Frachtflugzeug mit Sonderausrüstung“ und meinte damit nichts anderes als einen Bomber. Die Do 17 P war eine Aufklärerversion, die neben einigen Kameras auch Bomben mitführen konnte. Ausgestattet mit den im Verbrauch relativ sparsamen BMW-132-Motoren, hatten sie eine Reichweite von knapp 1900 Kilometern. Die Do 17 P war anfänglich so schnell wie manche Jagdflugzeuge. Allerdings änderte sich das bereits während des Feldzuges gegen Frankreich. Spätestens bei der Luftschlacht um England mit den britischen Hurricane und Spitfire als Gegnern bekamen die alten Do 17 größere Probleme und wurden nach und nach durch modernere Do 17 Z und Ju 88 ersetzt.

Als Heinz Spatz, Baujahr 1970, mit etwa acht Jahren von seinem Freund zum Geburtstag eine Brewster Buffalo in 1:72 von Revell geschenkt bekam, war sein weiteres Schicksal besiegelt. Schon immer schaute er aber über den Tellerrand und baut auch Autos und Raumschiffe, zusätzlich Schiffe in 1:350. Man kann ihn auch hin und wieder auf Ausstellungen treffen, wenn er dort mit seinem Club, dem PMV-Augsburg, teilnimmt.


Fotos, sofern nicht anders angegeben: Heinz Spatz

Foto: Royal Air ForceBereits 1932 begann die Geschichte der Do 17.