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„Dortmund-Block macht uns stärker“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 24/2022 vom 15.06.2022

HANSI FLICK

Artikelbild für den Artikel "„Dortmund-Block macht uns stärker“" aus der Ausgabe 24/2022 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 24/2022

SPORT BILD: Herr Flick, als Bundestrainer sind Sie nicht mehr wie zuvor beim FC Bayern wochenlang jeden Tag bei der Mannschaft. Wie sieht es eigentlich bei Ihnen zu Hause aus? Haben Sie ein Arbeitszimmer, oder ist das ganze Haus voller Notizen, was Sie der Nationalmannschaft beim nächsten Lehrgang mitgeben wollen?

HANSI FLICK (57): Ich habe ein eigenes Büro, das so eingerichtet ist, dass ich als Trainer dort gut arbeiten kann. Aus der Zeit, in der noch nicht alles am Laptop notiert wurde, habe ich dort noch einige Ordner stehen. Zudem trage ich immer ein kleines Buch mit mir, in das ich Ideen und Notizen eintrage. Das übertrage ich dann wieder auf den Computer. Die Notizbücher von wichtigen Turnieren bewahre ich auf.

Sie haben beim FC Bayern acht Monate gebraucht, um aus dem Team eine Titel-Mannschaft zu formen. Bei der Nationalmann- schaft haben Sie 15 Monate von der Amtsübernahme ...

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„Wir haben viel investiert, eine hohe Intensität. Ich bin voller Zuversicht“

Die Entwicklung der Mannschaft ist ein Weg, den wir gemeinsam gehen. Auch wenn wir gegen die Niederlande, Italien und England nicht gewonnen haben, sind wir auf dem richtigen Weg. Wir spielen guten Fußball, sind sehr aktiv. Gerade gegen die Niederlande und England war das richtig gut. Wir haben viel investiert, haben eine hohe Intensität. Ich bin voller Zuversicht.

Leon Goretzka b eschreibt Ihren Fußball so: intensiv mit Ball, hohes Pressing, frühe Ballgewinne, Powerund Tempofußball.

Wir können nicht immer Vollgas geben, müssen das Tempo auch mal herausnehmen. Deswegen brau- chen wir Spieler, die in der Lage sind zu erkennen: Wann ist der Druck zu groß? Wann bringt ein Pass in die Angriffszone Gefahr für die eigene Mannschaft? Wann muss auch einmal nach hinten gepasst werden? Das ist im Verein einfacher einzustudieren, da diese Dinge kontinuierlich, jeden Tag auf dem Platz trainiert werden können. Bei der Nationalmannschaft sind es immer kurze Phasen, in denen die Spieler zusammenkommen, die Inhalte müssen schnell vermittelt werden. Dann kommen wieder vier Wochen bis drei Monate, in denen die Spieler in ihren Vereinen sind.

Welche Lösungen haben Sie, um der Mannschaft Ihre Ideen zu vermitteln?

Wir versuchen, permanent mit den Spielern in Kontakt zu sein: In Gruppen-Chats und Videositzungen versuchen wir, unsere Vorstellungen zu vermitteln. Wir sind auf einem guten Weg. Das hängt auch damit zusammen, dass wir jede Minute, die wir mit den Spielern haben – egal ob bei realen oder virtuellen Meetings –, für unser Ziel, eine erfolgreiche WM zu spielen, sensibilisieren.

Die Spieler betonten zuletzt, dass das Training bei der Nationalmannschaft sogar intensiver als im Verein sei.

Man spielt so, wie man trainiert. Das ist meine absolute Überzeugung Wir möchten die Intensität, die wir auf dem Spielfeld sehen wollen, im Training simulieren, wir wollen jederzeit absolute Wettkampfbedingungen. Das ist möglicherweise für den einen oder anderen eine Umstellung. Aber nur, wenn man an die Grenze geht, kann es Verbesserungen geben.

Besteht Ihre WM-Achse aus den Spielern Manuel Neuer, Antonio Rüdiger, Joshua Kimmich und Thomas Müller?

Eine Achse ist enorm wichtig, dann war die Nationalmannschaft immer erfolgreich. Aus der Achse heraus kommt die Stabilität. Spieler im Zentrum, die gesetzt sind, haben dann Sicherheit und Ausstrahlung, sie können Kommandos geben. Manuel Neuer ist der beste Torwart der Welt, Toni Rüdiger einer der besten Innenverteidiger, Joshua Kimmich auf der Sechs unfassbar gut, Thomas Müller auf dem Platz einer der wichtigsten Spieler überhaupt, er kann immer Impulse geben, die Mannschaft taktisch führen. Aber in dieser Reihe steht auch ein Spieler wie Ilkay Gündogan …

„Man spielt so, wie man trainiert. Nur, wenn man es Verbesserungen“

der bei Ihnen allerdings nicht gesetzt ist.

Ilkay hat eine herausragende fußballerische Qualität und ist menschlich überragend. Wir haben insgesamt enorme Qualität in der Mannschaft. Deshalb ist das Wichtigste in der Vorbereitung auf Katar: Jeder einzelne Spieler muss auf einem top Fitness-Niveau sein. Sie müssen in der Lage sein, alle drei Tage ihre Top-Leistung abzurufen.

BILD titelte zuletzt: „Rätsel Sané“. Ist der Bayern-Angreifer für Sie ein Rätsel?

Leroy hat enorme Qualitäten. Wir stehen komplett zu ihm, unterstützen ihn. Klar ist: Er muss seine Qualitäten auf dem Platz zeigen. In den Momenten, in denen es darauf ankommt, muss er da sein. Konstant. Seine erste Saisonhälfte war sehr gut. Das wollen wir von ihm sehen, dann hilft er uns allen.

Wie kann Sané seine Körpersprache verbessern?

Leroy ist ein lockerer, cooler Typ. Das ist sein Charakter. Wir wissen: Wenn er wach und bereit ist, dann kann er Spiele entscheiden. Genau das wollen wir von ihm sehen.

Jamal Musiala begeistert mit seiner Leichtigkeit. Macht er den arrivierten Spielern am meisten Druck?

Jamal hat richtig gute Spiele für uns gemacht und gezeigt: Er kann den Unterschied ausmachen. Seine Leistung auf der Sechs gegen die Niederlande war sehr stark, gegen England war er weiter vorne aufgestellt und hat ebenfalls klasse gespielt. Wird Jamal ausgewechselt, merke ich ihm seine Enttäuschung an: Er will immer 90 Minuten lang spielen! Es ist wichtig für Jamal, dass er nicht nur bei uns, sondern auch bei Bayern München regelmäßig zum Einsatz kommt. Er hat so eine enorme Qualität, dabei ist er erst 19 Jahre alt.

„Leroy ist ein lockerer, cooler Typ. Wenn er wach und bereit ist, kann er Spiele entscheiden“

Bei Borussia Dortmund entsteht nach den Verpflichtungen von Nico Schlotterbeck, Niklas Süle und Karim Adeyem i wieder ein deutscher Block. Das dürfte Ihnen gefallen …

Es ist wichtig, dass Spieler eingespielt sind. Neben dem Bayern- Block nun einen Dortmund-Block zu haben: Das macht uns stärker. Es ist zudem gut, dass die Jungs regelmäßig Champions League spielen. Wir im Trainerteam freuen uns, wenn unsere Spieler auf höchstem Niveau gefordert sind, den Rhythmus an Spielen alle drei bis vier Tage haben. Nico Schlotterbeck bekommt diese Erfahrungen nun. Niklas Süle tun die Luftveränderung und die neue Erfahrung sicher gut. Seine Aussagen, dass er mit Dortmund Meister werden will, fand ich top und richtig: Das zeigt seine Motivation und den Ehrgeiz, den er bei dieser neuen Aufgabe hat. Karim Adeyemi kann den nächsten Schritt machen, er wird in der Bundesliga noch mehr gefordert als in Österreich. Wir haben ihn fest im Blick. Ich finde es gut, dass er sich für Dortmund entschieden hat. Das ist ein herausragender Verein mit tollen Fans.

Ist der BVB nun wieder ein ernsthafter Meister-Kandidat?

Bayern München hat nach wie vor den besten Kader. Aber man merkt, dass die anderen Teams an Qualität zulegen. Auf welche Mannschaften ich wirklich gespannt bin, sind Leipzig und Leverkusen. Leipzig hat mit dem DFB-Pokal den ersten Titel gewonnen und wird noch mehr Selbstvertrauen haben. Bei Leverkusen sehe ich sehr viel Potenzial. Wenn wir wieder eine Spitze in der Liga mit vier, fünf Mannschaften hätten, würde das der Attraktivität der Liga guttun. Es wäre gut für den Wettbewerb, die Spannung und die Fans.

Die zwei Spitzenspieler der Liga könnten zu Saisonstart weg sein: Erling Haaland geht zu Manchester City, Robert Lewandowski möchte zum FC Barcelona. Bereitet Ihnen die damit verbundene sinkende Attraktivität der Liga als Bundestrainer Sorge?

„Dortmund ist ein herausragender Verein mit tollen Fans“

Vielleicht kann man es auch so sehen: Dadurch gibt es für junge deutsche Spieler die Möglichkeit, sich zu beweisen. Beispielsweise für Karim Adeyemi in Dortmund, auch wenn er ein anderer Spielertyp ist. Bei Bayern München ist es derzeit noch etwas schwerer abzusehen, wie Julian Nagelsmann spielen lassen will. Jedenfalls freue ich mich auf den Saisonbeginn der Bundesliga.

Sie kennen Robert Lewandowski sehr gut. Er will seinen Wechsel erzwingen. Hätten Sie ihn anders eingeschätzt?

Ich hatte eine superschöne, erfolgreiche Zeit mit Lewy bei Bayern München. Er hatte seine beste Zeit in unserer Sechs-Titel-Saison. Er ist ein absoluter Profi, ein Weltklasse-Spieler. Ich finde es schade, dass diese Situation entstanden ist.

Mit Sadio Mané könnte ein neues Aushängeschild in die Bundesliga kommen.

Mané ist absolute Weltklasse: Wenn er in Deutschland spielen möchte, wäre das eine absolute Aufwertung der Bundesliga. Ich würde mich darüber freuen.

Tut Ihnen Marco Reus inzwischen eigentlich schon leid? Er musste erneut verletzt abreisen und verpasste die Chance, sich in Richtung WM zu beweisen …

Das ist wirklich extrem bitter und schade. Ich weiß gar nicht, wie oft Marco inzwischen vorzeitig abreisen musste von der Nationalmannschaft. Er ist wirklich ein exzellenter Fußballer, der uns guttut. Speziell im letzten Drittel, wo wir uns noch verbessern können und müssen. Dort, wo die Tore erzielt und vorbereitet werden, ist Marco brandgefährlich. Mit Blick auf die WM hoffe ich weiterhin auf Marco.

Sind Sie mit Ihrem Vorgänger Jogi Löw eigentlich noch in Kontakt?

Ja, regelmäßig. Wir haben uns zuletzt in Berlin vor dem Pokalfinale getroffen. Wir haben ein gutes Verhältnis.