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Drei Entzündungstreiber – und was sie in Schach hält


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natürlich gesund und munter - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 21.04.2022

TITELTHEMA

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Bildquelle: natürlich gesund und munter, Ausgabe 3/2022

Die Leber steuert die Ernährung der Körperzellen und speichert dafür eine Notration Fett und reichlich Glukose, die sie bei Bedarf ins Blut abgibt. Unsere moderne Lebensweise lässt das System oft aus dem Ruder laufen. Sie zwingt die Leber, mehr Fett zu speichern, als sie verkraften kann.

IN DER LEBER, IN DER MUNDHÖHLE, IM DARM ist bei vielen Menschen einiges aus dem Lot geraten. Nisten sich an diesen Stellen im Körper entzündliche Prozesse dauerhaft ein, werden sie zum Ausgangspunkt und Treiber einer allgemein erhöhten Entzündungsaktivität. Zum Glück lassen sich genau hier wichtige Regler der allgemeinen Entzündungsaktivität wieder wirksam zurück zu schieben.

Fettleber

Bei der Leber, unserem zentralen Stoffwechsel-und Entgiftungsorgan, hat sich die Lage in den letzten Jahren dramatisch zugespitzt. Die nichtalkoholische Fettleber ist eine junge Erkrankung, die erst vor Kurzem auf dem Radar der Medizin auftauchte. Zuvor wurde die Verfettung der Leber fast nur bei Alkoholmissbrauch beobachtet. Heute lässt sich bereits bei fast jedem vierten Erwachsenen eine nicht-alkoholische Fettleber nachweisen. Dabei lagert sich nicht etwa einfach überschüssiges Fett von Butterbrot, ...

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... Bratensoße oder Tortenstück in dem Entgiftungsorgan ab. Vielmehr kommt diese gefürchtete Einlagerung überhaupt erst auf Touren, wenn die ortsständigen Vertreter des Immunsystems, die sogenannten Kupffer-Zellen, zu dem Schluss kommen, dass hier im Gewebe etwas nicht stimmt. Dann lösen sie einen „Putzalarm“ aus und fluten ihr Umfeld mit einer Unmenge an Entzündungsstoffen. Diese verstärkte Entzündungsaktivität in der Stoffwechselzentrale Leber ist für den gesamten Organismus eine große Herausforderung. Sie sorgt dafür, dass die Leber resistent wird gegen das blutzuckersenkende Hormon Insulin, sodass es nicht mehr ausreichend funktioniert. Von hier ergreift das Problem schließlich den ganzen Körper. Auch Muskelzellen werden in der Folge insulinresistent und nehmen Zucker nicht mehr ausreichend auf, was zunächst den Fettauf bau begünstigt und schließlich auch eine Diabetes-Erkrankung zur Folge haben kann.

Das können Sie tun

Überprüfen Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten und kümmern Sie sich um Ihre überlastete Leber.

Problemstoff Fruktose: Was tun Forscher, wenn sie im Labor für Untersuchungszwecke bei Tieren eine Fettleber erzeugen wollen? Sie füttern sie mit reichlich Fruchtzucker (Fruktose). Solcherlei Experimente machen wir in unserem Alltag mit der modernen Ernährung unbewusst auch. Hauptquelle für Fruktose ist nämlich der Haushaltszucker, der zur Hälfte aus Fruktose besteht und von dem wir heute im Schnitt 100 Gramm pro Tag verzehren. Ein Austausch mit Honig, Agaven-Dicksaft oder Ahornsirup bringt da keine wesentliche Erleichterung. Schon deshalb verwundert es nicht, dass sich die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung so massiv ausgebreitet hat. Heute verzehren wir vier-bis fünfmal so viel Fruktose wie bisher im Verlauf der menschlichen Evolution. Weil aber die vom Magen in den Darm hereinströmende Fruktose vom Gehirn oder den Muskeln nicht nutzbar ist, landet sie in der Leber, die den Fruchtzucker fast vollständig abfängt. Besonders ungesund wird es für das Entgiftungsorgan, wenn sehr viel Fruktose dort sehr plötzlich ankommt. Das passiert beispielsweise, wenn wir Limonade oder auch Fruchtsaft herunterstürzen, um unseren Durst zu löschen. So etwas ist jedes Mal sozusagen ein Leberhaken – auch wenn der Fruchtsaft bio und naturtrüb ist. Der natürliche Fruktosegehalt von ganzen, frischen Früchten hingegen kann völlig unproblematisch gesund verstoffwechselt werden. Wer seine Lebergesundheit fördern möchte, spart radikal beim Zucker, süßt den Joghurt mit frischen Beeren und gönnt sich hin und wieder einen Teelöffel Naturhonig. Selbstverständlich ist auch beim Ex-Kohlenhydrat Alkohol Zurückhaltung geboten.

Altbewährte Mariendistel: Ein besonders wirksames Mittel der Volksheilkunde bei Lebererkrankungen ist die Mariendistel (Silybum marianum) aus dem Heilgarten der Natur. Sie ist ein derart wackerer Schutzpatron der Leber, dass sie sogar bei einer Vergiftung mit Fliegenpilz lebensrettend sein kann. Denn hier droht akutes Leberversagen, das in dokumentierten Heilversuchen mit dem intravenösen Spritzen des Mariendistelwirkstoffs Silymarin offenbar die Katastrophe noch abwenden kann, wenn rasch gehandelt wird. Schon länger hat die medizinische Wissenschaft dieses Mittel für den Anwendungsbereich der entzündlich gereizten Leber entdeckt. Inzwischen beginnt auch die Erforschung von Mariendistel bei der nicht-alkoholischen Fettleber. So konnten beispielsweise in einer zwölfmonatigen Studie Versuchsteilnehmern, die sowohl Diabetes als auch eine Fettleber hatten, mit täglich 600 Milligramm Silymarin Nüchternzuckerwert, Insulinwert, Bauchumfang und Körpergewicht deutlich reduziert werden. Auch die allgemeine Entzündungsaktivität sank, ebenso der oxidative Stress. Die Wirkung von Mariendistel gegen oxidativen Stress in der Leber konnte schon wiederholt in Studien nachgewiesen werden. In zwei anderen Studien an Menschen mit nicht-alkoholischer Fettleber brachten täglich 420 Milligramm Silymarin bald eine deutliche Besserung. Die eine Studie zeigte nach zwei Monaten verbesserte Leber-und Fettwerte, zudem berichteten die Versuchsteilnehmer über ein deutlich verbessertes Befinden. Die andere Studie fand nach drei Monaten einen Rückgang bei Bauchumfang und Übergewicht sowie in der Ultraschalluntersuchung eine gesündere Leberstruktur. Nebenwirkungen nach der Einnahme von Mariendistelpräparaten sind selten, dennoch sollte eine längere Anwendung ärztlich begleitet werden.

Parodontitis

In der Mundhöhle ist es vor allem die bakterielle Dauerattacke auf den Zahnhalteapparat, insbesondere das Zahnfleisch, die eine allgemeine Entzündungsaktivität enorm ansteigen lassen kann. Eine Entgleisung der Mundflora ist bereits bei etwa der Hälfte der Bevölkerung nachweisbar, unter einer schweren Parodontitis leiden mehr als zehn Prozent. Studien belegen: Mit parodontalen Infektionen steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Sogar zu Alzheimer haben Studien eine deutliche Verbindung gefunden. Auch bei dieser Demenzform sind vor sich hin schwelende Entzündungsprozesse nachweislich wesentliche Treiber. Ein ständiger, ungesunder Bakterienherd im Mund führt aber nicht nur dort zu einer gesteigerten Aktivität des Immunsystems. Bakterien und deren Bestandteile können aus dem entzündeten Zahnfleisch auch leicht ins Blut gelangen und so über den Kreislauf den ganzen Körper zu ständig hochgefahrener Entzündungsaktivität zwingen. Die Folge ist dann eine unterschwellige Dauerinfektion.

Das können Sie tun

Hier steht eine gute Zahnpflege an erster Stelle. Sie reduziert die Bakterienbelastung, insbesondere den damit aufgeladenen Zahnbelag, der sonst die Entzündung des Zahnfleisches und damit den Übertritt von Bakterienbestandteilen ins Blut fördert. Leider widmet sich nur jeder Dritte dabei täglich auch den Zahnzwischenräumen. Genau hier kann sich Belag, die sogenannte Plaque, besonders leicht halten. Die Zahnbürste allein erreicht meist nicht mehr als 60 Prozent der Zahnoberfläche. Mit Interdentalbürsten und Zahnseide sollten auch die Zahnzwi- schenräume täglich gepflegt werden. Gerade wer zur Zahnsteinbildung neigt – erst recht zu Zahnfleischentzündung oder gar Parodontitis – sollte eine regelmäßige, professionelle Zahnreinigung in Betracht ziehen. Auch verschiedene Heilpflanzen können entzündlichen Prozessen im Zahnfleisch entgegenwirken und Problemkeime eindämmen.

Salbei ist ein bewährtes Mittel bei Zahnfleischproblemen. Er kräftigt das Zahnfleisch, verhindert Zahnfleischbluten, entfernt den Zahnbelag und ist entzündungshemmend.

Nelkenextrakt wirkt nach einer Studie stärker antibakteriell als der chemische Bakterienkiller Chlorhexidin, das als Mundspülung viel Anwendung findet und die Keimzahl drastisch reduziert – allerdings nur vorübergehend.

Ratanhia verblüfft mit einer positiven Rundumwirkung. Das Extrakt aus der in den Anden beheimateten Heilpflanze hemmt nicht nur das Wachstum von Problembakterien, sondern hat auch allgemein einen positiven Einfluss auf die Mundflora. Zugleich wirkt es antientzündlich und senkt oxidativen Stress. Es hemmt sogar die Fähigkeit von Bakterien sich anzuhaften und – besonders interessant – einen Biofilm zu bilden. So können sie schlechter Beläge bilden und sich nicht so leicht dem Immunsystem entziehen. Ein paar Spritzer Ratanhia-Extrakt in ein halbes Glas Wasser und „voilà“: Eine natürliche und Problembakterien hemmende Mundspülung ist bereit für den Einsatz.

Mikronährstoffe unterstützen die Behandlung einer Parodontitis von innen. Eine Studie zeigt: Wird die Aufnahme von Vitamin A beziehungsweise Beta-Carotin erhöht, verringert sich die Zahl der entzündeten Stellen, und auch die Taschentiefe nimmt ab. Vitamin A ist für Gesundheit und Barrierefunktion der Mundschleimhaut von erheblicher Bedeutung. Auch Vitamin C, Magnesium und Folsäure verringern nachweislich die Entzündungsaktivität im Mund. Und Kalzium ist wichtig: Je geringer die Kalziumaufnahme, desto höher das Parodontitis-Risiko, so das Ergebnis einer dänischen Studie. Kalzium steckt vor allem in Milchprodukten, besonders Hartkäse. Für seine Aufnahme ist wiederum Vitamin D unersetzlich. Grüner Tee mit seinem speziellen Polyphenol Epigallocatechingallat verbessert das klinische Bild der Parodontitis messbar.

Verborgene Entzündungen im Labor erkennen

Sichere Nachweise einer möglicherweise erhöhten stillen Entzündungsaktivität gibt es nicht. Es ist aber möglich, einige allgemeine Entzündungsparameter im Labor bestimmen zu lassen:

CRP, das C-reaktive Protein, bildet recht gut die Entzündungsaktivität im Körper ab. Allerdings ist der CRP-Wert, der vielleicht noch auf dem Ausdruck vom letzten Blutbild aufgeführt ist, zu ungenau, um stille Entzündungen aufzudecken. Dafür braucht es eine empfindlichere Messmethode – das sogannte HsCRP.

Gamma-GT ist ein Leberwert, der früh eine Störung im Organ anzeigen kann.

LPS-Belastung wird über die Antikörper gemessen, die das Immunsystem bildet, wenn es zu einer vermehrten Belastung des Körperinneren mit LPS kommt. Der Wert wird bereits in einigen Laboren bestimmt.

Omega 3 wirkt dem stillen Schwelen im Gewebe entgegen. Je höher der sogenannte Omega-3-Index, desto niedriger ist meist auch der CRP-Wert. Der Omega-3-Index sollte sich auf 6,8 Prozent oder mehr belaufen.

Darmprobleme

Auch der Darm hat sich bei vielen Menschen als Störfaktor herausgestellt, der als Motor allgemeiner Entzündungsaktivität auch andere Organe sowie die allgemeine Gesundheit deutlich beeinträchtigen kann. Besonders dramatisch ist das bei entzündlichen Darmerkrankungen wie etwa Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beide sind auf dem Vormarsch, allein in Deutschland sind etwa 400 000 Menschen davon betroffen. Entzündliche Darmerkrankungen werden sogar schon als Zivilisationserkrankung angesehen, weil ihr Auftreten mit westlichem Lebensstil und industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln im Zusammenhang stehen. Harmloser, aber für viele Betroffene ebenfalls durchaus sehr belastend ist das Reizdarmsyndrom. Mit dieser immer wieder aufflammenden Rebellion im Bauch müssen bereits zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung leben. Und dahinter stecken nicht etwa „nur“ mechanische oder nervliche Fehlfunktionen. Studien haben auch eine geringgradige Entzündung der Darmschleimhaut nachgewiesen. Die Ursachen dafür sind vielfältig:

Mastzellen, Körperzellen zur Abwehr von Erregern, lösen bei Allergien eine überschießende Immunreaktion aus. Dabei werden nachweislich mehr dieser Spezialzellen in die Darmschleimhaut eingebaut und verschärfen dort Abwehrreaktion, Aufruhr und Unwohlsein, wenn die Darmflora schwächelt.

Die Darmbarriere ist eine quicklebendige Trennschicht zwischen Organismus und Nahrungsbrei, ihre Durchlässigkeit unterliegt einem steten Wandel. Wenn es gut läuft, also mit wenig Entzündungsaktivität, ist alles okay. Treten aber Fremdeiweiß und Bakterien vermehrt durch die Darmschleimhaut in den Organismus über, heizt das nicht nur an Ort und Stelle die Entzündung an. Auch Bestandteile der Bakterienhüllen von an sich unproblematischen Darmbakterien – die bereits erwähnten Lipopolysaccharide LPS – können in den Kreislauf geraten und überall im Körper Infektionsalarm auslösen. Oft kommen die LPS auch in Schüben, etwa nach einer besonders holprig verdauten Mahlzeit.

Ohne gesundes Mikrobiom keine gesunde Darmbarriere. Mit jeder ungesunden Verschiebung in der Zusammensetzung der Darmflora kommt es auch zu einer Störung der Darmbarriere. Zwar residiert fast die gesamte gesunde Bakterienwelt im letzten Darmabschnitt, dem Dickdarm, um dort vor allem Ballaststoffe zu fermentieren. Doch bereits im Dünndarm ist die Zusammensetzung der Darmflora, auch wenn sie mengenmäßig deutlich geringer ist als im Dickdarm, entscheidend für die Gesundheit. Gerät diese empfindliche Schleimhaut aus dem Gleichgewicht, tut dies auch der anschließenden Arbeit der Leber mit ihrer Macht über die körperweit agierenden Entzündungsfaktoren nicht gut.

Das können Sie tun

Vor allem mit Hilfe der Ernährung lässt sich die Integrität der Darmbarriere verbessern, damit weniger entzündungsfördernde Lipopolysaccharide zur Leber und in den Blutkreislauf gelangen.

➼ Bio ist besser. Das Problemfeld Darmbarriere beginnt schon auf dem Acker – mit dem Einsatz von Pestiziden. Deren Auswirkungen auf die Darmbarriere wurden zwar bisher kaum untersucht, man weiß aber inzwischen, dass das berüchtigte Glyphosat auch die Darmflora und damit die Darmbarriere beinträchtigen kann. Zudem wird bei Biolebensmitteln häufig ganz oder zumindest teilweise auf Süßstoffe und auch auf Zusatzstoffe verzichtet, vor allem auf Emulgatoren, die in vielen Fertigprodukten stecken. Auch sie können offenbar die Darmschleimhaut und damit die Barriere schädigen.

Der Blutzuckerspiegel sollte nicht zu niedrig sein, da die Aufrechterhaltung der Barriere und die Schleimbildung viel Energie – sprich Glukose – verbrauchen. Vollkornbrot mit langer Sauerteigführung ist hier der passende Energiespender. Süßigkeiten und zuckrige Getränke sind hingegen ungeeignet, sonst folgt auf einen schnellen Anstieg des Blutzuckers bald die beschleunigte Talfahrt.

Mit Probiotika wie Stämmen von Lactobacillus, Bifidobacterium and Saccharomyces können ebenfalls Verbesserungen erzielt werden. Allerdings ist die individuelle Wirkung schwer vorherzusagen, sie hängt sehr von der persönlichen Zusammensetzung des eigenen Mikrobioms ab. Da bleibt nur: ausprobieren und beobachten. Besonders aufschlussreich für den Zustand des Darms ist Lactobacillus reuteri. Nach jahrtausendelanger Präsenz in der menschlichen Darmflora hat er sich nunmehr bei fast jedem verabschiedet. Mit den Umweltbedingungen im Darm, die sich in den letzten Jahrzehnten veränderten haben, kommt er offenbar nicht mehr zurecht.

Nicht pasteurisierte Sauermilchprodukte fördern generell die Gesundheit von Darmflora und Darmbarriere. Ein paar von den gesundheitlich positiven Bakterien überleben den sauren Magensaft und wirken dann im Darm probiotisch.

Vitamin D stärkt direkt die Barriere und auch die Abwehrkraft des Immunsystems, sodass entzündungsförderliche Keime besser eingedämmt werden können. Es steckt in Hering und Lachs, im Sommer bilden wir viel davon in unserer Haut – durch das Licht der hochstehenden Sonne.

Mehr Tipps für ein ausbalanciertes Abwehrsystem

Achten Sie auf Ihr Körpergewicht: Der optimale Körperfettanteil liegt bei Frauen zwischen 20 und 30 Prozent, bei Männern zwischen beträgt er 10 bis 20 Prozent. Da Fett und Muskeln Strom unterschiedlich gut leiten, kann mit einer Körperfettwaage die Körperzusammensetzung zumindest ungefähr geschätzt werden.

Kommen Sie in Bewegung: Ein regelmäßiger moderater Ausdauersport hilft, das Bauchfettgewebe zu reduzieren. Zusätzlich stärkt er das Immunsystem und die Mechanismen einer antientzündlichen Regulation im Organismus.

Vermeiden Sie Stress. Inzwischen gilt ungesunder Dauerstress als eigenständiger Entzündungsfaktor, da unter Stress vermehrt entzündungsfördernde Zytokine ausgeschüttet werden. Abhilfe schaffen Entspannungstechniken, denn nur im Wechsel von Anspannung und Entspannung kann sich der Körper optimal regenerieren.

Kurieren Sie jede Verletzung oder Entzündung vollständig aus: Das senkt das Risiko für unbemerkt ablaufende chronische Entzündungen beträchtlich.

Vitamin A wird für den Aufbau der Schleimhaut gebraucht, die im Dünndarm alle drei bis fünf Tage erneuert wird, sowie für die Schleimbildung. Das Vitamin ist in vollfetten Milchprodukten, Eigelb, Leber sowie als Provitamin Beta-Carotin in Möhren und Aprikosen enthalten.

Omega-3-Fettsäuren hemmen chronisch entzündliche Prozesse und verbessern die Vielfalt der Darmflora. Leider hat sich heute das Verhältnis zwischen Omega-3-und Omega-6-Fettsäuren in unserer Nahrung dramatisch verschoben – hin zu Omega 6, das im Körper leicht zu Entzündungsbotenstoffen umgewandelt werden kann. Typisch für die westliche Ernährungsweise ist ein Verhältnis von Omega-6-zu Omega-3-Fettsäuren von 15:1 oder gar 17:1. Gut wären 4:1. Wir haben nämlich zu viele Pflanzenöle in unserer Nahrung wie etwa Sonnenblumen-oder Maiskernöl, bei denen der Omega-6-Anteil recht hoch ist, und auch im tierischen Fett hat sich das Verhältnis aufgrund der Fütterung mit Omega-6-lastigem Getreide ungünstig entwickelt. Das betrifft vor allem das Milchfett, das bei uns etwa die Hälfte der Fettzufuhr ausmacht – über Butter, Käse und die Fettprozenten in Quark und Joghurt.

Tipp: Greifen Sie gezielt zu frischer Heumilch und bevorzugen Sie Milchprodukte aus regenreichen Regionen, beispielsweise Marschland und Alpen. Hier wächst das Gras schnell und saftig genug, um selbst eine hohe Milchproduktion ohne Silage-Zufütterung zu unterstützen. Regelrechte Omega-3-Bomben sind Kaltwasser-Meeresfische wie Hering und Wildlachs. Wer mag, kann zusätzlich mit Fisch-, oder Algenöl-Kapseln etwas für die Omega-Balance tun. Ein Esslöffel Fischöl täglich bewirkt schon viel. Es darf nur nicht fischig schmecken, die Kapsel beim Darauf beißen nicht an Makrele erinnern, sonst ist das empfindliche Omega 3 nicht mehr gut.

Magnesium ist wichtig für den sogenannten Erholungsstoffwechsel. Das Mineral wirkt entspannend und antientzündlich, allerdings ist ein Großteil der Bevölkerung schlecht damit versorgt. Magnesium ist Bestandteil von Chlorophyll, deshalb ist Gemüse die wichtigste Magnesiumquelle. Solches aus Bioanbau enthält etwa ein Drittel mehr als konventionell angebautes. Besonders viel Magnesium findet sich in dunkelgrünem Blattgemüse wie Spinat, Mangold und Salat. Magnesium aus Vollkorn wird nur in geduldiger Sauerteigführung wirklich aufgeschlossen. Auch Mineralwasser mit mindestens 50 Milligramm Magnesium pro Liter kann die Versorgung unterstützen. Daraus wird das Mineral sogar besonders gut aufgenommen. Steigt der Magnesiumgehalt in der Zelle an, ist das für sie das Signal, die Proteinbiosynthese hochzufahren und Körpersubstanz neu aufzubauen. Im Biozyklus ist das ein Startschuss für einen Neuanfang.

Mehr zum Thema in früheren Ausgaben von NATÜRLICH GESUND UND MUNTER:

3/2021: Schleichende Gefahr Parodontitis

4/2020: Darm und Gehirn

1/2020: Antientzündliche Ernährung:

Schutz vor dem stillen Feind im Körper 2/2014: Fettleber: Die unterschätzte Volkskrankheit

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