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Drei Generationen – eine ganz große Leidenschaft: „Alaaf! Wir sind die Familie der Tanzmariechen“


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 08.02.2019

Bei den Börschels wird das Karnevalstanz-Gen vererbt: Oma Nicole (47), ihre Tochter Janine (28) und Enkelin Stella (11) werfen in der jecken Zeit alle ihre Beine in die Höhe


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 7/2019

Tochter Stella (11)
Die Hände zum Himmel … Die Sechstklässlerin führt als Jugendmariechen die Familientradition weiter

Mama Janine (28)
Spagat? Kein Problem für Mama Janine (r.). Mit fünf Jahren hat sie das erste Mal getanzt, mit 13 Jahren war sie dann Mariechen Seitdem steht sie jede Session auf der Bühne


Oma Nicole (47)
War ebenfalls Mariechen – wie hier 1994 beim Rosenmontagszug in Aachen (l.). Immer mit dabei: ihre Tochter ...

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Oma Nicole (47)
War ebenfalls Mariechen – wie hier 1994 beim Rosenmontagszug in Aachen (l.). Immer mit dabei: ihre Tochter Janine, schon im Schnulleralter perfekt ausgestattet


Janine Börschel (28) bindet flott ihre schwarzen Tanzschuhe zu, dehnt noch kurz ihre Beine, streicht die Tanzuniform glatt. Doch sobald der erste Ton des Volkstanzliedes „Tarantella“ erklingt, ist ihr Blick konzentriert, ihr Lächeln strahlend.

Zack, die Beine in die Höhe. Und weiter geht es in den Spagat, elegant aufspringen, noch zwei Räder, eine Pirouette – und dabei natürlich immer lächeln, lächeln, lächeln. So wie es sich für ein gutes Tanzmariechen gehört.

Kaum ist Janine fertig, stellt sich ihre Tochter Stella (11) auf Position. Gleich erklingt ihr Lied, gleich wird sie die Beine genauso wie ihre Mutter in die Höhe schmeißen und scheinbar mühelos in den Spagat rutschen. Janine ist das Jugendmariechen der „Karnevalsgesellschaft Vaalserquartier“ in Aachen, ihre Mutter das Solo-Tanzmariechen. Trainiert werden die beiden von Oma Nicole (47), die selbst elf Jahre lang als Tanzmariechen auf den Karnevalsbühnen stand. „Die Leidenschaft für Karneval und Tanzen liegt uns einfach im Blut. Ich tanze auch immer noch in der Tanzgruppe des Vereins, aber einen Spagat – ne, das muss nicht mehr sein“, erzählt Arzthelferin Nicole, die sichtlich stolz ist, dass Tochter und Enkelin in ihre Fußstapfen treten.

Für die drei, die sich als „eingeschworene Truppe“ bezeichnen, ist zurzeit der Höhepunkt des Jahres: Die Karnevalssession ist im vollen Gange. Dafür haben sie das ganze Jahr über zweimal die Woche trainiert.

Oma Nicole näht die Kostüme teilweise selbst und schaut, dass alles sitzt


Dutzende Male stehen sie jetzt bei Karnevalssitzungen auf der Bühne, werden auf Händen in den Saal getragen und als Star ihres Vereins bejubelt und vergöttert. „Für jedes Mariechen ist es eine besondere Auszeichnung, den Verein repräsentieren zu dürfen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn alle Blicke auf einen gerichtet sind“, sagt Bürokauffrau Janine.


Stella war schon als Baby mit dabei


Viele träumen von dieser Ehre, doch nur für wenige erfüllt sie sich. So hat jeder Verein nur ein Solo-Tanzmariechen, das entweder aus dem eigenen Nachwuchs kommt oder durch ein Vortanzen ausgewählt wird. „Ich erinnere mich noch daran, wie ich meine Mama immer beim Tanzen beobachtet habe, das war spektakulär“, schwärmt Janine, die mit fünf Jahren das erste Mal selbst auf der Bühne stand. „Seitdem habe ich eigentlich durchgetanzt. Sogar meine Schwangerschaft war so gut gelegen, dass ich keine Session pausieren musste“. Ihre Tochter war dann in der Babyschale bei den Auftritten dabei.

Goldig! Im Leben von Mama, Enkelin und Oma dreht sich alles um den Karneval


„Und unsere kleine Stella konnte eher tanzen als laufen“, sagt Oma Nicole. Heute ist ihre Enkelin Europameisterin der Jugendmariechen. „Ich finde es einfach cool, so alleine auf der Bühne zu stehen, mir schöne Kostüme auszusuchen und anzuziehen. Dafür nehme ich auch in Kauf, dass ich für Klassenarbeiten ein bisschen schneller lernen muss“, sagt die Sechstklässlerin Stella. Während ihre Freunde reiten oder schwimmen, tanzt sie eben als Mariechen im Karneval. Allerdings kein günstiges Hobby. Etwas 700 Euro geben die Mariechen pro Session für Tanzstiefel, Strumpfhose, Spitzenunterhose, Body, Schminke und natürlich Tanzuniform aus. „Man lebt und brennt für diese Leidenschaft. Ich habe schon bei Minusgraden im Regen getanzt und natürlich durchgelächelt“, sagt Janine.

Sie selbst will so lange als Solo-Mariechen des Vereins auf der Bühne stehen, bis ihre Tochter 16 wird. Dann übernimmt das Jugendmariechen die Position des Tanzmariechens. In diesem Fall macht die Mama dann die Bühne für die eigene Tochter frei.

Psst, für alle Nicht-Karnevalisten

Was genau ist eigentlich ein Tanzmariechen?
■ Fast jeder Karnevals-, Faschings- bzw. Fassnachtsverein hat sein eigenes Tanzmariechen, das den Verein repräsentiert und bei den Auftritten einen Solo-Tanz vorführt. Je nach Verein wird es auch Funkenmariechen (bei den Kölner Roten Funken) oder Regimentstochter (z. B. bei der Kölner Prinzengarde) genannt. Bei traditionellen Vereinen tragen die Mariechen immer Dreispitz (= Hut), Perücke (oder echtes Haar) mit geflochtenen Zöpfen, Stiefel, Uniform mit Kleid und Spitzenunterhose. Je bekannter der Verein, desto schwieriger ist es, dort Tanzmariechen zu werden.

Als Rheinländerin in Norddeutschland

■ Unsere Autorin Monika Kaußen (r. und u. als Kind) fand die Tanzmariechen-Familie Börschel über alte Kontakte – und teilt mit ihnen die Karnevals-Leidenschaft:

Vor elf Jahren kam ich als Aachenerin für den Job nach Hamburg – und an Karneval vermisse ich meine Heimat besonders. Die ausgelassene Stimmung, die Herzlichkeit und Lebensfreude. Anfangs habe ich Weiberfastnacht um 11.11 Uhr noch ein lautes Alaaf in die Redaktion gerufen – und Kopfschütteln bei den Nordlichtern geerntet. Da fahre ich lieber über die Zeit mit zwei kleinen Töchtern nach Aachen – wer weiß, vielleicht wird ja eine von ihnen das erste Hamburger Tanzmariechen.