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Drei Gesichter der Erotik


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Blu-ray Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 11.02.2022

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Bildquelle: Blu-ray Magazin, Ausgabe 1/2022

Spätestens seit „Die Reifeprüfung“ (1967) ist das Prinzip der reiferen Liebes-Lehrerin und des sexuell unerfahrenen Schülers ein skandalös guter Stoff, um ein unterhaltsames Drama zu stricken. In „Love Lesson“ (2013) wird diese Prämisse noch um das Motiv der Inspiration für ein musikalisches Werk erweitert. So sucht die Komponistin Eun Hee-Soo (Kim Sun Yeong) nach einem ganz bestimmten Gefühl des Augenblicks, das so flüchtig und intensiv ist, dass sie es mit einem Orgasmus gleichsetzt. Folglich findet sie die größte Inspiration während des Sex.

Handlungstragende Erotik: Love Lesson

Doch leider scheinen die Männer um sie herum, die sie sonst dafür bemüht, keine kreativen Geister mehr zu wecken, da es auch für diese zur Gewohnheit geworden ist. Als sie von ihrem

Nachbarn, dem Oberschüler Seung-Ho (Byun Joon-Suk) beim Liebesspiel im Fahrstuhl erwischt wird, empfindet sie es nicht als etwas ...

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... Peinliches, sondern entdeckt darin einen gewissen Reiz. Sung-Hos Unbeholfenheit in sexuellen Belangen äußert sich an der abwehrenden Reaktion seiner derzeitigen Freundin, als er sie an der Bushaltestelle begrabscht. Zufälligerweise gibt Hee-Soo Klavierstunden und bietet dem Jüngling musikalische Nachhilfe an. Da dieser aber ohnehin eher zeichnerisches Talent besitzt, wird aus der Klavierstunde ein Akt-Malkurs. Und aus diesem entwickelt sich eine Romanze, deren männlicher Part schwer verliebt ist, während die weibliche Seite eher ein Instrument darin bzw. in ihm eine Muse sieht. Dass daraus sehr viel Schmerz entstehen kann, wird vorerst von beiden ausgeblendet. Wem nun wirklich die „Love Lesson“ gebührt, das ist den Zuschauern überlassen, zumal auch noch weitere Männer bei diesem Spiel mitwirken. Die Ernsthaftigkeit des Dramas und die leicht gekünstelten Dialoge machen aus „Love Lesson“ eine Soap-Opera in Filmform. Große Zerwürfnisse werden mit einem theatralischen „Willst Du mich nicht einfach halten?“ aufgelöst, was sowohl Wärme als auch Gefühlskälte aussendet. Wer sich den Film in erster Linie aufgrund der Erotik- Komponente kauft, wird nur bedingt zufrieden sein. Das Drama um die in einer kreativen Flaute steckende Künstlerin hat hier Vorrang. Nur wenn es die Geschichte zulässt, wird eben auch etwas mehr Haut gezeigt.

Die DVD der kleinen erotischen Coming-Of-Age- Geschichte bietet ausschließlich den koreanischen Originalton mit deutschen Untertiteln an. Die Übersetzung wurde ordentlich gehandhabt, wodurch die Dialoge logisch und nachvollziehbar erscheinen. Der DD-2.0-Sound verstärkt allerdings das ohnehin durchs Bild verursachte Gefühl, eine TV-Produktion vor sich zu sehen.

Erotik zum Selbstzweck: Juicy Affair

Drei sexuell frustrierte Hausfrauen Mitte 30 beobachten ein benachbartes jüngeres Ehepaar beim Vorübergehen und kategorisieren den Hintern … Mann als perfekten Sexualpartner, dem sie sich bei nächster Gelegenheit – und natürlich, ohne, dass jemand anderes davon erfährt – an den Hals werfen werden. Kann man es ihnen verübeln? Während die erste in ihrem Ehemann eher eine völlig asexuelle Vater-Figur sieht, weigert sich der Mann der zweiten im gleichen Zimmer wie seine Partnerin zu schlafen. Der dritte Ehemann rutscht mal kurz über seine Frau drüber und sieht seine ehelichen Pflichten damit erfüllt. Logisch, dass den Damen da etwas gehaltvolleres vorschwebt. Doch auch bei dem jungen Paar, Myeong-Tae und Su-Hee, kriselt es gewaltig. Beide wollen innerhalb der Partnerschaft die Hosen anhaben und streiten sich darum, wer beim Sex oben liegen darf. Der Akt ist von Su-Hee komplett durchgeplant, sodass Myeong-Tae am „Nicht-Sex“-Tag eben notgedrungen vorm Rechner selbst Hand anlegen muss. Seine Libido läuft nach weniger als 24 Stunden erneut auf Hochtouren, sodass es schwierig für ihn ist, mal einen Tag ohne zu überstehen. Da kommen ihm seine bedürftigen Nachbarinnen natürlich gelegen, auch wenn er es niemals zugeben würde. Klingelt es an der Tür oder wird bei einem Nachbarschaftstreffen ein gemeinsames Kochen ausgemacht, ist der heiße Kaffee schneller über die Hose und das Kaltgetränk rasanter ins Dekolté verkippt, als man sich gegenseitig die Kleidung vom Leib reißen kann. Natürlich völlig ohne Absicht. „Jucy Affair“ ist eine lockere Erotik- Komödie, der man anmerkt, dass sie die lang gestreckten Sex-Szenen nicht aus einer narrativen Notwendigkeit heraus präsentiert. Die Zuschauer sollen sich ruhig an den hitzigen, nackten Körpern ergötzen. Die Schauwerte sind hier beachtlich. Und doch gibt es eine Handlung, ja sogar eine kleine Charakter-Entwicklung zu bewundern. All der Frust, der sich bei sämtlichen Charakteren aufstaut, erfährt im prickelnden Sex ein Ventil, vorausgesetzt er ist nicht egozentrisch, sondern lässt Befriedigung auf beiden Seiten zu. Der naive

Comic-Humor wird von einer kindischen Dingel- Dongel-Musik potenziert, die gewisse Pointen mit entsprechenden Soundeffekten qittiert. Abgesehen davon, dass solche Sounds nur noch in älteren Cartoons oder Terrence-Hill-&-Bud-Spencer-Filmen vorkommen sollten, kann man darüber wohlwollend hinwegsehen. Ebenso dürfte der spontane Zoom aufs überraschte Silberblick-Gesicht eigentlich ausgestorben sein. Andererseits ist diese Art von Blödel-Humor gekoppelt mit prickelnder Erotik ein ziemlich guter Mix für einen unbeschwerten, 93-minütigen Erotik-Spaß. Auch diese DVD bietet ausschließlich koreanischen O- Ton mit deutschen Untertiteln, die leider holpriger und fehlerhafter übersetzt wurden.

Erfolglose Erotik-Vermeidung: Drifters

Wie viele Menschen schreiben heutzutage noch per Hand? Dabei lässt sich in der Graphologie so einiges an der Handschrift erkennen, was während des Schreibens selbst im tiefsten Unterbewusstsein passiert. Erfolgt innerhalb eines Schriftstücks ein plötzlicher Wandel der graphologischen Indizien, so lässt sich der Verfasser desselbigen als „Drifter“ bezeichnen – jemand, dessen Persönlichkeit von einem Augenblick zum anderen wechselt. Méte (Andrea Bosca) ist so ein Graphologe und erforscht mit seinem Kollegen Bruno (Claudio Santamaria) ebensolche nicht kategorisierbaren Handschriften bzw. Personen. Als sein Vater nach dem Tod von Métes Mutter erneut heiratet, deutet sich aufgrund der emotionalen Belastung auch bei dem Forscher solch eine charakterliche Phasenverschiebung an. Neben dem Ballast, den die damalige Abwesenheit des Vaters mit sich brachte, ist aber vor allem eines Verantwortlich für Métes Straucheln: Seine Halbschwester Belinda (Miriam Giovanelli), für die er schon seit längerem verbotene Gefühle hegt. Da sie nicht bei den Eltern leben möchte, quartiert sie sich ungefragt bei Méte ein. Folglich weicht er ihr so lange es geht aus und verbringt lieber die Tage auf Arbeit und die Nächte in Clubs und Cafés. Erst eine vermutlich von Belinda absichtlich herbeigeführte Havarie führt beide zusammen, und trotz unerfüllbarer sexueller Spannungen verbringen sie einen trauten Abend vor dem Fernseher. Als Métes Kumpel Damiano (Michele Riondino) hineinplatzt und seine unverbesserlichen Dandy-Allüren bei Belinda einsetzt, so wie er es bei seinen täglich wechselnden Bett-Gefärtinnen macht, geraten die Dinge außer Kontrolle. Um der inzestuösen Versuchung nicht zu erliegen geht Méte sogar eine Beziehung mit der sehr sprunghaften, vereinnahmenden, manipulativen, dominanten Beatrice (Asia Argento) ein, die ihn am liebsten in einen goldenen Käfig sperren möchte. Sie ist der offensichtlichste Charakter, dem man eine „Drifter“-Persönlichkeit attestieren könnte. Doch es gibt noch andere … Mag sein, dass „Drifters“ schon allein deshalb kein klassischer Erotik-Film ist, weil es bis auf eine kurze Szene gar keinen Sex zu sehen gibt. Auch nackte Tatsachen sind rar gesät. Allerdings ist die sexuelle Spannung und das aufreizende Spiel mit ihr gleichsam erotisch wie skandalös verboten. Das Drama verwendet die Spannung, um den Protagonisten Méte in einer Gesellschaft zu positionieren, die authentisch wirkt und ihn liebt. Auch er ist sympathisch und Belinda alles andere als eine manipulative Femme Fatale, wie man es eigentlich bei solch einem Film erwarten würde. Ihre Anwesenheit – sie läuft quasi den ganzen Film über in Métes Appartment in Unterwäsche herum – erscheint dabei traumgleich und rätselhaft, so als wäre sie nur ein Produkt von Métes Fantasie. Würden nicht auch andere Personen wie Damiano mit ihr interagieren, könnte man sie als imaginäre Schwester/ Liebhaberin interpretieren. Diese „lokale Fessel“ löst sich erst im späteren Verlauf der Geschichte, als hätte ein Befreiungsschlag stattgefunden. Dass das Drama nur im Originalton mit deutschen Untertiteln erscheint, ist zwar schade, andererseits transportieren die italienischen Dialoge eine Inbrunst, Heißblütigkeit und südländische Schönheit, die bei einer deutschen Synchronisation möglicherweise verloren gegangen wäre.

FALKO THEUNER

Anspruchsvolle Erotik auf DVD