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Drei Vans für alle Zwecke


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Auto Zeitung - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 25.05.2022

Vergleichstest · Kompaktvans

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Bildquelle: Auto Zeitung, Ausgabe 12/2022

FOTOS Frank Ratering

BMW 218d ACTIVE TOURER 150 PS, 220 km/h, 5,7 l/D100 km, 39.800 Euro

VW TOURAN 2.0 TDI 150 PS, 206 km/h, 7,2 l D/100 km, 43.325 Euro

MERCEDES B 220 d 190 PS, 234 km/h, 5,4 l D/100 km, 41.370 Euro

BMW

Vans haben es hierzulande schwer. Die Übermacht der ähnlich vielseitigen und beliebten SUV ist einfach zu groß. Selbst bei Volkswagen steht der mit 15.000 Zulassungen in 2021 bestverkaufte Kompaktvan in seinem Segment, der Touran, im Schatten des Wolfsburger SUV-Topsellers Tiguan, der mit über 55.000 glücklichen Käufern die Volkswagen-Kasse im letzten Jahr kräftig klingeln ließ. Auch bei BMW läuft das Geschäft mit den SUV-Modellen deutlich erfolgreicher als das mit den Vans. Die erste Generation von 2er Active und Gran Tourer kam nicht so richtig in Schwung, der Erfolg blieb damit aus.

Das soll sich mit der Neuauflage nun ändern. Der kaum beachtete siebensitzige Gran Tourer wurde ...

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... gleich ersatzlos gestrichen. Der kompakte Active Tourer soll es jetzt allein richten. Dazu tritt er nun selbstbewusster auf, transportiert mehr BMW-Gefühl auf die Straße und bietet natürlich einen immer noch hohen Nutzwert. So soll er der Mercedes B-Klasse und dem VW Touran endlich die Stirn bieten. Ob das klappt, klärt der Vergleichstest der Kompaktvans mit sparsamen Turbodiesel-Motoren.

Der Touran bietet deutlich mehr Platz als B-Klasse und Active Tourer

Karosserie

Dass BMW auf die Möglichkeit einer siebensitzigen Variante für die Zukunft verzichtet und Mercedes diese ebenfalls nicht anbietet, bringt die beiden Premium-Produkte gegenüber dem Touran gleich in Erklärungsnot. Denn VW offeriert für seinen Kompaktvan zwei zusätzliche Sitze im geräumigen Heck. Ohnehin spielt das Wolfsburger-Multitool bei Raumangebot und Variabilität in einer eigenen Liga. Der Touran ist so etwas wie ein T6-Kompakt, der bei Bedarf sieben Personen Platz bietet oder einen maximal variablen Laderaum ermöglicht. Dazu lassen sich die drei Sitze in der zweiten Reihe einzeln vor- und zurückschieben oder, wie die zwei Sitze im Laderaum, volumenneutral versenken. Dann wächst der Laderaum von 663 Litern (fünfsitzige Bestuhlung) auf üppige 1857 Liter im Kleintransporterformat. Die Lifestyle Vans aus Stuttgart und München haben da deutlich weniger anzubieten.

Etwas knapper ist auch das Raumangebot für die Passagiere. Eng wird es aber weder für Fahrer und Beifahrer im Active Tourer noch in der B-Klasse – doch der Touran ist deutlich luftiger geschnitten. Er ist eher ein kleiner Bus mit exzellent integriertem Fahrer als ein Kompaktmodell mit erhöhter Sitzposition. Und nur bei ihm finden in der zweiten Reihe drei Personen genügend Bewegungsfreiheit vor ohne den innigen Schulterkontakt, wie er in BMW und Mercedes aufkommt.

Die Neuauflage des Active Tourer verzichtet nicht nur auf die praktische, weil vorklappbare Beifahrerlehne des Vorgängers, sondern auch auf eines der besten Bediensysteme im Automobilbau der letzten Jahre. Das Operating-System-8 ist in seinen Menüpfaden deutlich verästelter aufgebaut als das bisherige, obendrein fehlt ihm auch im neuen Active Tourer der über Jahrzehnte beliebte und während der Fahrt treffsicher zu bedienende Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole. So ist der BMW weder intuitiver noch einfacher zu bedienen als der Mercedes. Vor allem der VW wirkt dagegen ausgesprochen aufgeräumt und angenehm reduziert im Funktionsumfang, ohne spartanisch zu sein.

Die B-Klasse ist nicht nur der Spritzigste, sondern auch der Sparsamste

Auf den ersten Blick macht der BMW dafür einen hochwertigen Eindruck. Beim genauen Hinsehen offenbaren sich allerdings kleinere Schwächen. So kratzen etwa die Fingerkuppen beim Zuziehen der Türen über scharfkantige Übergänge an den Griffen. Davon bleibt man im Mercedes und im routiniert verarbeiteten Volkswagen verschont.

Aufgeholt hat BMW bei der Sicherheitsausstattung. Der kleine Allrounder der Bayern weist nun auch alle möglichen Sicherheitsfeatures der Konkurrenz auf: Von der Staufolgefahrt über Lenk-und Bremsassistenten bis hin zum komfortablen Einparkassistenten stehen diverse Optionen serienmäßig oder optional in der Liste.

Mercedes

VW

Fahrkomfort

Komfort fängt bei den Sitzen an, und da kann der 218d gleich punkten. Seine optionalen Aktivsitze bieten eine gelungene Schulterabstützung und eine üppige, variable Beinauflage. Auf diesen Sitzen kann man lange entspannt reisen. Den aufpreispflichtigen Sportsitzen des Mercedes fehlt es im Vergleich an Seitenhalt und denen des VW an einer breiteren Lehne im Schulterbereich.

Von seiner besten Seite zeigt sich der BMW auch bei den Geräuschmessungen. Er gleitet deutlich leiser durch den Wind als die Rivalen, gefällt mit guter Abrollgeräuschdämmung, und sein Turbodiesel schnurrt während der Fahrt sehr zurückhaltend dahin. Störend ist aber das unkultivierte, rumpelige Startverhalten des Selbstzünders über das Start-Stopp-System beim Stop-go-Betrieb in der City. Mercedes und VW bringen ihre Turbodiesel erheblich geschmeidiger wieder in Gang.

Während in allen anderen BMW-Modellen das adaptive M-Fahrwerk die erste Wahl aller Optionen ist, sollte man sich dieses Extra beim Active Tourer gut überlegen. Die Abstimmung ist zu hart. Der Aufbau kommt kaum zur Ruhe, Stöße lassen vor allem die Hinterachse bockig zappeln. Die Dämpfer passen sich beim 218d selbstständig an die Anforderungen an, finden aber nie eine wirklich komfortable Kennlinie. Eine manuelle Einstellung wie in Mercedes und VW ist nicht vorgesehen.

Die B-Klasse gleicht Unebenheiten deutlich souveräner aus, wogt gemütlich über lange Wellen und stolpert nur hier und da über üble Querfugen. Im Touran arbeiten Federn und adaptive Dämpfer noch besser zusammen. Stöße filtert der VW feinfühlig heraus, und beim Überfahren ausgeprägter Verwerfungen im Asphaltband bringt das Fahrwerks-Set-up den Aufbau des Touran schnell wieder zur Ruhe.

Connectivity

Der neue BMW 218d Active Tourer lässt serienmäßig bereits keine Wünsche nach kompletter Konnektivität offen. Er ist über ein 4G-LTE-Modul bestens vernetzt, bietet neben dem integrierten Navigationssystem nützliche Remote-Funktionen, um mit dem Fahrzeug zu kommunizieren, den praktischen Concierge-Service (telefonischer Auskunftsdienst für eine individuelle, persönliche Unterstützung über das BMW-Call-Center), Connected Music über Spotify und unter anderem auch die Nutzung von Amazon Alexa im Fahrzeug. Das optionale BMW-Live-Cockpit-Professional erweitert das Navigationssystem um die Augmented-View-Funktion und spiegelt Information über das Head-up-Display ins Sichtfeld des Fahrers. Was nicht gefällt, sind die nicht mehr intuitive Bedienung und der Verzicht auf den bewährten iDrive-Dreh-Drück-Steller.

Die Schwaben sind bei der serienmäßigen Multimedia- und Infotainmentausstattung des Mercedes B 220 d nicht so spendabel wie die Bayern. Serienmäßig breiten sich nur 7,0-Zoll-Displays mit eingeschränktem Funktionsumfang vor dem Fahrer aus. Ein integriertes Navisystem und die eigentlich unverzichtbare Smartphone-Anbindung über Apple CarPlay oder Android Auto kosten zudem Aufpreis. Die großen 10,25-Zoll-Displays sind Bestandteil des Business-Pakets für 2011 Euro, das auch das MBUX-High-End-Systems inklusive Festplattennavigation mit Augmented-Reality beinhaltet. Wirklich gut gefällt die hervorragende Sprachbedienung, die die Handhabung des komplexen Systems erleichtert. Das LTE-Modul zur Nutzung der Mercedes-me-Connect-Dienste ist serienmäßig an Bord.

Eher zurückhaltend gibt sich der VW Touran 2.0 TDI in Sachen Konnektivität. Serienmäßig gibt es nur das digitale Radio. Eine Online-Anbindung muss optional geordert werden. Die einfachste Lösung ist dabei App-Connect (225 Euro) – es überträgt die Smartphone Apps per Apple CarPlay oder Android Auto auf das zentrale Display. Dann lässt sich auch per Google-Maps bereits bestens navigieren. Das integrierte Navigationssystem Discover-Media inklusive Streaming und Internet kostet 570 Euro. Mit dem Navigationssystem Discover-Pro vergrößert sich dann auch der TFT-Touchscreen von 8,0 auf 9,2 Zoll – samt Gestensteuerung. Erfreulich ist im Vergleich zu den Systemen der Konkurrenz, dass die Menüstruktur auf zahlreiche Untermenüs verzichtet und sich der VW dadurch einfacher bedienen lässt.

Motor / Getriebe

Von dem rappeligem Startverhalten des BMW-Biturbodiesels abgesehen, gefällt der aufgeladene Vierzylinder mit fülliger Drehmomentabgabe. Das auf seine Charakteristik perfekt eingehende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe findet immer die richtige Antwort auf die Wünsche des Fahrers. Hektik ist ihm fremd, Schaltvorgänge überblendet das Getriebe vornehm geschmeidig.

Der Mercedes wechselt die einzelnen Gänge mit spürbar mehr Feedback. Aber bei ihm zerrt auch mehr Kraft an allen Bauteilen. Der 190-PS-Turbodiesel des B 220 d legt bullig los, macht enorm Druck im mittleren Drehzahlbereich und dreht dann weiter lustvoll zur Spitzenleistung hinauf. Dem hat auch der kultivierte 2.0 TDI mit 150 PS im VW Touran nichts entgegenzusetzen. Er ist im besten Sinne unauffällig, dabei kräftig genug, mit einem Verbrauch von 7,2 l/100 km aber recht durstig. Der BMW mit 5,7 Litern und der quirlige Mercedes mit nur 5,4 Litern sind deutlich genügsamer.

Fahrdynamik

Die spürbaren sportlichen Ambitionen des neuen Active Tourer mit adaptivem M-Fahrwerk machen ihn zum kleinen Sport-Van in diesem Vergleich. Mit dem Options-Fahrwerk verbunden ist die Sportlenkung mit direkterer Übersetzung und reduziertem Kraftaufwand. Für einen Kompaktvan ist die Lenkung vielleicht ein bisschen zu übermotiviert, aber dafür sehr unterhaltsam auf kurvigen Pisten. Dass der 2er die B-Klasse ziehen lassen muss, liegt dann auch nicht an einer besonderen Agilität des Schwaben, der eigentlich eher gemütlich durch die Kurven räubert und sicher untersteuerend den Scheitelpunkt verpasst. Es ist sein Kraftüberschuss, der ihn energisch auf die Gerade zieht und dem flinken BMW beim Herausbeschleunigen keine Chance lässt. Dem 2er fehlt nicht nur der Dampf der B-Klasse, auch seine Traktionskontrolle zügelt seine 360 Nm und 150 PS beim Herausbeschleunigen unnötig intensiv, während der Mercedes und der VW schon wieder locker aufgaloppieren dürfen. Wie flink der 218d Active Tourer ist, dokumentiert die höchste Geschwindigkeit in der Slalomgasse, die er, im Vergleich zu seinen etwas schwerfälligen Rivalen, wie ein Gokart durchwetzt. Mit den ordentlichen Verzögerungswerten und dem sportlichen Feedback bei der Dosierung der Bremse erkämpft sich der Active Tourer den Titel des „sportlichsten Kompaktvans“ und sichert sich damit knapp die Fahrdynamikwertung.

Umwelt / Kosten

Der Münchner gewinnt nicht nur das Dynamik-Kapitel, er zeigt auch unterm Strich die beste Kostenbilanz. Zum einen ist er im Grundpreis günstiger als die B-Klasse und auch als der deutlich teurere Touran, der als Basis für alle testrelevanten Extras als Highline geordert werden muss. Die zudem gute Serienausstattung des BMW mit serienmäßigem, integriertem Navigationssystem inklusive Smartphone-Anbindung über Apple CarPlay oder Android Auto, was bei der Konkurrenz extra berechnet wird, machen ihn zum günstigsten Angebot. n

FAZIT

Michael Godde

Der neue Kompaktvan der Bayern kann bei seinem ersten Vergleichstest die Konkurrenz nicht abhängen. Der BMW 218d Active Tourer wirft zwar seine sportliche Dynamik in die Waagschale, präsentiert sich zu günstigen Preisen und ist dabei sehr gut ausgestattet. Was ihm fehlt, sind der Platz und die Variabilität von VWs Allrounder Touran. Auch beim Komfort versteift er sich zu sehr auf seine sportlichen Ambitionen und verliert deshalb – trotz der guten Geräuschdämmung und der hervorragenden Sitze – das Komfortkapitel. Sein Antrieb ist gut, aber im Vergleich zu dem des Mercedes zu schwach und setzt auch nicht die Bestmarke beim Verbrauch. So bleibt ihm in diesem Vergleich nur der dritte Platz. Einen Rang höher aufs Siegertreppchen klettert der Mercedes B 220 d, der mit seinem bullig anschiebenden, aber sparsamen Diesel dem BMW locker davonfährt. Dazu gefällt sein wogender Komfort auf langen Strecken, und auch bei der Preisgestaltung bleiben die Schwaben erfreulich bodenständig. Platz eins sichert sich der teure VW Touran 2.0 TDI, der bei Raumangebot und Nutzwert in einer anderen Liga spielt, Komfort beweist und mit seiner grundsoliden Verarbeitung wirklich premium ist.