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DREI WEGE zum SANTA FE


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auto Test - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 30.03.2022

Hyundai Santa Fe

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SANTA FE DIESEL 202 PS ab 43 850 Euro

SANTA FE HYBRID 230 PS ab 45 750 Euro

SANTA FE PLUG-IN 265 PS ab 55 750 Euro

KENNEN SIE die Hauptstadt von New Mexico? La Villa Real de la Santa Fe de San Francisco de Asís heißt sie, oder kurz: Santa Fe. Dass sich Hyundais großer SUV den Namen mit einer US-Stadt teilt, ist kein Zufall. Zwar wirkt der Koreaner, der mit 4,80 Meter Länge bei uns im Straßenbild schon deutlich auffällt, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geradezu zierlich; dort gilt er sogar als „Midsize-SUV“. Doch den Amerikanern gefällt’s, Hyundai hat allein letztes Jahr über 112 000 Exemplare dort verkauft. Weit mehr, als bei uns neue Golf auf die Straßen rollten (91 621). Hierzulande haben sich immerhin 3438 Kunden für den Santa Fe entschieden.

!Das Wesen dieses SUV haben klar die USA geprägt

Die lockt der Hyundai vor allem mit einer Schar althergebrachter, ...

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Die lockt der Hyundai vor allem mit einer Schar althergebrachter, konservativer Tugenden: Die gute Dämmung beispielsweise fällt positiv auf, dafür sorgen unter anderem die doppelt verglasten Seitenscheiben vorn. In der höchsten Ausstattungslinie Signature laden belüftete Nappaledersitze und ein „Dachhimmel in Wildlederoptik“ zum Streicheln ein. Das Fahrwerk verzichtet weise auf vorgetäuschte Sportlichkeit, die Lenkung präsentiert sich eher indirekt. So rollt der SUV auch über gröbere Straßenflicken recht gelassen. Zu den Assistenzsystemen zählen unter anderem ein Parkassistent, der den Santa per Fernbedienung in enge Parklücken bugsiert, ein Totwinkelwarner mit Kameraanzeige im Kombiinstrument (Tacho oder Drehzahlmesser machen dann kurz Platz) und noch allerlei mehr.

1 Drei Fahr– und drei Geländemodi stehen zur Wahl. 2 Die Sitze lassen sich ab Linie Prime serienmäßig auch belüften. 3, 4, 5 Je nach Fahrmodus verändern sich die Anzeigen etwas, in Sport etwa weicht die Power-Anzeige im Plug-in einem Drehzahlmesser. Im Smart-Modus erkennt die Elektronik selbstständig den Fahrstil und versucht, die Einstellungen entsprechend anzupassen.

Optisch was her macht auch der zweifarbige Innenraum, wobei das weiße Leder (siehe rechte Seite) auch schnell für Sorgenfalten auf der Stirn sorgt – wenn erste Flecken gut sichtbar auf der hellen Oberfläche auftauchen.

Ansonsten bietet der Santa vor allem eins: Platz. Platz in Reihe eins, in Reihe zwei und – wenn die vorbildlich variable Rückbank etwas nach vorn geschoben wird – sogar genug auf den optionalen Sitzen Nummer sechs und sieben (1000 Euro extra); zumindest auf der Kurzstrecke reist man ordentlich. Übrigens: Beim Siebensitzer mit dabei sind auch eine Niveauregulierung an der Hinterachse sowie USB­ Anschlüsse und eine Extra-Klimaregelung für die letzte Reihe. Praktisch: Die Infotainmentfunktion „Fondgespräch“ spielt die Stimmen aus der ersten Reihe über Lautsprecher hinten ab und sorgt so für ein besseres Verständnis.

Zu viel des Guten: die Warntöne! Es piepst und bimmelt ständig. Selbst wenn der Spurwarner kurz die Linien verliert, ertönt  ein „Bing“. Hier, und beim übereifrigen Gurtwarner, dürfte gern nachjustiert werden. Gerade weil Hyundai ansonsten sehr bemüht scheint, für Entspannung zu sorgen. Dazu gehören sogar anwählbare Naturklänge wie „Warmer Kamin“ oder „Meeresrauschen“.

SITZE

1. Kleinere Personen wie unser Redakteur (1,73 m) halten es hinten sogar mal länger aus, wenn die Passagiere davor (2) die Rückbank etwas nach vorn schieben. Zusätzlich lässt sich die Lehne in der Neigung verstellen. Hyundai bietet eine beachtliche Auswahl an verschiedenen Lederfarben an (4, 5, 6). Der Beifahrersitz lässt sich von Reihe zwei aus elektrisch verschieben, ganz in Chauffeurmanier. Ebenfalls Cheflike: richtige Steckdose sowie zwei USB-A-Anschlüsse in der Mittelkonsole.

ABMESSUNGEN HYUNDAI SANTA FE FÜNFSITZER

ZWEI HYBRIDE, EIN DIESEL

Bei den Antrieben haben reine Benziner mittlerweile ausgedient. Den etwas schwachbrüstigen, aber günstigen 2,4-Liter-Vierzylinder strichen die Koreaner bereits Mitte 2020 aus der Preisliste. Zum Facelift Ende des Jahres hielt dann ein neuer Hybridantrieb Einzug. Dessen 1,6-Liter-Turbobenziner leistet im Verbund mit dem 60 PS starken E-Motor 230 PS und 350 Newtonmeter, bietet optional Allradantrieb. Der ebenfalls neue Plug-in unterscheidet sich außer durch die Lademöglichkeit und den größeren 13,8-Kilowattstunden-Akku auch durch seinen stärkeren E-Motor (91 PS) vom Vollhybrid. Im WLTP-Mix fährt er bis zu 58 Kilometer rein elektrisch, Allrad ist Pflicht.

Als komplette Neuentwicklung präsentiert sich der 2,2-Liter-Diesel. Er leistet nun 202 PS, auch hier stehen Allrad und Frontantrieb zur Wahl. Der Aufpreis für vier angetriebene Räder beträgt übrigens rund 2000 Euro. So weit die Daten, aber wie schlagen sich die Motoren in der Praxis?

Der Selbstzünder, auf dem Papier am schwächsten, macht im Alltag den wachsten und lebendigsten Eindruck. Die 440 Newtonmeter Drehmoment stehen von 1750 bis 2750 Umdrehungen bereit, aber auch darüber wirkt der Selbstzünder nicht unmotiviert. Ihm spielen außerdem seine kürzer gestufte Doppelkupplung sowie das im Vergleich geringste Leergewicht (1800 bis 1946 Kilogramm mit Frontantrieb, je nach Ausstattung) in die Karten. Ein Vorfacelift-Modell spulte in unserem Dauertest 100 000 Kilometer ab, erhielt die Note 2. Verbrauch? 7,4 Liter Diesel zum Testende.

KAROSSERIE

Wirklich bemerkenswert ist, dass die Koreaner den Santa Fe zum Facelift auf eine komplett neue Plattform gestellt haben – der Santa Fe wuchs geringfügig in Länge (+15 mm), Breite (10 mm) und Höhe (5 mm). Laut Hyundai wurden dadurch Platzangebot, Crashsicherheit und Handling verbessert, der Fahrzeugschwerpunkt sitzt nun tiefer. Vor allem war die Änderung aber nötig, um die Elektrifizierung durchzuführen. Der Akku beim Hybrid liegt unter dem Beifahrersitz, beim Plugin unter beiden Vordersitzen.

FARBEN & FELGEN

Die Farbpalette gibt sich eher konservativ, das knallige „Magma-Rot“ hat Hyundai aus dem Programm genommen. Auf 17-Zoll-Rädern rollt nur die Basisversion Select als Diesel vom Hof, ansonsten gibt’s zumindest 18 Zoll. Wer einen Plug-in kauft, bekommt in allen Linien 19 Zoll serienmäßig – daran lässt sich auch nicht rütteln.

AUSSTAT-TUNG

Die Plug-in-Hybride bieten unter gleichem Namen mehr serienmäßig, etwa Navi und kabelloses Laden. leiseren Motorengeräuschen bei. Die angenehme Stille weicht erst unter Volllast, wenn der Vierzylinder zwar nicht laut, aber doch etwas angestrengt und hochfrequent in den Innenraum tönt.

Im Hybrid-Duo entsteht derweil ein etwas gemütlicherer Fahreindruck. Dazu tragen die Wandlerautomatik mit ihren etwas langsameren Schaltwechseln sowie der teilelektrische Antrieb mit Harmonisch wirkt das Ineinandergreifen von Verbrenner und E-Antrieb beim Vollhybrid. Während seine Minderleistung kaum ins Gewicht fällt, arbeiten beide Motoren hier flüssig und reibungsloser zusammen.

Die Steuerelektronik des Plugins wirkt dagegen teilweise etwas hektischer, wenn sie die Kraftflüsse miteinander in Einklang bringen muss. Gleichzeitig klappte es bei uns aber auch nicht so recht, im E-Modus mehrere Kilometer am Stück rein elektrisch zurückzulegen – trotz vollem Akku schaltete sich immer mal wieder der Verbrenner zu. Hyundai sagt, das könnte an der eingeschalteten Klimaanlage gelegen haben. So oder so, lokal völlig emissionsfrei ist man dann eben nicht unterwegs. An der Haushaltssteckdose ist der Akku mit 3,3 kW Ladeleistung in sechseinhalb Stunden gefüllt.

1. LED-Rückleuchten gibt’s ab der Linie Trend 2. Das Panoramadach für 1040 Euro bringt LED-Leseleuchten mit 3. 19-Zöller sind beim Plug-in Serie 4. Silberner Grill bei Linie Prime

Beim Allradsystem HTRAC handelt es sich um eine Kupplung, die geschlossen bis zu 50 Prozent der Kraft an die Hinterachse schicken kann. Über den Fahrmodi-Schalter lassen sich drei „Terrain“-und drei „Drive“-Modi wählen, welche auch die Kraftverteilung beeinflussen. Im Eco-Modus überträgt der Antrieb keine Kraft mehr nach hinten, um Kraftstoff einzusparen.

Schwacke WERTENTWICKLUNG

Nach zwei Jahren und 40 000 Kilometern liegen die Restwerte der verschiedenen Versionen nicht allzu weit auseinander. Stets auf den vorderen bis mittleren Plätzen liegt der Diesel, ist gerade in Vollausstattung beliebt. Frontantrieb liegt dabei geringfügig vor dem Santa Fe als Allradler. Der Vollhybrid schneidet nur geringfügig schlechter ab, hier scheinen vier angetriebene Räder allerdings gefragter zu sein. Ganz hinten rangiert der Plug-in-Hybrid, bei dem Allrad ohnehin Pflicht ist. Auffällig ist, dass sieben Sitze den Santa Fe anscheinend wertstabiler machen. Wahrscheinlich weil viele Familien auf dem Gebrauchtwagen-Markt nach Exemplaren mit den zwei Extraplätzen Ausschau halten.

VIER LINIEN PLUS PAKETE

Select und Trend heißen die beiden unteren Ausstattungslinien, der ersten mangelt es aber recht eindeutig an Komfort. Kein Navi, keine Sitzheizung, auch nicht gegen Aufpreis. So ließe sich der Santa Fe auch nicht gut wiederverkaufen. Trend bietet dann all die Basics, die man in dieser Klasse auch erwartet: Ledersitze (teils Kunstleder), Totwinkelwarner, Sitzheizung vorn, Keyless Go, Scheinwerfer in Voll-LED und mehr für 4650 Euro Aufpreis.

Das reicht nicht? Wer Navi, belüftete Sitze vorn, Sitzheizung vorn, 360-Grad-Kamera und elektrische Heckklappe möchte, kann gleich zum Prime (10 200 Euro) greifen – oder diese Extras in Form der optionalen drei Pakete für den Trend ergänzen. Der Signature (12 250 Euro) bietet neben dem Parkassistenten (für Prime optional) noch Chichi, darunter zum Beispiel das erwähnte Nappaleder.

! Wer über 40 000 Euro für den Santa Fe ausgibt, sollte nicht bei der Ausstattung knausern

Die Plug-ins nehmen eine Sonderstellung ein, weil sie bereits ab Werk in den unteren beiden Linien mehr bieten, zum Beispiel das Navi – ein Blick in die Tabelle auf Seite 12 verdeutlicht das. Aber auch hier ergibt die Prime-Ausstattung durchaus Sinn, weil die Linie mit 6550 Euro entsprechend weniger Aufpreis kostet.

Frisch zum neuen Modelljahr eingeführt hat Hyundai kürzlich alternativ zum Siebensitzer Einzelsitze für Reihe zwei, der Santa Fe wird zum Sechssitzer (1500 Euro). Für die mittleren Sitze bringt das den Komfort von je einer eigenen Armlehne, den Passagieren ganz hinten erleichtert es den Einstieg. So würden wir mit dem Santa Fe glatt bis New Mexico fahren.

FAZIT

JONAS UHLIG

Nein, besonders günstig ist der Santa Fe nicht mehr – aber er bietet auch so viel Technik und Platz wie nie zuvor. Die Hybridantriebe stehen dem großen SUV gut zu Gesicht und bieten durchaus Sparpotenzial. Praktisch: Weil der Akku jeweils vorn liegt, büßt man nicht an Ladefähigkeiten ein. Auf der anderen Seite schiebt der Diesel den Hyundai extrem souverän an, zusammen mit der neuen Doppelkupplung wirkt das deutlich fahraktiver. Bei der Ausstattung empfehlen wir eine der beiden mittleren Linien. Nach wie vor top: fünf Jahre Garantie.

AUTO TEST TIPP !

Der Wenigfahrer …

… wählt einen der Hybride. Der Plug-in ergibt Sinn, wenn zu Hause das Laden möglich ist. Der Hybrid fährt noch harmonischer, die Preise fallen – unter Berücksichtigung von Mehrausstattung und Bonus – für den Plug-in ähnlich aus.

Empfehlung: 1.6 T-GDI Hybrid Trend (230 PS) ab 50 400 Euro

Der Vielfahrer …

… fährt den Diesel, der sogar am wenigsten kostet. Die hohe Kfz-Steuer amortisiert sich schnell. Der Plug-in wäre dann eine lohnenswerte Alternative, wenn zum Beispiel auf der Mittelstrecke gependelt wird und zu Hause eine Lademöglichkeit wartet.

Empfehlung: 2.2 CRDi Prime 2WD (202 PS) ab 54 050 Euro

Der sportliche Fahrer …

… wählt ebenfalls den Diesel, weil die schnelle Doppelkupplung und die bullige Kraftentfaltung den meisten Fahrspaß bereiten. Außerdem liegen auch Topspeed und Anhängelast (2,5 Tonnen) am höchsten, das Leergewicht am niedrigsten. Allrad hilft an der Ampel.

Empfehlung: 2.2 CRDi Prime 4WD (202 PS) ab 56 100 Euro