Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

DRESSCODE: SCHWARZER ANZUG


Logo von Auto Bild
Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 3/2023 vom 19.01.2023

REPORTAGE

Artikelbild für den Artikel "DRESSCODE: SCHWARZER ANZUG" aus der Ausgabe 3/2023 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 3/2023

Dezentes Schwarz: Die Cayenne-Prototypen verstecken sich noch unter dickem Tarnkleid

VON PSYCHEDELISCHER ERLKÖNIG-TARNFOLIE hält Porsches Entwicklungs-Chef Michael Steiner wenig. Die Cayenne-Prototypen, die wir auf ihren letzten Testkilometern in und um Los Angeles begleitet haben, schmuggeln sich mit ihrem nahezu komplett schwarzen Tarnkleid geschickt unters Volk. Geschickt, denn: Wo einen am Sonntagnachmittag schon mal Paris Hilton im offenen Lamborghini überholt, wer soll da einem, na ja, durchaus etwas klobigen SUV hinterherschauen?

Einziger konkreter Hinweis, dass es sich hier um Autos handelt, die es so noch nicht gibt: ein weißer Aufkleber mit Kamerasymbol, „Porsche Erprobungsfahrzeug“-Aufschrift und einer Internetadresse. Den Hinweis schreibt in Deutschland der Gesetzgeber vor, weil die Testfahrzeuge mit Kameras ihre Umgebung filmen und die Bilder für eine gewisse Zeit speichern; Datenschutz und so. Für den Einsatz in den USA hätte man den Aufkleber runtermachen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Auto Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 3/2023 von EIN GIPFEL, DER KEINER WAR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
EIN GIPFEL, DER KEINER WAR
Titelbild der Ausgabe 3/2023 von KÜNSTLICHE FELGEN-KUNST. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KÜNSTLICHE FELGEN-KUNST
Titelbild der Ausgabe 3/2023 von GEFÄLLIGE VIELFALT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GEFÄLLIGE VIELFALT
Titelbild der Ausgabe 3/2023 von DAS SCHÖNSTE KOMMT ZUM SCHLUSS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS SCHÖNSTE KOMMT ZUM SCHLUSS
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
NEUES AUS DEM DAUERTEST
Vorheriger Artikel
NEUES AUS DEM DAUERTEST
„HIER HAT GOTT EINEN EIGENEN PLATZ IM AUTO“
Nächster Artikel
„HIER HAT GOTT EINEN EIGENEN PLATZ IM AUTO“
Mehr Lesetipps

... können, aber zum einen ist er eh nur in Deutsch beschriftet. Und zum anderen müsste er nach dem knapp zweiwöchigen Testlauf in Kalifornien und Nevada wieder drauf, weil die Autos direkt zurück in die Heimat gehen. Die Zuffenhäuser wären eben keine echten Schwaben, wenn sie sich den neuen Aufkleber nicht gespart hätten. Zumal der Transport im Flugzeugbauch ohnehin kein Schnäppchen ist. Während von Porsches flachen Zwei- und Viertürern zwei übereinander in den Laderaum passen, können die Cayenne nur in einer Ebene verladen werden – macht einen mittleren fünfstelligen Betrag pro Auto.

Billiger wäre der Transport per Schiff, aber hier gilt die alte Devise: Zeit ist Geld. Und die Zeit rennt. Im Frühjahr 2023 will Porsche den rundum erneuerten Cayenne vorstellen, bis dahin müssen alle Schwachstellen identifiziert, alle Fehler ausgemerzt sein. Die Erkenntnisse, die das Team rund um Modellreihenleiter Stefan Fegg und Erprobungsleiter Ralf Bosch auf ihrem Rundtrip von Las Vegas durchs Death Valley (wegen der Hitze), über den Tioga-Pass (wegen der Höhe) und schließlich durch Los Angeles (wegen des Stop-and-go-Stadtverkehrs) sammeln, gehen direkt ins heimische Entwicklungszentrum in Weissach, wo die Ingenieure parallel an einer neuen Software-Version arbeiten. Wenn die Testflotte wieder in Stuttgart ankommt, bekommt sie als Allererstes gleich die neueste Version aufgespielt – und geht wieder auf die Straße.

In diesem Stadium greifen die Entwickler und Mechaniker, in Weissach und vor Ort in den USA, nicht mehr zum Schraubenzieher, sondern zum Laptop. An der Hardware lässt sich, gut ein Jahr vor dem Marktstart, so gut wie nichts mehr ändern, es müsste dem Erprobungsteam schon ein eklatanter Mangel auffallen, damit an Federn, Bremsen oder Kolben noch was geändert werden würde. Ist aber auch nicht nötig, die Entwicklungsteams haben in den Monaten und Jahren zuvor gute Arbeit geleistet.

! Die Testfahrer in den USA arbeiten in Echtzeit mit den Ingenieuren in Weissach zusammen

2017 hat Porsche die dritte Cayenne-Generation, intern E3 genannt, vorgestellt, 2018 kam sie auf den Markt. Seither arbeiten die Experten daran, das jetzt anstehende Facelift vorzubereiten. Richtig gehört: Es geht um eine Modellpflege, nicht um eine neue Generation, die nach der bewährten Siebenjahresregel eigent-lich auch schon in den Startlöchern stehen müsste. Zwar äußern sich die Stuttgarter noch nicht zu den Zukunftsplänen für ihr großes SUV, doch wer sich Porsches Elektrifizierungs-Strategie genau anschaut, braucht wenig Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass Cayenne Nummer vier wahrscheinlich rein elektrisch vorfährt. Weil es aber auch weiterhin Märkte geben wird, die Wert auf den Verbrenner legen, könnte die aktuelle Generation parallel ein paar Jährchen weiterlaufen. Das erklärt auch, warum Porsche zur Modellpflege von SUV und Coupé einen immensen Aufwand betreibt.

Drei große Bereiche haben sich die Entwickler vorgenommen, das Design, den Antrieb, das Fahrwerk und das Cockpit inklusive Infotainmentsystem. Letzteres verbirgt sich auf unserer Runde noch unter dickem, schwarzem Filz, doch wenn keiner zuschaut, können wir mal kurz darunter spitzen. Ohne zu viel zu verraten: Die Mittelkonsole wirkt aufgeräumter, das Kombiinstrument wird digital, ein neues Display hält Einzug, die Software läuft auf den ersten Blick stabil und flüssig. Beim Kapitel Design sind wir ebenfalls noch außen vor, auch für uns lässt der Cayenne noch nicht die Hüllen fallen. Was man trotz Beklebung aber sehen kann: Porsche hat tief ins Portemonnaie gegriffen und zahlreiche Blechteile angefasst, Heckklappe und Motorhaube sind neu, dazu neue Schürzen und frische Scheinwerfer – das war nicht billig.

Großbaustelle Nummer drei dürfen wir genauer inspizieren, das neu abgestimmte Fahrwerk und vor allem die neuen Antriebe. Wichtigste Neuerung: Porsche schmeißt beim Cayenne S den Sechszylinder raus und setzt auf einen weitgehend neu entwickelten V8, der mit dem alten Turbo-Aggregat nicht mehr viel gemein hat. Das allein ist in Zeiten von Downsizing und Elektrifizierung schon eine Nachricht wert. Vor allem aber, weil das neue Triebwerk selbst im Erprobungsstatus schon eine hervorragende Figur macht. Nicht weil das S-Modell damit von 440 auf 475 PS erstarkt, das ist mehr oder weniger Makulatur. Sondern weil der Achtzylinder jetzt 600 Newtonmeter Drehmoment (bisher 550 Nm) entwickelt und das weit über zwei Tonnen schwere SUV spürbar souveräner die Hollywood Hills hinaufschiebt. Wie gehabt verwaltet eine Achtstufenautomatik von ZF die Kraft, die der Motor beim Gasgeben willig und spontan abgibt; begleitet von typischem V8-Gebrabbel.

Dass das neue Triebwerk später auch im GTS, im Turbo und im Plug-in Turbo SE Hybrid zum Einsatz kommt, ist klar, auch wenn sich Porsche dazu noch nicht geäußert hat. Seinen Weg in den nur als Coupé erhältlichen Turbo GT wird der Achtender dagegen nicht finden; ihm ist schlichtweg nicht die geforderte Leistung zu entlocken. Und weil der bisherige Motor den zukünftigen Abgasnormen nicht mehr gerecht werden wird, verschwindet der Turbo GT, zumindest in Europa, nach einem gut zweijährigen Gastspiel wieder aus der Preisliste. Sehr zum Leidwesen der Vertriebsleute, hat er doch die geplanten Verkaufsziele schon frühzeitig übertroffen. Hoffnung dürfte ihnen allerdings die Ankündigung eines weiteren Power-Plug-ins machen, der in die GT-Fußstapfen treten könnte.

Nachgelegt hat Porsche auch beim Basismodell – hier bleibt es beim Dreiliter-V6 mit jetzt geringfügig mehr Leistung (354 PS) – und beim Einstiegs-Plug-in. Der kombiniert den Sechszylinder mit einer jetzt auf 177 PS erstarkten E-Maschine (bisher 136 PS) und bekommt eine größere Batterie. So fährt er zum einen weiter rein elektrisch, zum anderen fühlt sich der kraftvollere Elektromotor auch standesgemäßer an. Um den größeren Stromspeicher auch schneller vollzukriegen, wurde die maximale Ladeleistung auf 11 kW angehoben.

Abgerundet wird das Facelift von einer neuen Fahrwerksabstimmung. Die serienmäßigen adaptiven Dämpfer arbeiten jetzt mit zwei Ventilen, lassen sich in Zug- und Druckstufe getrennt einstellen. Das sorgt für mehr Komfort, der Cayenne schwebt im Normalmodus etwas g eschmeidiger über die Straße und federt auf den langen Bodenwellen des Pacific Coast Highway sanft nach. Gleichzeitig erlaubt das System eine weitere Spreizung und damit ergo auch (noch) mehr Sportlichkeit. Die stellt der Cayenne, im Sport- oder Sport-Plus-Modus, auf den kurvigen Bergstraßen im Norden von Los Angeles zwischen Mulholland Drive und Sunset Boulevard eindrucksvoll unter Beweis und unterstreicht damit einmal mehr seinen Anspruch, der Spitzenathlet unter den SUV sein zu wollen. Egal ob mit Luft- oder Stahlfederfahrwerk, der Cayenne tänzelt um die Kurve, als hätte er ein paar Zentner weniger auf den Rippen.

Dass die flotte Gangart hin und wieder die Reifen zum Quietschen bringt, ist zwar nicht gewollt, aber erklärbar. Wir fahren mit den für den US-Markt vorgesehenen Nexen-Pneus, die etwas weicher sind als die Europa-Reifen von Michelin. Und sie wurden in den vergangenen Tagen von den Testfahrern schon ordentlich rangenommen.

Abgenommen dagegen wird die Tarnung von den neuen Cayenne erst im April. Dann feiert das SUV Weltpremiere und kann bestellt werden. Zu welchen Preisen? Das ist noch nicht bekannt. Aktuell kostet der Basis-Cayenne gut 82 000 Euro, mit dem Facelift dürften einige Tausender dazukommen.

! Porsche hat für das Cayenne-Facelift tief in die Tasche gegriffen

DIESE REISE

wurde unterstützt von Porsche. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter .