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Dressur ohne Strick & Halfter


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 07.12.2018

Um ein Pferd unter dem Sattel korrekt zugymnastizieren , sind Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichtung und Versammlung wichtig. Wie diese Punkte derAusbildungs-skala auch in der Freiarbeit umgesetzt werden können, erklärt Ausbilderin Bianca Rieskamp. Plus: dreiÜbungen zum Nachmachen


Artikelbild für den Artikel "Dressur ohne Strick & Halfter" aus der Ausgabe 10/2019 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 10/2019

Die gymnastizierende Arbeit mit dem freien Pferd stärkt die Beziehung zwischen Pferd und Mensch


Ein wenig Energie des Menschen, und schon richtet sich das Pferd auf


UNSERE EXPERTIN

BIANCA RIESKAMP aus Datteln (Nordrhein-Westfalen) ist Pferdewirtin (Schwerpunkt Reiten) und Diplom-Sozialpädagogin mit ...

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BIANCA RIESKAMP aus Datteln (Nordrhein-Westfalen) ist Pferdewirtin (Schwerpunkt Reiten) und Diplom-Sozialpädagogin mit einer Zusatzausbildung zur Reitpädagogin. Sie bildete sich u.a.bei Egon von Neindorff und Gert Schwabl von Gordon weiter.
www.losgelassen-reiten.de

Klassische Lektionen mit dem freien Pferd vom Boden üben? „Na klar! Warum eigentlich nicht?“, meint Bianca Rieskamp. Als ihre Pferde die Grundlagen der Freiheitsdressur beherrschten, fragte sich die Pferdewirtin (Schwerpunkt Reiten): „Wie gestaltet sich die Ausbildung mit dem freilaufenden Pferd, wenn man dabei die Systematik der klassischen Reitlehre gemäß der H.Dv.12 einhält?“ Probehalber begann sie, die Ausbildungsskala auf die Arbeit mit dem frei-laufenden Pferd zu übertragen. Und schon war die Idee geboren, beides miteinander zu kombinieren. Das Ergebnis: Dressurlektionen ohne Strick und Halfter.

Freiwilligkeit ist gefragt

Für sie bedeutet diese Arbeit eine schöne Überprüfung der Verbindung zwischen Mensch und Pferd. „Die Freiwilligkeit spielt noch mehr eine Rolle als beim Reiten, weil das Pferd sich im Gegensatz zum Reiten durch Weglaufen entziehen kann, auch, weil die Einwirkungsmöglichkeiten begrenzter sind“, sagt die Expertin. „Aber auch die Ausbildungsskala ist für mich wichtig, da sich darauf die ganze Ausbildung des Pferdes – auch in der Freiheitsdressur – logisch aufbaut. Viele Lektionen sind durch die Einhaltung der Skala leicht zu erarbeiten, weil sie zu einer Gymnastizierung führt, die die weitere Entwicklung fördert und damit Lektionen vorbereitet und ermöglicht“, sagt Rieskamp. Wie beim Reiten legt sie daher vor allem Wert auf Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung und Geraderichtung.

„Der Takt ist für beide Seiten wichtig. Er bringt Mensch und Pferd ins Gleichmaß“, so die Ausbilderin. Besonders schön lässt sich hiermit das Gehen im Gleichschritt üben. So verlängert das Pferd z. B. die Tritte, wenn der Mensch es tut. Der Takt ist immer auch ein Zeichen für innere und äußere Ruhe. „Bin ich angespannt, werde ich mich nicht geschmeidig und vielleicht zu eilig bewegen, was keine gute Grundlage für die Arbeit mit dem Fluchttier Pferd ist“, sagt die Expertin.

Spannungen vermeiden

Nicht weniger von Bedeutung ist die Losgelassenheit. Sie ist die körperliche Voraussetzung für die Zusammenarbeit. Wie beim Reiten sollte der Mensch bei der Freiheitsdressur nur die Muskeln anspannen, die er für eine bestimmte Bewegung und für seine Hilfen braucht. „Das ist natürlich nur als angestrebter Idealzustand zu verstehen, der in Perfektion kaum erreicht werden kann. Bin ich losgelassen, habe ich aber die Voraussetzung, um diesen Zustand annähernd zu erfüllen. Durch meine eigene Losgelassenheit bekomme ich auch ein Gefühl dafür, wenn ich unter Spannung gerate und dadurch falsche Signale gebe“, erläutert Rieskamp. Ähnliches gilt für den Vierbeiner. Nur ein Pferd, das innerlich wie äußerlich entspannt ist, wird dem Menschen frei folgen und in der Lage sein, Lektionen korrekt zu erlernen und auszuführen. Ist es aufgeregt, achtet es nicht auf die Signale des Menschen und neigt dazu, Entscheidungen selbst zu treffen.

Den nächsten Punkt der Ausbildungsskala, die Anlehnung, gibt es im reiterlichen Sinne, bei der das Pferd die Verbindung über den Zügel zur Reiterhand sucht, in der Freiheitsdressur nicht. „Den Begriff kann man vielleicht treffender durch die Selbsthaltung ersetzen, da ja ohne Zaumzeug gearbeitet wird“, so die Expertin. Hier gibt der Vierbeiner im Genick mit selbigem als höchstem Punkt nach, nimmt die Stirn-Nasen-Linie leicht vor die Senkrechte und rundet seinen Hals bei entspannter Unterhalsmuskulatur. „Alle Gelenke sind dann im weiteren Sinne losgelassen und die Bewegung geht ohne Widerstände durch das Pferd“, erklärt die Pferdewirtin. Anlehnung versteht Rieskamp hier zudem im übertragenen Sinne. „Das Pferd soll sich an den Menschen, der ihm Sicherheit gibt, anlehnen und ihm frei folgen.“

Mehr Ausdruck in den Gangarten

Dabei spielt auch der Schwung eine Rolle. „Er ist wichtig, um die Nachgiebigkeit im Genick bzw.die Aufrichtung (wie beim Reiten) nicht vorrangig durch mechanische Hilfsmittel oder Signale zu erhalten, sondern durch ein Herantreiben der Hinterhand von hinten nach vorne“, erläutert sie. Werden alle drei vorher genannten Elemente der Ausbildungsskala beibehalten, sorgt der Schwung dafür, dass durch das vermehrte Untertreten der Hinterbeine in Richtung Schwerpunkt die Gangarten an Ausdruck gewinnen. „Dieser Punkt ist aber in der Freiheitsdressur schwer zu erarbeiten, denn hier ist die Kondition des Menschen gefragt, um schwungvoll mitlaufen zu können. Außerdem besteht die Gefahr, zu schnell zu viel zu wollen und dadurch ungewollt Spannung aufzubauen. Dies zeigt sich dann darin, dass das Pferd davonläuft“, gibt die Ausbilderin zu bedenken.

Viel Körperbeherrschung und Selbstreflexion ist bei der Hilfengebung gefragt


Schwung stellt konditionelle Anforderungen an den Pferdebesitzer


Natürliche Schiefe in der Freiarbeit

Das Geraderichten, der vorletzte Punkt der Skala, dient dazu, das Pferd auf beiden Händen gleichermaßen biegsam zu machen. Er ist aber auch für den Reiter hilfreich, um mehr Verständnis für die Händigkeit des Vierbeiners im Sattel zu entwickeln. „Anatomisch gesehen ist das Pferd im Hals seitlich leicht beweglich und kann sich im Rumpfbereich nur schwer biegen. Gehen wir nun in der Freiheitsdressur in die geraderichtende Arbeit (z. B. durch gebogene Linien, Schultervor oder Schulterherein), so werden wir feststellen, dass das Pferd dazu neigt, den Hals zu stark seitlich zu biegen. Diese fehlerhafte Tendenz von unten sehen zu können sensibi-lisiert viele Reiter dazu, auch unter dem Sattel vermehrt darauf zu achten, um das Pferd wirklich geradezurichten“, sagt Rieskamp. In der Freiarbeit erkennt man schnell, dass dem Pferd die Bewegung zu einer Seite leichter fällt als zur anderen oder dass es die Signale auf der einen Hand besser ausführt als auf der anderen. Dann ist die natürliche Schiefe Schuld, die durch die Geraderichtung korrigiert wird.

Versammlung nicht um jeden Preis

Nicht zu vergessen ist die Versammlung, in der sich der Vierbeiner in verkürzten, kraftvollen, federnden Gängen in schöner Selbsthaltung bewegt. Die Fähigkeit zur Versammlung, gerade in der freien Arbeit, ist aber abhängig von der natürlichen Veranlagung. „Analog zur Reitvorschrift, in der ein durchlässiges Pferd im Gelände das Ziel ist und nicht die ganz hohe Dressurausbildung, sollte man im Hinterkopf behalten, dass hohe Lektionen und die Versammlung nicht jedem Pferd in sehr ausgeprägter Form in die Wiege gelegt sind“, so die Expertin. Daher bevorzugt sie in der Freiheitsdressur ein Pferd, dass sich in korrekter Haltung und freien Gängen bewegt anstatt in einer Pseudo-Versammlung, die im Grunde genommen nur aus gespannten Tritten besteht. Sie rät, die Versammlung nur in ganz kurzen Sequenzen zu fordern und entsprechend der Veranlagung des jeweiligen Pferdes. Einen praktischen Grund hat die Versammlung allerdings für den Menschen, dem so das Mitgehen am Boden erleichtert wird.

Kurzum: Die Einhaltung der Ausbildungsskala macht in der freien Arbeit mit dem Pferd wirklich Sinn. Wie Sie Ihr Pferd ganz konkret ohne Halfter und Zaum sinnvoll gymnastizieren können, zeigt die Ausbilderin anhand von drei Übungen auf den nächsten Seiten. Voraussetzung dafür ist ein Pferd, welches schon beim Führen auf zeichenartige Hilfen, also auf die Körpersprache des Menschen, reagiert. „Nur dann ist die notwendige, feine und detaillierte Verständigung möglich, unabhängig davon, ob ich noch am Halfter oder ganz frei arbeite“, so Rieskamp. Voraussetzung beim Menschen ist, neben dem Pferde-Fachwissen, dass er über ein gewisses Maß an Körperbeherrschung verfügt, sich geschmeidig bewegen kann und die Möglichkeit zur Selbstreflexion besitzt. Und jetzt: Ganz viel Spaß mit den folgenden Übungen.

Die Versammlungsfähigkeit eines Pferdes hängt stark von der Veranlagung ab

BUCHTIPP

Bianca Rieskamp kombiniert in ihrem Buch„Freiheitsdressur mal klassisch“ , erschienen im Olms Verlag, die Reitlehre gemäß der H.Dv.12 und die Freiheitsdressur miteinander. Auf 179 Seiten werden Lektionen Schritt für Schritt mit dem frei laufenden Pferd erklärt. Ergebnis ist nicht nur eine sinnvolle Gymnastizierung, sondern auch eine stärkere Beziehung zwischen Mensch und Tier (Preis: 29,80, ISBN: 978-3-487-08604-0, www.olms.de).