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DRIVE-TO-DRIVE FINNLAND: FINNLAND? IMMER WIEDER GERN


GOLF MAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 26.06.2018

Wer einen Golfurlaub plant, denkt nicht gerade anFinnland . Das ist ein Fehler. Denn die besten Plätze dort gehören zu Europas Elite, egal ob nun Parklandplatz oder Linkscourse. Trotzdem bieten die Skandinavier im Vergleich zu Portugal oder Spanien Schnäppchenpreise


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Bildquelle: GOLF MAGAZIN, Ausgabe 70/2018

Die Ostsee ist im Spiel – nicht immer, aber hin und wieder, wie hier an Bahn 8 des Fream-Platzes vom Nordcenter. Die Anlage bietet zwei 18-Löcher-Plätze auf höchstem Niveau.


Für die Tour durch Finnland haben wir einen VW Arteon genutzt, eine Limousine mit Fließheck und riesigem Kofferraum, die das viertürige Coupé CC ersetzt.


Eines der ...

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... schönsten Löcher in Turku ist dieses Par 3, das mitten im Wald des Parklandplatzes liegt.


In Aura Golf trafen wir mit Mikko Koivu einen Weltstar. In Finnland kennt jedes Kind den Eishockeyprofi, der in der NHL in den USA spielt.


Typisch für Aura sind gut verteidigte Grüns mit üppigen Bunkeranlagen. Sonst bietet der Kurs Golf zum Genießen mit vielen eher kurzen Par 4-Löchern.


Aura Golf, Turku

Adresse: Ruissalon puistotie 536, 20100 Turku
Internet: auragolf.fi
Eröffnet: 1958 (zweitältester Platz Finnlands)
Platz: 18 Löcher, Parklandplatz, der an die Ostsee angrenzt
Greenfee: 65 Euro
Leihschläger: auf Anfrage

Wo er den Urlaub verbringt, diese Frage stellt sich für Mikko Koivu nicht. Er ist aus den USA nach Hause gereist, nach Turku. Wo denn auch sonst hin. Nun steht er mit dem Driver in der Hand am achten Tee vom Aura Golf Club und wirkt ziemlich konzentriert. Er muss sich mit einem Kumpel im Matchplay herumplagen, der über beide Ohren grinst. Dabei führt Koivu, so wie er oft in seinem Leben geführt hat.

Der 35-Jährige, etwa 1,90 Meter groß, schlank, blaue Augen, blond und austrainiert, ist ein Nationalheld in Finnland. Natürlich spielt er in der Nationalmannschaft, mehr noch wird er aber dafür bewundert, dass er in den USA in der National Hockey League (NHL) spielt, der härtesten Eishockeyliga der Welt. Dort treten nur die Besten an. Und Koivu ist sogar Kapitän bei den Minnesota Wild. Das weiß jedes Kind in seiner Heimat.

Gegenüber seinem Bruder Saku ist er aber immer noch ein eher kleines Licht. Saku gehört in Finnland bereits zu den Legenden. Auch er war Kapitän in der NHL, bei den Montreal Canadians. Vor ihm hatte diese Position noch nie ein Europäer in Montreal eingenommen. Saku hat seine Karriere bereits beendet. „Mein Vertrag läuft noch zwei Jahre“, sagt sein jüngerer Bruder auf dem Golfplatz von Turku. „Und was danach kommt, werden wir sehen.“

Was für ihn nach einer langen Saison folgt, ist sonnenklar. Er reist zu seiner Familie, dorthin, wo er als kleiner Junge mit Eishockey begonnen hat, und wo er mit zwölf Jahren das erste Mal auf demAura Golfclub vorbei geschaut hat. Seitdem schwingt er nicht nur eine Kelle, sondern auch einen Golfschläger. Der Platz in Turku ist 60 Jahre alt und damit der zweitälteste in Finnland. Es ist ein feiner Ort, um seine Freizeit zu verbringen. Golf wird hier wie in einem Park zelebriert, nur dass der Kurs direkt an die Ostsee grenzt. Das macht die Sache noch reizvoller. Dort eine Startzeit zu bekommen, ist kein großes Problem. Gäste kommen nur selten, schon gar nicht aus Deutschland, und das ist bei fast allen Plätzen so. Egal, welche Qualität sie bieten, und egal, wie preiswert das Greenfee ist.

Wir sind mit der Fähre von Travemünde nach Helsinki gereist. Im Bauch des Schiffs war über 29 Stunden unser Auto verstaut, ein VW Arteon. Warum gerade dieses Fahrzeug? Bereits aus ein paar Metern Entfernung lässt sich der Kofferraum öffnen: Per Knopfdruck schwingt eine riesige Heckklappe auf, die den Blick auf einen Speicherplatz von knapp 600 Litern freigibt. Wem das nicht reicht, legt die Rücksitze um und bekommt hier mühelos neben zwei Golftaschen das Gepäck für mindestens sechs Wochen Urlaub unter. So lässt sich komfortabel reisen.

Gleich nach dem Anlegen der Fähre fahren wir an einen historischen Ort. ImHelsinki Golf Klub wird seit Anfang der 1930er-Jahre Golf gespielt. Lasse Telander spielt mit uns „seinen“ Platz, er weiß über fast jeden Grashalm eine Episode zu berichten. Der 84-Jährige ist hier seit rund 40 Jahren Mitglied. Er hat viele Höhepunkte miterlebt und natürlich schwere Zeiten.

Auch im Moment ist es nicht so einfach. Der Zustand des Platzes ist suboptimal, aber die Klasse des Kurses ist natürlich schon daran zu erkennen, wie hoch die alten Bäume rund um die Spielbahnen in die Höhe ragen.

Das große alte Clubhaus hinter der 18 des Helsinki Golf Klubs (HGK) deutet schon darauf hin, dass hier Tradition im Spiel ist. Der Platz in Tali ist der älteste des Landes.


Der Winter war wieder einmal hart, und das bedeutet, dass der Platz erst Ende April zum ersten Mal freigeben werden konnte. In Helsinki waren schon viele Größen des Golfsports zu Gast. Bernhard Langer, Severiano Ballesteros und auch der Größte: Jack Nicklaus. Telander kann sich noch gut daran erinnern, als der „Golden Bear“ ein Jahr nach seinem letzten Sieg beim US Masters 1986, mit einem Hubschrauber auf der sechsten Spielbahn landete. Seine anschließende Demoshow war das Dankeschön dafür, dass ein Clubmitglied in Helsinki die Schlägerfirma MacGregor von ihm gekauft hatte.

Ein gutes Geschäft war das nicht. Der sechsmalige Masterssieger war nach seiner „Clinic“ schnell wieder weg, und Mac-Gregor fast genauso schnell pleite. Negative Gedanken halten in Finnland aber selten lange an. Und dieses Mal liegt der Grund einzig und allein an einerGolfanlage namens Nordcenter . Ein Platz, der uns den Atem verschlägt. Vom Clubhaus aus, das im 16. Jahrhundert errichtet worden ist, wenn auch nicht mit seiner heutigen Bestimmung, fällt der Blick nicht nur auf die unterhalb liegende Bahn 18, sondern im Hintergrund auch auf eine Ostseebucht. Ein Blick, den man erstmal genießen und in sich aufnehmen muss, ehe man sich auf einen der Stühle auf der Terrasse plumpsen lassen kann.

Wenig später, auf dem Freame-Course, benannt nach seinem Architekten, verfestigt sich der Eindruck, gerade einen dieser seltenen Orte zu besuchen, die Golfer in ihrem Leben nicht vergessen. Spätestens nach Bahn zwei, die noch einige unspektakuläre Ferienhäuser an der Ostseeküste umkurvt, beginnt ein faszinierendes Golfabenteuer inmitten eines Waldgebiets. Für jede Bahn hat sich Ronald Freame eine neue Aufgabe ausgedacht, die nicht einfach zu bewältigen ist, zumal der Kurs obendrein recht hügelig ist.

Helsinki Golf Klub

Adresse: Talin Puistotie 12, 00389 Helsinki
Internet: helsingingolfklubi.fi
Eröffnet: 1932 (ältester Platz Finnlands)
Platz: 18 Löcher Parklandcourse in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum
Greenfee: 75 Euro (48 Euro ab 18 Uhr sowie ab 16 Uhr am Wochenende
Leihschläger: ja

Oase nahe des Stadtzentrums: Der Helsinki Golf Klub hat einen typischen Parklandplatz, der über die Jahrzehnte perfekt eingewachsen ist.


Die 18 Löcher stellte uns Lasse Telander vor. Er hat mehrere Bücher über die Historie des Golfsports in Finnland geschrieben.


Die 18 des Freame-Kurses vom Nordcenter endet direkt vor dem opulenten, erhöht liegenden Clubhaus, das innen typisch skandinavisch eingerichtet ist.


Naturerlebnis: Auf einigen Fairways im Nordcenter entsteht das Gefühl, allein auf der Welt unterwegs zu sein…


…denn viele Golfer waren während unseres Besuchs nicht auf der vorzüglichen und sehr weitläufigen Anlage vom Nordcenter zu sehen. Mehr Natur geht nicht, oder doch?


Nordcenter

Adresse: Aminnen kartanon tie 4, 10410 Aminnefors
Internet: nordcenter.fi
Eröffnet: 1988
Plätze: 2 x 18 Löcher, Freame Course und Benz-Course. Zwei Parklandplätze, die dicht an eine Ostseebucht grenzen
Architekten: Ronald Freame und Bradford Benz
Greenfee: 80 Euro (Ermäßigungen je nach Jahreszeit)
Leihschläger: auf Anfrage

Der Nachbarplatz, von Bradford Benz gebaut und nach ihm benannt, bietet breitere Schneisen und ist nicht ganz so anstrengend. Aber auch dieser Platz ist genauso hoch zu bewerten wie der von Freame. Beide sind mindestens so anspruchsvoll wie die besten deutschen Waldplätze von Berlin-Wannsee, Hamburg-Falkenstein oder der Anlage im Frankfurter Stadtwald. Landschaftlich sind sie schöner.

Kaum zu glauben, dass die Plätze des Nordcenters hierzulande nicht bekannter sind. „Finnland ist“, sagt Manager Olli E. Juvonen, „ein gut behütetes Geheimnis.“ Dabei verkaufen die Finnen nicht nur an diesem Ort Natur, Sicherheit und Ruhe. Wir spüren das bei unserer Fahrt nach Turku. Unsere Limousine mit der langgestreckten Heckklappe gleitet durch weite Felder, in deren Nähe nur selten einmal ein Haus auftaucht.

Wenn doch, dann trägt es diese typische rote Farbe, die auch in Norwegen und Schweden dominiert. Es ist ein Genuss, die 130 Kilometer nach Turku im Arteon zurückzulegen. In Finnland kann eine Autofahrt tatsächlich ein Vergnügen sein, weil niemand drängelt, es anscheinend nie einen Stau gibt und weite Ebenen des Landes an unseren Autofenstern wie in einem Film über Finnland vorbei gleiten.

In Aura Golf, wo wir später unseren Eishockeyhelden treffen, versucht uns Manager Sami Pere zu erklären, wie Golfplätze in Finnland wirtschaftlich zurechtkommen. Allein, wir begreifen es nicht. Die Jahresgebühr für Mitglieder beträgt hier gerade einmal 649 Euro, aber in Turku sind es immerhin rund 1200 – viel mehr als in den meisten anderen Clubs. Und das Greenfee liegt bei 60 Euro beziehungsweise 70 Euro, je nach Saison.

Auch Kytäjä, die Anlage mit dem fast unaussprechlichen Namen, bietet Ausflüge in die faszinierende Natur. Dieses in Richtung eines großen Sees.


Blick auf das moderne Clubhaus von Kytäjä. In fast allen Clubs gibt es mittags ein Büffet – und natürlich eine Sauna.


Ja, die Finnen können auch Teiche anlegen, wie hier! Was eigentlich nicht nötig ist, da hinter fast jeder Biegung ein See zu finden ist.


Doch Insider aus Finnland können über die Angaben dieser Spielgebühr nur schmunzeln. Wer vorher in den Clubs anfragt, bekommt fast immer einen Nachlass. Übrig bleibt dann oft lediglich ein Preis von gerade einmal 40 Euro. Und das gilt eben auch für Anlagen wie Kytäjä in Hyvinkää. Die Namen sind fast unaussprechlich für Europäer, doch wer die Orte einmal besucht hat, vergisst sogar diese Bezeichnungen nicht.

Kytäjä und Turku trennen gut 170 Kilometer, wobei die grobe Richtung wieder Helsinki heißt. Das Navigationssystem mit gleich zwei Anzeigen – einmal über einen großen Bildschirm in der Mitte zwischen Fahrer und Beifahrer – und direkt vor den Augen des Piloten durch das Lenkrad, lotst uns über abgelegene Straßen zu einer weiteren Anlage, für die es in Deutschland kein Pendant gibt. Zweimal 18 Löcher liegen in einem Gebiet, hinter dem anscheinend die Unendlichkeit mit einem Wald beginnt. Immerhin sind es rund zehn Kilometer bis zur nächsten Urbanisation.

Kytäjä bietet mit dem South East Course einen von außen fast unscheinbar wirkenden Inland-Links-Course, der erst zu verstehen ist, wenn man ihn spielt. Manche Grüns liegen in den Schneisen des angrenzenden Waldes, manche hinter oder neben großen Seen.

Der Architekt, der Kanadier Thomas McBroon, der beide Plätze entworfen hat, hat einige Tabus gebrochen, die sonst klassische Linksplätze ausmachen. Die Wasserhindernisse sind dafür ein Beispiel, auch die spürbaren Erhöhungen. Dabei herausgekommen ist eine Anlage, vor der sich wohl jeder erfahrene Golfer nur verneigen kann. Das haben auch die Leser unserer finnischen Schwesterzeitschrift „Golf Digest“ getan, die mehrere Löcher zu den besten des Landes wählten. Als das letztlich sogar beste gilt die 18, ein Par 5. Das Fairway schmiegt sich zur Linken an einen See, ehe es nach rechts in Richtung des leicht erhöhten Grüns abbiegt. Als wenn das noch nicht schwierig genug zu spielen wäre, hat McBroon ein onduliertes Grün geformt, das seinesgleichen sucht.

Kytäjä Golf

Adresse: Kytäjäntie 1265, 05720 Hyvinkää
Internet: kytajagolf.fi
Eröffnet: 2003 und 2004 (jeweils 18 Löcher)
Plätze: 2 x 18 Löcher, South East Course, North West Course. Beide Plätze sind Inland-Links-Courses, allerdings mit Wasserhindernissen. Optisch dominiert ein nahe gelegener großer See
Architekt: Thomas McBroon (Kanada)
Greenfee: 80 Euro (Angebote zu 50 Euro oder 60 Euro je nach Tages- oder Jahreszeit)
Leihschläger: ja

Linna Golf ist eine Resortanlage. In dem großen Clubgebäude vor der 18 und in weiteren Gebäuden der nahen Umgebung können Gäste übernachten.


Mit dem VW Arteon konnten wir sogar die Passagen von Club zu Club genießen, die oft nahe des ersten Abschlages endeten – wie hier in Linna Golf.


Linna Golf

Adresse: Vanajanlinnantie 485, 13330 Harviala
Internet: linnagolf.fi
Eröffnet: 2006
Architekt: Tim Lorbb (European Tour Design Office)
Platz: Die 18 Löcher des Resorts sind mehrfach als bester Kurs Finnlands ausgezeichnet worden. Der typische Parkland-Platz befand sich bei unserem Besuch in einem ausgezeichneten Zustand.
Greenfee: 100 Euro (der Club bietet auf Anfrage Ermäßigungen an)
Leihschläger: ja

Kytäjä gehört sicher zu den Orten, die Spielern mit einer Vorgabe von mehr als 30 Schlägen nicht unbedingt zu empfehlen sind. Beide Plätze verlangen guten Golfern alles ab, und das in einer bezaubernden Umgebung, die von einem großen See dominiert wird.

South East und North West Course zählen zu den modernen Anlagen des Landes, fertiggestellt wurden sie 2003 und 2004. Und sie sind nach einer Methode finanziert, die sich überall auf der Welt findet: Anteileigner haben sie bezahlt. Drei, vier Jahre vor ihrer Fertigstellung war das in Finnland ein Erfolg versprechendes Geschäft. Heute ist das anders. „Wir haben zu viele Plätze in Finnland, und die Nachfrage hat nachgelassen“, sagt Teemu Tyry. Er arbeitet für „Golf Digest“-Finnland und hat selbst Aktien einer Golfanlage besessen, konnte sie nach ein paar Jahren aber noch mit gutem Gewinn verkaufen.

Was in Finnland mit seinen 131 Clubs und etwa 142.000 Mitgliedern ein Problem ist, darf für Besucher anderseits als großer Vorteil gelten. „Wir haben ein dynamisches Preissystem“, sagt Manager Esa Honkalehto, der uns den Platz vonLinna Golf in Harviala vorstellt. Die Zeit im VW Arteon auf dem Weg dorthin ist schnell vergangenen, es waren nur 70 Kilometer.

„Dynamisch“, das bedeutet, dass die Preise flexibel sind. Wer zu viert kommt, darf auf einen Nachlass hoffen. Natürlich auch, wenn man außerhalb der Hochsaison (Juli und August) abschlagen möchte. Dann gilt der offizielle Preis von 80 Euro nicht mehr.

Linna Golf ist eine Resort-Anlage, auf der Gäste gegenüber vom Clubhaus übernachten können. Selbstverständlich ist ein See in der Nähe, an dessen Ufer eine Sauna gebaut worden ist. Das Wasser des Sees sieht ein wenig braun gefärbt aus, aber das hängt allein mit dem Untergrund zusammen. Seen bieten in Finnland fast immer Trinkwasserqualität.

Auch Linna Golf ist eine noch recht junge Anlage, sie wurde 2006 eröffnet. Allerdings wirkt sie so, als habe sie schon um die Jahrhundertwende Golfer in ihren Bann gezogen. Tim Lobb, der Designer von European Tour Design, hat einfach den Randbereich eines vorhandenen Waldes gelichtet. Und dort verlaufen nun die Fairways. Viel besser kann man das vermutlich nirgendwo auf der Welt lösen.

In Vierumäki wird auch dieses Jahr ein Turnier der Challenge Tour gespielt. Der neuere der beiden Plätze ist ein perfekt angelegter Championship Course.


Markant ragen hier einzelne Kiefern in die Höhe – Zeitzeugen dafür, dass der Kurs in ein früheres Waldgebiet eingefügt wurde.


Ähnlich wurde auch auf unserer letzten Station verfahren, inVierumäki . Den Ort erreichen wir nach 103 Kilometern und einer sehr bequemen Reise von gerade anderthalb Stunden. Auf dem dortigen Cooke Course, der von dem Kanadier Graham Cooke gebaut worden ist, wird dieses Jahr im August zum dritten Mal ein Turnier der europäischen Challenge Tour stattfinden. Auch in Vierumäki sind einzelne auf dem Platz verbliebene hohe Kiefern Zeugen dafür, dass an der Stelle des Platzes einmal ein Waldgebiet lag. Aber wenn man über so viel Land verfügt und so viele Wälder findet wie in Finnland, ist es eben auch kein Problem, Waldgebiete in Golfplätze umzuwidmen.

Der Cooke Course ist offenbar von Anfang an dafür vorgesehen gewesen, hier einmal große Turniere zu veranstalten. Jede Bahn folgt einer klaren Strategie, aber Designer Cooke war obendrein clever genug, einige Höhepunkte auf seinem Platz zu integrieren. „Signature Hole“ ist hier zum Beispiel ein kurzes Par 4, von den gelben Abschlägen nach 227 Metern zu erreichen. Allerdings wird das Grün von einem seitlich verlaufenden Teich geschützt, auf der anderen Seite begleiten Hügel die Spielbahn. Wer etwas wagt, kann hier also gewinnen und Birdie spielen.

Und noch einen Gag haben sie sich auf dem Cooke Course einfallen lassen: An Loch sieben, einem Par 3 über 130 Meter (von gelb), wird bei Turnieren regelmäßig ein Boot für ein Hole-in-One ausgelobt. Sein Wert: 50.000 Euro. Bei Turnieren der Profis ein Haus, das an dem nahe gelegenen See zu findet ist. Der Wert soll bei rund 300.000 Euro liegen. Beide Preise sind noch zu haben.

So kann man auf sich aufmerksam machen. In Viermumäki machen sie das aber auch, indem sie gleich nebenan noch eine Runde auf dem Classic Course anbieten können. Dieser Platz ist immerhin 30 Jahre alt. Für beide Plätze nahe Lahti ist vor zehn Monaten der Schotte Allan Strachan aus der Nähe von Carnoustie als Greenkeeper engagiert worden. Er hat schwer mit dem Zustand der Anlage zu kämpfen, aber sie haben, wie er sagt, „schon viel erreicht.“ Binnen drei Jahren will er die beiden Plätze zu einer Vorzeigeanlage entwickelt haben.

Auf dem Weg zurück nach Helsinki fällt uns auf, dass wir über die gesamte Tour zu den sechs Anlagen kein einziges Mal unseren VW Arteon TDI betanken mussten. Der Verbrauch lag bei rund fünfeinhalb Litern, was natürlich auch der Fahrweise geschuldet war. In Finnland gilt ein Höchsttempo von 120.

Zum Abschluss treffen wir noch einmal Teemu Tyry, Finnlands Golf-Experten Nummer eins. Er fragt nach unserem Resümee. Und bekommt eine klare Antwort: Wir verstehen jetzt, warum Eishockey-Star Mikko Koivu im Urlaub nicht eines der herkömmlichen Traumziele ansteuert, sondern sofort nach Finnland zurückkehrt. Und an dem Ort anzutreffen ist, wo er seinem liebsten Hobby nachgeht. Nach Eishockey natürlich!

Vierumäki Golf Club

Adresse: Kaskelantie 10, 19120 Vierumäki
Internet: vierumakigolf.fi
Eröffnet: Classic Course 1988, Cook Course 2006
Architekten: Martin Erbert (Classic), Graham Cook
Plätze: 2 x 18 Löcher, Classic Course und Cook Course. Vor allem der Cook Course begeistert durch sein herausragendes Design. Zur Zeit nicht in Bestzustand, aber ein schottischer Greenkeeper will dauerhaft für Besserung sorgen
Greenfee: 45 bis 60 Euro
Leihschläger: ja