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DTM: „Dies ist ein ebenso mutiges wie innovatives Konzept“


Top Speed - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 30.01.2020

DTM 2020 auf drei neuen Strecken und einer elektrischen Vision


Artikelbild für den Artikel "DTM: „Dies ist ein ebenso mutiges wie innovatives Konzept“" aus der Ausgabe 2/2020 von Top Speed. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Top Speed, Ausgabe 2/2020

Gerhard Berger


Die Wechselbatterie wird im Fahrzeugunterboden integriert


Am letzten April-Wochenende startet die DTM 2020. Allerdings wurde diesbezüglich mit einer langjährigen Tradition gebrochen, der Saisonauftakt fi ndet nicht mehr auf dem Hockenheimring, sondern in Zolder statt. Im Vorjahr kehrte der Circuit in der belgischen Region Limburg als Austragungsort dieser Tourenwagen-Serie zurück.

„Unser zehn Veranstaltungen umfassender Rennkalender ist wirklich prall gefüllt. Wir haben attraktive Pakete für jedes einzelne Rennwochenende ...

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... geschnürt, indem wir beliebte nationale mit etablierten europäischen Rennserien kombinieren. Gerade im Bereich des GT-Sports haben wir deutlich zugelegt. Nach ihrer ungemein erfolgreichen Debütsaison 2019, heißen wir zudem erneut die W-Series im Rahmenprogramm der DTM willkommen. Fans historischer Rennfahrzeuge kommen bei uns ebenfalls nicht zu kurz. Wir freuen uns besonders, dass es uns auf Anhieb gelungen ist, auch auf den drei neuen Rennstrecken im DTM-Kalender - Igora Drive St. Petersburg, Scandinavian Raceway Anderstorp und Autodromo Nazionale Monza - abwechslungsreiche Action zu bieten“, berichtete Frederic Elsner, ITR Director Business Unit Event. Neben den von Elsner genannten Kursen in Russland, Schweden und Italien startet die DTM wieder auf den bisher dazugehörigen Strecken. Das Privileg - Saisonfi nale - blieb dem Hockenheimring erhalten. Die genauen Termine sind auf den Mittelseiten dieser „Top Speed“-Ausgabe nachzulesen. Außer der WSeries und der DTM-Trophy als seriennaher GT-Sport, sind aus der Sicht deutscher Besucher die Tourenwagen Classics, die DMV GTC oder die DRM- & Gruppe- C-Classics von besonderem Interesse. Damit nicht genug! Mit einer spektakulären Konzeptstudie für Rennfahrzeuge mit Elektroantrieb richtet die ITR, Vermarkter der Tourenwagen-Serie DTM, den Blick in die Zukunft des Motorsports. Der Entwurf ist in mehrfacher Hinsicht einzigartig und geht weit über gegenwärtig existierende Rennserien mit Elektrofahrzeugen hinaus. So werden die Elektromotoren der Rennfahrzeug-Studien auf zwei verschiedene Arten mit Energie versorgt: entweder über eine Batterie oder über eine Brennstoffzelle, die Wasserstoff in elektrische Energie wandelt. Eine Weltneuheit sieht die Vision von einer zukünftigen Rennserie auch für die Boxenstopps vor: Industrieroboter würden nicht nur die Räder automatisch wechseln, sondern auch die im Fahrzeugunterboden befi ndliche Batterie oder den Wasserstofftank - je nach Energiespeicher. Der Entwurf sieht extrem leistungsstarke Tourenwagen vor, in denen die Fahrer kurzzeitig bis zu 1.000 PS Leistung abrufen können. Angesichts dieser Power wären bei einem 30- bis 40-minütigen Rennen ein Wechsel von Batterie oder Wasserstofftank notwendig. „Dies ist ein ebenso mutiges wie innovatives Konzept. Wer die Zukunft des Motorsports gestalten und auch mit alternativen Antrieben Racing bieten will, das die Fans begeistert, muss den Blick weiter nach vorn richten. Und dass Hersteller, die sich im Motorsport engagieren wollen, ihr Augenmerk zunehmend auf alternative Antriebskonzepte legen, ist augenscheinlich.“

Industrieroboter wechseln Batterie oder WasserstofftanIndustrieroboter wechseln Batterie oder Wasserstofftank


Bis zu 1.000 PS Leistung sind kurzzeitig abrufbar


erklärte DTM-Chef Gerhard Berger. Darüber hinaus wurde ein klimafreundlicheres Hochleistungsbenzin bereits getestet. Und der nächste Baustein für zukünftige, nachhaltige Antriebstechnologien in der DTM ist schon in Arbeit: Die ITR hat gemeinsam mit den in der DTM engagierten Herstellern und weiteren Entwicklungspartnern ein tragfähiges Lastenheft für die Einführung eines Hybridsystems auf Basis der derzeitigen Zwei-Liter-Turbomotoren erstellt. Ziel ist es, dass die Hybridtechnologie 2022 in der DTM eingeführt wird. Eine Serie für Elektro-Rennfahrzeuge würde im Rahmenprogramm der DTM an den Start gehen. Die Vision sieht Einheitsfahrzeuge vor, bei denen der Elektroantrieb mit E-Motoren, Leistungselektronik und Batterie (BEV) oder Brennstoffzelle weitestgehend standardisiert wäre. In den kommenden Monaten wird die ITR die Arbeit an einer detaillierten Machbarkeitsstudie fortsetzen. Bei einem solchen Technologieprojekt müssen die Kosten unter Kontrolle gehalten werden. Das geht nur, wenn weite Teile der Entwicklung zentral gesteuert werden und wesentliche technische Komponenten des späteren Rennfahrzeugs vereinheitlicht sind. Gleichwohl sollte eine solche Rennserie für Hersteller interessant sein, denn die Fahrzeuge können im markentypischen Erscheinungsbild ihrer Modelle auftreten. Bislang gibt es keine Rennserie mit vollelektrischen Fahrzeugen, die dies ermöglicht. Die Leistungsdaten der Studie sind imposant: Leistungsspitzen von bis zu 1.000 PS ermöglichen Höchstgeschwindigkeiten von deutlich mehr als 300 km/h. Derartige Fahrleistungen erfordern höchste Sicherheitsstandards für Fahrer, Batterie und Wasserstofftank. Bei der Fahrersicherheit würde man auf die Erfahrungen mit der bewährten Kohlefaser-Sicherheitszelle der DTM-Fahrzeuge aufbauen. Für Wechselbatterie und -Wasserstofftank würde eine im Monocoque des Fahrzeugs integrierte Box zum Crash- und Feuerschutz entwickelt werden. Eine Umsetzung des Projekts hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab: Der technischen Machbarkeit, der Finanzierung der Entwicklung sowie dem Interesse von Fans, Herstellern, Teams und Sponsoren an einer solchen Serie. Mit professionellen DTM-Veranstaltungen auf Top-Rennstrecken in Deutschland sowie in weiteren europäischen Kernmärkten, einem breiten Publikum sowie einer internationalen TV-Vermarktung hat die ITR für den Anlauf einer solchen Serie eine starke Plattform. Die vorgestellte Vision stellt einen Quantensprung im Motorsport dar, der große technische und organisatorische Herausforderungen, aber auch Chancen mit sich bringt. Die skizzierte Rennserie fungierte für Hersteller gleichermaßen als Prüffeld und Entwicklungsbeschleuniger für Technologien mit Relevanz für Serienautos. „Die DTM ist eine professionelle, internationale Motorsport-Plattform für Fahrzeuge mit Bezug zu Serienmodellen. Sie existiert seit mehr als 30 Jahren, erfreut sich großer Beliebtheit und verfügt über ein starkes Erbe. Mit diesem Konzept wollen wir zeigen, dass wir aufgeschlossen in die Zukunft blicken und am Motorsport von morgen arbeiten“, ergänzte der ehemalige Formel-1-Pilot Berger. Wir sind elektrisiert!


Fotos: ITR (3), dtm.com (1)