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DU BIST ES WERT!


ich bin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 02.01.2020

Man nehme eine Portion Selbstvertrauen, eine Hand voll Zufriedenheit und mische das Ganze mit einer Prise Zuversicht, garniert mit etwas Toleranz. Dann nur noch kurz aufwärmen und gemeinsam genießen. Klingt doch ganz einfach.


ZUTATEN FÜR EIN STARKES ICH

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Bildquelle: ich bin, Ausgabe 1/2020

Leider scheint sich ein starkes, individuelles ICH nicht so leicht herzaubern zu lassen, zumal die Geschmäcker ja verschieden sind. Aber welche Zutaten wären grundsätzlich nötig für ein starkes ICH?
Das ICH per se ist ausnahmslos immer vorhanden. Mal ganz offensichtlich, mal eher im Verborgenen, mal maskiert, mal gebrochen. Aber da ist es. Wir kennen es ...

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... als Seele, als Unterbewusstsein oder womöglich auch als unseren Geist. Doch trotz dieser Eigenschaft, ein fester Bestandteil zu sein, der uns allen eigen ist, verhält sich das ICH äußert individuell. Es ist launisch, wankelmütig, verletzbar, kann jedoch auch gestärkt werden. Wir füttern es wie unseren Bauch und zehren gleichermaßen davon, Tag für Tag. Daher sind jene „Zutaten“, die wir zu unserem ICH hinzugeben durchaus entscheidend für dessen Gesundheit. Ein gesundes ICH wird gerne als stark bezeichnet, als wäre es essenziell für das Immunsystem. Und tatsächlich kann ein gesundes ICH emotionale Angriffe besser abwehren, Stress aushalten und bei Bedarf die Regeneration fördern.

Was macht mich stark?
Jetzt müsstest du nur noch wissen, wie du so eine „Mental Health Care“ (also geistige Pflege) verinnerlichen kannst.Nun gleicht die Mental Health Care nicht unbedingt einem Pizzabaukasten beim Lieferanten des Vertrauens, beziehungsweise einem Konzept mit Grundbaustein, ein paar Extras und einem interessanten Topping. Denn so vielfältig wie die Auswahl ist, so unterschiedlich sind auch die Bedürfnisse und Befindlichkeiten jedes Menschen, die erfüllt werden wollen. Du solltest dich also bewusst fragen, wovon du dich „nährst“:

Brauchst du Anerkennung durch andere?
– Musst du im Rampenlicht stehen mit dem starken Drang nach Aufmerksamkeit?
– Fühlst du dich eher abseits wohl, wo dich keiner weiter beachtet?
– Bestehst du auf Dankbarkeit, wenn du anderen hilfst?

Sind dir Bescheidenheit, Fleiß und Mäßigung bei dir wie bei anderen gleich wichtig?

Allein diese wenigen Beispiele haben bereits ihre Tücken in Bezug auf ein starkes ICH. Natürlich wollen wir Anerkennung erfahren – jedoch ohne arrogant zu wirken. Wir erwarten einen Dank für unsere Mühen und dulden keine Ignoranz bei unseren Bitten um Hilfen.
Ein starkes ICH kann rein theoretisch auf all das verzichten. Denn es nährt sich nicht von den Urteilen durch andere Mitmenschen, weder von den positiven noch von den negativen. Es blüht nicht auf, wenn es anderen schlecht geht, es labt sich nicht an Neidern und Gönnern. Es steht unmittelbar für sich. Pur. Unverfälscht.
Folglich nährt sich ein gesundes ICH nicht aus dem Überfluss an manipulativen Einflüssen durch Beziehungen oder gesellschaftliche Maßstäbe. Aber es davon komplett abzugrenzen ist nun einmal kaum realistisch.
Ein guter Anfang wäre, die Nährstoffe für das eigene ICH nicht von anderen abhängig zu machen, sondern es im Gegenteil genau davor zu schützen. Andernfalls wächst dein ICH über sich hinaus zu einem aufgeblasenen Ego oder aber es fällt auseinander in lauter kleine Burnouts, Stimmungsschwankungen, Zweifel, Ängste und Schamgefühle.

Ich bleibe auf meinem Weg
Dein ICH entspringt deinem tiefsten Inneren. Und genau da setzt es an: An deinem Selbstbewusstsein, an deiner Zuversicht, deiner Toleranz und Selbstliebe. Zufriedenheit stärkt dein ICH, aber nur wenn du mit dir selbst zufrieden bist. Lob von außerhalb verfälscht diese Zufriedenheit und legt dir ein Selbstbild auf, dass mit deinem ICH nicht harmonisch übereinstimmt.
Vielleicht kennst du diese Situation: Du hast in deinem Job eine mittelgroße Krise den Umständen entsprechend gut gelöst. Dein Chef lobt dich, was dir schon fast unangenehm ist. Deine Kollegen sind leicht neidisch, was sich für dich wiederum gut anfühlt. Du selbst aber bist im Grunde ge nommen nicht zufrieden mit deiner Leistung, weil du es hättest besser machen können. Deinen Freunden gegenüber berichtest du dennoch voller Stolz von deiner Tat. Zu Hause erzählst du deinem Partner allerdings von deinen Zweifeln. Die einen halten dich nun für einen Helden, die anderen für einen Angeber, wieder andere für viel zu bescheiden. Und du? Wo bleibt dein „Ich wollte doch mein ICH stärken“?

Ein starkes ICH würde in so einer Lage Lob und Neid gleichermaßen tolerieren, sich aber weder für vertane Chancen schämen noch rechtfertigen wollen. Auch kann es zu seinen Gedanken, Emotionen und Taten stehen, jedem gegenüber und ohne den Einfluss vor der Ungewissheit, welche Urteile gefällt werden mögen. Demzufolge führt dich ein starkes ICH durch jedwede Situation. Anstatt dich selbst zu verlieren, kannst du somit zu dir stehen. Selbstbewusst, selbstliebend, garniert mit etwas Toleranz.

Ich bin etwas wert
Wenn sich dein ICH nicht von Fremdeinflüssen manipulieren lassen soll, zieht es also Energie von dir selbst. Deswegen sprechen wir auch von Selbstvertrauen, und nicht davon, ob andere dir Vertrauen schenken können. Wir sprechen von Selbstliebe, unabhängig davon wie sehr du von anderen geliebt wirst oder womöglich auch nicht.
Beschreibe dich in ein, zwei Sätzen. Überprüfe deine Denk- und Handlungsmuster, sprich wie du in bestimmten Situationen reagierst, auf welche Reize du ansprichst, wovon du dich aus der Ruhe bringen lässt und welche Gefühle bei dir besonders oft aufkommen.
Stelle und beantworte dir deinen eignen Fragen mit Offenheit und Ehrlichkeit, beispielsweise „Was müsste geschehen, damit ich glücklich bin?“, „Welche Eigenschaften sind mir besonders wichtig?“ oder „In welchen Situationen fühle ich mich am wohlsten?“. Je besser du dein ICH kennen- und verstehen lernst, desto vertrauter bist du mit dir. Daraus ziehst du Selbstvertrauen. Folglich kannst du Eigenarten, die du selbst in Frage stellst, gezielt ändern beziehungsweise daran arbeiten. Wie etwa vermeintliche Schwächen. Tausche sie (wenn überhaupt nötig) in positive Affirmationen um. Dadurch initiierst du ein gewisses Umprogrammieren: ein Umwandeln deiner Energie. Sie geht weder verloren noch wird sie stärker, aber allein durch Bündelung dieser Energie wird sie effektiver. Statt dich also mit Ausreden und Selbstmitleid aufzuhalten, bringe diese Energie, die du normalerweise dafür verwendest, fortan in positive Prozesse ein, so zum Beispiel in Selbstwertschätzung und Selbstliebe. Selbstwertschätzung ist ein wesentliches Merkmal des starken ICH, wenngleich nicht immer leicht zu erkennen. Denn Selbstwertschätzung schließt weder Kritik noch Inspiration aus, vor allem nicht, wenn diese eigens angebracht werden. Diese Form der Wertschätzung unterliegt also einer Dynamik, die der unserer persönlichen Lebenssituation entspricht, den alltäglichen Herausforderungen und Erfahrungen.

Was ist „Positives Denken“? Was ist „Stärke“?

Wann immer Gegensätze ins Gleichgewicht gebracht werden sollen, scheiden sich die Geister. Wo hört das Negative auf, wo fängt das Positive an? Wann ist eine Schwäche auch eine Stärke oder umgedreht?
Die Antwort liegt in deiner jeweiligen Perspektive auf dein ICH. Jeder negative Glaubenssatz (zum Beispiel: „Ich habe Zweifel daran, ob ich liebenswert genug bin.“) kann in eine positive Affirmation gewandelt werden („Ich liebe mich selbst, weil ICH mich liebenswert finde. Auch andere werden das erkennen, wenn sie mich gut genug kennen.“).
Die Stärke zum positiven Denken bringt deine ureigene Energie ans Licht. Du findest Zuversicht, wo andere verzagen, Geduld in Stress-Situationen und auch Selbstvertrauen, wenn es darauf ankommt, bis hin zu Zufriedenheit mit deinem ICH in jeder Lebenslage.

Lerne, wirklich stark zu sein
Innere Stärke wird oftmals mit Durchsetzungskraft gleichgesetzt, mit Willensstärke, mentaler Ausdauer und Ehrgeiz. Wer jedoch ein Training im Leistungssport absolviert hat, weiß, das Stärke viel mehr bedeutet als das. Es geht um innere Balance, Disziplin, eine gesunde Einschätzung der eigenen Kräfte und Grenzen sowie das Wissen um die Stärke, bestimmte Gegenschläge wegzustecken, wieder aufzustehen und weiter zu machen.
Selbst vermeintliche Schwächen können genutzt werden, um am Ende dort zu stehen, wo man ursprünglich hin wollte. Mit anderen Worten: Stark sein heißt nicht, dauernd unter Strom zu stehen, alles an sich radikal und stetig verändern zu wollen, dauernd im „Kampfmodus“ zu sein. So ein andauernder ICH-Trip wird schnell zum Ego-Trip. Ein starkes ICH ruht in sich selbst, kann Gelassenheit praktizieren und auch ausstrahlen. Es besteht durch Geduld, Zuversicht, Liebe und Selbstvertrauen. •

Sei deine eigene Quelle der Energie

Deine eigene Energiequelle zu sein, hat somit unweigerlich Vor- und Nachteile:
1. Deine eigene Energie zu nutzen, eröffnet dir ein schier endloses Potenzial Kraft zu schöpfen, denn diese Energie währt solange du lebst.
2. Dein Ich ist frei: von gesellschaftlichen Idealen, Wertmaßstäben und Urteilen. Es kann sich somit frei entfalten und entwickeln.
3. Du selbst bist für dein ICH verantwortlich. Das kann sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein. Vor allem aber ist es immer eine Chance für dich.

4 SCHRITTE AUF DEM WEG ZUM SELBSTVERTRAUEN

1. Kenne deine Grenzen: Du kannst sie bei Gelegenheit testen oder aber auch vorsorglich eigens definieren. Entscheidend ist, dass du dich ihrer bewusst bist und ein Überschreiten nur in Ausnahmefällen duldest. Schließlich sind deine Grenzen auch Schutz und Entscheidungshilfe für dich.

2. Lass kein Urteil durch andere über dich zu. Nimm dir Kritik und Ratschläge an – aber urteile selbst, welche Weisheiten und Maßnahmen für dich persönlich geeignet sind.

3. Bilde dir, nach deinen Maßstäben, deine eigene Meinung: durch Recherche, Ausprobieren, Lernen und verschiedene Blickwinkel. Überall wartet das Wissen nur darauf, angeeignet und genutzt zu werden. Wissen ist die Rückendeckung für dein Selbstvertrauen, dein Verstand die stärkste Waffe im Disput.

4. Bedenke: „Stärke hat es nicht nötig, Schwäche auszunutzen.“ Mit deinem Selbstvertrauen kannst du auch für andere einstehen und es dadurch weiter profilieren. Mit jeder neuen Herausforderung wächst dein Selbstvertrauen.


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