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DUELL IN RICHTUNG ZUKUNFT


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 16/2022 vom 20.04.2022

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Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 16/2022

i4 und Model 3 besitzen beide einen ca. 80 kWh großen Akku. Doch der effizientere Tesla schaffte im Test mehr Reichweite

BMW i4

KEIN WELPENSCHUTZ für den brandneuen i4: Zum Einstand wartet gleich der Verkaufsschlager von Tesla, das Model 3. Der Ami bereichert schon seit drei Jahren unser Straßenbild, ist dank seines Erfolges bestens bekannt und wirkt schon fast vertraut. Dem BMW kommt ganz klar die Rolle des Herausforderers zu. Wobei der Bayer kein echter Neuling, sondern nur die elektrifizierte Version des 4er Gran Coupé ist. So mutet der i4 auch etwas konventioneller an, vor allem nach dem Entern der Innenräume.

Die ganz neue iDrive-Generation mit großem, gekrümmtem Doppel-Display zieht zwar die Blicke auf sich, während der Rest der Inneneinrichtung wie gewohnt fein gemacht und besonders akkurat verarbeitet ist – wirklich von den Socken haut das aber niemanden.

Anders im Model 3, wo Tesla­ Novizen staunen, wie radikal reduziert sich ein Cockpit einrichten lässt: ein großes Zentraldisplay, zwei Scroll-Bälle ...

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... im Lenkrad, die beiden Lenkstockhebel – das war es. Weitere Knöpfe und Schalter entziehen sich erst mal dem Blick der Insassen. Das ultramoderne Ambiente verstärkt das Glasdach, das sich, unterbrochen von zwei Holmen, von der Motorhaube bis zum Heck zieht und ohne Markise auskommt. Kein Manko, auch bei starkem Sonneneinfall bleibt der Blick gen Himmel so angenehm wie durch eine gute Ray-Ban.

Dazu sorgt die Kuppel für die bessere Rundumsicht und ein angenehmeres Raumgefühl. Im coupéartigen i4 fällt der Platz über den Köpfen auch leicht knapper aus. Aufgrund der Akkus im Wagenboden hocken die Passagiere aber in beiden Stromern mit angewinkelten Beinen auf der Rückbank. Und unter den Vordersitzen bleibt wenig Platz für die Füße – nicht sehr gemütlich. Gemessen mehr Platz bietet das Model 3 zumindest vorn.

TESLA MODEL 3

Wie die Fahrgestellnummer verrät, wurde unser Tesla in China gefertigt. Keine Angst davor, die Damen und Herren in der Gigafactory Shanghai beherrschen ihr Handwerk, Patzer bei der Verarbeitung entdecken wir nicht. Aufgrund einfacherer Oberflächen, gröberer Spaltmaße und mehr unlackierter Flächen in Ecken und Spalten reicht die Qualität aber nicht an die des i4 heran. Die bessere Variabilität (große Heckklappe, dreifach teilbare Rückbank), die höhere Zuladung (460 zu nur 377 kg) und die Möglichkeit, 1,6 Tonnen an den Haken zu nehmen, sprechen außerdem für den i4.

„Hallo, BMW?“ Wie gewohnt antwortet die nette digitale Dame. Ein paar Änderungen hält die achte iDrive-Generation aber parat. So hat sich die Klimabedieneinheit in Bits und Bytes aufgelöst. Touch-,Sprach-oder Controller-Eingaben befehligen nun Lüftung und Co. Dazu verwirrt die Menüansicht mit neuer Kachelstruktur.

Model 3

BMW i4

So unkompliziert und intuitiv wie einst ist die Sache daher nicht mehr. Kann aber alles fix erlernt werden. Außerdem hält die Favoriten-Ansicht das digitale Wirrwarr im Zaum. Gewohnt gut: BMWs Sprachbedienung. Doch das gilt inzwischen auch für das Model 3.

Eingesprochene Anweisungen textet der Rechner zur Bestätigung fast in Echtzeit auf das Display, sodass der Anwender erkennt, dass die Kommunikation klappt. Zur Zielsetzung reicht der Befehl: „Fahr mich nach Musterhausen!“ Und nach drei Sekunden ist die Navigation aktiv, keine Bestätigung notwendig – toll! Selbst für die Spiegel-und Lenkradeinstellung oder das Öffnen des Handschuhfachs gibt es im Tesla keine Knöpfe, auch diese Dinge funktionieren per Sprache und in Verbindung mit den Scroll-Buttons im Lenkrad. Befehle wie „Ich habe Hunger“ versteht das Zentralhirn jedoch nicht, der BMW schon. Noch mehr vermissen wir im Tesla aber Apple CarPlay oder Android Auto. Und einen Tacho hinterm Lenkrad.

TESLA MODEL 3

Speziell nachts kann der Blick auf das dunkle Nichts irritieren. Einziger Tempoanzeiger: ein kleines Feld oben links im Display. Keine gute Lösung. Finden übrigens nicht nur wir, weshalb mehrere Tech-Firmen Nachrüst-Displays anbieten.

Ein Doppel-Zupfer am rechten Lenkstockhebel, schon ist Teslas „Autopilot“ aktiviert. Ein fast sagenumwobenes System, dem höchste künstliche Intelligenz nachgesagt wird. Im Testwagen sind allerdings lediglich die Basisfunktionen freigeschaltet. Tatsächlich schaut sich das Model 3 mit Kameras in den B-Säulen und Kotflügeln auch zur Seite um, stilisiert den umgebenden Verkehr grafisch ins Display, während der BMW vor allem nach vorn blickt.

Beide Lenkassistenten halten aber sauber die Spur. Um den des Tesla zu überstimmen, benötigt der Fahrer jedoch erstaunlich viel Kraft – eine andere Philosophie halt. Aber: Einen Technologie-Vorsprung besitzt Tesla hier nicht. Die Fahr-Assis leisten sich zuweilen Patzer, wirken ungestüm beim Auffahren auf Hindernisse, übersehen Geschwindigkeitslimits, bremsen nicht beim Abbiegen oder beim Einfahren in Ortschaften. Das alles kann der i4 viel besser. Zudem gibt es im BMW hilfreiche Funktionen wie den Querverkehrswarner hinten, der Tesla fehlt.

Und Selberfahren? Beide sind mit Doppelmotor, Allrad und immenser Power bestückt. Die wahnwitzigen Sprintwerte im Drei-Sekunden-Bereich können sowohl i4 als auch Model 3 mit gut gefüllten Akkus problemlos reproduzieren, die irren Beschleunigungswerte sind auf einem Niveau. Der Tesla ist in der Spitze (261 km/h) aber viel schneller. Jedoch nicht dauerhaft, je nach Temperaturlage des Akkus sind oft „nur“ 230 oder 210 km/h möglich. Der i4 hält seinen Topspeed souveräner.

Dank der wahlweise sehr leichtgängigen und direkten Lenkung wirkt das Model 3 dafür viel agiler und vermittelt so ein besonderes Fahrgefühl. Tatsächlich muss der BMW auch fast eine halbe Tonne mehr Masse

Vorteil Tesla: eigene unkompliziertere Ladeinfrastruktur. Einfach nur einstöpseln, kein Anmelden per Karte oder App notwendig mit sich herumschleppen, wiegt stattliche 2,3 Tonnen. Punktabzüge kassiert der i4 auch auf der Verbrauchsrunde. Das deutlich effizientere Model 3 verzehrt pro 100 km gut 8 kWh weniger Strom – ein deftiger Unterschied und der verdiente Sieg im Antriebskapitel für Tesla. Bei den Fahreigenschaften wendet sich das Blatt. Schlecht gemacht ist die Abstimmung im Model 3 keineswegs. Satter, sicherer und komfortabler fährt es sich aber im i4. Im Gegensatz zum hippeligen Model 3 bleibt seine ausgewogene Lenkung auch bei Topspeed frei von Nervositäten.

DAS RENNEN AN DER LADESÄULE: REMIS BEIM SCHNELLLADEN

Wer von beiden lädt schneller?

Wichtige Frage, also ging es mit dem Model 3 an einen der vielen Supercharger (max. 250 kW Ladeleistung), mit dem i4 an einen HPC-Lader (max. 300 kW).

Die Außentemperatur lag bei drei Grad Celsius, die Batterien wurden vorkonditioniert, während des Ladens stand kein anderer Stromer am benachbarten Anschluss. Und der Ladestand betrug bei beiden exakt zehn Prozent. Abgesehen von der Temperatur also ideale Bedingungen. Entsprechend flott gingen beide fast mit maximaler Ladegeschwindigkeit ans Werk. Schnell flacht danach die Kurve bei beiden ab. Der Verlauf ist beinahe identisch, hintenraus war der BMW im Test etwas flotter – aber nur zwei Minuten früher bei 80 Prozent. Also ein Unentschieden.

Kürzere Ladezeiten bieten Stromer mit 800-Volt-Technik (z. B. Kia EV6), die beim Erreichen von 80 Prozent Akkustand teilweise noch mit über 100 kW laden. Für i4 und Model 3 gilt hingegen die Faustregel: 10 bis 80 Prozent dauern meist rund 30 Minuten. Von fast ganz leer bis 100 Prozent vergeht etwa eine Stunde.

Und weil die Innengeräusche stets viel niedriger sind, ist der i4 die klare Empfehlung für Fahrer mit ausgeprägtem Faible fürs schnelle, komfortable Gleiten.

Das muss einem allerdings schon in der Basis über 11 000 Euro mehr wert sein. Das Model 3 ist für knapp 60 000 Euro voll bestückt.

Der i4 kostet inklusive aller für den Test relevanten Extras fast 18 000 Euro mehr, ist dabei noch längst nicht am Ende der Preisliste angelangt. So holt das Model 3 seinen Punkterückstand aus der Eigenschaftswertung am Ende vollständig wieder auf. Also kein Sieger?

Doch, gleich zwei sogar. Nur setzt jeder eben seine ganz eigenen Prioritäten.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

1.

1.

Model 3 Das agilere, effizientere und vor allem günstigere Auto kommt von Tesla. Ein weiteres starkes Argument: die Ladeinfrastruktur.

FAZIT

STEFAN NOVITSKI, BEREND SANDERS

Der neue BMW i4 stellt die E-Mobilität nicht auf den Kopf. Doch der hochwertige Bayer wirkt sehr souverän und wird neue Kunden mit Freude am Fahren zur E-Mobilität ziehen. Mit effizienterem Antrieb hätte es sogar für einen knappen Sieg gegen das innovative Tesla Model 3 gereicht. i4 Qualität, Fahrverhalten, Bedienung und Komfort sind die Domänen des BMW. Preis, Verbrauch und vor allem Gewicht sind beim i4 zu hoch.