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Dünne Luft mit perfekter Kulisse


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 08.07.2021

Artikelbild für den Artikel "Dünne Luft mit perfekter Kulisse" aus der Ausgabe 80/2021 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Die A319 von LATAM Airlines, 2019 noch in alter LAN-Bemalung fotografiert, scheint beim Abflug fast die Häuser an den Hängen zu touchieren. Das Bild entstand mit langer Brennweite an Spot #4

Zusammen mit Aldo, einem Spotter aus Lima, fliege ich mit Peruvian Airlines für einen Tag nach Cusco. Die Stadt, hoch in den Anden gelegen, ist das touristische Zentrum Perus und wird auch als „Inka-Hauptstadt“ bezeichnet. Neben der historischen Innenstadt ist sie auch als Ausgangspunkt für Reisen nach Machu Picchu interessant. So wird der Flughafen auch Ziel für Planespotter.

Die Verbindung von Lima (LIM) nach Cusco (CUZ) ist die meistbeflogene Strecke in Peru. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich unbedingt einen Fensterplatz nehmen. Der Anflug führt zunächst im Gegenanflug von Westen her südlich an der Stadt vorbei, mit einem perfekten Blick auf das Tal und den Flughafen. Eine 180-Grad-Drehung führt hinein ins Tal. Dort wird die Bebauung an den Hängen dichter. Aufgrund der Höhenlage und der daraus resultierenden dünneren Luft wird hier mit einer höheren Geschwindigkeit gestartet und ...

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... gelandet als sonst üblich.

Mitten in der Stadt

Neben dem schönen Ausblick während des Flugs bietet die Strecke vor allem eine hohe Frequentierung und Airline-Vielfalt. Zwischen Cusco und der peruanischen Hauptstadt Lima gibt es das ganze Jahr über eine große Auswahl an Verbindungen, die sich preislich gegenseitig unterbieten. Das Verkehrsaufkommen ist in der Vergangenheit stark angestiegen: Die Passagierzahlen haben sich in den letzten zehn Jahren auf 3,6 Millionen pro Jahr verdreifacht.

So ein Anstieg der Flugbewegungen freut auch den Spotter. Noch mehr aber, dass das Ende der Landebahn sich fast schon im Stadtzentrum befindet. Noch dazu reichen von allen Seiten Gebäude bis an den Flughafenzaun heran. Für die Anwohner mitunter eine Zumutung – für Spotter ein Paradies.

Weltweit gibt es kaum Flughäfen in solcher Stadtlage. Und davon sind nur wenige von hohen Bergen umgeben. Da nach Westen hin die Anden stark ansteigen, wird in CUZ grundsätzlich nur von Osten durch das Tal kommend gelandet und wieder nach Osten gestartet. Das schränkt die Kapazität des Flughafens drastisch ein. Aus diesem Grund wird seit 2019 an einem neuen Flughafen gebaut.Er befindet sich in der Nähe des Dorfs Chinchero, zirka 15 Kilometer von Cusco entfernt. Der Bau ist nicht unumstritten, da er noch mehr Touristen in die ohnehin schon überlaufenen Weltkulturerbestätten locken wird. Seine Fertigstellung ist allerdings nicht vor 2024 geplant und wird sich durch die Pandemie noch weiter verzögern.

TIPPS /

Die Top 3 Spotterpositionen

Spot #4b Von den Dachterrassen der Häuser sind einzigartige Bilder möglich.

Spot #5 Die Panoramasicht auf die Berge mit der Bahn davor ermöglicht kreative Bilder.

Spot #2 Actionreich durch das Line-Up direkt vor der Nase/Linse und einfach zu erreichen.

Einfach aufs Dach

Um jede Minute auszukosten, geht es direkt nach der Landung per Taxi zum Ende der Landebahn. Ohnehin sind Taxis während des Aufenthalts in Cusco das Hauptverkehrsmittel – vor allem bei größeren Distanzen. Kleinere geht man auch zu Fuß. Der Flughafen liegt 3310 Meter über Normalnull: Da kann einem die Höhenluft in Kombination mit dem nicht ebenen Terrain bei langen Strecken schon zu schaffen machen.

Östlich der Bahn steigt das Gelände leicht an, sodass man eine wunderbare Sicht auf die Start- und Landebahn hat. Aufgeregt holen wir unsere Kameras aus den Rucksäcken und lassen diese dann – wie in Europa üblich – offen auf dem Boden stehen. Ein Fehler, denn nachdem der Flieger gelandet ist, wir unsere Fotos im Kasten haben und die Kameras wieder in den Rucksäcken verstauen wollen, haben sich rund um unsere Rucksäcke dutzende große Spinnen breitgemacht. Ich hatte gelesen, dass eine der giftigsten Spinnen der Welt in Peru heimisch ist. Selbst nachdem Aldo versichert, dass diese Art überwiegend nachtaktiv sei, habe ich ein ungutes Gefühl. Groß ist die Angst, dass sich eine der Spinnen im Rucksack versteckt haben könnte. Aber es steht ein Positionswechsel an, und ich kann meine Fototasche kaum zurücklassen.

Wir machen uns auf die Suche nach einer erhöhten Position entlang der Straße, die im Norden parallel zur Landebahn verläuft. Da Cusco südlich des Äquators liegt, scheint die Sonne aus dem Norden. Leider ist kein Hügel groß genug, um über den Flughafenzaun zu blicken. Entlang dieser Straße reihen sich aber bis zu fünfstöckige Gebäude aneinander, einige davon mit Dachterrasse. Ich komme auf die Idee, einfach bei den Leuten zu fragen, ob wir auf deren Dach dürfen. Wir suchen uns das höchste Gebäude aus und klingeln. Eine junge Frau öffnet die Tür und Aldo erklärte ihr unser Anliegen. Ohne zu zögern lässt sie uns ins Haus. Wir werden mit einem spektakulären Blick auf das gesamte Flughafengelände belohnt. Ursprünglich wollten wir hier nur kurz bleiben und noch weitere Locations ausprobieren. Aber die Aussicht ist so gigantisch, dass wir bis kurz vor dem Abflug bleiben wollen.

Nach zwei oder drei Stunden kommt die Bewohnerin hoch, um Wäsche aufzuhängen, und staunt, dass wir immer noch da sind.

Leider haben wir kein Mitbringsel dabei, um uns bei ihr erkenntlich zu zeigen. Zum Glück haben wir Aldo als einheimische Begleitung dabei, er kann sich zumindest gebührend mit Worten bedanken.

Grundsätzlich ist es ratsam, nicht alleine zum Spotten nach Cusco oder generell nach Peru zu reisen. Lokale Spotter, die vorwiegend in Lima anzutreffen sind, versuchen nach Möglichkeit immer als Gruppe auf Flugzeugjagd zu gehen – auch aus Sicherheitsgründen. Selbst wenn in Cusco westliche Touristen zum Stadtbild gehören, sollte man nicht alleine mit teurer Fotoausrüstung losziehen, besonders, wenn man auch mal frühmorgens oder spätabends am Flughafenzaun steht, weil genau dann das Licht am beeindruckendsten ist.

Ein Spottertag in CUZ hat zwei Schichten: von Frühmorgens bis zum Vormittag und vom Nachmittag bis in die Nacht. In diesen Randzeiten ist die Beleuchtung phänomenal, am Mittag eher ein Alptraum. Hohe Temperaturen und ein ebensolcher Sonnenstand führen in Verbindung mit der starken Einstrahlung schnell zu Hitze und Hitzeflimmern am Boden. Mittags ist daher Ruhe im Schatten angesagt, sodass man am Abend wieder fit und vor allem auf dem Rückweg in der Dämmerung mit der teuren Ausrüstung wachsam ist.

INFO /

Geheimtipp

Auf jeden Fall versuchen, Einheimische zum Mitreisen zu kontaktieren und dann gemeinsam Spot #4b besuchen. Das ist typisch Cusco: sich ein Hausdach zum Fotografieren erfragen. Man sammelt einmalige Eindrücke und Einblicke, Erlebnisse und Freunde. Vor allem am Morgen oder Abend machen Licht und Kulisse die Dachposition zu einer traumhaften Location.

Allgemein ist es ratsam, vorher die einheimischen Flugzeugenthusiasten zu kontaktieren, zum Beispiel über die „Spotters Perú Spotting Association“. Ihre Mitglieder sind – wie auch die Bevölkerung vor Ort – sehr nett und hilfsbereit. Sie begleiten auswärtige Spotter gern. Im Gegensatz zu den meisten Bewohnern vor Ort sind sie mit teuren Kameras vertraut. Der Anblick langer Objektive kann bei anderen Einheimischen und Laien für Aufregung sorgen und die Nachricht von teurem Equipment verbreitet sich schnell in der Umgebung. Also lieber immer mit Einheimischen Fotografieren gehen, sie wissen, wie man sich zu verhalten hat – auch wenn man an Spot #4 Hausbewohner nach Zugang zum Dach fragt.

INFO /

Die Top 5 von CUZ

1. Spektakuläre Kulisse. Die Berge und Häuser im Hintergrund belohnen alle Strapazen der Anreise.

2. Das Licht wirkt kaum an einem anderen Flughafen der Welt so magisch wie hier am Morgen und Abend.

3. Große Airlinevielfalt, farbige Maschinen machen sich vor dem auch bunten Hintergrund ausgezeichnet.

4. Eigener Charme durch die Höhe über Normalnull und die netten Leute vor Ort.

5. Man findet schnell Freunde und schließt den Ort ins Herz – aber immer auf die Ausrüstung achten.

Hunde und Sonne satt

Lokale Planespotter wissen ebenfalls, wie man sich gegen wilde Straßenhunde wehrt. Als wir an einem späten Abend von einer Fotosession zurückkamen, begegneten wir kurz vor dem Hotel etwa zwei Dutzend diese Tiere, die sich die Pfoten leckten und aussahen, als wollten sie gleich zubeißen.

Die Straßen waren leer, keine helfenden Einheimischen in der Nähe. Als Spottertourist wusste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte. Zum Glück hatten wir einen lokalen Spotter dabei. Er verscheuchte die Tiere mit geübter Geste.

Wer keine einheimischen Kollegen auftreiben kann und sich am Zaun oder durch die Hunde nicht sicher fühlt, kann sich auch einfach dem Flughafenterminal widmen.

Das ist sicherer als manche Gassen am Airport-Zaun – und fotogen. Vor unserem Abflug nach Lima haben wir es noch gut abgelichtet. Hier konnten wir noch so lange wie möglich die Sonne genießen, denn Cusco gilt im Gegensatz zum oft bedeckten Lima als sehr sonniges Fleckchen. Und es ist definitiv eine Reise wert für Flugzeugfotografen! •

Severin Hackenberger/Miguel Hernándes/Markus Mainka

TIPP /

Equipment

In Cusco braucht man verhältnismäßig wenig Flexibilität, was die Brennweiten der Objektive angeht. 18 bis 300 mm reichen absolut aus, viele Linsen sollte man hier sowieso nicht dabeihaben. Gut auf die Ausrüstung aufpassen! Ein Auto ist hier eher ein Klotz am Bein, ein Taxi ab und zu ist völlig ausreichend.

DIE SERIE /

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