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Dunkle Romantik & Goldene Zwanziger


Münster! - epaper ⋅ Ausgabe 88/2020 vom 31.01.2020

Münsterland – Tief im Westen und hoch im Norden – von Münster aus gesehen – lohnen derzeit zwei feine Ausstellungen. Die Exponate trennen nur 30 Jahre – und doch Welten. In Tecklenburg sind es einsame und düster-romantische Landschaften, gemalt von Otto Modersohn. In Vreden hängen Schwarz-Weiß-Fotos und Alltagsgegenstände, die die »Goldenen Zwanziger« des letzten Jahrhunderts ausmachten.


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Foto: Privatbesitz Foto r.: Privatsammlung, Courtesy Galerie m, Bochum

Romantik in Tecklenburg

»Das romantische Denken dauert heute noch an, nur hat jede Zeit ihre eigene Romantik«, sagt Uta Jenschke, Geschäftsführerin des ...

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... Otto Modersohn Museums Tecklenburg (OMMT) über ihre Ausstellung »Dunkle Romantik«. Sie zeigt 22 Modersohn-Werke aus den Jahren 1890 bis 1892 (unter anderem ein Bild der Tecklenburger Ruine) neben drei zeitgenössischen Bildern des österreichischen Malers Rainer Arnulf, der 1929 bei Wien geboren ist und heute überwiegend im oberösterreichischen Enzenkirchen auf einem Bauernhof lebt, wahlweise auf Teneriffa.

Da prallen zwei Welten aufeinander, könnte man meinen. Romantisches in den Modersohn-Bildern zu finden, ist nicht schwierig: Eine manchmal schwermütige Seele liegt über den einsamen und reduzierten Landschaften. »Es sind wohl die stürmischsten, geheimnisvollsten und hintergründigsten Stimmungsbilder, die er je gemalt hat. Schwärzliche Baumsilhouetten und dunkle Schatten verhindern ein genaues Erkennen, drohende Wolken ziehen über den Betrachter hinweg, in Nebel und Dunst zeigt sich die Landschaft nur schemenhaft«, so steht es im Museumsprogramm. Aber Romantik in den dicken schwarzen Strichen des Wiener zeitgenössischen Malers Rainer Arnulfs zu sehen? »Rainer Arnulf habe tatsächlich einmal gesagt, ihn treibe ein romantisches Sehnen an«, erzählt Uta Jenschke. Typisch für Arnulf Rainer ist die Farbe Schwarz und stetige Zumalung des Bildes. »So möchte er sich der Wahrhaftigkeit annähern. Damit bleibt für den Betrachter ein Geheimnis, was darunter ist«, sagt die OMMT-Geschäftsführerin. Und jedes Geheimnis ist auf seine eigene Weise romantisch.

Auf die Idee, beide Künstler zusammen auszustellen, kam der OMMT-Kurator Professor Erich Franz. »Er spürte eine Malverwandtschaft zwischen den beiden Künstlern«, erklärt Jenschke. Lässt man sich auf das Tecklenburger Experiment ein, entdeckt man auf den nebeneinanderhängenden Bildern mit etwas gutem Willen tatsächlich Gemeinsamkeiten: den stürmischen Weg der Pinsel, sogar den ein oder anderen Farbton, denn Arnulf Rainer (Foto o.) malt zwar viel, aber nicht alles mit Schwarz.

Goldener Aufbruch in Vreden

Die 1920er Jahre sind Thema im modernen Kulturhistorischen Zentrum kult in Vreden. Die Sonderausstellung »Im Westen was Neues: Fußball, Charleston, Bubikopf« geht bis zum 13. April in die Verlängerung. Es ist eine Zeitreise, die der Kurator Flemming Feß und kult-Leiterin Corinna Endlich mit ihrem Team aufgebaut haben. Sie entführen die Besucher in die Zeit, als Sportvereine wie Pilze aus dem Boden schossen, Frauen kurze Bubiköpfe trugen und erstmals an politischen Wahlen teilnahmen und junge Leute Charleston tanzten. Mode spielte eine große Rolle, das Radio machte den Anfang der Massenmedien. Und das alles nicht nur in Berlin, sondern auch im von den großen Zentren so weit entfernten westlichen Münsterland. Um das damalige Zeit- und Aufbruchsgefühl besser erahnen zu können, bauten die Ausstellungsmacher einen abgedunkelten Eingang, der die Ausgangssituation im Jahr 1919 darstellt. »Man muss sich vorstellen: Wo kamen die Leute her, was hatten sie erlebt, bevor die sogenannten goldenen 1920er Jahre begannen?«, erklärt Flemming Feß und deutet auf das Schwarz-Weiß-Poster: Soldaten im Schützengraben, lesend, rauchend, mit leeren Blicken, einer zielt mit dem Gewehr über den Rand. Ein starkes Bild. Über Lautsprecher hört man Granateneinschläge, Gewehrschüsse. Der Erste Weltkrieg, sein Ende war der Anfang der 1920er Jahre, die eine neue Welt nach sich zogen. Nichts war mehr wie vorher. Was alles anders wurde, zeigen einige Schlaglichter in der Ausstellung mit Fotos und Exponaten, zum Teil aus dem Münsterland.

Portrait Arnulf Rainer: Christian Wind Foto Ausstellung Tecklenburg: Cornelia Höchstetter

So steht ein Eisschrank aus Holz für das neue Wohnen: Es ist nicht mehr die Wohnküche im Bauernhaus, in der sich alle treffen. Die Küche steht nun allein für ihre Funktion. Als Arbeitsplatz der Hausfrau. Ein großes Poster zeigt die 25jährige Hedwig Klose aus Vreden, die stellvertretend für die damaligen jungen Frauen steht. Neben ihr die Mutter im hochgeschlossenen Kleid. Eine andere Ausstellungswand zeigt, wie der Sport den ländlichen Raum eroberte. Listen von Sportvereinen, die sich überall neu gründeten. 1920 waren es etwa der VfL Rhede, DJK Eintracht Bocholt und 12 weitere im Kreis Borken. Der lederne Fußball in der Vitrine ist aus der Zeit, als Männer sich in ihrer neugewonnenen Freizeit zum Kicken trafen.

LEEZENLIEBE IN DEN 1920ERN Hedwig Klose und ihr Verlobter vor dem Gronauer Wasserturm


Ganz großes Thema ist natürlich die Musik: Jazz und Tanzen. Auf einem Bildschirm werden die Tanzschritte gezeigt, der Besucher kann sich Kopfhörer aufsetzen und mittanzen. Ausgestellt ist auch ein Saxophon eines Borkener Musikers. »Es war erstaunlich schwierig, Alltagsgegenstände aus der Zeit zu finden«, sagt Flemming Feß. Auch was die damalige Mode anging: Kleider, Knickerbocker, Schmuck und Handtaschen sind zu sehen. »Gerade hier auf dem Land waren Schnittmusterbücher wichtig, um sich Charlestonkleider selber zu nähen«, erzählt Corinna Endlich. Es war die Zeit der ersten Massenmedien, der Aufstieg des Radios und dann – eigentlich völlig konträr zu der Vorstellung von Bubikopf und Charleston: Ein plötzliches Aufblühen von Heimatvereinen. »Die Leute waren sich selbst genug, sie brauchten nicht mehr, so war in den 1920ern tatsächlich die Vereinsmeierei angesagt«, sagt Flemming Feß. »Das war weniger nostalgisch, eher eine rückwärtsgewandte Fortschrittlichkeit.« So steht man dann am Ende der Ausstellung und denkt über die entgegengesetzten Strömungen dieser Zeit nach, und darüber, wie es wohl weiter gegangen wäre, ohne Nationalsozialismus und ohne Zweiten Weltkrieg. Flemming Feß meint: »Die 1920er Jahre waren trotz Wirtschaftskrise und Unsicherheiten auch eine Zeit voller Charme und Aufbruchstimmung. Die goldenen Zeiten gab es auch hier, und das ist wichtig!«

STADT. LAND. LEBEN.

JETZT GILT ES FÜR DEN SC PREUSSEN

Münster – Der SC Preußen steht in der Tabelle mit dem Rücken zur Wand – und deshalb Veränderung auf der Tagesordnung: Bei der emotional aufgeladene Jahreshauptversammlung im Januar wurden Teile des Aufsichtsrates neu gewählt: Christoph Metzelder, Walther Seinsch und Friedrich Lukas kandidierten nicht mehr. Im Aufsichtsrat sitzen nun die drei Neuen Dr. Bernward Maasjost, Thomas Pfeiffer, Wilfried Roth sowie Jürgen Becker, Clemens Große Frie und Frank Westermann. Christoph Strässer wird weiterhin Präsident bleiben und versprach u.a. im Präsidium eine Stelle für Marketing und Kommunikation. »Unser größtes Defizit ist die Kommunikation!«

Im Januar stießen (bis Redaktionsschluss) außerdem die Abwehrspieler Oliver Steurer (ausgeliehen von Heidenheim) und Jan Löhmannsröben (Nordhausen) zum Kader von Neu-Trainer Sascha Hildmann (Foto). Stürmer Rufat Dadashov suchte außerdem das Weite und wurde in die USA transferiert. Übrigens: Insgesamt sanken die Personalkosten für den Profikader von 3,9 Millionen Euro in der Saison 2014/2015 auf nur noch 3,1 Millionen Euro in der aktuellen Spielzeit.

Foto: Cornelia Höchstetter

SONNIGE FREIHEIT!

Münster – Der nächste Frühling kommt bestimmt. Höchste Zeit also, sich in Sachen Sonnenbrillen auf den neuesten Stand zu bringen. Eine große Auswahl bietet Optik Newels am Bült. Etwa das Modell Tokio von Kapten & Son: Die perfekte Brille für unabhängige Freigeister, die gleichzeitig stilbewusst sind und keine Angst haben, auch mal neue Wege zubeschreiten.
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MIKRO-WOHNUNGEN AM HAUPTBAHNHOF

Münster – Über die prominente Baustelle auf dem Gelände der ehemaligen Tankstelle an der Von-Steuben-Straße direkt am Hauptbahnhof herrscht endlich Klarheit: Hier entstehen 247 hochwertig möblierte Apartments und 39 Garagenstellplätze. Zielgruppe der Firma Pro Urban aus Meppen, die auch den Komplex Universe in der Bahnhofstraße gebaut hat, sind vor allem Pendler, Singles sowie Studenten und Uni-Mitarbeiter, die hier auch temporär wohnen können. Die Wohnungen werden dann über eine Service-Gesellschaft vermietet. Interessenten an der Kapitalanlage sollten allerdings schnell sein, viele Wohnungen sind bereits verkauft.

DARUM STARBEN DIE DINOS AUS

Münster – Waren es Vulkanausbrüche oder ein Asteroideneinschlag, der die Dinosaurier vor 66 Millionen Jahren aussterben ließ? Darüber diskutieren Forscher schon lange. Ein internationales Forscherteam, an dem auch Wissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster beteiligt waren, hat jetzt in der Fachzeitschrift »Science« einen Beweis für die Einschlag- Theorie veröffentlicht: Die münsterschen Wissenschaftler wiesen erstmals die sogenannte Iridium-Anomalie für Bohrkerne aus Neufundland nach. Es handelt sich dabei um eine starke Anreicherung des Elements Iridium, die sich auf einen Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren zurückführen lässt, der Anfang der 1990er-Jahre durch den Fund des Chicxulub-Kraters in Mexiko bestätigt wurde.

VREDEN AUF EINEN BLICK

»Im Westen Was Neues: Fußball. Charleston. Bubikopf«: Die wilde Weimarer Zeit fand nicht nur in den Großstädten statt, sondern auch im West- Münsterland. Sportvereine wurden en masse gegründet, Frauen trugen Bubikopf, sie arbeiteten und das Frauenwahlrecht setzte sich durch. All das findet auf 240 Quadratmeter im kult statt, die Ausstellung läuft noch bis zum 13. April.

Veranstaltungen im Februar: Donnerstag, 6. Februar 2020, 19 Uhr. »Vom Menschen am Sonntag (D 1929/1930) zu Babylon Berlin (D 2017)«: Vortrag von Professor Tobias Hochscherf zur Abbildung des Alltags in der Weimarer Republik in Film und Fernsehen. Eintritt frei.

Donnerstag, 13. Februar, »Welttag des Radios«: Der Hörfunk gehörte zu den Neuheiten der 1920er, deshalb gibt es an diesem Tag Workshops, Führungen und ein buntes Programm mit Radio WMW vor Ort.

kult: Kultur und lebendige Tradition soll in dem markanten Gebäude gepflegt werden. Zu den wechselnden Ausstellungen gibt es die Dauerausstellung, unter anderem mit einer Lampensammlung. Öffnungszeiten Di–So 10–17 Uhr, Tageskarte 4 Euro. Kult, Kirchplatz 14, 48691 Vreden, www.kult-westmuensterland.de

TECKLENBURG AUF EINEN BLICK

Otto Modersohn Becker, 1865–1943, großer Maler, aber eher ein Einzelgänger ohne eindeutige Zuordnung in eine Kunstrichtung. Am ehesten sind seine früheren Werke in der Tradition der französischen Landschaftsmalerei, er war Naturalist und ein »romantischer Stimmungsmaler«. Ebenso gilt er als Mitbegründer der Künstlerkolonie Worpswede, lebte davor einige Jahre in Münster und besuchte später mehrmals seinen Bruder in Tecklenburg.

Arnulf Rainer, geboren 1929 bei Wien, zeitgenössischer österreichischer Maler. Typisch für seine Bilder ist das stete Übermalen. Einige seiner Bilder hängen in der Pinakothek der Moderne in München und in vielen anderen bedeutenden nationalen und internationalen Häusern. 2009 eröffnete im österreichischen Baden das Arnulf Rainer Museum.

OMMT, das Otto Modersohn Museum in Tecklenburg ist seit 2015 am Markt des Städtchens zu finden, von dem man aus weit übers Münsterland blicken kann. Die Ausstellung »Dunkle Romantik« läuft bis zum 29. März 2020. Das Museum ist Freitag 14.30–18 Uhr, Samstag und Sonntag 11–18 Uhr geöffnet. Jeden ersten Sonntag im Monat bietet das Otto Modersohn Museum Tecklenburg um 16.30 Uhr eine öffentliche Führung durch die Ausstellung an (Ticket 5 Euro + 5 Euro Eintritt). Eintritt: Erwachsene 5 Euro, Schüler/Studenten 3 Euro. OMMT, Markt 9, 49545 Tecklenburg, www.ommt.de


Foto Dinos: LWL-Naturkundemuseum