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DURCH DIE SCHWANGERSCHAFT: MEDIKAMENTE IN DER SCHWANGERSCHAFT: SO WENIG WIE MÖGLICH


ÖKO-TEST Spezial Kinder & Familie - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 11.04.2019

… so viel wie nötig. Diese Faustregel gilt während der Schwangerschaft für die Einnahme von Arzneimitteln. Werdende Mütter mit chronischen Krankheiten, die regelmäßig auf Medikamente angewiesen sind, brauchen eine besonders gute ärztliche Beratung.


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Foto: Milos Jokic/getty images

Werdende Mütter und Medikamente – das ist ein heikles Thema. Denn auch gut sechs Jahrzehnte nach dem Contergan-Skandal sitzt die Angst noch immer tief, das Ungeborene durch die Einnahme von Medikamenten möglicherweise irreversibel zu schädigen. Damals waren weltweit Tausende Kinder aufgrund des als unbedenklich geltenden ...

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... Schlafmittels, das auch gegen Schwangerschaftsübelkeit eingenommen wurde, mit schweren Missbildungen, vor allem an den Gliedmaßen, zur Welt gekommen.

Die Angst ist nicht unbegründet. Denn über die Nabelschnur ist das ungeborene Kind sehr eng mit dem Organismus der Mutter verbunden. Alles, was sie isst, trinkt, einnimmt und inhaliert, gelangt auf diesem Weg auch zum Embryo und kann dessen Entwicklung empfindlich stören. Nicht umsonst sind Genussgifte wie Alkohol und Nikotin für werdende Mütter tabu – und auch auf Medikamente sollten sie in der Schwangerschaft und Stillzeit vorsichtshalber so weit wie möglich verzichten.

Das Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin berät bundesweit Ärzte, aber auch Patientinnen darüber, welche Arzneimittel während der Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden können oder welche besser durch andere Präparate ersetzt werden sollten. Werdende Mütter können sich entweder die entsprechende App Embryotox (siehe Seite 56) herunterladen oder sich über die Website embryotox.de Beratung holen. Für eine Reihe von Erkrankungen und Beschwerden nennt das Institut die jeweiligen Mittel der Wahl:

DAS GEHT

Allergien: Möglichst den Kontakt mit bekannten Allergenen meiden. Dennoch sind allergische Erkrankungen mit erprobten Antihistaminika wie Loratadin oder Cetirizin gut zu behandeln.
Asthma bronchiale: Die Behandlung entspricht in der Schwangerschaft – bis auf wenige Einschränkungen – den allgemeinen Therapieempfehlungen des Stufenplans nach dem Asthmaschweregrad. So ist für leichtes Asthma und als Notfall- und Bedarfsmedikament Salbutamol das Mittel der Wahl in der Schwangerschaft.
Bluthochdruck: Sind Medikamente zur Behandlung von hohem Blutdruck notwendig, gilt Alpha-Methyldopa als Mittel der Wahl. Aber auch Metoprolol sowie Nifedipin, Urapidil und andere Arzneien kommen unter Umständen während der Schwangerschaft infrage.
Bakterielle Infektionen: Sie müssen auch in der Schwangerschaft konsequent mit Antibiotika behandelt werden, da sonst nicht nur die Mutter, sondern auch der Schwangerschaftsverlauf gefährdet werden kann. In den meisten Fällen stehen gut erprobte und für die Schwangerschaft unbedenkliche Mittel zur Verfügung.
Diabetes: Die derzeit optimale Medikation für schwangere Diabetikerinnen ist die Insulintherapie, die dann laufend an die wechselnden Stoffwechselveränderungen im Schwangerschaftsverlauf angepasst werden muss. Am besten untersucht ist dabei Humaninsulin. Für Diabetikerinnen mit Kinderwunsch ist die Optimierung des Stoffwechsels schon vor der Empfängnis wichtig.
Depressionen: Langzeitwirkungen von Antidepressiva in der Schwangerschaft sind bis auf wenige Ausnahmen kaum untersucht. Laut Embyotox gibt es jedoch bei länger eingeführten Präparaten keine beunruhigenden Hinweise, daher kann eine bewährte und notwendige Therapie in der Schwangerschaft fortgeführt werden. In jedem Fall ist aber eine umfassende Beratung, am besten schon vor einer Schwangerschaft, extrem wichtig.
Epilepsie: Klassische Antiepileptika wie Valproinsäure haben nach Angaben von Embryotox ein Gefährdungspotenzial für das Ungeborene. Lamotrigin wird als Mittel der Wahl aufgeführt, wenn es ausreichend wirksam ist.
Schmerzen: Bei leichten Schmerzen ist Paracetamol während der gesamten Schwangerschaft das Mittel der Wahl. Mittlere bis starke Schmerzen können laut dem Zentrum für Embryonaltoxikologie mit einer Kombination aus Paracetamol und Codein am besten bekämpft werden.

DAS GEHT NICHT

► Schmerzmittel mit Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen sind nicht ratsam.
►Tabu sind Retinoide (gegen Akne und Schuppenflechte), Sartane und ACE-Hemmer der älteren Generation (bei Bluthochdruck) und Valproinsäure (gegen Epilepsie).
► Schwangere sollten in jedem Fall mit ihrem Frauenarzt über mögliche Alternativen und angepasste Therapien sprechen.

Foto: Milos Jokic/getty images

MITTEL GEGEN SCHWANGERSCHAFTSÜBELKEIT

Es gibt in Deutschland kein Arzneimittel, das ausdrücklich für die Indikation „Schwangerschaftsübelkeit“ zugelassen ist. Aber es gibt einige Wirkstoffe, die nach den bisherigen Erfahrungen keine negativen Auswirkungen auf das Ungeborene haben. Grundsätzlich sollten Frauen sie nur in Absprache mit dem behandelnden Gynäkologen einnehmen. Als Mittel der Wahl gilt nach Angaben des Instituts für Embryonaltoxikologie das sedierende Antihistaminikum Medozin, das in Deutschland aber nur über Auslandsapotheken zu bekommen ist. Empfohlen wird ebenfalls der Wirkstoff Doxylamin, auch in Kombination mit Vitamin B6 (Pyridoxin). Er steckt in Deutschland in rezeptfreien Schlafmitteln.
Helfen diese Mittel nicht, kann der Arzt in schweren Fällen von Schwangerschaftsübelkeit den Wirkstoff Metoclopramid verordnen. Allerdings hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) den Einsatz eingeschränkt: Es sollen nur noch niedrig dosierte Medikamente zum Einsatz kommen, die Schwangere auch nur für kurze Zeit, maximal fünf Tage hintereinander, einnehmen sollen.
Bei leichten Formen von Schwangerschaftsübelkeit ist Ingwer hilfreich – entweder frisch gerieben im Essen, als Tee aufgegossen oder in Form von rezeptfreien pflanzlichen Arzneimitteln wie etwa Zintona. Auch das Stimulieren eines Akupunkturpunkts, der auf dem inneren Unterarm drei Fingerbreit unter dem Handgelenk liegt, kann helfen. Dafür muss frau sich nicht unbedingt nadeln lassen, auch das Tragen eines Akupressurbands lindert einer neueren Studie nach die Beschwerden. Einen Versuch wert sind auch homöopathische Mittel wie Nausyn oderNux vomica Oligoplex.