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DURCHLÄSSIGKEIT VERBESSERN: Richtig Rückwärts


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 60/2018 vom 11.05.2018

Ein paar Schritte rückwärts richten – Das klingt zunächst einfach, doch diese Lektion verrät viel über dieHilfengebung des Reiters und die Durchlässigkeit des Pferdes. Ohne die richtige Vorbereitung verliert das Rückwärtsrichten seinen gymnastizierenden Wert. So machen Sie es richtig


Nicht nur in Dressurprüfungen, sondern auch im täglichen Training ist das Rückwärtsrichten oft eine Herausforderung. Die feine Hilfengebung und das Zusammenspiel von Reiter und Pferd werden hierbei auf die Probe gestellt. Am Anfang der Ausbildung ist das Rückwärtsrichten eine Gehorsamsübung. Im Laufe des Trainings werden ...

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... sowohl die Durchlässigkeit als auch der Versammlungsgrad des Pferdes geprüft. Richtig ausgeführt gelingt ein Rückwärtsrichten auf feinste Reiterhilfen. Dabei tritt das Pferd flüssig und diagonal im Zweitakt in sicherer Anlehnung. Im Gegensatz zum Schritt spricht man beim Rückwärtsrichten von Tritten und nicht von Schritten, denn das Pferd bewegt sich in diagonaler Fußfolge wie beim Trab rückwärts – allerdings ohne Schwebephase. Leider sieht man häufig Pferde, die sich in der Rückwärtsbewegung gegen die Hand des Reiters wehren, den Hals eng aufrollen, gegen den Zügel gehen, wie festgenagelt stehen bleiben oder rückwärtsstürmen. Dabei verlieren sie den Takt oder werden schief. Doch unabhängig vom Ausbildungsstand von Reiter und Pferd ist es wichtig, sich eingehend mit dem Rückwärtsrichten zu beschäftigen.

Teamarbeit zahlt sich aus: Ein Helfer kann vom Boden aus den Lernprozess des Pferdes unterstützen und korrigierend einwirken


Eine natürliche Bewegung

Wer einmal Pferde auf der Weide beobachtet, wird feststellen, dass das Rückwärtstreten eine ganz natürliche Bewegung ist. Die Vierbeiner zeigen dieses Verhalten beispielsweise beim Spielen oder beim Klären der Rangordnung. Den meisten Pferden fällt das Rückwärtsrichten unter dem Sattel leichter, wenn sie es schon vorher in Ruhe am Boden gelernt haben. In vielen alltäglichen Situationen ist es hilfreich, ja gerade schon notwendig, dass das Pferd ohne Mühe rückwärtsweicht. So zum Beispiel in der Stallgasse, vor dem Weidetor oder auch – nicht zu vergessen – beim Verladen. „Ich setze diese Lektion ein, um die Aufmerksamkeit des Pferdes zu erhalten, um es zu beruhigen und auf meine Person zu konzentrieren“, schreibt Nathalie Penquitt in ihrem Buch „Erste Schritte unter dem Sattel“. Zunächst wird das Pferd an Berührungen mit der Gerte gewöhnt. Außerdem muss es diese als seitliche Begrenzung akzeptieren.

ERSTE TRITTE MIT HELFER

Am besten üben Sie das Rückwärtsrichten unter dem Sattel zunächst mit einem Helfer. Er kann vom Boden aus die Lektion einleiten. So gewöhnt sich das Pferd zunächst an Rückwärtstritte mit Reitergewicht. Gerade bei jungen Pferden darf man nicht unterschätzen, dass alles eine Frage der Balance ist. Der Helfer kann vom Boden aus zusätzlich dabei helfen, den richtigen Moment zur Hilfengebung einzuschätzen. So kann die Einwirkung verfeinert werden. Außerdem können in dieser Teamarbeit mögliche Widerstände schneller erkannt und vermieden werden. Nutzen Sie zum Üben die Bande als Begrenzung, damit erleichtern Sie Ihrem Pferd das gerade Zurücktreten.

Rückwärtsrichten an der Hand

Bevor Sie mit dem Rückwärtsrichten an der Hand beginnen, sollten einfach Führübungen wie das Anhalten und Losgehen gut funktionieren. Am besten üben Sie an der Bande, denn die seitliche Begrenzung unterstützt das Pferd dabei, gerade rückwärtszutreten. Bleiben Sie zunächst immer wieder stehen. Klappt das Anhalten sicher, stellen Sie sich vor das Pferd und zupfen am Strick leicht nach hinten. Gleichzeitig geben Sie das Stimmkommando „Zurück“. Tritt das Pferd nicht auf Anhieb zurück, dann können Sie die Hand auf die Brust legen und das Pferd mit leichtem Druck zum weichen animieren. Auch die Gerte kann unterstützend vor der Brust des Pferdes eingesetzt werden. Im Laufe des Trainings festigen Sie das Stimmkommando und arbeiten darauf hin, dass Ihr Pferd rückwärtstritt, sobald Sie es leicht mit der Gerte an der Brust berühren. Ziel der Ausbildung ist ein stetes Verfeinern der Hilfengebung. Dabei spielt auch die eigene Körperhaltung eine entscheidende Rolle. Bleiben Sie ruhig und klar in Ihrer Körpersprache. Falls Sie einmal mehr Druck einsetzen müssen, gilt es, diesen beim weiteren Üben wieder zu minimieren.

Eine feine und gut abgestimmte Hilfengebung ist wichtig, damit das Rückwärtsrichten ohne Probleme gelingt


Nicht nur für junge Pferde ist die Arbeit am Boden sinnvoll, um das Rückwärtsrichten unter dem Reiter vorzubereiten


DER RICHTIGE MOMENT ZUM RÜCKWÄRTSRICHTEN

Beim Reiten spielen das Timing und die entsprechend richtig dosierte Hilfengebung eine entscheidende Rolle.

Bevor Sie das Rückwärtsrichten einleiten, sollte Ihr Pferd im richtigen Rahmen, gerade und ruhig stehen. Dabei ist das Maul ruhig und das Genick entspannt. Jegliche negative Körperspannung des Pferdes – aber auch des Reiters – kann zu Problemen bei dieser Übung führen. Rückwärtsrichten ist aber auch eine Kopfsache. Wer schon mit der Einstellung an die Lektion herangeht, dass etwas schieflaufen könnte, und mögliche Fehler „voraussieht“, der wird unbewusst seine Körperhaltung und -spannung verändern. Nehmen Sie sich also auch Zeit, kurz in den eigenen Körper hineinzuhorchen. Vielleicht ist Ihr Schulterbereich übermäßig angespannt, oder Sie üben zu viel Druck am Bein aus. Beginnen Sie mit der Einleitung des Rückwärtsrichtens, wenn sowohl Ihr Pferd als auch Sie selbst dazu bereit sind. Testen Sie vorsichtig an, ob Ihr Pferd nicht schon auf feine Hilfen eine Reaktion zeigt, und „überfallen“ Sie es nicht mit Ihrer Einwirkung.

Seitengänge verbessern die Durchlässigkeit des Pferdes und sind eine gute Vorbereitung auf das Rückwärtsrichten


Fotos: slawik.com

Die Vorbereitung entscheidet über das Gelingen des Rückwärtsrichtens. Deswegen muss schon die vorausgehende Parade zum Halten korrekt geritten werden


Gerade sitzen oder entlasten?

Bezüglich der Hilfengebung beim Rückwärtsrichten gibt es verschiedene Meinungen. In Dressurprüfungen sieht man oft Reiter, die sich mit dem Oberkörper deutlich nach vorne lehnen. Arthur Kottas, der Erster Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule war, empfiehlt, mit dem Oberkörper lediglich ganz leicht nach vorn zu gehen, sodass der Sitz im Sattel leichter wird. Dabei legen Sie beide Schenkel parallel und leicht an. „Tragen Sie die Fäuste und schließen Sie für einen kurzen Augenblick die Finger“, erklärt der Ausbilder in seinem Buch „Dressur mit Arthur Kottas“. Sobald das Pferd auch nur im Ansatz einen Schritt zurücktritt, sollten Sie die Finger öffnen und das Pferd loben. Mit dem Wiederholen der Übung werden allmählich auch die Anforderungen gesteigert. Er beschreibt weiter: „Sobald das Pferd zurücktritt, hören die vorwärts treibenden Hilfen praktisch auf. Sie folgen einfach nur mit den Fingern und achten darauf, dass dasPferd gerade bleibt.“ Wie auch beim korrekt gerittenen Schritt sind beim Rückwärtsrichten sowohl das Gleichmaß der Tritte als auch Takt und Losgelassenheit entscheidend. Dabei bleibt das Genick auf einer Höhe.

Anja Beran beschreibt in ihrem Buch „Aus Respekt!“ einen anderen Ansatz. Der Reiter „sollte sich tief in den Sattel setzen und seine Schultern gut zurücknehmen“. Die Schenkel verbleiben dabei vorne am Sattelgurt, während das Pferd durch das Annehmen beider Zügel zum Zurücktreten veranlasst wird. Im Laufe der Ausbildung solle das Pferd so auf ein Zurücknehmen des Oberkörpers und eine leichte Schenkeleinwirkung am Gurt rückwärtstreten. Anja Beran erklärt den Sinn dieser Hilfengebung so: „Wir möchten später unser Pferd durch tiefes Einsitzen aufnehmen und im Weiteren, beispielsweise in der Piaffe, mit unserem Sitz am Platz halten können, während wir die Hand sinken lassen.“ Daraus ergebe sich, dass der Reiter das Pferd bereits am Anfang durch tiefes Einsitzen und eine nach hinten gerichtete Schulterposition an das Zurücktreten gewöhnen solle, wobei nach und nach die Handeinwirkung minimiert werde.

Schwierigkeiten vorbeugen

Beim korrekt ausgeführten Rückwärtsrichten wird das Pferd vorne groß, wobei es hinten unter dem Schwerpunkt bleibt. Wichtig dabei ist es, die richtigen Reaktionen des Pferdes zu belohnen. Anfangs kann schon ein kleiner Tritt zurück reichen. Achten Sie dabei auch auf Takt und Tempo. Ihr Pferd sollte in angemessenem Tempo nur so weit zurücktreten, wie Sie es wollen. Die vortreibenden Hilfen nach dem Rückwärtsrichten werden ebenso weich gegeben. Eine harte oder abrupte Einwirkung stört das harmonische Zusammenspiel.

Sollte es doch einmal zu Schwierigkeiten beim Rückwärtsrichten kommen, heißt es zunächst die Grundpfeiler Vertrauen, Gehorsam und Durchlässigkeit zu überprüfen. Üben Sie diese Lektion weder zu früh noch zu verbissen. Oft hilft es, zunächst durch andere Lektionen die Losgelassenheit zu verbessern und dann erneut ein paar Tritte rückwärts zu fordern, denn das Problem ist meist nicht das Rückwärtsrichten selbst. Nie sollte das Pferd lernen, auf zu viel Druck gezwungenermaßen unter dem Reiter rückwärtszutreten, denn Druck erzeugt immer Gegendruck. Nur ein lockeres, ausbalanciertes Pferd wird in der Lage sein, diese Lektion ohne Probleme auszuführen, und auch nur dann hat das Rückwärts einen gymnastischen Wert. Auf der einen Seite erfordert das Rückwärtsrichten Durchlässigkeit, auf der anderen Seite fördert es diese aber auch. Zwanglos und richtig ausgeführt kann es die Hankenbeugung und somit die Versammlungsfähigkeit des Pferdes verbessern.

WAS MACHE ICH, WENN MEIN PFERD SCHIEF WIRD?

Wenn ein Pferd dazu neigt, beim Rückwärtsrichten schief zu werden, kann das verschiedene Ursachen haben. Diese Tipps helfen Ihnen dabei, die Lektion zu verbessern

DER SITZ DES REITERS: Überprüfen Sie zunächst, ob Sie wirklich mittig sitzen und gleichmäßig mit Schenkeln, Gewichts- und Zügelhilfen einwirken.
EINE FRAGE DER BALANCE: Nicht nur junge Pferde haben häufig Schwierigkeiten, die Balance zu finden. Deshalb weichen sie zu einer Seite aus. Sie können Ihrem Pferd durch die verwahrende Positionierung der Schenkel oder einen geringfügig seitwärtsweisenden Zügel helfen, gerade zu bleiben.
FEINE EINWIRKUNG: Wie sehr Sie als Reiter Ihre Einwirkung verfeinern können, hängt unter anderem vom Ausbildungsstand des Pferdes ab. Eine zu starke Einwirkung kann zum Ungehorsam führen und so das Pferd dazu veranlassen, schief rückwärtszutreten.
GUT VORBEREITET: Jede Lektion muss entsprechend gut vorbereitet werden. Aus einem schiefen Halten heraus wird kein gerades Rückwärtsrichten gelingen. Ebenso kommt es zu Fehlern, wenn die Parade zum Halten misslingt. Auch Spannungen bei Pferd und Reiter können ein schiefes Zurücktreten bedingen.