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Dying Light 2 Stay Human


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Play5 - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 01.12.2021

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Bildquelle: Play5, Ausgabe 1/2022

ACTION | Endlich wieder raus in die weite Welt! Als im Oktober nach anderthalb Jahren mal wieder eine Einladung zu einem Anspielevent in mein Postfach flatterte, konnte ich mein Glück gar nicht fassen: mit echten Personen, vor Ort, live und zum Anfassen? Fantastisch! Und dann auch noch zu Dying Light 2: Stay Human! Seit ich das Ding auf der Gamescom 2018 das erste Mal zu Gesicht bekommen habe, steht es ganz oben auf meiner Liste. Dummerweise wurde es seither aber auch schon mehrfach verschoben: vom Frühjahr 2020 auf den Winter 2021 und schließlich auf den 04. Februar 2022. Bevor es sich Entwickler Techland also nochmal anders überlegt, habe ich mich lieber flott in den Flieger nach Warschau gesetzt, um das Open-World-Abenteuer endlich in die Finger zu bekommen. Und euch hier verraten zu können, ob uns tatsächlich ein echtes Gaming-Highlight des kommenden Jahres erwartet.

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... Mittelalter!

Zu viel verraten wollen wir an dieser Stelle aber natürlich auch nicht. Oder besser: Können wir nicht. Das gilt vor allem für die Story. Statt von Spielbeginn an loszulegen, warfen uns die Entwickler lieber in einen Spielstand, der bereits ca. vier bis fünf Stunden auf dem Buckel hatte.

Entsprechend reißen wir hier auch nur die Grundzüge der Handlung ab: In Dying Light 2 schlüpft ihr in die Haut von Aiden Caldwell, eines sogenannten Pilgers, der die Postapokalypse nach seiner Schwester Mia durchkämmt. Die ist die letzte Überlebende aus Aidens Familie und der Schlüssel zu seiner mysteriösen Vergangenheit, an die sich euer Held nur noch verschwommen erinnern kann.

Unsere Spurensuche führte uns dabei durch zwei verschiedene Areale der Spielwelt: Old Villedor, eine eher ländliche Vorstadtsiedlung mit Kathedrale und Basar, und das Geschäftsviertel Central Loop. Wobei Geschäftsviertel natürlich auch ein wenig hochgegriffen ist. So wirklich modern ist in der Welt von Dying Light 2 nichts mehr. Nachdem ein mutierter Tollwut-Virus den Großteil der Erdbevölkerung in entstellte Monster verwandelt hatte und die Welt im Chaos versank, wurde die Menschheit quasi ins Mittelalter zurückgeworfen.

Die Entwickler sprechen hier gerne von „Modern Dark Ages“. Es gibt also noch vereinzelt moderne Technologien wie Strom, Licht und Funk. Die Leute hausen aber größtenteils zusammengerottet in kleinen Kolonien und tragen nicht mehr als Fetzen am Leib. Schusswaffen gibt es keine mehr, abgesehen von Pfeil und Bogen vielleicht. In der Welt von Dying Light 2 gibt mansich stattdessen gegenseitig hart mit Nahkampfwaffen auf die Fresse. Im besten Fall sogar noch mit improvisierten, aus Schrott zusammengebastelten Prügeln. So könnt ihr eurem Gegenüber auch eins mit einem Verkehrsschild überziehen.

Endgegner BPjM?

Holt der Feind seinerseits zum Schlag aus, könnt ihr seinen Angriff blocken oder ihm ausweichen. Macht ihr das im richtigen Moment, werdet ihr mit einer kurzen Slow-mo-Sequenz belohnt. Der

Gegner bewegt sich dann nur noch in Zeitlupe und ist euch für ein paar Sekunden schutzlos ausgeliefert. Das hilft euch ganz besonders bei den größeren Brocken, die euch das Spiel vor die Nase setzt. Neben menschlichen Überlebenden bekommt ihr es natürlich auch mit verschiedenen Arten mutierter Infizierter zu tun, die alle mit unterschiedlichen Verhaltensweisen, Angriffsmustern und Schwachstellen aufwarten. Ihr müsst euch also immer wieder etwas Neues einfallen lassen. Um einen Revenant in die Knie zu zwingen, müsst ihr zum Beispiel auch Umgebungsgegenstände zu eurem Vorteil nutzen – also Gasflaschen in die Luft jagen oder Speere aus herumliegenden Leichen ziehen und dann auf euren Widersacher werfen.

Das Ganze spielt sich wuchtig und fühlt sich richtig intensiv an, besonders mit dem Vibrationsfeedback eines Controllers. Dazu sind die Kämpfe in Dying Light 2 auch noch echt spektakulär inszeniert. Es spritzt das Blut, es fliegen die Körperteile. Beim Gore werden keine halben Sachen gemacht. Das löste bei uns natürlich sofort Bedenken aus, der Titel könnte erneut der USK zum Opfer fallen. Bereits der Vorgänger landete 2015 ja auf dem Index. Diese Angst wurde uns von den Entwicklern allerdings schnell genommen. Man arbeite intensiv mit den deutschen Behörden zusammen, um das Zombie-Abenteuer auch auf den deutschen Markt zu bringen, erklärte man uns im Gespräch. Sogar an einer deutschen Lokalisation werde schon gewerkelt.

Mirror’s Edge in blutig

Der große Star der Show ist aber natürlich die Fortbewegung: Zwar bietet euch Dying Light 2 auch die Möglichkeit, einfach flugs per Schnellreise durch die verschiedenen Areale zu springen – vorausgesetzt, ihr habt die dafür benötigten Metro-Stationen freigeschaltet. So wie in Marvel’s Spider-Man macht die freie Erkundung zu Fuß aber einfach deutlich mehr Spaß. Schon bei den ersten Schritten durch die Stadt werden wohlige Erinnerungen an Mirror’s Edge wach: Ihr klettert wie ein kleines Äffchen an der nächstbesten Straßenlaterne hoch, springt auf das Hausdach nebenan, rollt euch einmal ab und geht direkt in den Sprint über. Das geht flüssig von der Hand, macht ordentlich Laune und sieht dabei auch noch spektakulär aus. Wenn man denn erst einmal den Dreh raushat.

Dying Light 2: Der Fall Chris Avellone

Im Licht aktueller Ereignisse wie der Missbrauchsskandale bei Activison Blizzard und Ubisoft ist es wichtig zu erwähnen, dass auch die Entwicklung von Dying Light 2 nicht ohne unschöne Zwischenfälle verlief. So trennte sich Entwickler Techland im Juni 2020 von Story Designer Chris Avellone, nachdem gegen das Urgestein der Rollenspiel-Szene (Fallout 2, Icewind Dale, Planescape: Torment) Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben wurden. Zwar bestritt Avellone in einem öffentlichen Statement jegliches Fehlverhalten und reichte seinerseits eine Verleumdungsklage ein. Von einer weiteren Zusammenarbeit wurde allerdings abgesehen. „Wir haben keinerlei Toleranz für Respektlosigkeit und sexuelle Belästigung“, erklärte Techland damals via Twitter.

Auf die Fertigstellung des Spiels hatte diese Entscheidung wohl keine Auswirkungen, wie wir nun im Rahmen unseres Studiobesuchs erfuhren. „Wir haben mit Chris zusammengearbeitet, um die Lore der Spielwelt zu etablieren. Außerdem hat er uns mit seiner Expertise rund um Story-Entscheidungen und ihre Konsequenzen weitergeholfen“, erklärte uns Creative Director Adrian Ciszewski. Allerdings sei Avellone für keine der Spielinhalte direkt verantwortlich gewesen. „Chris hat mit der Story nichts zu tun“, so Ciszewski weiter. „Dying Light 2 ist voll und ganz unser eigenes Produkt.“

Gerade zu Beginn ist die Steuerung nämlich noch ein wenig fummelig, was besonders an der gewöhnungsbedürftigen Tastenbelegung des Controllers liegt. Ja, richtig gelesen: Controller! Wir durften Dying Light 2 zwar auf dem PC ausprobieren, aus technischen Gründen bekamen wir dabei aber nicht Maus und Tastatur, sondern nur ein Xbox-Gamepad in die Finger gedrückt. Und auf dem liegt dann Springen beispielsweise auf dem rechten Bumper und nicht auf dem A-Button. Mit dem heilt ihr euch. Deshalb kam bei uns das eine oder andere ungewollte Medipack zum Einsatz, gefolgt von einer schmerzhaften Begegnung mit dem Asphalt.

Außerdem ist für atemberaubende Parkour-Action auch einiges an Präzision gefragt. Ihr müsst mit dem rechten Stick genau euer Ziel anvisieren, sonst springt Aiden am gewünschten Punkt vorbei oder greift ins Leere. Haltet also immer gut Ausschau nach gelben Farbkleksen, die Techland subtil übers Stadtbild verteilt hat. Mit denen sagt das Spiel euch: Hey, an dieser Regenrinne, an diesem Fensterbrett könnt ihr euch festhalten! Zumindest, solange eure Ausdauerleiste noch gefüllt ist. So wie jedes andere Open-World-Spiel seit The Legend of Zelda: Breath of the Wild, das auch nur ansatzweise etwas auf sich hält, kommt Dying Light 2 natürlich auch nicht ohne eine vergleichbare Mechanik aus: Geht euch die Puste aus, geht’s rapide bergab.

Ihr seht, Dying Light 2 verlangt ganz schön viel auf einmal: ein gutes Auge, gute Reflexe und gute Koordination. Und das wird im Verlauf des Spiels nicht gerade einfacher. Mit steigender Spielzeit kommen in Sachen Fortbewegung immer mehr Facetten dazu. Ab Central Loop habt ihr beispielsweise einen Paraglider im Gepäck, mit dem ihr euch sogar von den allerhöchsten Gebäuden stürzen könnt, ohne draufzugehen. Ihr schwebt einfach sanft und sicher zu Boden, wie Link mit seinem Parasegel. Dabei könnt ihr sogar Windströmungen und Schornstei-ne zu eurem Vorteil nutzen. Die geben euch Auftrieb oder pusten euch in eine bestimmte Richtung.

Learning by Doing

Außerdem schaltet ihr noch stetig neue Fähigkeiten frei. Dabei kommt ein praktisches, intuitives Fortschrittsystem zum Einsatz. Dying Light 2 setzt nicht auf XP oder Level-Aufstiege, sondern „Learning by doing“. Performt ihr Aktionen aus den Bereichen Kampf und Fortbewegung, dann erhaltet ihr Punkte für den entsprechenden Talentbaum. Habt ihr von denen genug gesammelt, könnt ihr sie in Skills wie einen Doppelsprung oder einen Dash investieren. Eine runde Sache! Nur: Warum ihr so grundlegende Aktionen wie einen Wandlauf, Über-den-Boden-Rutschen oder Ab-rollen ebenfalls erst lernen müsst, hat sich uns nicht ganz erschlossen. Die sollten doch eigentlich zum Standard-Repertoire eines jeden Freerunners gehören.

Neben seinen Fertigkeiten lassen sich auch noch Aidens Statuswerte verbessern. In der Spielwelt verteilt findet ihr medizinische Spritzen, die ihr euch leidenschaftlich in die Armbeuge rammen und so Gesundheit und Ausdauer erhöhen könnt. Außerdem gibt es natürlich noch unzählige Upgradeund Modifizierungsmöglichkeiten für eure Ausrüstung. Ihr könnt bei Händlern neue Waffen und Rüstungsteile kaufen, die euch dann je nach Seltenheitsstufe mehr Schaden austeilen oder einstecken lassen. Dazu kommt ein umfangreiches Crafting-System: In liebevoller Handarbeit fertigt ihr Verbrauchsgegenstände wie Wurfmesser, Dietriche oder Medipacks, aber auch Mods für eurer Arsenal. Wenn ihr beispielsweise eine Spule an euren Metallknüppel pappt, bekommen eure Gegner bei jedem Treffer einen knisternden Elektroschock verpasst.

Was ihr dabei basteln könnt, hängt nicht nur von euren gefundenen Blaupausen ab, sondern natürlich auch von euren vorhandenen Materialien. Rohstoffe wie Kamille, Honig oder Schrott findet ihr beim Erkunden der Spielwelt oder beim Leichenfleddern. Lauft also immer mit einem offenen Auge durch die Gegend.

Viel zu tun in Villedor

Manche Gegenstände bekommt ihr auch nur als Belohnung für erledigte Missionen. Hier hatte unsere Demo bereits eine relativ große Bandbreite parat: Es gab kleine Rätsel, Detektiv-Aufgaben, Kletterherausforderungen, Kämpfe oder eine Mischung aus alledem. Für einen Auftrag mussten wir beispielsweise erst mit dem Fernglas eine feindliche Basis in einem Wolkenkratzer ausspähen, dann irgendwie auf das Gebäude hochklettern und uns schließlich dem Obermotz in einem ausgewachsenen Boss-Fight stellen.

Neben der Hau-drauf-Methode ist aber auch immer wieder mal vorsichtiges Vorgehen gefragt. Techland streut zur Abwechslung eine Reihe von Stealth-Missionen ein, in denen ihr leise durch die Gegend schleichen und Gegner ungesehen ausschalten müsst. Dabei hilft vor allem der „Survivor Sense“, der so ein bisschen wie die Lauschen-Funktion aus The Last of Us funktioniert: Mit ihm werden Gegner in der Umgebung farblich hervorgehoben, was sich besonders nachts als extrem nützlich entpuppt. Da ist das Licht knapp, die Masse an Infizierten dafür deutlich größer. Die kommen nach Sonnenuntergang aus ihren Nestern gekrochen und sorgen auf den Straßen für Chaos. So entsteht ein Kontrast zwischen den beiden Tageszeiten, der auch für Unterschiede bei der Herangehensweise sorgt.

Unterschiede gibt es auch beim Verlauf der Story. Dying Light 2 stellt euch immer wieder vor folgenschwere Entscheidungen, die ihr manchmal sogar unter Zeitdruck fällen müsst. Ein Beispiel, das man nun schon aus mehreren Trailern kennt, ist dabei der Wasserturm von Old Villedor. Wenn ihr den eingenommen habt, könnt ihr ihn entweder den Survivors oder den Peacekeepers überlassen. Je nachdem, wie eure Wahl ausfällt, ändert sich nicht nur der Verlauf der Handlung, sondern auch das Stadtbild: Flaggen und Patrouillen der jeweiligen Fraktion häufen sich, neue Questgeber und Händler tauchen auf. Ihr beeinflusst das Panorama quasi indirekt mit. Außerdem zeigen sich die unterschiedlichen Lager erkenntlich dafür, dass ihr euch auf ihre Seite schlagt. Ihr schaltet beispielsweise Ziplines oder Autobomben frei, die euch die sichere Durchquerung der Stadt vereinfachen.

Abgerundet wird das Story- Paket dann von einer Auswahl an seichten Nebenaufgaben: Ihr zündet eine Kerze an einem Kriegsdenkmal an oder helft einem Erfinder dabei, die Materialien für einen Elektrozaun zusammen zu bekommen. Das haut jetzt nicht unbedingt aus den Socken, auch wenn es dazu kleinere Gameplay-Boni oder Lore- Schnipsel gibt. Außerdem wollen Parkour-Herausforderungen abgeschlossen, besondere Infizierte gekillt, Windmühlen zum Laufen gebracht und Truhen gefunden werden. Villedor steckte bereits während unserer Anspiel-Session voll so viel Kram, dass der Kompass am oberen Bildschirmrand mit Markierungen und Hinweisen überlief. Hier überwiegt bei uns noch so ein wenig die Angst,Dying Light 2 könnte in den üblichen Open-World-Grind ausarten, der euch stumpf Aufgaben von einer Checkliste abarbeiten lässt.

Techland kämpft mit der Technik

Auch andere Spielaspekte stimmten uns noch so ein wenig skeptisch: Grafisch konnte uns das Zombie-Adventure etwa noch nicht vollends überzeugen. Die PC- Version sah mit ihrer stimmungsvollen Beleuchtung zwar schon ziemlich schick aus. Besonders bei der Weitsicht hapert es aber noch: Wenn ihr von einem hohen Punkt aus den Blick über die Stadt schweifen lasst, sehen die Straßen teils noch etwas leer und leblos aus. In Villedor ist gefühlt nix los.

Nix los ist auch in den Gesichtern der zahlreichen NPCs. Die Mimik eurer Gesprächspartner fällt eher minimalistisch aus, selbst die ordentliche englische Synchronisation ist nicht immer ganz lippensynchron. Hier und da sind auch mal ein paar unrunde Animationen dabei. Das fällt ganz besonders auf, wenn ihr eine gegnerische Leiche untersucht: Hier bleibt Aiden mit zwei Metern Abstand vor dem leblosen Körper stehen, streckt einfach die Hände aus und fuchtelt einmal wild mit ihnen in der Gegend herum. Das sieht fast so aus, als würde euer Protagonist eine Runde Scharade spielen.

Immerhin sind sich die Macher dieser Defizite bewusst. „Das Spiel braucht noch ein wenig Feinschliff“, erklärte uns Creative Director Adrian Ciszewski ganz offen im Interview. „Aber wir sind optimistisch, dass wir uns mit der Verschiebung genug Zeit verschafft haben, um die letzten Probleme glattzubügeln.“ Auch zur Old-Gen- Version von Dying Light 2: Stay Human verloren die Macher nochmal ein paar Worte. Die sei aktuell auf dem Performance-Niveau des etwa sechs Jahre alten Vorgängers. Heißt im Klartext: Im Vergleich zur

Next-Gen-Fassung wurde die grafische Qualität ordentlich heruntergefahren, um immerhin konstante 30 Bilder pro Sekunde zu bieten. Die seien laut Creative Director Ciszewski auch dringend nötig. „Schließlich funktionieren die Parkour- und Nahkampfelemente nur mit einer stabilen Framerate.“

Schaut Old-Gen alt aus?

Beim Anspielen klappte das auch schon ziemlich gut. Ruckler oder Ähnliches kamen uns auf der Playstation 4 keine unter. Natürlich wirkten die Bewegungen etwas unrunder, das Bild ein wenig grobkörniger und manche Texturen matschig. Auch in Sachen Beleuchtung wurden Abstriche gemacht, von den längeren Ladezeiten ganz zu schweigen. Dying Light 2 ist trotz alledem aber problemlos spielbar. Euch erwartet also keine technische Vollkatastrophe wie bei einem gewissen anderen Open-World-Abenteuer aus Polen.

Alles in allem stimmte uns unsere Anspiel-Session vor Ort also durchaus positiv. Wir blicken dem Release im kommenden Jahr weiterhin voller Vorfreude entgegen. Bevor Dying Light 2 am 04. Februar 2022 für PS4 und PlayStation 5 erscheint, dürfen die Macher aber ruhig noch ein paar weitere Infos und Eindrücke liefern. Denn auch nur ansatzweise alles gesehen haben wir in knapp vier Stunden natürlich nicht. Den Koop-Modus durften wir bisher zum Beispiel noch gar nicht ausprobieren. Vielleicht liefert uns Entwickler Techland hier ja demnächst noch ein kleines Update nach.

DAVID BENKE