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DYLAN PENN


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Madame - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 12.10.2022

MADEMOISELLE

S chwitzendeBodyguards, halbe Stunde Verspätung, das ganz große Tamtam von Cannes. Sean Penn, selten so elegant im Sakko, und seine Tochter Dylan mit Chignon, weißer Marlenehose und schwindelerregenden Plateaus, sitzen in Louis-XIV-Sesseln vor einem pompösen Marmorkamin. Sie haben zur Pressekonferenz von „Flag Day“ geladen, einem berührenden Vater-Tochter-Drama, in dem der zweifache Oscarpreisträger nicht nur Regie führt, sondern auch die Hauptfigur spielt, und – das ist die wahre Sensation – seine eigene Tochter Dylan zum ersten Mal in einer Hauptrolle zu sehen ist.

Vater und Tochter spielen Vater und Tochter. Sean Penn begeisterte, aber Dylan Frances Penn riss durch ihr intensives Spiel alle hin. Neben Sean Penn hat auch Dylans Mutter, „House of Cards“-Star und Regisseurin Robin Wright, ihrer Tochter einige Talent-Gene vererbt. Dylan ist das erste Kind aus der Ehe von Wright und Penn, ...

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... die14 Jahre verheiratet waren.

„EIGENTLICH WOLLTE ICH NIE VOR DIE KAMERA“ … aber in einem Chanel-Kleid auf dem roten Teppich von Cannes zu stehen, das hat schon was“, sagte Dylan Penn zu ihrem Premieren-Auftritt an der Côte d’Azur. Neben ihrem Vater Sean Penn spielte Dylan die Hauptrolle im Vater-Tochter-Drama „Flag Day“.

Am Tag nach der Premiere treffen wir uns zum Interview in einem schlichten Apartment an der Croisette. Dylan ist schon da, kaugummikauend, in einem schwarzen, bequemen Outfit, mit Pferdeschwanz. Ihre Füße stecken in weißen Hotel-Frotteelatschen. „Ich musste diese Schuhe einfach loswerden, sie tun so weh!“ ruft die 31-Jährige und zeigt auf die Plateaus neben dem Sofa. „Aber alle sagten, die müssten sein, sie lassen mich so groß aussehen!“ Ihr Gesicht, in all seiner blonden Madonnenhaftigkeit, erinnert sehr an das ihrer Mutter Robin. „Schon als kleines Mädchen wollte ich unbedingt meinen eigenen Weg im Leben gehen“, betont sie. „Vor allem unabhängig von meinen Eltern sein, frei, eine eigene Identität aufbauen. Denn natürlich war ich meist „die Tochter von ...“! Ich liebe meine Eltern sehr, sie sind großartig – aber trotzdem hat die Außenwelt mich immer mit Erwartungen bedacht, gerade ihretwegen.“ Daher zog sie mit 18 von zu Hause aus und ging – nach New York. „Dort wusste niemand, wer meine Eltern sind.“ Ein Befreiungsschlag. Dabei haben Sean Penn und Robin Wright den Celebrity-Kult Hollywoods nie mitgemacht. Dylan und ihr jüngerer Bruder Hopper wuchsen nicht in L. A. auf, sondern in der ländlichen Umgebung von San Francisco. „Im County war es sicher, ich konnte morgens allein in die Schule gehen, wir hatten viel Natur um uns herum und warmes Wetter, nicht so regnerisch wie in San Francisco. Es war schon cool.“ New York sei ein Schock gewesen, „oft schlotterten mir die Knie“, erinnert sie sich. „Aber ich musste raus aus diesem sicheren Vorstadtleben für Hippies. Ich sehnte mich immer schon nach New York, spürte immer eine starke Verbindung zur Ostküste.“ Allerdings drehten die Eltern ihr den Geldhahn zu, radikal. „Da waren sie extrem streng. Sie meinten: „Wenn du nicht mehr zur Schule gehst, dann gibt’s auch kein Geld.“ Die ersten drei Monate schlief sie bei Freunden auf der Couch, dann fand sie eine winzige Wohnung. „Der Herd stammte aus einem Wohnmobil, weil dort so wenig Platz war. Ich habe in Restaurants gejobbt, gemodelt, ein Praktikum in einer Werbeagentur gemacht und hatte unfassbar viel Spaß.“ Nebenher belegte sie Kurse für kreatives Schreiben.

EINE AMERIKANERIN IN PARIS

Hochgeschlossen, aber mit transparenten Einblicken – wie die Mode von Dior (Dylan ist eines der „Gesichter“ des Pariser Hauses), so wirkt auch das Naturell der 31-Jährigen, die sich längst von ihren berühmten Eltern abgenabelt hat und mit ihrer Produktionsfirma eigene Wege gehen möchte. „Eine durchgeknallte Serie habe ich schon in der Pipeline!“

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„Ich bin 31 und weiß, wer ich bin. Deshalb war es so spannend, gerade jetzt mit Dad zu drehen“

Penn – den Namen assoziiert man in Manhattan höchstens mit dem Bahnhof für Züge nach New Jersey. Ihren Nachnamen erwähnte Dylan nie. Mit 21 ging sie dann nach L. A., weil sie einen Studienplatz an der Filmhochschule UCS bekam. „Aber ich hasste die Uni. Ich wohnte mit drei Mädchen zusammen, die eigentlich nur ein Ziel hatten: das gesamte Football-Team ins Bett zu bekommen. Verglichen mit ihnen fühlte ich mich wahnsinnig alt und deplatziert!“ Auch an der Hochschule war sie unterfordert. Im ersten Semester wurde „Citizen Kane“ analysiert. „Das hatte ich schon mit 16 in der Schule gemacht. Ich wollte lieber etwas Praktisches lernen, etwa wie man eine Kamera benutzt oder mit Schauspielern arbeitet“, erzählt sie. „Also fing ich an, als Produktionsassistentin bei Musikvideo-Drehs und TV-Sendungen zu jobben. Dabei lernte ich mehr als auf der Filmschule.“ Selbst als Produktionsassistentin blieb sie inkognito. Finanzspritzen der Eltern lehnte sie ab. Sie wollte beweisen, dass sie es allein schaffen würde, „nur als Dylan“. Ihren ungewöhnlichen Vornamen erklärt sie so: „Meine Eltern wussten damals nicht, ob ich ein Junge oder Mädchen werde. Mein Vater ist großer Bob-Dylan-Fan, und meine Mutter liebt den walisischen Dichter Dylan Thomas. Also haben sie sich auf „Dylan“ geeinigt. “ Dass sie nun ausgerechnet ihr Debüt an der Seite ihres Vaters gibt, konterkariert das nicht ihre Bemühungen um Autonomie? Dylan lacht. „Ich weiß. Aber ich bin jetzt über 30 und hatte eine Menge Zeit, um meine eigene Persönlichkeit zu finden. Ich weiß jetzt, wer ich wirklich bin, und an diesem Punkt ist es umso spannender, einen Film mit meinem Dad zu drehen.“

Dylan war erst 16 Jahre alt, als Sean Penn zum ersten Mal fragte, ob sie nicht die Rolle der Jennifer Vogel in „Flag Day“ spielen wollte. Sie ließ ihn abblitzten. „Keine Chance!“, sagte ich. „Ich will auch gar nicht Schauspielerin werden, sondern lieber hinter der Kamera stehen!“ Damals rieten ihr beide Elterntei le, dass sie gerade deswegen erst spielen sollte. „So würde ich verstehen, wie man Regie führt.“ Mit 27 merkte sie dann, dass die Rolle der Jennifer Vogel sie reizte. „Aber am Ende war meine Mutter ausschlaggebend. Sie sagte, sie habe immer nur gute Erfahrungen mit Sean Penn als Regisseur gemacht. Und sie hat recht behalten – es war überraschend wunderbar!“

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Sean Penns Filmfigur John Vogel ist ein „père terrible“, ein dickköpfiger Depp mit Hang zum Desaster, ein Geldfälscher, Bankräuber, Hochstapler, der vor laufenden Kameras einen tragischen Tod starb. Seine Tochter Jennifer wurde Journalistin und schrieb sich dieses Drama von der Seele. „Für mich gab es zwei Überraschungen“, bekennt Dylan. „Ich hatte immer Angst, dass ich vor der Kamera ne- ben Dad untergehe – aber wir waren gleichberechtigte Partner, ich konnte Vorschläge einbringen, mich richtig ausleben.“ Keine toxische Vater-Tochter-Beziehung, keine Gefühls-Achterbahnfahrt wie bei den Vogels also. „Unser gemeinsamer Nenner war nur das Bedürfnis, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.“ Und die zweite Überraschung? „Dass ich so leicht in diese emotionalen Tiefen gelange, hätte ich nie erwartet.“ Seitdem sieht sie ihre Eltern anders. „Ihre besten Rollen sind die, in denen ich völlig vergesse, dass Mom und Dad hinter einer Figur stecken.“ Wie bei „Pippa Lee“ respektive „Milk“, Sean Penns Oscar-gekrönte Darstellung eines homosexuellen Politikers. „Ich habe Dad einfach nicht in dieser Figur gesehen. Das war unglaublich.“ Auch auf Penns Zivilcourage ist seine Tochter stolz. Immer wieder wagt sich der jetzt 62-Jährige in Krisenherde; 2010 zum Wiederaufbau Haitis nach dem verheerenden Erdbeben, ins kriegsversehrte Syrien oder zu Wolodymyr Selenskij nach Kiew. „Er hat diesen Hunger, anderen zu helfen“, sagt Dylan. „Eigentlich wollte er Anwalt oder Journalist werden. Als er dann berühmt wurde, fühlte er sich noch stärker verpflichtet, seinen Erfolg zu nutzen, um Benachteiligten zu helfen.“ Sie erinnert sich genau, wie sie und ihr Bruder Hopper ihren Vater nach Haiti begleiteten. „Diese Reise hat mir die Augen geöffnet.“ Sie habe nie „Hey Dad, musste das wirklich sein?“ sagen müssen, erzählt sie. „Ich glaube, dass Dad von der Öffentlichkeit oft missverstanden wird. Zum Glück ist ihm wirklich egal, was man über ihn schreibt. Und mir auch. Wir nehmen das alles ziemlich locker. Ich kenne ja meinen Vater und seine vielen Facetten. Für mich ist er einfach mein Dad, kein Hollywoodstar.“

Dem Ruhm hechelt auch Dylan nicht hinterher. Ihr Ziel ist es nach wie vor, einmal hinter der Kamera zu stehen. „Ich habe ein paar Sachen geschrieben und mit einem Kollegen sogar eine Serie, eine Art ‚Girls‘ meets ‚Requiem For A Dream‘. Davon würde ich gern was inszenieren. Es ist eine schwarze Komödie über das Leben von Mittzwanzigern. Mit viel Sex und Drogen!“ Sagt’s und grinst sibyllinisch.

Am nächsten Tag geht es für sie wieder heim, in den Osten von L. A., einer sehr netten Gegend, ganz weit von Hollywood und Beverly Hills entfernt. „Ich kann überall zu Fuß hingehen und nutze das Auto nur, wenn ich wirklich muss. Das fühlt sich überhaupt nicht wie das klassische L. A. an.“ Mit Hollywood fremdelt sie noch immer, aber der Filmzirkus an der Côte d’Azur, so kräftezehrend er auch war, gefiel Dylan dann doch. „Hier in einer Chanel-Robe auf dem roten Teppich zu stehen – ein Traum!“