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E-GITARRE: GIBSON SG STANDARD 2019: Endlich wieder da!


Soundcheck - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 12.08.2019

Irgendwann kommt der Augenblick im Leben eines jeden Gitarristen, in dem er sich zu einer SG hingezogen fühlt. Das ist wirklich vollkommen normal und zeigt, dass man durchaus etwas von Gitarren versteht. Wir helfen euch bei der Entscheidungsfindung und haben die neue SG Standard 2019 für euch getestet.


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FOTOS: NIC OLE MAREK

Die aktuelle Gibson SG Standard wird in den Farben „Ebony“ und „Heritage Cherry“ ausgeliefert, dabei bietet Gibson sowohl ein Linkshänder- als auch ein Rechtshändermodell an. Das vorliegende Test-Modell ist im Ebony-Stil pechschwarz lackiert und weckt sofort Assoziationen mit ...

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... SG-Zauberern wie Angus Young von AC/DC oder Tony Iommi von den mächtigen Black Sabbath.

Der Korpus besteht wie gehabt aus Mahagoni und ist mit Gloss-Nitrocellulose lackiert, das die Gitarre vor äußeren Umwelteinflüssen schützt. Auch altert keine Lackart so schön wie Nitro. Beim Pickguard greift Gibson klassisch zur Ende der sechziger Jahre eingeführten Batwing-Variante. Ob man nun die kleinere `61er-Variante oder doch den etwas ausladenderen Batwing bevorzugt, ist letzten Endes eine reine Glaubensfrage, da die beiden Formen weder Einfluss auf den Sound noch auf das Spielgefühl haben. Der Hals besteht ebenfalls aus Mahagoni, auf den ein Palisandergriffbrett aufgeleimt wurde.

Auch hier fällt auf, dass wie bei den Schwestermodellen der aktuellen Les-Paul-Reihe das Griffbrett durchaus noch etwas Öl vertragen könnte, damit es nicht ganz so trocken erscheint. Aber nichts, bei dem man nicht selber Abhilfe schaffen könnte. Beim Profil des Halses greift Gibson auf die altbewährte Slim-Taper-Form zurück, die etwas dicker als ein 60s-Hals ist und hervorragend in der Hand liegt.

Tradition & Moderne

Wer besonders dünne Hälse bevorzugt, sollte vielleicht vorher mal Probe spielen, aber das macht der verantwortungs- bewusste Gitarrist ja sowieso, oder?

Während Gibson bei den Specs der neuen Standard-Modellen bewusst auf Tradition setzt, benutzen sie gleichzeitig modernste Fertigungstechniken. Dabei wird das Griffbrett dem computergesteuerten PLEK-Prozess unterzogen, mit dem die Bünde am Griffbrett, der Sattel sowie die Saitenlage millimetergenau abgerichtet werden. Zudem werden die Bünde mit dem „Cryogenically Treatment“ quasi schockgefrostet, ein Prozess dem nachgesagt wird, das Schwingverhalten einzelner Bauteile zu verbessern. Das merkt man der Gitarre beim Spielen jetzt nicht unbedingt an, aber es verschlechtert das Spielgefühl jedoch auf keinerlei Weise. Abgerundet wird der Hals noch mit einem creme-farbenen Binding, das tadellos verarbeitet ist und dem Design der Gitarre eine plastische Tiefe hinzufügt. Beim Sattel greift Gibson wie bei den anderen Modellen der 2019er-Reihe auf einen Tektoid-Sattel, dem der Hersteller selbstschmierende Eigenschaften zuschreibt. Das bekannte Gibson-kopfplattentypische starke Abknicken der G-Saite hinter dem Sattel ist konstruktionsbedingt, und führt daher auch hier zu den typischen Verstimmungen der G-Saite.

Mahagony-Hals und Palisander-Griffbrett mit 22-Medium-Jumbo-Mensur


Grover Rotomatic Mechaniken mit Kidney-Flügeln.


Dem abhelfen kann man mit ein wenig Bleistiftpulver als Schmierung. Rein optisch ist bei der Kopfplatte alles, aber wirklich alles beim Alten geblieben. So wie man es eben von einer Gibson SG erwartet.

Da wären zum einen das sorgfältige Gibson-Inlay sowie die obligatorische SG-Krone, die dem ganzen Aussehen einen edlen Touch verleiht. Bei den Mechaniken setzt Gibson auf silberne, geschlossene Grover-Rotomatics mit Kidney-Bottons als Flügel. Zusammen mit der restlichen chromfarbenen Hardware gibt die SG in Kombination mit der schwarzen Lackierung ein absolut stimmiges und in sich geschlossenes Bild ab, dass einem das Ikonische des Modells sofort ins Gedächtnis ruft.

Pling & Plong

Apropos Hardware, bei den Tonabnehmern setzt Gibson auf die bewährte Kombination aus 490T am Steg und 490R am Hals. Die mit Alnico-II bestückten Humbucker stellen dabei die outputstärkere Variante zum ’57-Classic dar, der sich wiederum an den PAF-Humbuckern orientiert, die in den ersten Les Pauls verbaut waren.

Als Steg kommt die Gibson-typische Nashville-Tune-O-Matic- samt Stop-Tailpiece-Konstruktion zum Einsatz. Neben den vier Potis für Volume (2 x) und Tone (2x), sitzt auch noch der Dreiwegschalter, um die Tonabnehmer anzusteuern.

Trocken angespielt macht die SG bereits eine gute Figur. Das liegt unter anderem an dem etwas kräftigeren Hals, der genug Fleisch für die Greifhand bietet.

Dabei ist sie kein Sustainmonster, ihre Stärken liegen dabei ganz klar in der direkten, dynamischen Ansprache. SGtypisch verzichtet man auf eine separate Decke à la Les Paul, der Klang in jedem Fall ist unglaublich direkt und knackig.

Das muss man zwar mögen, aber wer eine unmittelbare Ansprache haben möchte und auf das „Pling“ und „Plong“ bei angeschlagenen Powerchords steht, der kommt hier definitiv auf seine Kosten. Dieser Eindruck bestätigt sich auch verstärkt am 15-Watt-Vollröhrenamp [Achtung, Wortspiel! – die Red]. Durch die beiden Cutaways und den späten Hals-Korpus-Übergang kommt man beim Spielen auch problemlos bis in die höchsten Lagen. Besonders schön ist, dass sich keine Deadspots ausfindig machen lassen, was keine Selbstverständlichkeit ist und auch bei hochpreisigen Instrumenten vorkommen kann.

Alles unter Kontrolle

Während die SG auf ganzer Linie mit ihrem Sound überzeugt, sorgen die Potis leider etwas für Ernüchterung. Ein wesentlicher Bestandteil bei der Gibson-Schaltung ist die absolute Kontrolle über Tone und Volume der einzelnen Tonabnehmer, um so praktisch mit dem Dreiwegeschalter jeweils einen weiteren Kanal zur Verfügung zu haben.

So kann das Reduzieren des Volumelevels am Hals für einen fast cleanen Sound sorgen, während der Steg Vollgas gibt. Bei der SG klappt das leider nur bedingt, hier zerrt es bis kurz vor dem Moment, wo das Signal komplett abbricht. Zwar benutzt nicht jeder diese Klangoptionen, hat die Potis eh komplett auf Anschlag, aber es geht hierbei definitiv einiges an Flexibilität verloren.

Zwar kann man selber problemlos sensiblere Potis verbauen, obwohl es schön gewesen wäre, wenn bei der Produktion dieser Schritt bereits übernommen geworden wäre.

Bevor es zum Fazit geht, muss noch eine dicke Lanze für die Gibson-Soft-Shell-Tasche gebrochen werden. Was auf den ersten Blick als fauler Kompromiss gelten könnte, um die Kosten des Koffers einzusparen, entpuppt sich als qualitativ besonders hochwertiges Gigbag, das problemlos dem behäbigen und schweren Koffer das Wasser reichen kann. Hier ist die Gitarre extrem gut geschützt und gepolstert. Als ich die Gitarre zum Testen nach Hause genommen hatte, war ich mehr als einmal froh, dass ich den unhandlichen Koffer nicht mit mir rumschleppen musste, sondern die Tasche bequem am Rücken tragen konnte. Gibson hat sich mutig der Altlast entledigt und den Blick nach vorne gerichtet, denn, seien wir mal ehrlich, ein hochwertiges Gigbag ist deutlich näher dran am Alltag eines Musikers. So bietet Gibson dem Kunden einen gelungenen transportablen Lösungsansatz und wer unbedingt einen Koffer braucht, kann ihn sich ja immer noch kaufen.

Das bleibt hängen

Gibson liefert mit der SG Standard 2019 wieder einmal eine Gitarre im zeitlosen Look ab, die sowohl klanglich als auch verarbeitungstechnisch überzeugt. Hier kommt der Vollblut-Metaller sowie der Blues-Rocker voll auf seine Kosten.

Ich persönlich hätte mir sensiblere Potis gewünscht, aber sei‘s drum. Wer schon immer mit dem Gedanken spielte, sich eine SG zuzulegen, für den ist jetzt genau der richtige Augenblick dafür. Gibson sind 2019 wieder zurück und in Sachen USA-Produktion so gut aufgestellt, wie seit Jahren nicht mehr.