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Echt easy: Hornhecht mit der Fliegenrute


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 50/2022 vom 08.04.2022

HORNHECHT

Als mir das erste Mal jemand erzählt hat, dass er Hornhechte gezielt mit der Fliege befischt, dachte ich er will mich verarschen. Klar hatte ich schon mal davon gehört, dass Hornhechte beim Fischen auf Meerforellen als Beifang gefangen werden. Da ich aber vorwiegend im März und Anfang April auf Mefos fischte, ist mir das selber nie passiert. Denn eine alte Bauernweisheit sagt ja: „Wenn der Raps blüht, fängt man Hornhecht!“. Und im März blüht in der Regel nirgendwo auch nur irgendein Rapsfeld. Ich fragte also ungläubig nach, da ich den Hornhecht auch bisher als nicht besonders interessanten Fisch abgespeichert hatte. Der Enthusiasmus mit dem der Fliegenfischer-Kollege mir von seinen Hornhecht-Fängen berichtete, ließ mich stutzig werden, hatte ich vielleicht einen Fehler begangen, indem ich diesen Silber-Pfeil so lange ignoriert habe. Ich machte mir einen Vermerk in meiner ...

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Leichtes Gerät und viele, Kontakte ? Hornhechte sind perfekt für Einsteiger ins Fliegenfischen geeignet.
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Biologie

Es gibt eine große Anzahl an Hornhecht-Arten überall auf der Welt. Bei uns ist in Nord-und Ostsee der „Gewöhnliche Hornhecht“ (Belone belone) heimisch, der maximal einen Meter lang wird. Interessanterweise haben die Jungtiere zunähst ein normales Maul. Dann wächst zuerst der Unterkiefer, so dass sie wie die verwandten Halbschnäbler (Hemiramphidae) aussehen, und erst später folgt dann der Oberkiefer. Die Augen der Hornhechte sind besonders: Sie haben einen Schutz ähnlich eines kleinen Mützenschirmes gegen von oben kommendes Licht, dem sie als Oberflächenfische besonders ausgesetzt sind. Auffallend sind die grünen Gräten, die durch den Abbau des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin zu Biliverdin entstehen. Hornhechte sind schnelle Jäger und ernähren sich von kleinen Fischen und Flohkrebsen. Der Mai mag die beste Zeit zum Fangen von Hornhechten sein, aber auch im Herbst kommen sie nochmal an die Küste und sind dann in der Regel deutlich fetter, fitter und leckerer als im Frühjahr.

EIN ECHTES MAILIGHT

Seitdem nehme ich mir, wenn ich im Mai oder Juni Mefo-oder Hechtfischen im Norden bin, ein paar Stunden jeden Tag, um gezielt auf Hornhechte zu fischen. Das ist die Zeit, in der die Hornhechte dicht unter Land an die Küste kommen. Der genaue Zeitpunkt variiert regional und wetterbedingt leicht, aber Anfang Mai bis Mitte Juni ist es eigentlich überall ziemlich sicher. Wirklich beeindruckend zuverlässig fällt Jahr für Jahr die Blüte des Raps mit dem Auftauchen der pfeilschnellen Räuber zusammen. Das Laichgeschäft findet in den ersten Tagen nach der Ankunft an unserer Küste statt, ab Mitte Mai fressen sich die Fische dann im Flachwasser schon wieder Reserven an. Jetzt kann das Fischen absolut spektakulär sein und wenn Sie Anfang Juni den richtigen Strand erwischen, treffen Sie auf ganze Horden von aggressiven und gut kämpfenden Fischen, oft über 75 Zentimeter lang. Ende Juni ziehen die Hornhechte weiter raus und sind für uns nicht mehr zuverlässig zu fangen. Den Großteil des Jahres verbringen sie weiter draußen, doch manchmal finden die gefräßigen Raubfische im Laufe des Sommers oder gar im Herbst den Weg ins Flachwasser – und nun sind sie topfit und bieten die spektakulärsten Drills. Da man bei dieser Angelei viele Kontakte hat, lernt man schnell und so kamen schnell neue Erkenntnisse hinzu. Die erste Erkenntnis, die ich gewann, war, dass es nicht so richtig Sinn macht die laichenden Fische zu befischen. Die haben gerade was anderes im Kopf… Es macht aber durchaus Sinn sowohl zeitlich als auch räumlich in der Nähe zu fischen, denn der Paarungsakt dauert nicht besonders lange und hinterher haben sie Kohldampf. Da die Hornhechte ihren mit Klebefäden versehenen Laich an Wasserpflanzen und Steine heften, sind Küstenabschnitte mit viel Struktur und vor allem Krautfeldern gerade zu Beginn der Saison, direkt nach dem Laichen, ein guter Anlaufpunkt. Am etwas stukturarmen Bodden sind sandige Bereiche mit Kraut super. Teilweise kommen die Fische bis in hüfttiefes Wasser, aber tieferes Wasser in der Nähe ist definitiv von Vorteil. Die besten Wetterbedingungen sind Sonnenschein, klares Wasser und nur ein wenig Wind. Das heißt aber nicht, dass bei bedecktem Himmel und stärkerem Wind gar nichts geht. Nur richtig trübes Wasser ist kontraproduktiv. Da der Hornhecht mit seinen großen Augen visuell orientiert ist, kann er unseren Köder bei trübem Wasser schlecht sehen.

DIE SACHE MIT DEM FEHLBISS

Die zweite (und vielleicht wichtigste) Erkenntnis betrifft den Anhieb. Als alter Nymphen-Fischer hatte ich lange das Problem, dass ich auf jeden Zupfer sofort mit einem Anhieb reagierte. Es kostet mich zum Beispiel beim Mefo-Fischen immer sehr viel Disziplin, so lange weiter zu strippen, bis der Fisch richtig hängt. Beim Fischen auf Hornhechte wird das nun auf die Spitze getrieben. Nach einem Fischkontakt einfach weiterstrippen, solange bis ein Fisch hängt, funktioniert einigermaßen, aber die Anzahl an Fehlbissen dabei ist unfassbar hoch. Und das ist eigentlich ganz logisch, wenn wir uns angucken, wie das Maul des Hornhechtes beschaffen ist: Die langen, dünnen Kiefer bestehen aus hartem Hornmaterial. Es verwundert nicht, dass dort ein Haken schlecht fassen kann.

Die Lösung des Problems ist denkbar einfach: Beim Biss einfach gar nichts machen. Nicht weiterstrippen und auf gar keinen Fall einen Anhieb setzen, gegebenenfalls sogar ein wenig Schnur locker lassen. Die Fische schnappen ihre Beute mit ihren langen Kiefern, schwimmen weiter und fassen dann nochmal nach. Was also ansonsten unter Fliegenfischer verwerflich oder zumindest sehr ungewöhnlich ist („erstmal richtig schlucken lassen“), ist jetzt genau das Richtige. Denn wenn sich unser Köder Richtung Schlund bewegt, kommen wir mit dem Haken in den weichen Bereich des Mauls und dort kann er vernünftig fassen. Und im Optimalfall setzen wir erst jetzt, nach zwei, drei Sekunden, den Haken. Am besten ist es nun, über die Schnurhand den Anhieb zu setzten, statt die Rute zu heben, so sind Sie im Falle eines Fehlbisses direkt wieder im Spiel und oft fasst gleich der nächste Fisch zu. Anfangs wird Ihnen dieser zeitversetzte Anhieb unglaublich schwer fallen – aber es gibt ja mehr als genug Gelegenheit zu üben. Fischt man mit einem 8er Wolly Bugger, besteht auch keine Gefahr, dass der Haken zu tief sitzt. Das Maul des Hornhechts ist nicht sehr groß, sodass er den Köder nur selten inhaliert. Und selbst bei kleineren Fliegen hatte ich kaum Probleme mit tief sitzenden Haken.

NICHT ZU GROSS & BITTE BUNT!

Damit kommen wir schon zur nächsten wichtigen Erkenntnis: Der Haken darf nicht zu groß sein. 6er sind eigentlich schon zu groß, 8er ganz gut und 10er ziemlich optimal. Ansonsten kann man bei der Köderwahl nicht so wahnsinnig viel falsch machen. Hornhechte fressen kleine Fische und freischwimmende Kleinkrebse, sind aber nicht kritisch, was das realistische Aussehen der Imitation angeht. Wooly Bugger oder Magnus-Muster in unterschiedlichen Farben sind deshalb keine schlechte Wahl. Bei der Farbwahl kann man Kreativität walten lassen.

Der Hornhecht reagiert bei verschiedenen Lichtverhältnissen sehr unterschiedlich, ich habe ihn als deutlich zickiger im Vergleich zu Forellen erlebt. Grundsätzlich ist man aber mit auffälligen Mustern immer gut beraten: Schwarz, Orange oder Weiß sind gute Grundfarben. Eine weitere Eigenschaft ist noch wichtig: Glitzer muss immer!

Eine starke Beschwerung oder gar eine Intermediate-Schnur muss nicht sein, da wir dicht unter der Oberfläche fischen wollen. Eine Kopfperle oder Kettenaugen führen aber bekanntlich dazu, dass die Fliege verführerisch läuft und dem ist auch der Hornhecht nicht abgeneigt. Auch Garnelen-, Seeringelwurm-und andere Fischimitationen funktionieren. Wer gerne fein fischt, sollte es mal mit langsam gefischten Flohkrebsimitationen an der 4er probieren.

In der Regel hat man weniger Bisse, aber die Fische hängen meistens. Da Hornhechte aber grundsätzlich sehr schnelle Jäger sind und auch schneller Beute nach- jagen, funktioniert ein zügiges Einstrippen (schnelle Züge). Doch auch hier kommt die stark ausgeprägte Tagesform des Hornhechts zum Tragen: Manchmal kann es nicht schnell genug sein und die Bisse komme hart und trocken, nur Stunden später bringt eine fast bewegungslos im Wasser hängende Fliege Biss um Biss. Woran diese ausgeprägten Launen der Fische liegen, habe ich nie verstanden.

EINFACHES GERÄT & EINFACH GRILLEN

Die wichtigsten Dinge zum Tackle sind schnell zusammengefasst: Ich bevorzuge 6er Ruten, da man auch bei Wind – und den haben wir an der Küste ja meistens – einen 8er Bugger entspannt werfen kann. Weiche Ruten funktionieren besser als harte, da wir softere Anhiebe setzen können, mehr Gefühl im Drill haben und Sprünge besser abgefedert werden. Da wir auf einen Oberflächenfisch angeln und nie runter müssen, ist eine Schwimmschnur die perfekte Wahl. Ich fische immer gezogene Vorfächer, weil sie sich besser werfen lassen, aber einfaches Mono tut es auch. Die Vorfachspitzen sollten zwischen 0,22 und 0,26 Millimeter liegen. Von der Tragkraft würden auch dünnere Vorfachspitzen gehen, da die spitzen Zähne des Hornhechtes das Material aber leicht beschädigen können, hat sich dieser Bereich als sinnvoll herausgestellt. Fluorocarbon ist keine Notwendigkeit, kann aber bei Sonnenschein hilfreich sein. Das ist die Standardausrüstung, aber da das auf Dauer langweilig wird, habe ich auch hier ein bisschen rumgespielt und leichtere Ruten, dünnere Vorfächer und kleinere Fliegen gefischt. Martin, der diese ganze Hornhecht-Geschichte ins Rollen gebracht hat, perfektionierte weiter. Er fischt inzwischen mit einer 3er Rute in 10 Fuß und 16er Bachflohkrebs-Imitaten.

Aber nicht nur anglerisch habe ich den Hornhecht unterschätzt, auch kulinarisch kann er was. Ganz klassisch gebraten und wie Hering sauer eingelegt, schmeckt er schon top. Überraschenderweise lässt er sich auch super räuchern. Aber das Highlight ist meiner Meinung nach Hornhecht auf dem Grill. Martin kam auf die Idee, sie in Teriyaki-Soße einzulegen – das kam ganz gut, aber ich bevorzuge inzwischen eine Marinade aus Olivenöl, Limette und Knoblauch. Ich kann Ihnen wirklich nur empfehlen, auch mal gezielt auf Hornhecht zu fischen, es bedeutet jede Menge Action und Freude auf dem Teller!

Wer ist eigentlich Ole Rogowski

Ole Rogowski ist Gründer der Fliegenfischerschule „Flyrus“, Eventmanager des RISE Fliegenfischen Film Festivals in Deutschland und Autor des Buches „Fliegenfischen heute“. Er hat schon auf der ganzen Welt gefischt: Unter anderem in Schweden auf arktische Saiblinge, in Neuseeland auf Bachforellen und in Kanada auf Steelheads und Lachse. In ihren deutschlandweiten Kursen bringen die Jungs von Flyrus Einsteigern das Fliegenfischen bei. Außerdem organisieren sie Urlaubsreisen zu verschiedenen Destinationen in Deutschland und im Ausland. Infos: www.flyrus.de