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EDITORIAL


Kinderkrankenschwester - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 11.03.2019

Wer nicht täglich besser wird …


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Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 3/2019

Dieser Leitsatz, liebe Leserinnen und Leser, gilt für das ständige Bemühen, Krankenhausinfektionen zu vermeiden und zu reduzieren. Eine scheinbar unerschöpfliche Aufgabe, die Pflegende in jüngster Zeit mehr als früher herausfordert. In den letzten Wochen machten in Rundfunk, Fernsehen und Zeitungspresse erneut Schlagzeilen zur Antibiotikaresistenz von Krankenhauskeimen die Runde. Diesmal ging es allerdings nicht nur um die betroffenen Patienten und ihre erhöhte Morbidität im Krankenhaus. Eine europäische Autorengruppe, angeführt von einem Wissenschaftlerteam des europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (European Center for Disease Prevention and Control, ECDC) in Solna, Schweden, unternahm vielmehr erstmals den Versuch, den volkswirtschaftlichen Schaden durch diese Erreger zu beziffern. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 5. November im renommierten Fachblatt „Lancet Infectious Diseases“, das weltweit die Spitzenposition unter den etwa 70 Fachzeitschriften für Infektionskrankheiten und Infektionserreger einnimmt1. Prof. Dr. Trautmann, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene am Klinikum Stuttgart, und ich haben diese Studie rezensiert. Wie kommt es, dass trotz aller Bemühungen und Beachtung hygienischer Regeln die Zahl der gefürchteten Krankenhausinfektionen weiterhin steigt? Mit den Chemotherapeutika beziehungsweise Antibiotika wurden dem Arzt hochpotente Mittel in die Hand gegeben, die bei vielen schweren Infektionen lebensrettend sind. Als Nebenerscheinung werden jedoch durch eine Chemotherapie zwangsläufig aufgrund verschiedener Mechanismen resistente Mikroorganismen, besonders bei ungezielter Anwendung, herangezüchtet, die dann im Rahmen des bakteriellen Hospitalismus Bedeutung erlangen können. Die ersten Beweise waren das Auftauchen um 1950 eines Staphylococcus-aureus-Stamms beziehungsweise Komplex „52, 52A, 80, 81“ (Kurzbezeichnung 80,81-Stämme) bei nosokomialen Infektionen mit hoher Antibiotikaresistenz und bis zu 60-prozentiger Sterblichkeit, besondere weltweite Bedeutung in den Krankenhäusern.

1988 wurde besorgniserregend über einen vancomycinresistenten Enterococcusfaecium- und -faecalis-Stammes berichtet. Pessimisten sprechen schon vom post-antibakteriellen Zeitalter. Damit vertreten sie die Ansicht, dass die Wirksamkeit verfügbarer Antiinfektiva nicht erhalten bleibt und unheilbare Infektionen zunehmen werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Zunahme Antibiotika-resistenter Krankheitserreger inzwischen als die größte Herausforderung für die Medizin bezeichnet. Die Entwicklung in der neonatologischen intensivmedizinischen Versorgung hat dazu geführt, dass sich die Überlebenschancen auch extrem unterentwickelter Kinder immer weiter verbessert haben. Bei der intensivmedizinischen Versorgung kommen allerdings auch invasive Maßnahmen zur Anwendung, die die bereits durch die Unreife des Immunsystems bedingte Infektionsgefährdung noch weiter erhöhen. Mit einer Inzidenz nosokomialer Infektionen von 21–30 % auf neonatologischen Intensivstationen gehören Frühgeborene damit zu den am stärksten von nosokomialen Infektionen bedrohten Patienten in Krankenhäusern. Da Infektionen bei Frühgeborenen nicht nur den aktuellen Krankenhausaufenthalt verkomplizieren, sondern die gesamte Entwicklung des Kindes stören können, hat die Infektionsprävention in dieser Population einen ganz besonders hohen Stellenwert2.

Welche „Waffen“ und Strategien haben wir, um Problemerregern erfolgreich zu begegnen? Auf S. 72 stellen die Autoren Dr. med. Karl- Peter Göttmann, Krankenhaushygieniker, und Markus Kiesel (MSc), Hygienemanager und Leitender HFK®, Katholisches Klinikum Mainz, ein an ihrer Klinik speziell entwickeltes MRSA-Management peripartal vor. Dr. med. Alexandra Flemmer beschreibt sehr eindrucksvoll auf Seite 76, wie Viruserkrankungen bei Kindern natürlich und wirksam behandelt werden sollen.

1 Cassini A et al. Attributable deaths and disability-adjusted life years caused by infections wirh antibiotic- resistant bacteria in the EU and the European economic area in 2015: a population-level modelling analysis. Lancet Infect Dis 5. November 2018 online
2 Geffers C. Infektionsprävention bei Frühgeborenen mit NEO-KISS. Krankenhaushygiene up2date 2018; 13 (1): 83–97.

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Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 3/2019

Hardy-Thorsten Panknin

Ressortleiter Infektiologie und Hygiene

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