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Editorial


Migration und Soziale Arbeit - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 02.05.2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

Integration ist in den letzten Jahren verstärkt zu einem politischen Slogan geworden, der die Lösung der vielfältigen mit Einwanderung und Migration verbundenen Herausforderungen vereinfacht. Das Thema der Fluchtmigration dominiert dabei die aktuelle gesellschaftliche Integrationsdebatte. Integration in den Arbeitsmarkt, in das Bildungssystem, wie auch die kulturelle und soziale Integration sind Schlüsselarenen für diejenigen ausländischen Menschen, die dauerhaft bleiben werden bzw. können. Darüber, was unter Integration zu verstehen ist, aber vor allem auch daran, wie der Prozess am besten erfolgreich für alle Beteiligten umgesetzt werden soll, scheiden sich nach wie vor die Geister. Bestätigt durch die transnational studies der 1990er Jahren entsteht dabei parallel ein Verständnis, dass transnationale Verflechtungen zwischen Herkunfts- und Aufenthaltsländern, kulturelle Mehrfachzugehörigkeiten und soziale Praktiken, wie Mehrsprachigkeit, keine Integrationsblockaden, sondern -ressourcen darstellen können.
Traditionelle Assimilationsvorstellungen beinhalten eine einseitige Aufforderung zu Integrationsanforderungen bzw. Integrationszwängen an Migrantinnen und Migranten sowie Geflüchteten nach dem Motto: „die sind es, die zu, uns‘ gekommen sind“. Demgegenüber stehen sich öffnende Verständnisse von Integration als gegenseitigem Austauschprozess von Zugewanderten und der deutschen Gesellschaft auf der Basis von Diversitäts- und Inklusionsansätzen. Integration ist somit ein Prozess, der sich zwischen Zugewanderten und der Gesellschaft vollzieht und von der Politik gestaltet wird. Die gesellschafts- und kulturpolitische Gouvernementalität des Aufenthaltslandes beeinflusst wesentlich, welche Form von Integration wie als erfolgsversprechend gilt.
Ein Blick in die europäischen Nachbarländer, eröffnet die Möglichkeit von Reflexions- und Lernprozesse für die eigene nationale Handhabung in Deutschland. Spiegelbildlich gestaltet sich auch die nationale Situation durch die diversen Umsetzungen von sozialen Integrationsprozessen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene höchst different. Es bedarf eines Mehrebenenansatzes, um die verschiedenen Akteurskonstellationen sichtbar zu machen.
Das vorliegende Heft zum Thema „Integrationspolitik im europäischen und MehrebenenVergleich“ möchte die Perspektiv- und Ebenenvielfalt beleuchten, um unterschiedliche Zugänge zu dem oftmals nebulösen Begriff der Integration in der politischen Debatte zu eröffnen. Der Themenbereich wird eröffnet durch zwei Beiträge, die den politischen Integrationsdiskurs in der Migrationsgesellschaft im Allgemeinen erörtern. Maria Kontos wirft den Blick auf die Sarrazin-Debatte. Thomas Geisen hingegen fragt sich, ob Integration eine Anpassungsleistung ist, und diskutiert die Konzepte der Akkulturation und Assimilation.
Es folgen zwei Beiträge, die die Flüchtlingspolitik in Deutschland spezifisch aus Sicht der Akteure, also der Migrantinnen und Migranten bzw. Geflüchteten betrachten. Josef Held, Johanna Bröse und Rita Hackl betrachten angepasstes und widerständiges Handeln als Umgangsform junger Geflüchteter mit Integrationsanforderungen. Auch Thomas Gei- sen und Lea Widmer diskutieren den Umgang von Migrantinnen und Migranten, jedoch im Kontext der Arbeitsmarktintegration.
Bevor wir auf die internationale Ebene blicken, folgen vier Beiträge, die das Mehrebenensystem der deutschen Flüchtlingspolitik analysieren. Thorsten Schlee skizziert Prozesse politischer Steuerung sowie die Flucht- und integrationspolitischen Bruchlinien im Mehrebenensystem Deutschland. Charlotte Wohl-farth beleuchtet die Integrationsgesetze der Bundesländer und verortet diese zwischen Symbolik und Steuerung. Frank Eckardt greift das Beispiel des Willkommensmonitors Thüringen 2017 heraus und Werner Schönig thematisiert die ethnische Segregation im städtischen Sozialraum und beschreibt die Aufgaben der Kommunen.

Es folgt nun der letzte Themenbereich mit vier Beiträgen, der die Flüchtlingspolitik in Europa und vergleichend zwischen verschiedenen Ländern betrachtet. Gudrun Hentges und Gerd Wiegel beobachten eine repressive Migrations-, Asyl- und Flüchtlingspolitik in Europa und deuten diese unter den Anzeichen eines wachsenden Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Esteban Piñeiro betrachtet Integration gleichsam kritisch, indem er aufzeigt, wie Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz unter der politischen Figur der Citoyenneté als Einheimische regiert werden. Markus Ottersbach beleuchtet das Nachbarland Frankreich und stellt einen Vergleich zur deutschen, lokalen Integrationspolitik an. Und Magdalena Jäger, Katja Holz sowie Hol-ger Jahnke beschreiben die Steuerung sozialer Integrationsprozesse in Deutschland und Dänemark.
Den Abschluss dieses Hefts bildet eine von Pia Theil zusammengestellte Literaturschau.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern eine anregende Lektüre.

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Bildquelle: Migration und Soziale Arbeit, Ausgabe 2/2019

Benjamin Landes (Direktor des ISS e.V.)

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Dr. Claudia Olivier-Mensah (verantwortliche Redakteurin)

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