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EDITORIAL FOYER: UNBEDINGT?


Die Deutsche Bühne - epaper ⋅ Ausgabe 9/2020 vom 01.09.2020

Es ist September. Endlich geht es wieder los. Die Theater haben notwendige neue künstlerische und Hygienekonzepte entwickelt und brennen auf den Neustart.

Aber geht es wirklich wieder los? Die Neuinfektionszahlen sind nicht dramatisch, aber eben auch nicht stabil, und die Angst vor einer „zweiten Welle“ des Covid-19-Virus steigt genauso stetig wie die Zahl der Menschen, die sich mit den das soziale Leben einschränkenden Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung nicht mehr abfinden wollen. Heute, am 4. August, konstatiert Susanne Johna, die Vorsitzende des Marburger Bundes, eine „flache zweite Welle“ sei bereits da. Was das aussagt? Es ist ein Problem unserer aktuell so aus den Fugen geratenen Zeit, dass niemand das ganz genau wissen kann. Dass man selber glauben, denken und vermuten und daraus ein verantwortliches Verhalten ableiten muss. Für sich und andere.

Was selbstverständlich auch für die Theater und ihre Leitungen gilt. Die schauen zurzeit vor allem nach Salzburg, wo die Festspiele im 100sten Jahr ihres Bestehens, zwar in abgespeckter Form, aber immerhin stattfinden. Mit Gedränge am Einlass und in den Straßen der Altstadt. Und mit Inszenierungen, denen man zumindest von außen keine Corona-Beschränkungen ansieht. Wenn das alles gut geht, werden die Bühnen mutmaßlich auch bei uns die Gelegenheit bekommen, ihre gewaltige bereits geleistete Vorarbeit in Form von Theatervorstellungen zu präsentieren. Die naturgemäß anders aussehen werden als gewohnt.

Was genauso naturgemäß auch für die Saisonvorschau der DEUTSCHEN BÜHNE gilt. Die weist traditionell auf übergreifende thematische Setzungen, innovative Formate und herausragende Künstler in den einzelnen Sparten hin. Was uns dieses Jahr aber nicht ausreichend erscheint. Daher gehen wir (mindestens) einen

Schritt zurück und fragen: Mit welchen Mitteln und unter welchen Bedingungen ist Theater im Moment überhaupt möglich? Und wie gehen die Bühnen das an? Erstaunlich und erwartbar ist die Bandbreite riesig: Von „Weiter so“ über „Bleibt alles anders“ bis zu vielen originellen, oft, aber nicht immer, kleinformatigen Versuchen, Theater wirklich neu zu denken, ist tatsächlich alles dabei.

In dieser Hinsicht machen die Salzburger Festspiele übrigens tatsächlich Mut. Wann in den letzten Jahren hätten zwei Opernpremieren dort derart viele positive Reaktionen ausgelöst wie jetzt „Elektra“ und „Così fan tutte“. Entschlackt kamen die daher, und im Falle der „Così“ sogar gekürzt. In Salzburg! Ohne wesentlichen Widerspruch!!!

Also freuen wir uns auf die Spielzeit. Trotz alledem! Damit es eine geben kann, müssen die Theater geöffnet sein. Und das Publikum muss hingehen. Was beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Wie gehen die Menschen, die dem Theater nahestehen und denen es wichtig ist, eigentlich mit ihrer Angst um? Wie sehr vertrauen sie den Bühnen und ihren Trägern?

Wenn dieses Heft erscheint, werden wir darüber bereits mehr wissen. Ich möchte gerne optimistisch bleiben und hoffe, dem einen oder der anderen von Ihnen im September im Theater zu begegnen. Denn ich möchte hingehen. Unbedingt!

Unbedingt?

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Andreas Falentin, Redakteur DIE DEUTSCHE BÜHNE

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Beim Start des Covershootings mit Falk Richter an den Münchner Kammerspielen war ich beeindruckt, wie ernst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses die Hygieneregeln im Probenalltag nehmen. Als Fotograf Tobias Kruse von der Berliner Agentur Ostkreuz und Falk Richter dann im Hofgarten angelangt waren, wurde auch das Maskenspiel spielerischer. Das Cover unserer Wahl stammt dann aber doch aus dem strengeren ersten Teil.
Detlev Baur


Foto: Detlev Baur

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