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EDITORIAL: Wer soll das bezahlen?


AnlegerPlus - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 12.09.2020
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Bildquelle: AnlegerPlus, Ausgabe 8/2020

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das Bayerische Landesamt für Statistik vermeldete für die Umsätze im Einzelhandel im ersten Halbjahr 2020 eine Steigerung von 3,3 %. Der Handelsverband Bayern konnte diese Zahlen nicht nachvollziehen: „Die aktuelle Lage sieht anders aus“, wird deren Geschäftsführer in den Medien zitiert.
Laut Statistischem Bundesamt ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland im ersten Halbjahr 2020 gegenüber 2019 „nur“ um rund 6 % gefallen. Ein Wert, den die Bundesregierung für 2020 insgesamt erwartet. Wir lägen dann beim BIP etwa auf dem Niveau des Jahres 2017. Angesichts des Zustands der Realwirtschaft ist das für mich ebenfalls nicht nachvollziehbar. Fast ein Fünftel der deutschen Industriebetriebe sieht laut einer ifo-Umfrage ihr Überleben durch Corona gefährdet, insbesondere Betriebe der Metallerzeugung/ -bearbeitung oder der Automobilindustrie inkl. der Zulieferer. Es rollt also bald eine Insolvenzwelle auf uns zu. Vermutlich dann die zweite, denn bis dahin dürften schon viele Künstler, Bus- und Taxi-Unternehmer, Schausteller und Schauspieler die Segel gestrichen haben. Ganz zu schweigen von der Tourismus- und Gastgewerbebranche.
Die Konsumlaune wird deswegen und aufgrund von Kurzarbeit ebenfalls irgendwann leiden. Bis Mitte des Jahres wurden 7 Millionen Beschäftigte vorübergehend von der Arbeitsagentur bezahlt. 1,3 Billionen Euro an staatlichen Hilfen mussten die Unternehmen bis dahin in Anspruch nehmen, nicht eingerechnet die 600 Mrd. Euro des Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

Im Moment sehen wir eine gewaltige Verstaatlichung unserer Wirtschaft. Aber klar, in dieser Situation, in die die Unternehmen unverschuldet durch die staatlich verordneten Coronamaßnahmen geraten sind, wird staatliche Hilfe als letzter Ausweg gerne in Anspruch genommen. Diese Hilfen und weitere Kreditaufnahmen führen zu einem Schuldenanstieg der Unternehmen. Schulden, die wieder beglichen werden müssen. Denn der Schuldendienst geht zulasten der Ertragskraft der Unternehmen und damit von Zukunftsinvestitionen und Wettbewerbsfähigkeit.

Was könnte helfen? Der Erlass von Schulden wäre eine Alternative. Doch wäre das gerecht gegenüber Firmen, die die Krise aus eigenen Mitteln gemeistert haben? Die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital wäre eine andere Möglichkeit. Dieses Eigenkapital könnte fallweise und mit Blick auf späteren Kapitalbedarf sogar den Weg an die Börse finden. Dort ist der Staat über diverse Beteiligungen längst angekommen. Die staatlichen Beteiligungen (auch nicht börsennotierte) könnten gebündelt in einen Fonds übertragen werden, der Staatsfonds wäre geboren.

Was bleibt, sind Schulden auf dem Buch des Staates. Er finanziert seine Beteiligungen auf Pump und wird sich einen Teil davon bei uns zurückholen, ob nun über Inflation, Steuern oder einem IWF-Vorschlag aus 2014 folgend – damals in Bezug auf die ausufernden Staatschulden durch die Finanzkrise – über eine Vermögensabgabe oder von allem etwas. Solange aber mit neuen Schulden und gedrucktem Geld das System noch am Laufen gehalten werden kann, wird es erstmal so weitergehen. Gut für die Börse. Aber irgendwann muss jemand die Rechnung zahlen.

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Bildquelle: AnlegerPlus, Ausgabe 8/2020

Harald Rotter Chefredakteur

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