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Eigenbau bis ins Detail


Truckmodell - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 10.07.2019

Es begann damit, dass ich ein neues Bauprojekt suchte. Diesmal allerdings nicht mit Ketten, sondern mit Rädern. Die erste Idee war einen Rooikat zu bauen, ein achträdriges Panzerfahrzeug aus Südafrika. Leider gab es davon kaum Unterlagen, sodass dies verworfen wurde. Das nächste Vorbild war ein amerikanisches LAV25 – aber auch dies kam nicht über die ersten Gedanken hinaus.


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Bildquelle: Truckmodell, Ausgabe 5/2019

Panzerfahrzeug Boxer der niederländischen Armee – Teil 1

Schließlich entdeckte ich den Boxer, ein achträdriges Panzerfahrzeug in niederländisch-deutscher Gemeinschaftsentwicklung. Aber: Ich wusste wie der Boxer aussah, aber wie kam ich ...

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... an Informationen zum Nachbau für so ein – zum damaligen Zeitpunkt – brandneues Fahrzeug? Ich konnte währen Tagen der offenen Tür bei der niederländischen Armee zweimal einen Boxer in verschiedenen Ausführungen begutachten und fand ihn ein gewaltiges Fahrzeug – was mich noch mehr zum Bau motivierte. Ich hatte hier natürlich auch Fotos gemacht und beschloss die Idee in die Tat umzusetzen.

Die Konstruktion

Neben den Fotos, die ich selbst gemacht hatte, gab es damals nur wenige weitergehende Informationen zu diesem Fahrzeug. Auch von Krauss Maffei in Deutschland erhielt ich nur wenige weitere Informationen – mehr durfte man hier wohl auch nicht herausgeben. Also entschloss ich mich dazu ein Revell-Modell zu kaufen und es nachzumessen. So war ich auch bereits bei einem Königstiger-Modell verfahren. Auch fand ich einige Zeit später ein Buch aus dem Verlag Tankograd Publishing, welches den Boxer mit vielen Bildern darstellte. Damit war ich schon bedeutende Schritte weiter.

Der Revell-Bausatz wurde vermessen und die Werte entsprechend auf den von mir gewünschten Maßstab 1:16 umgerechnet. Da auch das Original ein sehr großes Fahrzeug ist, fällt natürlich auch das Modell nicht gerade klein aus. Nach dem Studium des Plastikmodells und den Fotos im Buch wurde mir noch deutlicher, dass es ein kompliziertes Projekt werden würde. Dies galt vor allem für die Radaufhängung und die Steuerung. Eine absolut vorbildgetreue Nachbildung war für mich dabei nicht entscheidend, denn mein erster Anspruch an ein RC-Modell ist, dass es gut fährt und vor allem auch durch das Gelände kommt. Sekundär ist daher für mich vor allem die vorbildgetreue Ausführung von Teilen, die man später nicht sieht. Die Lenkung besteht beim Original beispielsweise aus einer Vielzahl an Stangen – diese würden beim Umrechnen ins Modell so zierlich werden, dass hier die Gefahr der ständigen Reparaturen bestand. Darin sah ich keinen Sinn. Auch besitzt jedes Rad im Original zwei Stoßdämpfer, für die am Modell kein Platz war.

Es wurde also überlegt und die Teile entsprechend sinnvoll für ein 1:16er-Modell umkonstruiert. Ich fertigte verschiedene Zeichnungen (Seitenansicht, Schnittzeichnung und natürlich die Radaufhängung und Anlenkung) an. Beim Boxer sind alle Räder angetrieben und die beiden vordersten gelenkt, was ich auch bei meinem Modell umsetzen wollte. Nach deutlicher Anstrengung meiner grauen Zellen hatte ich eine Menge an Ideen, wie man dies umsetzen könnte – aber die meisten verschwanden auch wieder in meinen Gedanken.

Letztlich beschloss ich vier Achsen mit jeweils einem Differenzial einzubauen und für die vorderen zwei Lenkachsen zu verwenden. Ich hatte hierfür meine persönlichen Ansprüche recht hoch gelegt, aber das war nichts Neues – ich liebe Herausforderungen

Chassis und Antrieb

Eine wichtige Grundlage war ein Revell-Modell


@Radaufhängung am Original – im Modell so nicht umzusetzen


Differenziale und Radaufhängung stammen aus dem RCCar-Bereich


Das Chassis im Rohbau


Probeaufbau von Differenzial und Aufhängung


Nach der Anfertigung der Zeichnungen begann die Suche nach den geeigneten Teilen für die Radaufhängung, Antrieb und Lenkung. Fündig wurde ich bei einem chinesischen Unternehmen, welches Tuningteile für RC-Cars fertigt. Nach dem Anpassen an die Zeichnungen war der große Moment gekommen das Aluminium für die Wanne zu sägen und in Form zu bringen. Ich begann mit dem Boden, der weitgehend von dem Revell-Modell abgeschaut wurde. Besser gut kopiert als schlecht selbst ausgedacht. Danach ging es an die Seitenteile, die gesägt und abgekantet werden mussten, auch wieder nach dem Vorbild von Revell. Als Material verwendete ich Aluminium in Stärken von 0,2 bis 5 mm. Die Verbindungen erfolgten mit Schrauben und Muttern. Die Wanne wurde dadurch sehr stabil.

Anschließend wurden die Differenziale an der Bodenplatte festgeschraubt und die Aluminiumteile der Radaufhängungen wurden befestigt. Beim Antrieb habe ich mich dazu entschieden jedes Differenzial mit einem Elektromotor über einen Zahnriemen anzutreiben. Die Motoren werden mit zwei Fahrtreglern angesteuert. An den Differenzialen sind jeweils Zahnriemenrädern angebracht. Alles wurde dann anschließend in die Wanne eingebaut. Nicht überall war dies einfach unterzubringen, insbesondere am Heck wurde es hier doch erstaunlich eng.

Die weitere Arbeit umfasste dann die Montage der Radaufhängungen, der Stoßdämpfer und der Lenkstangen für die vorderen Achsen. Die unterste Etage saß nun und ich konnte – im Modell natürlich – eine Lage darüber arbeiten. Hier wurden die Platten eingebaut auf denen die Elektromotoren sitzen. Die hinteren beiden Motoren sitzen dabei auf einen Platte auf der auch die Elektronik und die Akkus untergebracht werden, die daher eine ausreichende Festigkeit aufweisen muss. In die Platten werden auch die Aussparungen für die Durchführung der Zahnriemen eingebracht, die Motoren und Differenziale verbinden. So langsam begann ich nun auch damit die Oberwanne aus Kunststoff auszuschneiden, wobei auch hierfür das Revell-Modell als gutes Vorbild diente.

In die Rückseite wurde die Öffnung für die Heckklappe geschnitten, die später ferngesteuert geöffnet und geschlossen werden sollte. Genauso sollte es auch mit der Fahrerluke möglich sein, wofür eine gewisse Anzahl an Servos geordert wurde. Ich montierte provisorisch ein paar ungefähr passende Felgen und Reifen und führte die erste Probefahrt durch.

Schnell stellte sich heraus, dass ein Servo nicht ausreichte, um die beiden gelenkten Achsen anzusteuern. Es gab nun zwei Möglichkeiten, entweder die Verwendung eines stärkeren Servos oder für jede Achse ein eigenes Servo. Ich entschied mich schnell für die zweite Option, da hier weniger bewegliche Teile notwendig waren und auch weniger Widerstände entstanden. Die für die Probefahrt verwendeten Reifen waren wie gesagt nur provisorisch und nun machte ich mich auf die Suche nach den richtigen Reifen, die den Original Michelin 415/80R 685TR XML möglichst nahe kamen. Als ich mich schon darauf eingestellt hatte diese selbst zu gießen machten mit Ruud und Bas Tollens auf eine deutsche Homepage aufmerksam, auf der sie Reifen für ihren aktuellen LKW gefunden hatten. Und tatsächlich fand ich hier die richtigen Reifen, die ich bestellen konnte. So konnte ich mir das Selbstgießen sparen!

Blick auf die beiden Lenkachsen


Die Kraftübertragung erfolgt mittels Zahnriemen


Jedes Differenzial wird von einem Motor angetrieben


Ausschnitt für die Heckluke


Bereit zur Testfahrt


Die originalgetreuen Reifen und Felgen


Was jetzt noch fehlte waren die passenden Felgen. Die gab es nicht im Internet und deshalb fragte ich bei ein paar Kollegen auf meiner Arbeitsstelle um Rat. Sie fragten mich nur nach einer Zeichnung der Felgen und ein paar Wochen später waren die Felgen auch schon fertig. Vielen Dank!

So wirkte der Boxer gleich viel realistischer und ich kam dem Original immer näher

Blick auf den Technikeinbau


Die Einbauten mussten noch einmal überarbeitet werden


Fahrerprobung

Mit dem Antrieb und den Reifen war die Zeit für die reale Fahrerprobung gekommen. Ich orderte mir eine neue programmierbare Fernsteuerung, bei der die Ausschläge einzeln einstellbar sind. Auch verfügt meine neue Fernsteuerung über Telemetrie, sodass ich die Spannung an Bord des Modells ablesen kann.

Nach dem Einbau des Empfängers und der Programmierung des Senders ging es auf die ersten Testfahrten. Schnell stellte sich heraus, dass die Lenkung zu schwergängig war und die beiden Servos, die zusammen eine Stellkraft von 7 Kilogramm hatten, es nicht schafften die Lenkung sauber anzusteuern. Außerdem hatte ich einen Baufehler gemacht und ein Stück Aluminium war bei der Lenkung im Weg. Dieses befand sich unter der Platte auf der die hinteren zwei Motoren und die gesamte Elektronik saß. Zur Behebung musste also der Boxer fast wieder komplett zerlegt werden – eine große Freude!

Ich bestellte also zwei neue Servos, die bei sechs Volt eine Stellkraft von 21 Kilogramm haben. Die sechs Volt werden dabei von zwei einstellbaren Spannungsreglern mit einer Leistung von 2 Ampere geliefert. Da ich sowieso das halbe Fahrzeug zerlegen musste, wollte ich auch gleich die Verkabelung optimieren und mit hochwertigeren Kabeln größeren Querschnitts vornehmen. Alle Kabel wurden nun sauber zu Kabelbäumen gebündelt. Nachdem diese Arbeiten abgeschlossen waren, konnte ich zum Aufbau und zur Detaillierung übergehen, worauf ich im zweiten Teil des Beitrags eingehen werde.
Fortsetzung folgt.