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EIN AMERIKANISCHER TRAUM


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musikexpress - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 09.06.2022

GREEN DAY

Artikelbild für den Artikel "EIN AMERIKANISCHER TRAUM" aus der Ausgabe 7/2022 von musikexpress. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

me N° 130 HELDEN

Ihren Anfang nimmt die Geschichte irgendwann im Jahre 1977, in einer kalifornischen Kleinstadt namens Rodeo. Billie Joe, am 17. Februar 1972 geboren, ist das Nesthäkchen der Familie Armstrong, fünf ältere Geschwister gibt es. Allan ist schon 22 Jahre alt, als er noch einen Bruder bekommt. Ollie, die Mutter, arbeitet als Kellnerin, Andy, der Vater, spielt Schlagzeug in einer Jazzband, ist von Beruf LKW-Fahrer. Früh zeigt sich, dass Billie Joe eine tolle Stimme hat, auf Krankenstationen gibt er Lieder zum Besten, am Drumkit seines Dads lernt er Trommeln. Er ist gerade einmal fünf Jahre alt, als er für ein kleines Label in seiner Stadt, Fiat Records, eine erste Single aufnimmt, „Look For Love“, der Titel, das Cover zeigt Billie Joe, der ausschaut, als wäre er mit Shirley Temple verwandt. Auf der B-Seite findet sich ein Interview, das Labelchef Jim Fiatarone, zusammen mit ...

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... seiner Frau Marie-Louise Komponist des Stückes, mit Billie Joe geführt hat. „Wundervoll“, antwortet der Steppke auf die Frage, wie ihm sein Plattendebüt gefällt. Zu hören ist ein Schnipsel daraus im Intro der Best-of von Green Day, INTERNATIONAL SUPERHITS! (2001), ein Exemplar der Originalsingle steht beim Plattenportal discogs.com zum Verkauf, der Preis: 5.000 US-Dollar.

Anno 1982 dann der große Einschnitt in Billie Joes Leben, sein Vater stirbt an Speiseröhrenkrebs. Aus dem aufgeweckten Kid wird zwischenzeitlich ein Einzelgänger, Billie Joe zieht sich zurück. Zwei Erlebnisse bringen ihn wieder in die Spur, zeigen ihm einen Weg aus dem seelischen Dunkel. Da ist sein Gitarrenlehrer George Cole, der ihm nicht nur das Spiel als solches beibringt, sondern ihn auch in die Tricks und Kniffe eines Eddie van Halen einweiht. Und dessen von Billie Joe heißgeliebte Gitarre, eine hellblaue Fernandez Stratocaster, die kostengünstigere Kopie des Fender-Originals, die Mutter Armstrong kauft und sie ihrem Sohn als verfrühtes Weihnachtsgeschenk präsentiert. „Blue“, so nennt Billie Joe dieses Instrument, das in den kommenden Jahrzehnten sein Begleiter sein wird. Dann ist da noch ein Typ namens Michael Ryan Pritchard, ein etwas tolpatschiger Einzelgänger. Pritchards leibliche Mutter hatte ihn wegen ihrer Drogenprobleme zur Adoption freigegeben, das Leben bei seiner Pflegefamilie wird zunehmend konfliktreicher. Irgendetwas klickt zwischen Billie Joe und Mike, die beiden werden Freunde, verbringen bald ihre komplette Freizeit miteinander. Billie Joe bringt Mike das Gitarrespielen bei, später zieht Mike zur Familie Armstrong. Als Mike von der Gitarre zum Bass wechselt, in den Pausen auf dem Schulhof übt, ist es das Geräusch der tiefen Saiten – „dirnt, dirnt, dirnt“ — aus dem sein Spitzname entsteht, unter dem er später weltberühmt werden sollte: Dirnt. Mike Dirnt.

Mitte der 80er entflammt sich Billie Joes Liebe zum Punk an jenen musikalischen Heroen, die im Begriff sind, vom Underground in eine breitere Öffentlichkeit zu treten: Hüsker Dü, Bad Brains, The Replacements und R.E.M., deren Konzert 1985 in Santa Cruz er mit seiner Schwester Anna besucht. „Sweet Children“, so lautet der Titel einer von Billie Joes frühen Eigenkompositionen, es wird der Name seiner ersten Band, zu der neben Mike auch noch John Kiffmeyer alias Al Sobrante am Schlagzeug gehört. Die Szene in Berkeley schließlich wird zum Durchlauferhitzer einer ganzen Generation, Sweet Children sind mitten drin. Mabuhay Gardens und 924 Gilman Street, das sind die beiden Epizentren der Szene, selbstverwaltete Musikclubs, deren Bühnen Größen wie die Dead Kennedys, NOFX und Operation Ivy bespielen. Besonders Letztere, Tim Armstrongs kurzlebiges Skapunk-Outfit, bevor er sich mit Rancid deutlich größere Fankreise erspielte, waren ein entscheidender Einfluss für Namensvetter Billie Joe. Aber nicht nur die üblichen Verdächtigen der alternativen Szene prägen seine musikalische DNA, es sind auch die Granden der Sixties, vornehmlich die Beatles, deren Songwriting und Harmonieführung Armstrong immer und immer wieder seziert, nachspielt, adaptiert – ein entscheidender Bestandteil in seinem Œuvre der kommenden Jahrzehnte, eine Klangfarbe, die das Kratzige des Punk-Idioms mit einer universellen Melodiösität verschmilzt, zum Fundament der Welthits in spe wird. Bis dahin dauert es jedoch noch ein wenig. Bei einem Konzert mit den Lookouts wird deren Frontmann Larry Livermore auf Sweet Children aufmerksam, bietet ihnen an, für sein Label Lookout! Records eine EP einzuspielen. Als „1,000 Hours“ im Mai 1989 erscheint, hat die Band einen neuen Namen. So richtig zufrieden werden sie mit ihm nicht werden, aber wer konnte schon ahnen, dass er zu einem derartigen Household-Name werden sollte. Für den Moment lautete die Formel einfach: Kiffen als Zeitvertreib, das ist ein typischer „grüner Tag“ – Green Day waren geboren. Mit „Slappy“ entsteht eine weitere EP, im April 1990 erscheint mit 39/SMOOTH das Debütalbum von Green Day.

VERSCHMELZUNG DES PUNK-IDIOMS MIT EINER UNIVERSELLEN MELODIÖSITÄT

Der Start zur ersten US-Tour mutet an wie lupenreiner Filmstoff, Coming-of-Age-Drama meets Rock’n’Roll-Märchen. Es ist der Tag, an dem Mike seinen Highschool-Abschluss macht. Was für eine prächtige Vorstellung: Die Noten werden verteilt, letzte Handshakes, Umarmungen mit den Kumpels – und vor der Pinole High wartet der Rest der Band, der Motor des frisch erstandenen Ford Econoline 150 heult noch einmal auf, dann geht es los. Um die 50 Shows spielt die Band quer durch die Staaten, mal in leer geräumten Wohnzimmern, dann in alternativen Clubs, Jugendzentren oder besetzten Häusern. So prägend das alles ist, so sehr Green Day auf diesen Fahrten zusammenrücken, gibt es im Anschluss dennoch einen ersten Bruch. Kiffmeyer will aufs College, entscheidet sich gegen das Band-Dasein, ein neuer Drummer musste her. Die Lösung liegt nicht so fern, noch einmal kommen die Lookouts ins Spiel. Deren Schlagzeuger Tré Cool, bürgerlich Frank Wright, in Frankfurt am Main geboren, in den Mendocino Mountains groß geworden, fühlt sich nicht ausgelastet, seine Band tritt nach seinem Dafürhalten einfach nicht oft genug auf. Tré, ein selbstbewusster Typ mit Hang zu derben Späßen, einer großen Klappe und einem wuchtigen Schlagzeugspiel, wechselt zu Green Day, das Trio in seiner klassischen Besetzung ist nun komplett. Als Band sind sie fortan eine Gruppe von Gleichaltrigen, allesamt Teenager am Vorabend der Twen-Werdung, ihr Look&Feel und vor allem ihr Material spricht nun ein immer breiteres Publikum an. Waren die Songs schon strukturell von melodiöserer Prägung als die vieler Zeitgenossen, Stichwort Fab Four, so gab es einen weiteren Aspekt, der die Reichweite vergrößerte: Billie Joe Armstrongs Songs durchwehten von Beginn an Themen wie Liebe, unerfüllte Sehnsucht, Herzschmerz. Mal ging es, wie in „1000 Hours“ oder „The One I Want“ um die Schwester des besten Freundes, später, im Übersong „Good Riddance (Time Of Your Life)“, steht die unerfüllte Liebe zu seiner Ex Amanda, einer Punkrock-Größe aus der Bay Area, im Fokus, nicht das einzige Lied von Billie Joe über sie.

Selbst im kommerzkritischen Stützpunkt 924 Gilman Street gibt man seinen Segen, Green Day touren nun auch ausgiebig an der Ostküste der Staaten, vergrößern die Fanbase sukzessive mit Unmengen an Gigs und spielen den Sommer 1991 über ihr nächstes Album ein. Als weiterer Teil des gemeinsamen Initiationsritus des Trios erweist sich ein erster Trip nach Europa. Die heimatlichen Gefilde musikalisch bereisen, das mag schon spektakulär eindrucksvoll und prägend sein, mit der Punkrock-Combo durch die alte Welt ziehen, ist noch mal eine andere Geschichte. Die Konzertliste liest sich aus heutiger Sicht nahezu exotisch:

In Hamburg gastieren Green Day am 27. Oktober 1991 im „Störtebeker“, im Berliner „KOB“ sind sie zu Gast, im „Roter Sand“ zu Bremerhaven, mit insgesamt um die 170 Shows ist es eines ihrer intensivsten Livejahre überhaupt. KERPLUNK erscheint kurz vor Weihnachten, es ist so etwas wie der Durchbruch vor dem Durchbruch. Über 10 000 Alben werden allein am VÖ-Tag abgesetzt, der größte Erfolg für das Lookout!-Label, gleichzeitig die Vorahnung eines Abschieds. Das nächste Album würde bei einem Majorlabel, beim Warner-Ableger Reprise, erscheinen.

Mit Anbruch des Jahres 1992 hatte sich der Wind zugunsten alternativer Sounds gedreht. Bands wie Nirvana, Pearl Jam oder Soundgarden haben die Playlists und die Charts erobert, nicht nur Grunge et al ist auf dem Siegeszug, generell ist Gitarrenmusik der härteren Gangart das Ding der Stunde. Auch Green Day, und mit ihnen Bands wie NOFX, Bad Religion oder The Offspring, vollziehen den Sprung von den Bretterbühnen auf die Main Stages der Festivalwelt.

Mit dem Popularitätsschub ergeben sich Bedürfnisse, aufseiten der Band und in den Chefetagen der Plattenlabels. Die Venues werden immer großer, die Management-Anforderungen sind nicht mehr dieselben, das Trio entscheidet sich dazu, dem Indie Lookout! den Rücken zu kehren. Beim Reprise-Label hat Produzent Rob Cavallo die Band im Visier, seine Arbeit mit der kalifornischen Band The Muffs überzeugt Green Day, ein Scheitelpunkt, in dem sich die alten Punk-Koordinaten mit kommerziellen Perspektiven kreuzen. Drei Wochen lang arbeiten Green Day in den Fantasy Studios von Berkeley an der neuen Platte. „Die Songs waren alle komplett fertig, wir mussten sie nur noch spielen“, kommentierte Armstrong später trocken. Nur mit dem Mix ist das so eine Sache, die erste Abmischung überzeugt die Band noch nicht, erst im zweiten Durchlauf ist alles dort, wo es hingehört. Der Mehraufwand lohnt sich, wie man heute weiß. DOOKIE, erschienen am 1. Februar 1994, geht weltweit durchs Dach, Green Day sind endgültig zur Supergroup aufgestiegen. „Longview“ und „Basket Case“, „She“ und „When I Come Around“, vier Evergreens in spe auf einem konsistent starken Album. In den USA landet es auf Platz 2 der Charts, in Kanada, Neuseeland und Australien auf 1, in Deutschland auf Platz 4, im Jahr darauf gibt es einen Grammy. Als die Band direkt nach dem Release auf Tour geht, ist es eine Reise in eine neue Welt, nicht nur, was den Blickwinkel der Band angeht, sondern auch hinsichtlich der Paradigmen, die sich in ihrem Klangkosmos verändert haben. So wie Green Day von der Indie-Punk-Kapelle zum Major-Megaseller aufgestiegen sind, ist auch Punk, Power Pop, Pop-Punk, whatever, in den Mainstream gerutscht – mit allen Konsequenzen. Als Green Day im August 1994 bei der Neuauflage des Woodstock-Festivals auftreten, wo sie sich wie vergnügte Ferkelchen vom Publikum mit Schlamm bewerfen lassen, erreichen sie via Pay-per-View Millionen, von MTV seit einigen Jahren konsequent auf überhöhte Betriebstemperatur getunte Zuschauer. Aber die Sonne verdunkelt sich langsam. Vier Monate nach dem Selbstmord Kurt Cobains spüren Green Day zwar den Popularitätsschub im Rücken, von vorn bläst ihnen allerdings der Gegenwind der alten Weggefährten ins Gesicht. In der 924 Gilman Street stehen sie zwischenzeitlich auf einer schwarzen Liste, Stichwort Sell-out. Als sich Armstrong eines Nachts inkognito in den Club schleicht, verschlägt es ihm angesichts einer Inschrift in der Toilette die Sprache: „Billie Joe Must Die“, so steht es dort hingekritzelt. Er wird diese Begebenheit später im Song „Jesus Of Suburbia“ thematisieren.

Schon mit dem Nachfolger INSOMNIAC (1995) drehen sich viele Songs um neue Erfahrungen im Business. Standen zuvor persönliche Traumata, Liebesgeschichten und Freundschaftsthemen im Fokus, geht es nun um die negativen Auswirkungen des Ruhms, entsprechend düsterer ist das Album im Sound. Auch die folgenden Jahre und Alben sind geprägt vom Spagat zwischen der eigenen Herkunft und dem Arrangieren mit Publicity und Popularität.

Ein Kampf, der immer wieder aufs Neue hörbar gemacht wird, sei es einem stilistisch ungewöhnlicheren Werk wie etwa WARNING.

Oder der kompletten Neusortierung im neuen Jahrtausend. Als die Bänder für eine neue Platte verschwinden, und Green Day sich genötigt sehen, noch einmal von vorn anzufangen, nutzen sie die Tabula rasa und erfinden sich praktisch neu: Die mehr als 16 Millionen Stück verkaufende Punkrock-Oper AMERICAN IDIOT wird zum Auftakt für die nächste Ära der Band – die dreieinhalb Dekaden nach ihrem Stapellauf immer noch über jede Menge Schwung verfügt und in diesen Tagen das 35-jährige Jubiläum mit einer großen Welttournee standesgemäß zelebriert. Herzlichen Glückwunsch, Billie Joe, Mike und Tré!

ZITATE

„Es ist total okay, ein Versager zu sein, es kommt lediglich darauf an, wie gut du das hinbekommst.“

(Billie Joe Armstrong)

„Wir arbeiten sehr hart daran, nicht arbeiten zu müssen.“

(Mike Dirnt)

„Es ging uns nie um den Erfolg als solchen, eigentlich haben wir immer nur nach Orten gesucht, an denen wir spielen können.“

(Tré Cool)

BEEINFLUSST VON: Sex Pistols, The Clash, The Damned, The Dickies, Buzzcocks, The Ramones, Bad Religion, The Who

HABEN BEEINFLUSST: Blink-182, Fall Out Boy, Sum 41, My Chemical Romance, Good Charlotte, Yungblud, Cold Years

FOTO: GETTY IMAGES

DAS ERSTE HALBE DUTZEND

39/SMOOTH

1990

Das auf Lookout! erschienene, rund um den Jahreswechsel 89/90 eingespielte Debüt. Zur Zeit der VÖ um die 3 000 Mal verkauft, im Zuge des Durchbruchs auf mehr als das Zwanzigfache angewachsen. Songs wie „Don’t Leave Me“ oder das namensgebende „Green Day“ sind bereits von einer Vorahnung kommender Großtaten durchzogen, am Schlagzeug sitzt John Kiffmeyer.

★★★★

KERPLUNK!

1991

Das erste Album in der klassischen Besetzung Armstrong/Dirnt/ Cool. Kein Zufall, dass Holden Caulfield, der Held aus Salingers „Der Fänger im Roggen“, hier eine Rolle spielt, Armstrongs Texte erzählen von juveniler Aufbruchsstimmung, den Verwirrungen und Verlockungen der Adoleszenz, verpackt in hochmelodiöse Powerpoppunk-Miniaturen.

★★★★★

DOOKIE

1994

Mit Klassikern wie „When I Come Around“, „Basket Case“ und „She“ auf der Tracklist bedeutet das Debüt beim Majorlabel Reprise den endgültigen Durchbruch, Top-5-Platzierungen weltweit, zudem ein Grammy in der Kategorie ‚Best Alternative Album‘ sind die Folge. Punk in seiner melodiösesten Spielart rückt gegen Ende des großen Grunge-Booms in den Fokus.

★★★★★★

INSOMNIAC

1995

Mit dem Erfolg kommen die ersten Image-Probleme, von Sell-out ist die Rede, der Druck der Öffentlichkeit ist immens geworden. Armstrong und Band reagieren auf ihre Weise und tauschen den allzu sonnendurchwirkten Sound gegen ein dunkleres Gewand. War die Melancholie zuvor noch dezent süßlich geraten, sind diesmal Stücke wie „Geek Stink Breath“ oder „Stuck With Me“ von Sarkasmus und schwarzem Humor durchzogen.

★★★★★

NIMROD

1997

Nach den Koordinaten Durchbruch und Referenzwerk erweist sich das fünfte Studioalbum als eine Art Luftholen, hier wird neu sortiert, Ballast abgeworfen, in Songs wie „Hitchin’ A Ride“, „Redundant“ und dem Überhit „Good Riddance“ manifestiert sich ein neues Selbstbewusstsein.

★★★★★

WARNING

2000

Zwei erfolgreiche Dekaden hat die Band hinter sich, ein neues Millennium hat begonnen, Green Day häuten sich ein weiteres Mal, erweitern die Power-Palette um Folkpunkiges, arbeiten mit Instrumenten wie Akkordeon und Mandoline. Der große Hausputz, bevor mit AMERICAN IDIOT vier Jahre später ein weiteres Niveauplateau erreicht wird.

★★★★

DAS IST SPITZ(E)

Aus dem Jahr 2006 stammt „Nobody Likes You“, die erste autorisierte Biografie über Green Day. US-Autor Marc Spitz („We Got The Neutron Bomb: The Untold Story Of L.A. Punk“) hat zahlreiche Interviews mit der Band und ihren Weggefährten geführt, aus den vielen Gesprächen und Infos ein detailreiches Buch geschrieben, das auf familiäre Backgrounds ebenso eingeht wie die schillernde Punk-Szene von Berkeley und Green Days Aufbruch von dort in die weite Welt, in die Charts und die Schlagzeilen.

THE FILM THAT NEVER WAS

Anno 2009 startete die Bühnen-Adaption von AMERICAN IDIOT, Gerüchte um einen Film kursierten bereits eine Weile länger. Mitte der 10er-Jahre verdichteten sich die Planungen, gab es konkrete Hinweise auf ein fast fertiges Filmskript und HBO als Produktionsfirma. Vor zwei Jahren dann das Aus, wie Armstrong in einem Interview mit dem „Kerrang“-Magazin bestätigte, ohne letztlich Gründe nennen zu können.

PARADIESISCH

Unter dem Motto „Take Off Your Pod and Cast It: A Punk-Popcast“ beschäftigen sich Kenn und Ripley in der ersten Staffel ihres Podcasts „Welcome To Paradise“ mit buchstäblich jeder Platte, fast jedem Song von Green Day. In der aktuellen Staffel dreht sich alles um Blink-182.