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Ein Bad für die Götter


Gong - epaper ⋅ Ausgabe 30/2021 vom 23.07.2021

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Bildquelle: Gong, Ausgabe 30/2021

WUNDER Die restaurierte Anlage in Bath. Im Hintergrund: die Abteikirche

Aquae Sulis. Obwohl allein die Stadt Rom Hunderte öffentliche Bäder hatte, war dieser Ort in Britannien im gesamten römischen Reich berühmt. Sogar aus Syrien reisten Schaulustige an. Die Bäder im heutigen Bath wurden kontinuierlich ausgebaut und waren 400 Jahre in Betrieb.

Schon die Kelten nutzten das Wasser in den Hügeln Somersets, das mit Temperaturen um 46 Grad aus den drei einzigen heißen Quellen Englands sprudelt und mehr als 40 Mineralien enthält – Regenwasser aus den nahen Mendip Hills, von der Glut des Erdinneren in 3000 bis 4000 Meter Tiefe auf 60 bis 90 Grad erhitzt und wieder an die Oberfläche geschickt. Ein Vorgang, der ...

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... gut und gern 10.000 Jahre in Anspruch nimmt. Um 860 v. Chr. soll der keltische Königssohn Bladud, leprakrank und verstoßen, hier seine Schweine getränkt haben. Zu seiner Überraschung wurden kranke Tiere plötzlich gesund und er selbst seine Lepra los. So weit die Legende.

Ob und wie die Quellen in der Eisenzeit genutzt wurden, ist nicht bekannt. Erst die Römer entfalteten ihr volles Potenzial. Als sie im Jahr 43 Britannien eroberten, bauten sie eine Badeanlage, die zumindest im nördlichen Teil des Reichs einzigartig war. Für das Fundament rammten sie Holzpfähle in den Boden, installierten Wasserleitungen und Fußbodenheizung, es wurde ihr Zufluchtsort vor dem nasskalten Wetter Britanniens. „Zum Bau wurde Kalkstein aus der Umgebung genutzt, zudem Blei aus den Minen der Region“, so Stephen Clews, Direktor der römischen Bäder in Bath. „Ein Kernelement waren hiesige Ziegel und Keramik. Aber die Idee, mit Steinen zu bauen, vor allem in dieser Größenordnung, war neu, war römisch.“

Die Römer widmeten diesen magischen Ort der Göttin Sulis Minerva, einer Mischung aus der keltischen Göttin Sulis und der römischen Minerva. Sie war es, die mit ihrem Atem das heilige Wasser erhitzte, also nannten sie den Ort Aquae Sulis und errichteten der Göttin einen Tempel, 10 Meter breit, 20 Meter lang, mit vier gewaltigen Säulen am Eingang und einem großen Altar für Tieropfer im Zentrum.

Schon in der Antike war Wellness ein Hit

Über der Therme wölbte sich ein Dach bis in 20 Meter Höhe. Das zentrale Becken misst 8 mal 22 Meter und ist 1,60 Meter tief. Von allen Seiten führen Stufen hinein, rundherum standen Bänke und Tische in den Nischen. Kanäle und Bleileitungen führten das Wasser in die anderen acht Becken, auch an kalte Tauchbecken war gedacht. Es gab eine Frauen- und eine Männerabteilung mit Umkleideräumen. Im Tepidarium, das mittels einer Fußbodenheizung mit eigenen Heizräumen auf Körpertemperatur gehalten wurde, fanden die Wellnessanwendungen statt. Sklaven und Badeassistenten verabreichten Salbungen mit parfümiertem Olivenöl und anschließendem Peeling. Auch spezielle Schwitzräume gab es. Römische Bäder waren zudem, bei günstigem Eintrittspreis, Orte zum Sehen und Gesehenwerden, um Geschäfte zu machen oder auch Klatsch auszutauschen. In Aquae Sulis wurden zudem, in Ermangelung einer Polizei, Verbrecher verflucht: „Diese Botschaften wurden auf sehr dünne Bleiplatten geschrieben, aufgerollt und in die Quelle geworfen“, erklärt Clews. „Sie waren für die Augen der Göttin bestimmt.“

Im 5. Jahrhundert waren die Römer Britanniens überdrüssig und zogen sich zurück. Die Angelsachsen gaben dem Ort zwar den Namen „Hat Batha“, doch das Bad versank mitsamt der Römersiedlung buchstäblich im Schlamm. Im 12. Jahrhundert ließ Bischof Johann von Tours die Bäder „King’s Bath“, „Cross Bath“ und „Hot Bath“ auf die Ruinen setzen. Bei der Restaurierung ab 1889 stieß man auf die Bade- und Freizeitanlagen aus der Antike. Sie freizulegen dauerte Jahrzehnte. Es hat sich aber gelohnt: Die römischen Bäder von Bath in der Grafschaft Somerset zählen heute zu den wertvollsten architektonischen Schätzen in Europa.

In der antiken Anlage ist es nicht mehr möglich, aber baden kann man in Bath immer noch: in dem modernen Thermalbad, das sich aus einer anderen der drei heißen Quellen speist.

THOMAS RÖBKE