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EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT


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Runners World - epaper ⋅ Ausgabe 2/2023 vom 13.01.2023
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Bildquelle: Runners World, Ausgabe 2/2023

Es ist so gut, euch zu sehen, live und in Farbe!“ – Urs Weber, RUNNER’S-WORLD-Redakteur und Initiator des Symposiums, war sichtlich froh über die vielen Gesichter im Saal. Nachdem die Veranstaltung 2021 rein digital stattgefunden hatte, konnten sich Laufbegeisterte Ende November für die inzwischen achte Ausgabe wieder persönlich im Rahmen der Sportartikelmesse ISPO Munich treffen. Für einen Tag wurde der Vortragssaal im Congress Centrum München wieder mal zum Treffpunkt für Fachhändler, Hersteller, Veranstalter und Laufliebhaber und bildete den Schauplatz für einen regen Austausch sowohl auf als auch neben der Bühne. Das Interesse war groß. Obwohl extra ein größerer Kongresssaal gewählt worden war, konnten nicht alle Anmeldungen bestätigt werden. Das Symposium war mit 250 Teilnehmern komplett ausgebucht.

Das Programm der eintägigen Veranstaltung begann mit einer Trend- und Marktanalyse durch ...

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... RUNNER’S WORLD. Seit über 15 Jahren wird jährlich eine groß angelegte Zielgruppenanalyse durchgeführt, um Laufverhalten und Trends sowie Markenimages zu untersuchen. Für die aktuellen Ergebnisse konnten über 9400 Fragebogen ausgewertet werden, darunter viele von erfahrenen Läufern, aber auch Einsteigern. „Jeder Sechste unter den Befragten ist in den letzten zwei Jahren neu zum Laufen gekommen“, berichtete Urs Weber. Das lag nicht zuletzt an der Corona-Pandemie, in der das Laufen einen wahren Boom erlebte. „Wenn die Corona-Pandemie etwas Gutes hatte, dann das“, bilanzierte Weber, „sie hat viele Menschen zum Laufen gebracht.“ Die Folge: Im Sport wird viel Geld umgesetzt. Tendenz: steigend. Laut Zahlen der Wirtschaftsanalysten von McKinsey wird der weltweite Sportmarkt in den nächsten drei Jahren jährlich im zweistelligen Bereich wachsen. Prognostiziert wird ein Umsatz im globalen Sportartikelmarkt von 395 Milliarden Euro im Jahr 2025.

JOE NIMBLE

PLATZ FÜR DIE ZEHEN

Eine weite Zehenbox und asymmetrische Leisten: Die junge Marke Joe Nimble achtet insbesondere auf die Funktion der Großzehe. Auf dem Symposium standen die Biomechanik und die Schuhkonstruktion im Fokus Eine zu enge Zehenbox ist die Ursache für zahlreiche Läuferprobleme. So lautete die zentrale These im Vortrag von Lee Saxby. Dies habe man bei der Diagnostik von Laufverletzungen aber lange Zeit nicht erkannt: „Den Elefanten im Raum hat keiner gesehen.“ Der Biomechaniker und Lauftrainer hat sein Know-how in die Schuhentwicklung bei Joe Nimble einfließen lassen: In den Schuhen der Marke haben die Zehen in der weiten Zehenbox genügend Platz, um eine stabile Basis für den gesamten Abrollvorgang zu bilden. „Functional Footwear“ nennt Joe Nimble diesen Ansatz.

Joe-Nimble-Gründer Sebastian Bär gewährte zudem einen Ausblick auf ein neues Produkt: Nach dem Erfolg des Modells Ultreya soll eine neue Variante erscheinen. Der Ultreya Pilot 1 verspricht zusätzliche Unterstützung für Läufer, die unter einem Hallux valgus, also einer Fehlstellung der Großzehe, leiden.

→ Bei der Herstellung des Ultreya wird ein besonderes Herstellungsverfahren angewendet: In einem „Direct Injection“-Prozess wird die mehrschichtige Sohle in einem Arbeitsgang direkt in einer Form angespritzt und ohne Klebstoffe mit dem Obermaterial verbunden. Das spart Energie und sorgt für eine lange Haltbarkeit sowie Passgenauigkeit.

Wie lange währt der Boom in der Krise?

Gerade mit Running-Produkten haben viele Hersteller zuletzt Rekordumsätze erzielt. Hersteller wie Asics, Brooks, Hoka, New Balance oder On hatten im letzten Jahr Umsatzzuwächse von 20 bis über 60 Prozent. Auch viele Händler erzielten Rekordumsätze. Die Freude darüber, so warnte Weber in seiner Trendprognose aber sogleich, könne jedoch nur kurz währen. Tatsächlich sind die Sorgen aktuell groß. Die Gründe dafür seien in erster Linie externe Probleme: die allgemeine weltwirtschaftliche Lage und die Invasion Russlands in die Ukraine, die Kaufzurückhaltung, die Inflation, die Verschlechterung des wirtschaftlichen Klimas sowie die daraus resultierenden Preissteigerungen für Energie, Transport und die industriellen Herstellungskosten – all dies wirke sich auch im Sporthandel negativ aus.

In einzelnen Geschäften gebe es schon jetzt einen Einkaufsstopp für neue Ware. Die Lager seien voll – teils wegen der Kaufzurückhaltung der Kunden, teils aber auch wegen zu euphorischer Vorbestellungen. „Die Läden haben teilweise Ware bis zur Decke – und die Kunden bleiben aus“, so ein Handelsfachmann beim Symposium. Dazu kämen Schwierigkeiten wie der Fachkräftemangel, die bisweilen sogar schon zu Geschäftsschließungen geführt hätten. Und dann gibt es auch noch die Nachfolge-Problematik im Handel: In den kommenden zehn Jahren werden etliche (erfolgreiche) Geschäftsinhaber von Laufgeschäften in den Ruhestand gehen – ohne bis jetzt eine Nachfolge-Lösung gefunden zu haben.

Doch auch zwei erfreuliche Gegenbeispiele wurden persönlich beim Symposium vorgestellt: Manfred Xhonneux, der sein Laufgeschäft 1982 in Aachen eröffnete (übrigens als einer der ersten Laufladen-Betreiber Deutschlands und als erster Nike-Händler in Europa) wird seine Nachfolge mit seinem jetzigen Verkaufsteam regeln. Und bereits geklärt ist die Nachfolge beim zweiten auf dem Symposium präsentierten Gast: Paul Ziplinsky ist bereits aktiv in „Zippel’s Laufladen“ eingestiegen, der (ebenfalls 1982) von seinem Vater Rainer gegründet wurde. Beide Geschäfte können auf eine 41-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die Formel dafür, da waren sich Xhonneux und Ziplinsky einig, sei die Kombination aus fachlicher Beratung und einem guten Mitarbeiterteam. „Die Leidenschaft und die Begeisterung fürs Laufen sind zentral“, betonte Manfred Xhonneux.

WENN DIE CORONA-PANDEMIE ETWAS GUTES HATTE, DANN DAS: SIE HAT MEHR MENSCHEN DENN JE ZUM L AUFEN GEBR ACHT

Große Zukunft als Gesundheitssport

Bei der Zahl der Aktiven gibt es also Zuwächse. Doch richtig zufrieden könne man diesbezüglich in Deutschland nicht sein, so Urs Weber, denn die Nation bewege sich immer noch zu wenig: Fast die Hälfte ist sportlich inaktiv. Das sei ein Warnsignal, aber auch „eine Aufgabe und eine Chance für die Zukunft“, denn die große Zahl der Inaktiven sei auch eine riesige Zielgruppe, die es künftig zu erreichen gelte. Der Markt bietet also noch viel Raum für Wachstum und neues Geschäftspotenzial, denn „Laufen etabliert sich zunehmend als Gesundheitssportart“, wie Weber ausführte.

Zugleich treten die ambitionierten Läufer weniger in Erscheinung. So hat 2022 die Begeisterung für Wettkämpfe abgenommen. Laufevents verzeichnen bis zu 60 Prozent Teilnehmerschwund. „Das lässt sich bei Dorfläufen und Stadtmarathons gleichermaßen beobachten“, bilanzierte Weber und gab dafür viele Beispiele wie etwa den Stuttgarter Halbmarathon, der 2018 noch über 14 000 Finisher hatte, 2022 hingegen nur noch 2500.

Urs Weber schätzt, dass es 2022 insgesamt gerade einmal 70 000 Marathonfinisher in Deutschland gab. Noch deutlicher seien jedoch die Rückgänge bei den Firmenläufen. Beispielhaft seien hier Zahlen der größten Events wie in Dresden (minus 43 Prozent) oder dem Frankfurter Firmenlauf. Hatte dieser in Vor-Corona-Zeiten noch bis zu 73 000 Läuferinnen und Läufer, waren es zuletzt (Juni 2022) 24 000 – ein Rückgang von über 60 Prozent gegenüber 2019. Ausnahmen gibt es auch, jedoch eher bei kleineren Events wie auch bei kleineren Trailruns. Aber die allgemeine Entwicklung weist ein dickes Minus aus.

„Findet ein Paradigmenwechsel statt: Sehen wir einen Wandel in den Motiven, warum die Menschen laufen?“, versuchte Weber sich auf die sinkenden Wettkampfteilnehmerzahlen trotz steigender Zahlen bei den Aktiven einen Reim zu machen. Anzeichen für einen solchen Wandel finden sich in den Ergebnissen der alljährlichen RUNNER’S-WORLD-Befragung, in der auch nach der Laufmotivation gefragt wird. So wurden in den aktuellen Antworten verstärkt individuelle, gesundheitsassoziierte Motive wie „allgemeine Fitness“, „sich wohler fühlen“ oder „gesund bleiben“ genannt. Ebenfalls in den Top-Rängen findet sich der Aspekt „Stress abbauen“: Offenbar wird Laufen als probates Anti-Stress-Mittel angesehen.

Nachhaltigkeit als Kaufargument

Ein weiterer Schwerpunkt auf dem Symposium bildete das Thema Nachhaltigkeit. In der RUNNER’S-WORLD-Marktanalyse war auch danach gefragt worden, wie die Laufschuhmarken in dieser Hinsicht wahrgenommen werden. Das enttäuschende Ergebnis: Sie gelten bislang leider kaum als nachhaltig, so Weber. Die Hersteller haben hier also starken Nachholbedarf. Zu den Marken, die das Thema offensiv angehen, zählt On. Im Vortrag von Nils Altrogge, Leiter Technology Innovation bei On, war Nachhaltigkeit denn auch ein zentrales Thema. Erst vor 13 Jahren gegründet, gehören die Schweizer heute zu den großen Playern im Markt. „Wir wollen weg von den fossilen Rohstoffen und unsere Produkte in eine Kreislaufwirtschaft überführen“, erläuterte Nils Altrogge. In einem Projekt konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, aus CO2-Emissionen die Mittelsohlenkomponenten für Laufschuhe zu fertigen. Diese CO2-Emissionen werden dabei mithilfe chemischer Prozesse in den Grundstoff für EVA-Sohlen umgewandelt. Statt Rohstoffe zu verbrauchen, würden so eigentlich schädliche Emissionen zu neuen Produkten.

ON

VOLLE KRAFT VORAUS

Der Schweizer Laufschuhhersteller On will in puncto Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einnehmen – und präsentiert ein Konzept, mit dem in Zukunft sogar der klimaneutrale Laufschuh realisiert werden soll

„Was wäre, wenn … Kohlenstoffemissionen nicht das Problem, sondern Teil der Lösung wären?“ Mit dieser gewagten These startete Nils Altrogge, Leiter des Innovationsteams bei On, in die Präsentation auf der ISPO-Bühne. Wie das funktionieren soll? Ganz einfach, so Altrogge: wie bei jeder verrückten Idee mit Geduld, Kreativität und einer Menge Teamwork.

Das Projekt, das On sich auf die Fahnen geschrieben hat, ist ambitioniert. Denn während gerade Laufschuhe, vom EVA-Schaum bis zum Schnürsenkel, meist auf Kunststoffen mit Erdöl-Ursprung basieren, möchte die Schweizer Marke möglichst weit weg von fossilen Ausgangsmaterialien und hat dafür das Verfahren „Clean Clouds“ entwickelt, bei dem Kohlenstoffemissionen als Basis für die Herstellung eines funktionalen EVA-Schaums dienen: In einem mehrstufigen chemischen Verfahren werden gasförmige Kohlenstoffabfälle in flüssiges Ethanol verwandelt. Daraus entsteht schließlich ein hochwertiger EVA-Schaum – das Herzstück des Cloudprime, wie der fertige Schuh heißt.

Bislang existieren allerdings nur einige wenige Paare des Cloudprime. Bis der Schuh im Handel erhältlich ist, werde es wohl noch eine Weile dauern, dämpft Nils Altrogge die Erwartungen, fügt aber an: „Wer grün handeln will, muss groß denken.“

→ Der hochwertige EVA-Schaum aus Kohlenstoffabfällen ist Mittelpunkt des Cloudprime. Die Sohle soll in Sachen Funktionalität auf einem Niveau mit herkömmlichem EVA stehen. Die restlichen Teile des Schuhs bestehen vor allem aus recycelten Materialien

ADIDAS

ATHLET. MENSCH.

Persönlichkeiten im Mittelpunkt: Adidas fokussiert sich auf das Zusammenspiel zwischen Athleten und Entwicklerteam – eine wichtige Basis

„Den Athleten zuzuhören gehört zur DNA von Adidas“, erklärte Fabian Schweizer. Dies sei ein Grundsatz des Firmengründers Adi Dassler gewesen und die Voraussetzung für den Erfolg der Marke, so der Global Director, der mit den von Adidas ausgestatteten Topathleten zusammenarbeitet. Adidas zählt zu den erfolgreichsten Laufschuhherstellern der Welt und präsentierte auf dem Symposium eine hohe Rekordquote seiner Athleten. Dieser Erfolg der Sportler gäbe der Strategie recht, so Götz Hohaus, Senior Manager Brand & Product Learning, und zeige, dass das Konzept erfolgreich sei. Von der Entwicklung profitierte auch Marathonläuferin Miriam Dattke, die 2022 Gold mit der Mannschaft bei der EM in München erreichte. „Ich bin immer wieder beeindruckt und froh, dass bei Adidas der Mensch hinter dem Athleten wichtig ist“, sagte Dattke. Dieser Grundsatz spiegele sich in der Zusammenarbeit wider – und schließlich auch in den Produkten.

Während dies aber noch ein Zukunftsprojekt ist, gibt es mit dem Cloudneo und dem „Cyclon-Projekt“ bereits einen komplett recycelbaren Schuh. Das Vertriebskonzept: Der Schuh wird nur über ein Abo-Modell angeboten. Sobald er verschlissen ist, wird er zum Hersteller zurückgeschickt, geschreddert und liefert das Ausgangsmaterial für neue Schuhe. Der Abonnent erhält ein neues, recyceltes Paar.

Auch im Elitesport setzt sich On große Ziele. Möglichst schon bei den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024, spätestens aber 2028 will man zu den Top-3-Marken in den Medaillenrängen gehören. Die Athleten im On Athletics Club werden eng in die Produktentwicklung mit einbezogen. Ein Beispiel dafür ist die Sprinterin Alexandra Burghardt, die 2022 mit der Sprintstaffel Gold bei der Europameisterschaft in München gewann. Sie berichtete auf dem Symposium über die Zusammenarbeit mit On und wie sie ihre eigenen Erfahrungen und Bedürfnisse in die Schuhentwicklung einbringen konnte.

Die Zusammenarbeit mit Athleten in der Entwicklung neuer Produkte steht auch bei Adidas im Mittelpunkt. „Den Athleten zuzuhören gehört zur DNA von Adidas“, sagte Fabian Schweizer (Global Director Athlete Services). Dies sei ein Grundprinzip von Firmengründer Adi Dassler gewesen und die Basis für den Erfolg der Marke. Viele erste Plätze und schnelle Zeiten bei wichtigen Läufen zeigten, sagte Götz Hohaus (Senior Manager Brand & Product Learning), dass diese Strategie erfolgreich ist. Von der guten Zusammenarbeit berichtete auch Marathonläuferin Miriam Dattke, die 2022 Vierte bei den Europameisterschaften in München wurde und Gold mit der Mannschaft erreichte.

Verletzungen durch Laufschuhe vermeiden

Danach blickte Sebastian Bär in seinem Vortrag auf 40 Jahre Erfahrung im Familienunternehmen mit der Produktion von Schuhen zurück. Er hat das Prinzip der Zehenfreiheit vor einigen Jahren auf Laufschuhe übertragen und die Marke Joe Nimble gegründet. Warum gerade die Großzehe für das Laufen und die Laufschuhe wichtig ist, erläuterte Biomechaniker und Lauftrainer Lee Saxby. Seit 50 Jahren bleibe die Verletzungshäufigkeit bei Läufern stets gleich hoch, erklärte er, obwohl es viele Konzepte gegeben habe, die das reduzieren sollten. „Den Elefanten im Raum hat keiner gesehen“, sagte Saxby: Die Stellung der Großzehe im Schuh sei nicht genug berücksichtigt worden. Werde diese durch eine enge Zehenbox nach innen abgelenkt, entstehe ein Hallux valgus, was sich negativ auf die Abrollbewegung und die Belastung im Vorfuß auswirke.

Als Lösung hat Joe Nimble Schuhe, die im Zehenbereich viel Platz bieten und eine natürliche Bewegung der Großzehe ermöglichen. Ein auf dem Symposium erstmals präsentierter „Toe Pilot“ – eine biomechanisch geformte Kunststoffschiene in der Zwischensohle – soll eine bessere Stabilität im Vorfuß in der Abstoßphase ermöglichen und besonders Läufern helfen, die schon Probleme mit ihrer Großzehe haben.

ARION

ANALYSE TO GO

Die Marke Arion will die Wahl des Laufschuhs durch Sensortechnik und einfach zu ermittelnde Analysedaten erleichtern Das in den Niederlanden gegründete Unternehmen Arion präsentierte auf dem Symposium eine Analyseeinheit aus Druckmesssohle und 3-D-Sensoren für Laufschuhe. Beide bilden die Basis des Arion-Laufcoachs zum Sammeln von Laufdaten, die auch zur Auswahl der richtigen Laufschuhe eingesetzt werden können. Die Einheit erhebt sowohl kinematische als auch kinetische Daten, misst also die Bewegungen und die dabei auftretenden Kräfte. „Im Handel soll damit eine schnelle Analyse möglich sein, die fundierte Daten für ein Verkaufsgespräch liefert“, erklärte Markus Hupach. Die Analysedaten können etwa für individuelle Empfehlungen für den passenden Laufschuh genutzt werden.

Zu Gast beim Symposium war auch der brasilianische Ultraläufer João Andrade, der Joe-Nimble-Laufschuhe beim Badwater-Ultramarathon im Death Valley trug (217 km), wo bis zu 50 Grad Hitze erreicht werden. Im Gegensatz zu anderen Läufern, die acht bis zwölf Schuhe verschlissen hätten, habe sein Paar den ganzen Lauf gehalten, so Andrade.

Immer neue Felder für Innovationen

Eine andere Erklärung für die stets gleich gebliebene Anzahl von Laufverletzungen lieferte Professor Gert-Peter Brüggemann in seinem Symposiumsvortrag. Er stimmt mit Saxby überein, dass Schuhe die Läufer vor Verletzungen schützen sollten. Brüggemann betrachtet allerdings die Reduktion der Hebelwirkungen und eine Verbesserung der Muskelaktivität als entscheidende Faktoren für die Vermeidung von Verletzungen. Ein wesentliches Problem sei das externe Knie-Adduktionsmoment, das für viele Laufverletzungen verantwortlich sei – und das durch den Versuch, Pronation mit steifen Laufschuhkonstruktionen zu verhindern, noch verstärkt würde: Der Kraftangriffspunkt wird durch solche Schuhe aus dem Zentrum geschoben und der Hebel auf das Knie vergrößert.

Brüggemanns Lösung ist die von ihm selbst entwickelte Sohlentechnologie U-Tech. Die Zwischensohle der True-Motion-Modelle wirke wie ein Trampolin, welches die auftretenden Kräfte in der Fersenmitte zentriert und dadurch die Hebelkraft reduziert. Die Sohlenkonstruktion erleichtere die Arbeit der Muskeln am Sprung- und Kniegelenk, erläuterte Brüggemann. Im Vergleich zu konventionellen Schuhkonzepten seien bei den Trägern der U-Tech-Sohlenkonstruktion deutlich weniger Verletzungen zu erwarten.

Einen ganz anderen Ansatz, aber mit dem gleichen Ziel, präsentierte das Unternehmen Falke. Auch durch speziell für den Laufschuh entwickelte Socken lasse sich die Verletzungsgefahr reduzieren, erklärte Manon Schutter von Falke: „Laufsocken werden immer noch unterschätzt.“ Sie präsentierte eine Sockenkonstruktion, die mit der U-Tech-Technologie von True Motion harmoniert und dazu beiträgt, auftretende Kräfte zu zentrieren sowie die Belastung auf Muskulatur und Gelenke zu reduzieren.

Markus Hupach von Arion präsentierte schließlich eine Analyseeinheit aus Druckmesssohle und 3-D-Sensor für den Laufschuh: Der Arion-Laufcoach misst individuelle Bewegungen sowie die auftretenden Kräfte, die auf dem Smartphone angezeigt werden. Beim Running-Händler können die Daten auch zur Auswahl der Laufschuhe eingesetzt werden. Die Analysedaten münden direkt in eine Schuhempfehlung – und verbessern zusätzlich den Service beim Händler.

„In Deutschland ist der Laufmarkt besonders dynamisch“, resümierte Urs Weber die Symposiumsinhalte. Viel Potenzial zeige sich bei der Biomechanik und in der Verknüpfung der Themen Hightech und Nachhaltigkeit. Vor allem aber könne das Laufen noch deutlich zunehmen: Die Möglichkeiten im Breitenund Gesundheitssport sind also noch sehr groß.

TRUE MOTION & FALKE

LUXUS FÜR DEN FUSS

Schuhtechnologie trifft Textilexpertise: True Motion und Falke arbeiten an einer konstruktionstechnischen Symbiose von Laufsocke und Laufschuh

Gegründet 2018, ist die Laufschuhmarke True Motion noch jung. Das Textilunternehmen Falke hingegen gibt es schon seit 1895. Was kommt heraus, wenn beide Unternehmen sich zusammentun? Eine ganz besondere Kollaboration, die den Fuß als wichtigsten Körperteil beim Laufen in den Mittelpunkt stellt. Bei True Motion dreht sich alles um die Biomechanik und das ideale Schuhkonzept: Die charakteristischen „hufeisenförmigen“ U-Tech-Elemente unter Vorfuß und Ferse zentrieren die Wirkungskräfte beim Aufprall und Abrollen. So würden das Knie und der gesamte Bewegungsapparat geschont, sagte Professor Gert-Peter Brüggemann, Mitbegründer von True Motion. „Der Schuh muss sich bewegen, flexibel sein“, war eine seiner Kernaussagen.

Doch auch ein anderes, unscheinbares Kleidungsstück sei für das Laufen unabdingbar, wie Manon Schutter von Falke erklärte: „Laufsocken werden immer noch unterschätzt“, sagte sie und spielte damit auf den Kern der Kooperation zwischen Falke und True Motion an. Denn die in Zusammenarbeit beider Unternehmen entwickelten Socken entsprechen in ihrer Konstruktion exakt der U-Form der True-Motion-Modelle. So harmonieren Laufschuhe und -socken miteinander, um die auftretenden Kräfte zu bündeln und die Belastung auf Muskulatur und Gelenke zu reduzieren.