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EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT: NFTS IM FINANZWESEN UND MEHR


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Sachwert Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2022 vom 02.06.2022
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Bildquelle: Sachwert Magazin, Ausgabe 3/2022

Wo könnte bei dieser interessanten Technologie die Reise hingehen? Im Folgenden möchte ich dich auf einen kurzen Ausflug in die Zukunft mitnehmen und einige realistische und teilweise schon reale Szenarien aufzeigen. Quo vadis, NFT? Wohin gemma denn?

Einer der wichtigsten Bereiche im gesamten Krypto-Umfeld ist DeFi, das sind dezentralisierte Finanzdienstleistungen. Herkömmliche Finanzdienstleistungen kennst du zur Genüge. So kannst du beispielsweise dein Erspartes auf ein Bankkonto legen. Dieses Geld nimmt die Bank und bietet es einem anderen Bankkunden an, der sich Geld leihen möchte. Wenn der nun dieses Angebot annimmt, indem er beispielsweise sein Konto überzieht, zahlt er dafür beträchtliche Zinsen. Als kleines Dankeschön bittet deine Bank dich heutzutage freundlicherweise, Strafzinsen auf eine höhere Einlage zu bezahlen. Sympathisch werden diese dann als »Verwahrentgelt« oder wahlweise auch ...

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... »Negativzins« bezeichnet. Wohlgemerkt dafür, dass sie mit deinem Geld eine ihrer Finanzdienstleistungen anbieten kann. Ich kann die Bank aber schon verstehen. So ein Finanzhaus hat Mitarbeiter, Firmengebäude, einen Serverraum, eine Kantine, also viele Kosten. Hier kommen die dezentralisierten Finanzdienstleister ins Spiel. Die haben all das nicht. Hier setzen ein paar Menschen mit Hilfe eines Smart Contracts ein Protokoll auf der Blockchain auf, und wenn das fertig programmiert ist, dann läuft das Protokoll. Unermüdlich, Tag und Nacht, ohne Firmengebäude, ohne Kantine, mit nur noch sehr wenigen Mitarbeitern und ohne Serverraum. Dadurch, dass alles dezentral ist und ganz viele Rechner weltweit an der Blockchain rechnen, ist diese »Last« auf viele helfende (Computer-) Hände verteilt und obendrein wird auch noch die Sicherheit erhöht. Eine Hotline, wenn du dein Password vergessen hast, gibt es da allerdings auch nicht.

EINES DER BE-KANNTESTEN PROTOKOLLE HAT MOMENTAN EIN-LAGEN IN HÖHE VON 28 MILLIAR-DEN US-DOLLAR UND LÄUFT SCHON SEHR LANGE, OHNE GEHACKT WORDEN ZU SEIN.

Welche Finanzdienstleistungen bietet so ein DeFi-Protokoll an? Irgendwann mit Sicherheit alle, die auch eine Bank anbietet, aber auch aktuell schon sehr viele. Dazu zählen zum Beispiel Darlehen. Der wohl gängigste Anwendungsfall ist der Besitzer von Kryptowährungen, der Geld in Form von FIAT34, also Euro oder Dollar braucht. Nehmen wir an, jemand hat 10 Ether und will die auf keinen Fall verkaufen, weil er denkt, dass der Kurs weiter steigen wird. Braucht er nun dringend Geld, kann er diese 10 Ether als Pfand in einem DeFi-Protokoll hinterlegen. Dieses gibt ihm dafür Geld, meistens einen Stablecoin. Das ist eine Kryptowährung, bei der eine Einheit immer 1 Dollar entspricht. Das Protokoll hat eine 30-prozentige Verleihungsgrenze im Smart Contract hinterlegt, sodass sich derjenige, der die 10 Ether einlegt, dafür 3 Ether zu einem bestimmten Zinssatz leihen kann. Diese 3 Ether bekommt er in Form eines Stablecoins, den er auf einer Exchange (Börse) in Euro wechselt, die er dann auf sein Bankkonto überweist. Währenddessen werden die Zinsen hierfür von der Einlage abgebucht. Wenn er nach einem Jahr die 3 Ether zurückbringt und dem Protokoll zurückzahlt, bekommt er seine 10 Ether zurück. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die dem DeFi-Protokoll das Geld zur Verfügung stellen, das dem Darlehensnehmer ausgehändigt wird. Diese Anleger bekommen für ihre Einlage Zinsen. Ja, sie bekommen Zinsen und müssen sich nicht wie bei der Bank mit Peanuts zufriedengeben oder sogar Strafzinsen zahlen. Zinssätze um die 10 Prozent sind im DeFi-Bereich keine Seltenheit.

EINER DER WICH-TIGSTEN BEREICHE IM GESAMTEN KRYPTO-UMFELD IST DEFI, DAS SIND DEZENTRALISIERTE FINANZDIENST-LEISTUNGEN.

In der DeFi-Welt gibt es sehr viele Möglichkeiten, mit den verschiedensten Protokollen sehr hohe Zinsen zu erwirtschaften. Die Renditen können hier in die Hunderte oder gar Tausende Prozent gehen. Es gibt zum Beispiel das Staking. Man hinterlegt dabei Coins in einem Protokoll als Pfand, um das Netzwerk abzusichern. So wird es bei Ethereum 2.0 mit dem Prinzip »Proof of Stake« der Fall sein, sobald das eingeführt ist. Darüber hinaus gibt es auch noch Liquidity Mining. Dort stellt man einer DEX (dezentral organisierten Kryptobörse) Liquidität in Form von zwei Kryptowährungen, also einem Währungspaar, zur Verfügung. So kann dort Währungshandel betrieben werden. Eine DEX ist also ein Kryptowährungs-Tauschprotokoll, das automatisiert auf der Blockchain läuft, ohne Personal- oder sonstige Kosten, wie herkömmliche Finanzdienstleister sie haben. Beim Liquidity Mining gibt es allerdings das Risiko des »impermanent loss«, auf das ich hier aufgrund der Komplexität nicht näher eingehe. Es gibt unzählige You-Tube-Videos dazu, die das gut erklären.

AUCH IN DER AR-BEITSWELT DER ZUKUNFT WERDEN MIT BLOCKCHAIN-TECHNOLOGIE VÖLLIG NEUE SZE-NARIEN DENKBAR.

Du siehst also, von risikolos sind wir bei DeFi-Anlagen meilenweit entfernt! Wer sich aber gut auskennt, kann Protokolle suchen, mit denen er mit vergleichsweise (!) geringem Risiko Geld erwirtschaften kann. Eines der bekanntesten Protokolle hat momentan Einlagen in Höhe von 28 Milliarden US-Dollar und läuft schon sehr lange, ohne gehackt worden zu sein. Weil sich eine solche Beute für Hacker wirklich lohnen würde, kannst du davon ausgehen, dass das Protokoll täglich mehrfach Hackerattacken ausgesetzt ist. Jeder Tag, den dieses Protokoll ungehackt weiterläuft, erhöht also die Wahrscheinlichkeit, dass es »sicher« ist.

Warum erkläre ich dir so ausführlich, was DeFi ist? Ganz einfach, weil DeFi und NFTs schon zu verschmelzen beginnen und in Zukunft noch viel stärker miteinander interagieren werden. Das liegt auf der Hand, denn beides findet auf der Blockchain statt und kann dadurch sehr gut miteinander kommunizieren und interagieren. Stell dir zum Beispiel vor, der Typ mit den 10 Ether, der Geld braucht, besitzt statt 10 Ether einen CryptoPunk. Stell dir weiter vor, es gäbe ein Protokoll, in dem er den CryptoPunk hinterlegen und beleihen könnte, um so Euro zu bekommen. Auch das gibt es schon, und es wird in Zukunft noch viel weiter verbreitet sein, in jeder nur denkbaren Ausprägung.

Wenn du das Prinzip eines NFTs erst einmal verstanden hast und weißt, dass jeder NFT ein Smart Contract ist, dann werden dir wahrscheinlich noch sehr viele andere Anwendungsmöglichkeiten einfallen. So wäre es denkbar, dass wir vor dem nächsten Flug in den Urlaub nicht mehr panisch unsere Reisepässe suchen müssen, weil sie längst als NFT in unserer digitalen »Bürgerwallet« hinterlegt sind. Gut, wahrscheinlich suchen wir dann stattdessen fieberhaft das Passwort zu dieser Wallet, aber das ist ein anderes Thema. Auch im Versicherungsbereich wird sehr viel möglich sein. Es ist zum Beispiel ohne Weiteres denkbar, dass eine Unwetterversicherung in ihrem Smart Contract eine Verbindung zu einem amtlichen Wetterinstitut hinterlegt hat. Wenn dieses Institut nun bestätigt, dass laut deren Aufzeichnungen tatsächlich 169 Liter Wasser pro Quadratmeter im Dorf des Versicherungsnehmers niedergegangen sind, dann wird die Versicherungssumme automatisiert in die Wallet ausgezahlt. Doch um realistisch zu bleiben: Wahrscheinlich werden Versicherungen eher Systeme finden, wie du die Prämien mit deiner Wallet sehr schnell und in Echtzeit zu bezahlen hast. Die Auszahlungen wiederum werden sie womöglich noch sehr lange manuell vornehmen. Bearbeitungszeit sechs bis acht Wochen. Minimum.

Auch in der Arbeitswelt der Zukunft werden mit Blockchain-Technologie völlig neue Szenarien denkbar. So ist vorstellbar, dass künftig Arbeit minuten- und sekundengenau abgerechnet und der Lohn genauso exakt, noch während des Arbeitsvorgangs sekündlich in die Wallet des Arbeitnehmers ausgezahlt wird. Natürlich nicht, ohne parallel dazu in Echtzeit auch gleich die anfallenden Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abzubuchen. Wobei, bevor unser Staat allerdings die Blockchain entdeckt, muss wahrscheinlich noch der eine oder andere Antrag hierfür auf der Schreibmaschine getippt werden. Auch könnten Incentives als NFTs ausgegeben werden, zum Beispiel Extraurlaub für besondere Leistungen, Warengutscheine oder Eintrittskarten für das nächste Fußballspiel. Und das ohne lange Diskussionen im Mitarbeitergespräch, ganz automatisch, sobald bestimmte Projektziele erreicht wurden.

Die NFTs sind also erst am Anfang. Sie werden früher oder später alle beschäftigen: Unternehmer und Arbeitnehmer, Bürokraten und Kunstschaffende, Verkäufer und Kunden, Bürger und Regierende, Karnevalesen und Fastnachtsanhänger – ja, sogar Bayern und Preußen!

»Reich mit NFTs« von Mike Hager 192 Seiten

Erschienen: Februar 2022

Finanzbuch Verlag ISBN: 978-3-95972-578-1