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Ein Blick über den Tellerrand


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St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 101/2022 vom 07.10.2022

TIERKOMMUNIKATION

Artikelbild für den Artikel "Ein Blick über den Tellerrand" aus der Ausgabe 101/2022 von St.GEORG. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Catherin Seib sagt, wir sollten mit Pferden eher umgehen wie mit Hunden.

Wie läuft ein Kurs in Tierkommunikation bei dir ab?

CATHERIN SEIB: In dem ersten Kurs bringen die Leute Fotos von ihren eigenen Pferden mit, möglichst nur vom Gesicht und sie sollen auch nichts dazu erzählen. Dann gucken wir uns alle dieses Foto an und ich leite dann die Teilnehmer an, in die Telepathie zu gehen. Das ist relativ simpel. Sie sollen einfach fünf Minuten darauf achten, was in ihrem Kopf passiert und anschließend alles aufschreiben.

Das machen wir sechs- bis achtmal an einem Wochenende, dann merken die Leute, dass es funktioniert.

Wo ist die Grenze zur Vermenschlichung?

Menschen sind auch nur Säugetiere. Wenn ich mit Tieren spreche, ist das erste, das ich feststelle, dass die Größe des Gehirns nichts damit zu tun hat, wie viel man denken kann, und zweitens, dass jedes Tier Empfindungen hat, wie wir Menschen auch. Es ist eine sehr egozentrische Sichtweise von Menschen zu ...

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... meinen, es wäre Vermenschlichung, wenn man Tieren bestimmte Emotionen und Gedanken zuschreibt. Sondern wir sind auch nur Tiere. Wenn du einem Mensch in einer Massenpanik erzählst, jetzt bleibt mal alle ruhig stehen und geht drei Schritte zurück – das macht auch keiner. Wir sind auch instinktiv. Deswegen ist Vermenschlichung das falsche Wort. Ich würde mir wünschen, dass wir uns mehr vertierlichen, also verstehen, dass wir wirklich zusammengehören und dass es da nicht so viele Unterschiede gibt. Natürlich bin ich ein Mensch, denke als Mensch und es fällt mir sehr schwer, aus meiner menschlichen Sicht auszusteigen. Aber alleine diese Vorstellung – wenn man in der Wissenschaft feststellen möchte, ob ein Tier ein Ich-Bewusstsein hat, misst man es daran, ob es sich im Spiegel erkennt. Das ist eine so absurde Idee, weil wir haben zwei Augen, die nach vorne ausgerichtet sind. Wir sind sehr aufs Sehen fixiert. Dass wir uns im Spiegel erkennen, wir sehen alle unterschiedlich aus, das ist wichtig für uns. Aber für einen Fisch, der fast genauso aussieht wie der andere in einem großen Schwarm, in dem es wichtig ist, dass einer wie der andere aussieht, für den ist es nicht relevant, ob er sich im Spiegel erkennt. Oder bis vor ein paar Jahren dachte man, Fische hätten keine Schmerzrezeptoren. Nun hat man festgestellt, huch, haben sie ja doch. Die sind nur anders als bei Menschen.

Thema Sportreiterei – wie stehst du dazu?

Erstmal ist es bei mir so, dass ich keine feste Meinung habe zu irgendetwas bei Pferden. Ob man nun dieser oder jener Ideologie hinterhergeht, barhuf oder mit Hufeisen, Sattel tragen oder nicht, Fütterung, Haltung, Reitweise, es gibt da für mich keine grundsätzliche Meinung, weil es wirklich alles gibt. Es gibt Pferde, die supergerne Sportpferde sind, es gibt Pferde, die supergerne Freizeitpferde sind, und es gibt Pferde, die supergerne nur auf der Wiese stehen und gar nichts machen. Es ist wie bei Menschen auch. Da gibt es Leute, die laufen gerne Marathon und sind Hochleistungssportler und mir liegt nichts ferner als das. Ich bin ein anderer Mensch, bin kein Leistungssportler, ich würde tot umfallen. Und da gibt es eben wirklich Typen, wo manche Pferde sich als Sportpferde sehen. Die können das auch und die wollen das auch. Wenn ich da jetzt hingehen und sagen würde ,das arme Pferd, schick das auf 30 Hektar und lass es sich ausleben, die wären erbost, die wären nicht glücklich damit, ihrer Identität beraubt zu werden. Sportreiterei ist für mich einfach ein Feld, in dem Pferde benutzt werden, wie in so vielen anderen auch. Aber ja, immer wenn es um viel Geld geht, wird es schwierig.

ZUR PERSON

Catherin Seib

Catherin Seib (geb. 1980) stammt aus Deutschland, lebt aber mit ihren drei Pferden in Costa Rica. Schon als Kind hatte sie einen Draht zu Tieren. Nach der Schule jobbte sie unter anderem als Pflegerin im Zoo, sah einen TV-Beitrag über Tierkommunikation, hielt das erst für Hokuspokus, kam dann aber auf anderem Weg erneut mit dem Thema in Berührung und beschloss, einen Kurs zu besuchen. Sie merkte, dass es wirklich funktioniert. Aber auch, dass sie vielen Tieren nicht helfen kann, weil die Besitzer es nicht wollen. Also machte sie sich selbstständig, um sich auf Fälle zu konzentrieren, wo sie etwas bewegen kann. Infos:

Wie kann ich erkennen, was für ein Typ mein Pferd ist?

Man sollte definitiv aufs Bauchgefühl achten. Die meisten Pferdehalter, mit denen ich spreche, und denen ich sage, was ihr Pferd mir mitgeteilt hat, sagen Dinge wie ,Das habe ich mir schon gedacht‘ oder ,Das wusste ich eigentlich auch schon, gut, dass Sie mir das jetzt nochmal bestätigen.‘ Weil man hat ja eine Beziehung zum Pferd. Und manchmal besonders die Sportreiter, weil es ja so wichtig ist, dass man ein Team ist. Wir haben eine Beziehung zu unserem Pferd und wir verstehen vieles schon längst, auch wenn wir keine Tierkommunikatoren sind und immer noch denken, Pferde sind instinktive Wesen, die kein Gefühlsleben haben. Trotzdem kennen viele Leute ihr Pferd gut und wissen instinktiv, was gut ist für dieses Pferd und was nicht. Die meisten von uns lassen sich halt von Fachwissen oder von anderen Experten die Sicht vernebeln und denken, sie könnten lieber nicht aufs Bauchgefühl hören. Das ist mein Rat: Wenn man sich nicht sicher ist, was ist richtig für das Pferd, sich einmal kurz hinzusetzen, versuchen, das Außen auszublenden, tief durchzuatmen, sich das Pferd vor das innere Auge zu holen und ganz kurz die Frage stellen, ,Möchtest du das oder das?‘ Der erste Impuls, der aufkommt, der ist es dann meistens.

Wie bist du dazu gekommen, ein Buch zu schreiben?

Das war das erste Buch, aber nicht der erste Versuch. Es war der dritte und wirklich meine Herzensangelegenheit, weil die Wahrnehmung der Pferde noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Eigentlich fühlen viele Leute, was los ist. Aber ganz viele reden das wieder weg mit ,der guckt nur konzentriert‘ oder ,die fühlen das nicht, die Sporen und so‘.

Und Pferde, die sich wehren, sind ja die Seltenheit …

Ja! Aber warum wohl? Die leben meist nicht lange. Meistens ist das Spiel so: Das Pferd wird relativ schnell ausgebildet unter Druck, weil es muss ja verkauft werden, muss ja irgendwelche Prüfungen bestehen, muss ja viel Geld einbringen, muss möglichst gut funktionieren, wird also relativ schnell mit Druck ausgebildet, wird verkauft an jemanden, der damit was anfangen möchte und nach ein, zwei Jahren oder drei Jahren fängt es an, Macken zu bekommen, weil es wie ein Mensch in den Burnout gerät. Wie ein Mensch, der zu jung zu schnell rumgereicht wird, ins Internat kommt, oder irgendwie Druck bekommt, dass er jetzt die bestmögliche Ausbildung genossen hat und jetzt gefälligst irgendwie Anwalt, Arzt oder Jurist wird und nach ein, zwei Jahren

„Es gibt Pferde, die supergerne Sportpferde sind, es gibt Pferde, die gerne nur auf der Wiese stehen.“

Catherin Seib

merkt, oh Gott, ich gehe unter, wenn ich das hier noch weiter mache. Und das dann auch noch unter so einer harten Hand von meinem Boss, weil die Menschen sind ja der Boss und es gibt ein hartes Programm. Und dann fallen die Pferde zusammen. Dann wird ein Tierarzt geholt, dann wird geguckt, was ist körperlich los. Wenn das Pferd anfängt sich zu wehren, wird irgendeine Art von Training dazu geholt. Wenn man alle Trainer durch hat, wird spätestens der letzte, der spezialisiert ist auf Problempferde, sagen: ,Dieses Pferd ist gefährlich.‘ Die Sache ist aber die, dass nie jemand gehört hat, dass es ,Nein‘ gesagt hat. Die Pferde, die sich trauen, ,Nein‘ zu sagen, die enden meistens als hochgefährlich und werden aussortiert. Das heißt, sie werden nicht mehr weiterleben. Weil als gefährlich, da kann man immer sagen, muss leider eingeschläfert, muss leider geschlachtet werden, weil kann man auch niemandem mehr verkaufen. Da kommt auch oft der Hochmut von Pferdeleuten, die sich nicht eingestehen können, dass andere Menschen vielleicht doch etwas mit dem Pferd anfangen können. Dann kommt so was wie, ,ne, das ist zu gefährlich, wenn ich das nicht schaffe, schafft es auch kein anderer‘. Deswegen muss es dann sterben. Ich glaube, dass die Pferde, die sich zu sehr wehren, keine Chance bekommen, weiterzuleben und dass dann natürlich auch die Zucht dementsprechend ausgelegt ist. Zucht ist auch nicht zu unterschätzen. Pferde werden auch dahingehend gezüchtet, dass sie möglichst kompatibel sind, dass sie möglichst gut kooperieren. Wie bei Hunden.

Pferd-Mensch-Beziehungen schwanken zwischen Machtausübung auf der einen und alles durchgehen lassen auf der anderen Seite. Was ist dein Rat?

Das ist ein so komplexes Thema, da könnte man noch ein weiteres Buch drüber schreiben. Was ist zwischen ,ich dominiere mein Pferd‘ und ,mein Pferd ist mein Objekt‘ bis hin zu ,mein Pferd ist mein Freund und wir galoppieren nur fröhlich über die Wiese‘. Das dazwischen ist wirklich nicht leicht zu erreichen und ist ein großes Thema in meiner Ausbildung. Eigentlich der beste Trick für den Anfang ist, dass es nicht ums Machen geht, sondern ums Sein. Pferdemenschen haben beigebracht bekommen, dass man mit Pferden macht. Mit Hunden kann man chillen, kann man auf dem Sofa sitzen, kann man vielleicht schön spazieren gehen, aber mit Hunden hat man Spaß. Mit Pferden macht man. Man geht da hin, man zieht es aus der Box, man putzt es, der Körper wird in Form gebracht, wie man es möchte. Man ist sehr invasiv, sehr viel am Pferd, mit den Händen etc. Es ist fast nie frei, wenn man mit ihm zusammen ist. Es wird immer irgendetwas angelegt, etwas festgemacht, es wird gesagt, wie es sich bewegen muss, es wird identifiziert, ob es so oder so läuft, es wird mit Adleraugen beobachtet. Das ist alles sehr übergriffig. Die Pferde wünschen sich oft, dass wir mal unseren Blick und unsere Energie zu uns zurückholen und ihnen ihren Raum lassen. Das signalisiert: ich bin da, ohne etwas von dir zu wollen. In unseren Beziehungen zu Menschen oder anderen Tieren wünschen wir uns ja auch, dass jemand da ist, ohne etwas zu wollen. Diese Bedingung, du musst das und das für mich machen, damit wir zusammen sind, das ist ja auch in menschlichen Beziehungen total toxisch. Das ist mit Pferden nichts anderes. Wenn ich immer nur dahin komme, weil ich was will, ist das ein Arbeitsverhältnis, nett ausgedrückt, wo das Pferd nichts zu bestimmen hat.

Dann gibt es da ja aber Strömungen wie „Natural Horsemanship“ …

Ich habe da selber noch nie einen Kurs mitgemacht, ich habe auch selber noch nie nach Horsemanship gearbeitet. Aber ich kann sagen, ich habe mit sehr vielen Pferden gesprochen, die danach gearbeitet worden sind, und der Großteil dieser Pferde empfindet das als Psychoterror. Und: Nur weil ein Pferd funktioniert, heißt es nicht, dass es einem vertraut. Das verstehen viele nicht. Das ist eine gute Methode, um einen bestimmten Typ Pferde zum Funktionieren zu bringen und es sieht für jemanden, der nicht so empathisch ist, erstmal so aus, als wäre das eine Methode, die okay ist. Aber Psychoterror ist, das wissen wir als Menschen auch, genauso schlimm wie körperliche Gewalt. Das eine oder das andere ist nicht besser oder schlechter, es kommt aufs Gleiche heraus.

„Wenn man ein Team ist, ist das Ziel nicht unbeding t zu gew innen, sondern ein besseres Team zu werden.“

Catherin Seib

Gibt es Anzeichen dafür, dass ich – auch in der Sportreiterei – Grenzen überschreite?

Das ist eine Frage, die kann jeder Reiter selbst beantworten. Wie Pferde aussehen, wenn sie unzufrieden sind, wissen wir alle. Wobei auch das eine Typfrage ist. Es gibt Pferde, die versteinern total und ziehen sich in sich selbst zurück. Es gibt Pferde, die werden wütend. Es gibt Pferde, die fangen an zu diskutieren. Es gibt Pferde, die haben unglaubliche Angst, wenn man über ihre Grenze geht und sind einfach nicht mehr verlässlich. Und je nachdem, was für ein Typ mein Pferd ist, sind es ganz unterschiedliche Anzeichen, aber da möchte ich fast sagen, wenn man ein bisschen zurück zu seiner Menschlichkeit geht, dann merkt man das sofort. Da muss man sich nur auf seine Menschlichkeit besinnen.

Können Pferde uns als Freunde sehen?

Ja, natürlich! Wie Hunde. Das ist auch ein guter Ratschlag: mit Pferden ein bisschen mehr zu sein wie mit Hunden. Wenn wir mit Hunden sprechen, zeigen die ihre Freude deutlicher. Aber man kann das ausprobieren. Man geht in den Stall und begrüßt sein Pferd einfach mal überschwänglich ein bis zwei Wochen mit der Babystimme, die einem gerade einfällt, so wie du das mit deinem Hund machen würdest und dann guck mal, was passiert. Das geht ganz schnell, dann kommen die angelaufen, haben die Ohren vorne und wiehern und man sieht, dass sie sich dann freuen. Das wird unterschätzt. Mit Pferden kann man eine richtig gute Freundschaft haben.

Okay, also wenn ich als Sportreiter möchte, dass mein Pferd für mich kämpft, dann muss ich es behandeln wie einen Freund?

Ja, genau so! Wenn man möchte, dass man zusammen Höchstleistungen bringt – und Sportreiterei ist ja auch Leidenschaft. Das macht man ja nicht, weil einem nichts Besseres eingefallen ist im Berufsleben, sondern das hat etwas mit Leidenschaft zu tun. Diese Wettkämpfe und so, das ist ja unglaublich viel Emotion und für die Pferde auch! Die Pferde definieren sich darüber, wie toll sie etwas machen. Es gibt wirklich so Rampensäue dabei wie wir Menschen, die das richtig abfeiern, wenn sie gewinnen, wenn sie toll sind, wenn sie Lob kriegen, wenn das Publikum mitfiebert. Das verstehen die alles! Die sind nicht doof. Und wenn man das versteht, dann ist das doch naheliegend, dass man ein gutes Team bildet, so wie auch in menschlichen Sportteams oder Arbeitsteams oder irgendwelchen Teams, die zusammen was erreichen wollen, das was mit Leidenschaft zu tun hat, man ist dann ja ein richtiger Verbund. Das ist dann ja fast noch mehr als eine Freundschaft, das ist eine Beziehung. Das ist ja auch wichtig, weil man dann motivierter ist. Wenn man möchte, dass sein Pferd motiviert ist, sollte man es unbedingt fragen, was es will, was es braucht. Die meisten Pferde von Sportreitern, die ich frage, erzählen mir ganz viel darüber, was ihr Mensch tun kann, damit er besser in Verbindung ist, wenn er auf dem Pferd sitzt. Weil viele sitzen auf dem Pferd und denken, das sind jetzt zwei Individuen und das Individuum oben muss das Individuum unten lenken. Aber wenn man das versteht, dass man in dem Moment zusammenschweißt wie ein Körper und zusammen denkt, zusammen fühlt, zusammen atmet und zusammen im Rhythmus ist, dann hat man schon viel verstanden. Das sagen die Pferde immer wieder: ,Du musst atmen, du musst mit mir sein in dem Moment.‘ Wenn ein Mensch aufgeregt ist, kaum atmet und sich dabei verspannt, egal wie gut er reiten kann, oder wie gut er im Fokus ist, Mindeset etc., der muss seinen Körper ordentlich spüren können, damit das Pferd seinen Körper ordentlich spüren kann. Damit das Pferd ihn überhaupt mitnehmen kann. Das ist ganz wichtig für Sportreiter und wird super unterschätzt. Und je mehr man dabei eine Einheit ist, so eine freundschaftliche, die sich gegenseitig respektiert und weiß, mein Pferd braucht das und das, um hier zu springen und ich brauche das und das, um hier zu springen – manche müssen vorher meditieren, andere müssen vorher einen besonderen Snack essen oder sich vorher einschließen, jeder hat so seine Bedürfnisse – und das ist bei Pferden auch so. Die haben ganz individuelle Bedürfnisse.

„Es gibt w irklich so Rampensäue, die das richtig abfeiern, wenn sie gewinnen.“

Catherin Seib über Sportpferde

Wenn wir besser performen, wenn wir ein gutes Team bilden, sollte man doch denken, dass da ein gesteigertes Interesse dran besteht … Das Problem ist, dass das Ziel bei einem Team nicht immer unbedingt gewinnen ist, sondern ein besseres Team zu werden. Und ein Team, das wirklich gut miteinander funktioniert, das wird natürlich auch oft gewinnen, weil es den anderen voraus ist. Das ist auch der Trick, den ich mit meinen Kunden oft anwende, dass sie verstehen, dass sie dann tatsächlich auch besser abschneiden.

Aber ich merke auch, wenn das dann kippt und derjenige denkt, ,cool, jetzt gewinnen wir immer‘, dann ist das aus einem falschen Grund. Wenn die Intention falsch ist und es am Ende wieder um die Kohle geht oder um den Erfolg, ist es nicht mehr im Sinne des Teams. Das ist eine Intention, die die Sache kaputt macht. Wenn man aus einer Beziehung einen Nutzen schlagen will für sich selber, dann ist es eine Zweckbeziehung. Und eine Zweckbeziehung ist eben keine Freundschaft. Wenn man das demütig annimmt, dass man zusammen auf dem Weg ist und Erfolg vielleicht eine Belohnung ist, die man aber nicht forcieren kann, sondern die einfach widerspiegelt, wie viel Fülle man in der Beziegung hat, das ist aber ein bisschen eine hochkarätigere Aufgabe, die die meisten Sportler glaube ich gar nicht verstehen. Das verstehen Leute, die wirklich ein Interesse daran haben, in einer wirklich ehrlichen Beziehung auch zu sich zu sein. Und da fängt es schon an, das sind für viele böhmische Dörfer.