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Ein botanischer Pilgerort: Kefalonia und seine Naturphänomene


Nationalpark - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 05.06.2019

Die sechstgrößte griechische Insel im Ionischen Meer ist gebirgig. Ein Ort, an dem ein ungewöhnlicher Tannenwald wächst und 31 Orchideenarten blühen.


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Die Melissani-Höhle ist Teil des unterirdischen Wasserstromes quer über die Insel Kefalonia.


(Fotos: Mario F. Broggi)

Mit 734 Quadratkilometern ist Kefalonia die größte der Ionischen Inseln, knapp so groß wie Hamburg. Sie liegt am Golf von Patras und damit an der Einfahrt zu Korinth. Heute wohnen dort etwa 40.000 Menschen. Die Insel liegt im Spannungsfeld zwischen der eurasischen und afrikanischen Platte. Beim Erdbeben vom 12. August 1953 mit einer Magnitude ...

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... von 7,2 wurden die meisten Hochbauten und auch viel historisch Wertvolles zerstört. Im Hinterland trifft man heute noch auf Ruinendörfer, die nicht mehr aufgebaut wurden. Rund 100.000 Einwohner verließen Kefalonia nach dem großen Beben, nur 25.000 davon sind wieder heimgekehrt oder kamen neu hinzu. Der aufstrebende Tourismus profi tiert von ausgedehnten Sandstränden. Bei den Briten, die zum Teil dort auch ganzjährig wohnen, ist Kefalonia besonders beliebt. Auf der Insel wird Olivenöl gepresst, Wein angebaut und Honig geerntet.

Inseleindrücke

April – keine bleierne Hitze, kaum Touristen, noch nicht die Zeit der Badegäste. Hingegen üppig blühende Landschaften mit vielen Farbtupfern, Eichen und Zypressen in frischem, zarten Grün. Auf schmalen Pfaden hinein in die vielfältige Natur des Inselinnern, zum Schäfer-und Naturidyll Arkadiens oder aber Verweilen am Hafen, Beobachten der Fischerboote und ihrer Ernte aus den natürlichen Ressourcen des Meeres. Das Blau des Meeres im Kontrast zum Rot des Mohns auf den terrassierten Lagen, entschleunigte Inselbewohner bei kultiviertem Landbau, das schöne griechische Blau der Fensterrahmen und Türen in den Siedlungen, Plätze, die zum Verweilen einladen, Zeit für den Ouzo – alles in allem gelebte Inselsehnsucht!

Der mit 1.628 Metern höchste Berg Ainos wurde von den hier lange herrschenden Venezianern aufgrund seiner dunklen Farbe „Monte Negro“ genannt. Das Schwarze ist auf die Tanne (Abies cephalonica ) zurückzuführen. An vielen Tagen im April präsentiert sich der Berg wolkenverhangen, wobei der Gipfel auch noch schneebedeckt sein kann. Man erreicht ihn auf einer asphaltierten Straße vom Hauptort Argostoli aus über die auf rund 500 Metern liegende Omala-Ebene mit dem bekannten Robola-Weißwein. An der Ausfallstraße in Argostoli gibt es ein kleines Informationszentrum über den Ainos und in der Nähe einen gut geführten Botanischen Garten. Nach der Hochebene führt die Straße an einer inaktiven Nato-Horchstation mit großen Satellitenschüsseln vorbei und man gelangt ab 1.000 Meter Meereshöhe vorerst in einen Schwarzkiefernwald, der ab 1.200 Metern allmählich in einen geschlossenen Tannenwald übergeht. Die Kefalonische Tanne ist nach der Insel benannt und kommt als Endemit auch noch auf dem Festland vor. Der Berg Ainos mit seinen 2.862 Hektar Fläche wurde 1962 als Nationalpark ausgewiesen.

Auf der obersten, waldfrei gehaltenen Bergkuppe kommt als botanischer HöhepunktViola cephalonica , das Kefalonische Veilchen vor, ebenfalls ein Endemit, der auf der Welt einzig hier auf dieser Kuppe gedeiht. Einen Teil seines Lebensraumes hat man zum besseren Schutz vor Abweidung eingezäunt. Im Ainos-Massiv gibt es einige markierte Fußwege mit Informationstafeln sowie Schutzhütten, die mit EU-Mitteln eingerichtet wurden, aber allmählich verfallen. Im Tannenwald wurden wir mit Bildern von fantastischen, skurrilen Baumformationen belohnt. Das im Park gültige Weideverbot für Rinder, Ziegen und Schafen wird allerdings kaum eingehalten. Auf der Südostfl anke des Ainos, im Bereich eines nicht mehr bewohnten kleinen Klosters, fi ndet sich eine stetig fl ießende Quelle. Sie ermöglicht einer Herde von rund 50 Pindos-Ponys, die nach dem Zweiten Weltkrieg verwilderten, das Überleben.

Das Kefalonische Veilchen kommt einzig auf der Bergkuppe des Ainos vor. Unechte Karettschildkröte (u. li.),Caretta caretta , im Hafen von Argostoli.


(Foto: Günter Stadler)

Das schwere Erdbeben von 1953 führte zum Verfall zahlreicher Dörfer.


Das „Schlangenwunder“ von Markopoulo

Auf Kefalonia sind fünf Amphibien-und 22 Reptilienarten nachgewiesen. Der Sandstrand östlich von Kato Katelios, an der Südostspitze der Insel, ist wegen der hier stattfi ndenden Eiablage der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta ) als Natura 2000-Gebiet ausgewiesen. Viel leichter sieht man diese rund einen Meter langen Wasserschildkröten im Hafen von Argostoli, insbesondere dann, wenn die zurückkehrenden Fischer ihre Abfälle im Wasser entsorgen.

Erstmals auf Kefalonia erlebte ich eine besondere Schlangenbeobachtung mit der ungiftigen grünlichen, rund 1,5 Meter langen östlichen EidechsennatterMalpolon insignitus . Diese Art hat oben an den Augen eine ausgeprägte Kante, was sie furchterregend erscheinen lässt. Wenn sich die große Schlange auch noch mit dem Vorderkörper zur besseren Übersicht aufstellt, so ähnelt sie einer Königskobra. Auf Kefalonia sah ich sie so auf einem Feldweg, verpasste aber wegen des Objektivwechsels das Foto, das mir später mit neuerem Gerät auf der nahen Insel Ithaka gelang.

Die Himmelfahrt der Jungfrau Maria ist eines der großen Feste der orthodoxen Kirche, verbunden mit Essen, Tanzen und viel Wein. Ein besonderes Ereignis fi ndet jeweils am Abend des 14. auf den Morgen des 15. August in der Ortschaft Markopoulo oberhalb von Katelios statt. Dort sollen vor dem Fest viele Schlangen erscheinen, die nur zu dieser Zeit harmlos sind. In Wirklichkeit sammeln die Einheimischen dafür Katzennattern (Telescopus fallax ) und bringen sie in die Kirche des Ortes. Dem Schlangenwunder wird also nachgeholfen. Die Schlangen werden dann in der nachfolgenden Prozession um die Altäre aufgereiht. Sie erzeugen bei den Teilnehmenden keinerlei Angst, wobei sonst gerne alles, was kriecht, erschlagen wird. Die Legende besagt, dass sich einst die Nonnen eines Klosters, als sie von Piraten bedroht wurden, in kleine Schlangen verwandeln ließen und so gerettet wurden. Bei den Katzennattern fi ndet sich auf dem Kopf ein schwarzes Kreuz, was sie zur heiligen Schlange macht. Das alljährliche Ereignis findet große Beachtung. Sollten die Schlangen um diese Zeit nicht erscheinen, so bringe dies Unglück – so geschehen in der italienisch-deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg oder anlässlich des schweren Erdbebens 1953. Ein ähnlicher Schlangenkult ist aus Cocullo in den italienischen Abruzzen bekannt, wo Hunderte von Äskulapnattern für das Fest gefangen werden.

An der Spitze der Halbinsel von Argostoli fi ndet sich ein außerordentliches Naturphänomen mit einer Wassermühle. Das Salzwasser der Meeresbucht fl ießt hier an der Küste in unterirdische Schlunde. Diese Wasserströmung verläuft quer über die Insel, wird durch seitliche Hangwässer ein Stück weit nach oben gedrückt und tritt auf der östlichen Inselseite 16 Kilometer weiter in der Melisannihöhle wieder zutage. Die Strömung unterquert damit Berge von über 1.000 Höhenmetern. 1835 wurden diese Katavothren (Meerschwinden) erstmals ganzjährig mit zwei Mehlmühlen ausgestattet. Nach dem Erdbeben 1953 waren sie allerdings nicht mehr voll funktionsfähig. Heute ist der Höhlensee von Melissani ein Touristenmagnet. Die Decke stürzte beim großen Erdbeben 1953 teilweise ein, sodass am Mittag das Sonnenlicht in die Höhle fällt und ein faszinierendes Farbenspiel ergibt. Von hier fl ießt das Wasser in den Karavomilos-See und dann ins Meer.

MARIO F.BROGGI, Forstingenieur, war Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

„Kefalonia ist immer noch stark vom venezianischen Einfluss geprägt und bietet auf Inselwanderungen eine überraschende Vielfalt.“

KEFALONIA AUF EINEN BLICK

Starke bizarre Wuchsformen der Kefaloniatannen im Ainosgebirge.


ANREISEN

Ab Mai zweistündige Charterflüge von einigen deutschen Flughäfen aus, sonst via Athen. Mit der Autofähre über die italienische Adriaküste. Auf der Insel ist einiges mit dem öffentlichen Bus erreichbar, sonst Mietwagen.

ÜBERNACHTEN, ESSEN UND TRINKEN

Der Hauptort Argostoli eignet sich als Stützpunkt mit reichem kulinarischem Angebot, andere Naturtourismusangebote sind über die Insel verteilt.

ANSCHAUEN

Malerisches Assos, das vom Erdbeben verschonte Fiskardo im Norden der Insel, Melissani-Höhle und Drogarati-Tropfsteinhöhle bei Sami sowie Ainos.

INFORMIEREN

¦ Sabine Becht & Sven Talaron:Kefalonia und Ithaka , Michael Müller Verlag 2016, ISBN 978-3-89953-836-6, € 16,90

¦ Mario F. Broggi: Inselsehnsucht.44 Reisen in den Mediterranraum mit Schwerpunkt Ägäis. Der reich bebilderte Band erschien als Sonderdruck der Biologisch-Zoologischen Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg und steht zum Download www.mariobroggi.li/natur-wildnis/zurVerfügung.

¦ Wanderkarte: Anavasi Blatt 9.3 1. M. 25 000e

www.visitgreece.gr/en/greek_islands/ionian_islands/kefalonia