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Ein bunter Strauß an Möglichkeiten


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KÜCHENPLANER - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 04.11.2022

Mit Grass auf Trendtour

Artikelbild für den Artikel "Ein bunter Strauß an Möglichkeiten" aus der Ausgabe 11/2022 von KÜCHENPLANER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Das Messe-Motto von Rotpunkt Küchen bringt stellvertretend auf den Punkt, worum es über alle Designströmungen und -Trends für die Hersteller stets geht: um ein stimmiges Wohlfühlzuhause mit der Küche als Zentrum. Beziehungsweise als Ausgangspunkt für eine wohnraumübergreifende Gestaltung von Lebensräumen.

Der Stellenwert von Zuhause hat sich verändert und Bedürfnisse nach Sicherheit, Geborgenheit und Natürlichkeit nach oben gespült. Wie setzen Küchenmöbelhersteller diese Wünsche individuell um? Mit einem bunten Strauß an Möglichkeiten, sagt Harald Klüh. Der Global Brand Manager von Grass meint: „Aktuell prägt verspielte Diversität das Küchendesign.“ Dabei könne die Küchenplanung jedoch immer weniger isoliert betrachtet werden, sie ist Teil einer umfassenden Raumplanung.

Zur Küchenmeile lädt Beschlägespezialist Grass inzwischen schon traditionell zu einem tiefen Blick auf die Entwicklungen des Küchendesigns ein. Im Rahmen einer geführten Trendtour durch ausgewählte Hausausstellungen und moderiert von Global Brand Manager Harald Klüh. Weitere praktische Expertise steuerte in diesem Jahr der Industriedesigner Thorsten Rosenstengel von byform produktdesign aus Bielefeld bei. Nach ...

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... zwei Jahren Pandemie hatte sich Harald Klüh schon im Frühjahr mit Vorfreude auf Großes vorbereitet. Vor allem mit Blick auf Mailand und die Möbelmesse im Juni. Der Salone del Mobile und die begleitenden Veranstaltungen wie die Euro-Cucina sind für den ausgewiesenen Kenner des internationalen Marken- und Produktdesigns wie für viele Kolleginnen und Kollegen dieser Zunft eine Art Seismograf für die Trendschwingungen der Branche. „Nach der unfreiwilligen Corona-Pause waren Euphorie und Erwartungen hoch, denn in der Pandemie waren die Designer auf sich gestellt“, erzählt Klüh. „Ich hatte erwartet, dass wir eine Kreativitätsexplosion zu sehen bekommen, weil in dieser Zeit eben kein Schulterblick möglich war.“ Doch dieses Trendbeben sei ausgeblieben. Stattdessen gab es vieles zu sehen, was die Branche schon seit Jahren begleitet: transparente Flächen, vertikale Muster, schwebende Küchenmöbel, viel Grün als Ausdruck der Nachhaltigkeitsbemühungen, ein Auge für Details, das auch das Innenleben der Schränke im Blick hatte, das Verschmelzen von Küche und Wohnen, Accessoires, mit denen sich der Look and Feel eines Raums im Handumdrehen ändern lässt. „Fast jedes einzelne Detail hatte man schon gesehen“, so Harald Klüh.

Wild durcheinander kombinieren

Enttäuschend sei das nur auf den ersten Blick gewesen. Denn in der Gesamtbetrachtung habe sich Entscheidendes verändert: „Es war zwar keine neue Blume dabei. Dafür ist der Strauß noch bunter, noch breiter, noch vielfältiger geworden“, sagt Harald Klüh. Und noch etwas war anders: „Es wurde wild durcheinander kombiniert. Plötzlich war ein Nebeneinander möglich, das man vorher nicht gewagt hätte. Ein spielerisches Miteinander von alt und neu, von minimalistisch und maximalistisch, von natürlich und artifiziell, das zu einer Art polymorphem Zeitgeist führt, der alle Einflüsse zulässt und inkludiert.“

Der Begriff der „Playful Diversity“ kam ihm dazu in den Sinn. Verspielte oder spielerisch umgesetzte Diversität. Was bedeuten soll: „Bunte, überbordende Konzepte stehen direkt neben geraden, zurückhaltenden Formen – als Mix in einem Raum. Alles wird durchmischt, der Biedermeier-Schreibtisch mit Apple-Produkten, die minimalistische Küche mit dem offenen, maximalistischen Wohnzimmer. Alles ist möglich, man spielt mit Farb- und Materialkombinationen, mit Funktionen, mit Licht und Mustern.“ Und er fährt fort: „Das haben wir in den vergangenen Jahren als ‚Individualität’ beschrieben, was es aber für mich nicht hundertprozentig trifft. Individualität bedeutete, einen Schrank in tausend Farben anzubieten. Darum geht es bei ‚Playful Diversity‘ aber nicht“, betont Harald Klüh. Worum geht es dann? Klüh: „Es geht um eine neue Unverkrampftheit, ein ‚Anything Goes‘.“ Im Grunde genommen sei es der nächste logische Schritt: Nach Jahren, in denen das Thema Individualisierung die Möbelbranche bestimmte, wird diese nun über verschiedene Stile hinweg weitergeführt. Dies böte den erwähnten bunten Strauß an Möglichkeiten, habe aber auch seine Tücken. Besonders für diejenigen, die Küchen verkaufen wollen.

Wer bietet Orientierung“

Denn aus dieser Entwicklung resultiert eine interessante Frage: „Wenn alles möglich ist und Wahl- und Kombinationsmöglichkeiten keine Grenze kennen, was oder wer gibt den Kunden dann Orientierung? Sind es die Designer, die Küchenplaner, die Medien, die Influencer? Braucht es so etwas wie eine „kuratierte Diversität“? Und was sind echte Differenzierungsmöglichkeiten für Marken?

Diese Fragen bewegten die Trendschau, die eine Gruppe interessierte Journalistinnen und Journalisten zu ausgewählten Vertretern der Küchenmöbelindustrie führte. Antworten darauf wurden zusammen mit SieMatic, Sachsenküchen, LEICHT Küchen, Häcker Küchen, Rotpunkt Küchen und Störmer Küchen gesucht. Und dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede formuliert. Deutlich wurde: Wenn alles möglich und alles erlaubt ist, gibt es für die Hersteller zwei Möglichkeiten: Entweder sie machen alles, was andere auch machen, um zufällig den gewünschten Ton zu treffen. Oder sie konzentrieren sich auf das, was sie am besten können. Letzteres ist der Weg, den die meisten deutschen Küchenhersteller beschreiten – und von dem auch Harald Klüh denkt, dass er der richtige ist. Es könne nicht darum gehen, alles zu machen, sondern darauf zu besinnen, was man wirklich kann – und diese Stärke auszuspielen.

Der eigene Weg ist der richtige

Im Grunde genommen machen die genannten Unternehmen genau das, was Harald Klüh für notwendig erachtet, um ein eigenes Profil zu etablieren und im großen Durcheinander der „Playful Diversity“ erfolgreich zu sein. „Sie machen das, worin sie jeweils gut sind, und bauen damit eine Erwartungshaltung auf, mit der eine Vorhersehbarkeit einhergeht. Wer vorhersehbar ist, schafft Vertrauen und gibt Orientierung. Ob über den Preis, das Design, die Eigenschaften, die Zielgruppe – das ist im Grunde genommen egal. Wichtig ist eine konsequente Positionierung“, so Harald Klüh in einem Fazit der Trendtour.

Mit allen Sinnen erleben

Bei Häcker Küchen besteht die Stärke darin, mit den beiden Produktlinien „systemat“ und „concept130“ Vielfalt, Durchgängigkeit, Behaglichkeit und Wohnlichkeit zu bedienen. „Die Menschen suchen nach Geborgenheit und wollen sich gleichzeitig in ihren vier Wänden verwirklichen und dabei nachhaltige Produkte kaufen.“ Diesen vielfältigen Wünschen begegnet das Unternehmen mit dem Messemotto „No Limits – unbegrenzte Möglichkeiten“. Das Zuhause mit allen Sinnen neu erleben: das sei das Ziel der aktuellen Architekturentwürfe für hochwertige Küchen und Wohnmöbel.

Willkommen in der Vielfalt

Bei Rotpunkt Küchen sieht man die Entwicklung ähnlich: „Wir sind als Variantenweltmeister bekannt“, sagt Geschäftsführer Andreas Wagner. „Hierbei folgen wir nicht blind jedem Trend, sondern versuchen den verschiedensten Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden. Prozesse und Angebote werden dabei stets erweitert, verbessert und neu überdacht, denn auch wenn ‚keine neuen Blumen’ dabei sind, gilt es den gesamten Strauß stetig zu gießen und wachsen zu lassen.“ Man besinnt sich also auch hier auf die eigenen Stärken. „welcome home“ lautet das Motto des Unternehmens, und dabei stehen auch Räume über die Küche hinaus im Fokus. Ganz neu etwa das Ankleidezimmer. Für den Hersteller spielt die Funktion eine wichtige Rolle: Das Ankleidezimmer orientiert sich logisch an der Planung einer Rotpunkt Küche und nutzt die Stärken des Küchenprogramms, muss aber gleichzeitig mit eigenständigen Lösungen die individuellen Bedürfnisse dieses speziellen Einsatzzweckes erfüllen. Das tut es zum Beispiel mit einem vertikalen Lichtsystem, das sich durchgehend in der kompletten Höhe in den Korpus integriert.

Architektonische Gestaltung

LEICHT konzentriert sich auf den Raum Küche und damit auf seine Kernkompetenz – fasst den Begriff aber sehr weit. „Die Kompetenz, Innenräume architektonisch zu gestalten sowie zeitlose und formschöne Produkte zu lancieren, ist ein Kernelement der Architekturmarke LEICHT“, sagt Vorstandsvorsitzender Stefan Waldenmaier. „Mit der neuen Kollektion bringen wir edle und natürliche Materialien einerseits und filigrane Strukturen andererseits in die Küche.“ Ein Beispiel dafür sei das zur Küchenmeile 2022 neu vorgestellte Regalsystem „Iconic“, welches mit seinem Lichtkonzept und einer von der Wand abgelösten Struktur eine filigrane und sehr elegante Wirkung erzeuge. „Mit diesen Entwicklungen begleiten wir die Nachfrage nach zeitlosen Besonderheiten im gehobenen und sehr individuellen Markt“, so Waldenmaier.

Gleichzeitig opulent und reduziert

SieMatic schaut traditionell ebenfalls auf die gehobenen Gefilde der Küchen- und Raumplanung. In der aktuellen Kommunikation arbeitet das Unternehmen daran, den Anspruch an Luxus aus dem Elfenbeinturm einer elitären Zielgruppe zu befreien und individuell zugänglich zu machen. Das prägt auch die neue Stilwelt „SieMatic Mondial“. Gleichzeitig opulent und reduziert eröffnet „Mondial“ eine neue Welt, in der das Segment der Premium- und Luxusküchen sich nicht um oberflächliche Statussymbole dreht. Kunden, so heißt es bei SieMatic, möchten von Marken inspiriert und emotional angesprochen werden. Sie suchen nach Marken, die ihnen helfen, ihre eigene Individualität zum Ausdruck zu bringen und deren Werteverständnis zu ihren eigenen Überzeugungen passt. Die neue Stilwelt verbindet die Schlichtheit geometrischer Formen mit der Opulenz ausdrucksstarker Materialien. Das Zusammenspiel von Material, Form und Farbe verleiht der Küche eine erstaunliche Präsenz. SieMatic kann aber auch das exakte Gegenteil: So nimmt sich das Grifflos-Konzept „SLX“ vornehm zurück und überzeugt dabei umso mehr durch Eleganz und Stil.

Im Haus der Marken

Auf Hochwertigkeit setzt Störmer Küchen. Unter der Leitidee „Home of the Brands“ entwickelt der Hersteller exklusive Programme für Ostermann (Sansibar), Villeroy & Boch, Studio Becker und Musterring. Mit dem diesjährigen Messethema „DVD“ – direkt, vertikal integriert, digital – greift Störmer dabei die Smart Kitchen auf und führt darüber hinaus eine neue Korpushöhe ein. Für Eleganz sorgen in der neuen Kollektion Jalousieschränke in frontgleicher Ausführung und eine Verringerung des Frontspaltmaßes.

Nachhaltige Produkte sind gefragt

Ästhetik, Vielfalt und Funktion sind elementare Designaspekte. Parallel wird ein weiteres Thema immer wichtiger: die Nachhaltigkeit. Ganz vorn dabei ist, wer nicht nur strategisch darüber spricht, sondern konkrete Projekte dokumentiert oder sogar Produkte mit hohem Anspruch an Nachhaltigkeit kreiert. Bei Sachsenküchen hat man diese zum Messethema gemacht: Mit „Green Living“ nimmt der Küchenmöbelhersteller eine vielschichtige und facettenreiche Perspektive zum Thema ein. Für die aktuellen Neuheiten setzt das Unternehmen auf natürliche Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen – und vereint hochwertiges Design mit einem hohen Maß an produktspezifischer Funktionalität. So wird die einzigartige Haptik von Linoleumoberflächen mit der Ästhetik matt gewachsten Holzes zusammengebracht. Innovative Lichtkonzepte sorgen für eine spannende Optik. Auch seitens der Produktion setzt das Unternehmen auf Verantwortung: Seit Anfang 2022 ist Sachsenküchen als CO 2-neutraler Hersteller zertifiziert.

Der Raum prägt die Bewohner

Die Aufgabe der Möbelbranche sieht Harald Klüh zunächst wenig romantisch: „Möbel sind schlicht und ergreifend dafür da, den Siebensachen, die jeder zuhause hat, einen Platz zu geben.“ Das ist die technische Seite – es gibt aber auch noch eine weitaus wichtigere: die emotionale. „Welches Gefühl sucht der Kunde: Will er zu einer Community gehören? Oder ein exklusives Stück haben? Diese Positionierungen funktionieren über Emotion. Im Fall der Möbelindustrie, auch für Grass, bedeutet das: Wir müssen Technik emotionalisieren.“ Wenn, wie Forscher an der University of California herausgefunden haben, 80 Prozent unserer Wahrnehmung unbewusst erfolgen, „wieso fokussieren wir uns dann so sehr auf rationale Argumente?“. Der emotionale Nutzen müsse deutlich in den Vordergrund gerückt werden. Mit einer Botschaft wie dieser: Wir, die Hersteller und deren Zulieferer, machen dir, Küchennutzer und Wohnenden, das Leben schöner, angenehmer und komfortabler. Du musst dir keine Gedanken darüber machen, Ordnung zu schaffen – mit unseren Lösungen geht das fast von selbst. „Aus diesen Gedanken“, so Klüh, „entstehen die Anforderungen an Design und Funktion – nicht andersherum.“ Letztendlich gehe es darum, die Wirkung, die ein Raum auf seine Bewohner hat, im Blick zu haben: „Es gibt ein altägyptisches Sprichwort, in dem es heißt, dass das Haus das Verhalten des Bewohners prägt.“ Da ist für ihn etwas dran. Die Verhältnisse prägen schließlich auch das Verhalten und schlussendlich die Haltung. Wenn man das bedenkt, kommt der Möbelindustrie eine wichtige Rolle zu: „Design, die Gestaltung von Oberflächen wie auch die Wahl von Farben und Materialien avancierten nämlich zu maßgeblichen Einflussfaktoren. Sie beeinflussen das Lebensumfeld. Und dessen Wirkung kann wiederum den Menschen in mancherlei positiver Hinsicht beeinflussen.“ Das sei das verbindende Element in der „Playful Diversity“ – und was den Kunden darüber hinaus angeboten wird, hänge von der Positionierung des jeweiligen Herstellers ab. „Für die Diversität sorgt der Endkunde selbst“, resümiert der Produktdesigner, „indem er kombiniert, mit Accessoires arbeitet und sich die Küche schafft, in der er sich wohlfühlt.“