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Ein bunter Themen-Strauß


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 43/2019 vom 26.10.2019

Der traditionelle Straelener Schnittblumentag stand in diesem Jahr – bei einem vorgezogenen Termin Anfang Oktober – ganz im Zeichen von Sortimenten und deren Entwicklungen. In weiteren Themenblöcken ging es um Pflanzenschutz und Betriebsmanagement. VonTherese Backhaus-Cysyk


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Bildquelle: TASPO, Ausgabe 43/2019

@@Peter Tiede-Arlt (links) erklärte den Nerinenversuch in Rinnen zur Vermeidung bodenbürtiger Schaderreger.


E inen bunten Strauß hatten Andrew Gallik und Peter Tiede-Arlt mit ihrem Team vom Versuchszentrum Gartenbau Straelen für den Schnittblumentag zusammengestellt, der mit Freilandstauden, Sommerblühern, aber auch bekannten ...

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E inen bunten Strauß hatten Andrew Gallik und Peter Tiede-Arlt mit ihrem Team vom Versuchszentrum Gartenbau Straelen für den Schnittblumentag zusammengestellt, der mit Freilandstauden, Sommerblühern, aber auch bekannten Schnittblumen und Gehölzschnitt „gebunden“ war.

Den Auftakt übernahm Wolfgang Schorn vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen Gartenbauzentrum Geisenheim, der mit seinem Team seit 2012Hydrangea auf Schnitt-Eignung testet (Haltbarkeitstest bei 20 Grad und 1.000 Lux). „Die Kulturverfahren sollen in kleineren/mittleren Betrieben umgesetzt werden können und Marktpotenzial besitzen“, erklärte Schorn. „Die erste Hürde: Sorten, die wir aufnehmen, müssen mindestens zehn Tage in Leitungswasser ohne Zusatz haltbar sein. Wir liefern über einen regionalen Schnittblumen-Großhändler auf dem Blumengroßmarkt Mainz an, die Stiele stehen in Wasser mit Zusatz von Blumenfrischhaltemittel (BFH) Professional clear.“

Ergebnisse im Detail:Hydrangea macrophylla ‘Magical Chrystal’, ‘Colour Fantasy’ und ‘Sapphire’ ohne Bewässerung und Schatten – von 2006 bis 2012: ohne Erfolg, weil zu heiß, zu hell, zu trocken. Fazit: bestimmt gut in der Schattenhalle, besser mit Tropfbewässerung.

Hydrangea paniculata ab 2012 im Versuch. Je zwölf Pflanzen ‘Limelight’, ‘Kiyushu’ und ‘Tardiva’, Ernte und Haltbarkeitstests ab 2014. ‘Limelight’: bei 20 Grad Tagesmitteltemperatur (TMT), zwölf Tage Vasenleben, bei höheren Temperaturen nur fünf bis sieben. Im Zweifel: reifer ernten. Je Pflanze wurden zwischen 23 und 38 Stiele geerntet, Erzeugerabgabepreis 0,75 Euro pro 50-60cm-Stiel, 0,95 Euro pro > 70cm-Stiel. Ein paralleler Tastversuch in Containerkultur brachte wesentlich höhere Erträge mit kontinuierlicher Fertigation über Tropfbewässerung. Sortierung und Nachernteschnitt: Starker Rückschnitt auf zwei Knospen führt zu langen, kräftigen Trieben mit großen Rispen; mittelstarker Rückschnitt auf vier Knospen – mittlere Qualitäten; schwacher Rückschnitt auf mehr als sechs Knospen – schwache und viele Stiele.

Hydrangea paniculata ‘Kiyushu’ mit großen offenen Rispen und wenig sterilen Blüten (gut für Insekten) reagiert positiv auf starken Schnitt. Die Sorte wurde bislang nicht verkauft. Etwa 14 Stiele je Pflanze seien möglich, erklärt Schorn.

Hydrangea paniculata ‘Tardiva’, vermutlich identisch mit ‘Floribunda’, zeigt ebenfalls große offene Rispen mit wenig sterilen Blüten, rieselt stark und brachte rund 16 Stiele je Pflanze, bisher kein Verkauf. Als neue interessante Sorten beiPaniculata nannte Schorn ‘Pinkachu PW’, ‘MontBlanc’, ‘Vanille Fraise’, ‘Candlelight’, ‘Early Sensation’ und ‘Magical Candle’.Hydrangea quercifolia von 2006 bis 2012 Kümmerwuchs, ab 2012 Standort im Halbschatten, ab 2015 Tropfbewässerung und Fertigation, seit 2017 regelmäßige Ernte mit Stiellängen 60/70 und 80/90. 35 Stiele pro Pflanze zu 0,56 Euro (rund 20 Euro/Pflanze), zwei bis drei Wochen Vasenleben mit Chrysal.

Hydrangea arborescens: ‘Annabelle’ Versuchsbeginn 2012, Standortwechsel 2015, dazu zum Vergleich: ‘Pink Annabelle’, rund 45 Stiele à 0,65 Euro je Pflanze, bei bis zu drei Ernten (rund 35 Euro/Pflanze). Freilandstiele etwas kürzer als vom Container. Vasenleben: 17 Tage mit Chrysal. ‘Pink Annabelle’: Versuchsbeginn 2015, rund 35 Stiele à 0,38 Euro je Pflanze im Freiland (rund 13,30 Euro/Pflanze), etwa 80 Stiele à 0,38 Euro im Container bei bis zu zwei Ernten (rund 30 Euro/Pflanze), Vasenleben: 13 Tage mit Chrysal.

Fazit: Kunden müssen die Produkte erst einmal kennenlernen. Schorn riet, Verwendungsbeispiele zu zeigen und forderte Geduld und eine vorsichtige Mengendisposition, um den Markt nicht zu überschwemmen. Allerdings müsse regelmäßig geerntet werden, um die Produktivität zu erhalten. „Ein Nachernteschnitt sichert die Erträge für das nächste Jahr.“ Eine jährliche Ernte oder zumindest der Rückschnitt verhindere ein Vergreisen.


„Wir haben Sommerblumen nach einem Erntekalender zusammengestellt, die sich mithilfe eines Tunnels sehr gut verfrühen lassen.“


Marion Jentzsch, Dresden-Pillnitz

Nerine: Neue Methoden

Seit den 70er-Jahren war das AmaryllisgewächsNerine (Guernseylilie) völlig vom Markt verschwunden. Heute ist sie wieder ein Nischenprodukt aufgrund der langen Vasenhaltbarkeit und der puristischen Blütenform, zeigte Peter Tiede-Arlt auf. Klassisch war eine Bodenkultur, schwierig eine sichere Blüte. 2017 lief in Straelen der erste Testversuch in Rinnen in reinem Perlite und auf Tulpen-PIN-System, dabei kam es zur Vernässung und zu Ausfällen. 2018 wurdenNerine bowdenii ‘Favourite’ mit 125 Pflanzen/Nm2 undAmarine belladiva ‘Anastasia’ mit 69 Pflanzen/Nm2 in Lecaton (Blähton) und Pinienrinde (Orchideensubstrat) im Erdbeercontainer (70 × 20 × 12 cm) in Netze gepflanzt. Düngung mit einem ausgeglichenen Mehrnährstoffdünger mit 1,2–1,8 EC. Die Wurzelbildung war nach drei Wochen in beiden Substraten vergleichbar, der Wuchs gut.

Ertrag der Nerinen-Stiele in Lecaton 53, im Orchideensubstrat 63.Amarine in Lecaton 16, in Orchideensubstrat 10. „Das Wurzelbild zeigte sich in Lecaton feiner verzweigt und faseriger als im Orchideensubstrat. Dort gab es weniger dicke Wurzeln, die aber gesund waren.“

Während des Schnittblumentages konnten die Teilnehmer den Versuchsaufbau mit der Pflanzung von 2019 im Gewächshaus begutachten. „Während der Hitze hatten wir leichte Virusprobleme, die wieder abgeklungen sind, als es kühler wurde“, zeigte Tiede-Arlt auf. Bei derAmarine wird derzeit fleißig geerntet. „Im Orchideensubstrat haben wir mehr Blütenstiele als im Lecaton.“ Anfang August (KW 34) wurde das Laub entfernt, zur einfacheren Ernte.

Aktuell wurde ein starkes Ausbeulen der Container beobachtet aufgrund des Zuwachses der Brutzwiebeln. Spätestens nach zwei Jahren sollten die Pflanzen daher aus den Containern umgepflanzt werden. Bei beiden Substraten war die Zwiebelbildung erfolgreich.

So geht der Versuch weiter: Die Zwiebeln werden aus dem Substrat genommen und lose gekühlt. Bei Untersuchungen soll geprüft werden, ob das Abschneiden des Laubes vor der Blüte Einfluss auf die Pflanzenentwicklung nimmt.

Freilandschnitt

Im Vortrag „Sortimente und Anbautipps für den Freilandschnitt“ von Marion Jentzsch, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Dresden-Pillnitz), wurde es bunt. Geeignet für die Eigenproduktion im Freien sind einoder zweijährige Schnittblumen sowie Stauden. Bei den Einjährigen erfolgt die Vorkultur im Gewächshaus meist vier bis sechs Wochen vor der Pflanzung. In Pillnitz wurde in KW 20 gepflanzt. Eine Grunddüngung erfolgt nach Bodenuntersuchung. Gepflanzt werden 20, 24, 32 oder 48 Pflanzen/m2 je nach Kultur in Netze. Kräftiges Angießen und eine ausreichende Bewässerung während der Kultur sind wichtig. Meist wird noch ein- bis zweimal eine Kopfdüngung durchgeführt. Daneben sind Unkrautmanagement, Ernte (Erntestadium nach Art/Sorte und Vermarktungsweg) sowie der Transport (Nasstransport und -lagerung, Frischhaltemittel) weitere Arbeitsschritte in der Kultur.

Als Beispiele (mehr unterwww.landwirtschaft.sachsen.de/zierpflanz ensorten ) bei den Einjährigen stellte Jentzsch die Kornblumen ‘Blue Diadem’, ‘Goliath Blue’ und ‘Classic Magic’ vor, die gute Qualitäten bringen. Gewinner in warmen Sommern sind Artischocken (Cynara cardunculus ). Neue großknospige Sorten brauchen keine Kühlung mehr und blühen bereits im Jahr der Aussaat.

Sehr gut remontiert die MöhreDaucus carota ‘Dara’ mit altrosa Blüte und rund 48 Zentimeter langen Stielen, die acht bis 15 Tage halten. Etwas kälteempfindlich, aber mit schönen kugeligen Blüten gefallenGomphrena globosa und G.haageana, die in der Vase mit BFH bis zu drei Wochen haltbar sind und nicht verblassen.

Zweijährige Schnittblumen bleiben im ersten Jahr vegetativ, benötigen eine längere Wachstumszeit, gelangen erst im zweiten Jahr zur Blüte und Samenreife. Notwendig sei bei ihnen meist eine Kältephase, die Dauer sei verschieden, oft drei bis fünf Wochen bei 0,5 bis fünf Grad. Die Tageslänge hat Einfluss.

Bei den Zweijährigen stellte JentzschCampanula medium vor, die sich nach ihren Erfahrungen problemlos aussäen und mit Abdeckung rund vier Tage früher ernten lassen sowie durch Stutzen gleichmäßigere Stiele erhalten.

NebenDianthus barbatus – „funktionieren nicht ohne Pflanzenschutz“ – zeigte sieErysimum cheiri, „mit Abdeckung rund eine Woche frühere Ernte und mit BFH zwölf und damit vier Tage längere Vasenhaltbarkeit“,Papaver nudicaule „mit toller Fernwirkung und schönen, langen Stielen, die jeden Tag geerntet und gleich in Wasser gestellt werden müssen“, bis hin zuDigitalis purpurea .

Beim Thema Stauden für den Schnitt zeigte Jentzsch anhand eines Versuchs, der sich in der Praxis umsetzen lässt, wie 22 Stauden vonEuphorbia amygdaloides ‘Purpurea’ bisLiatris spicata auf 106 m2 unter einem Tunnel (Lochfolie 500 Loch/m2) in Reihe – nach Erntezeitpunkt von April bis August – aufgepflanzt wurden. Rund 400 Stiele pro Staudenart lassen sich nach ihren Auswertungen ernten. Die Verfrühung durch die Übertunnelung betrug sieben Tage. Als Direktkosten für den Beispieltunnel errechnete Jentzsch rund 670 Euro/Jahr. Direkt zurechenbare Arbeitskosten betrugen rund 1.900 Euro. ■


Therese Backhaus-Cysyk