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Ein Chor für Mrs Moring


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Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 20.12.2021

RD-KLASSIKER DEZEMBER 1995

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Bildquelle: Reader´s Digest Deutschland, Ausgabe 1/2022

DANNY MORING HATTE es sich in der abendlichen Stille seines Hauses in Charles ton im US-Bundesstaat South Carolina im Arbeitszimmer gemütlich ge macht. um sich die 23-Uhr- Nachrichten anzuschauen. Die Kinder waren zu Bett gebracht. Seine Frau Allyson, die unter einer schweren Grippe mit Fieber, Krämpfen und Übelkeit litt, schlief im entferntesten Teil des Hauses, um die Familie nicht anzustecken.  

Plötzlich hörte Danny ein seltsames Schlurfen aus der Küche. Er stand auf und sah nach. Da lag Allyson zusammengerollt auf dem Fußboden. Sie hatte sich von ihrem Schlafzimmer bis in die Küche geschleppt und streckte nun mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hände nach ihm aus. „Danny, hilf mir. Ich sterbe“, keuchte sie zähneklappend.

Ihr Mann war starr vor Schreck. Mit Ausnahme einer Bandscheibenoperation vor Kurzem hatte der 36-jährigen Allyson nie etwas gefehlt. Erst am Vortag ...

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... waren sie und Danny mit den Kindern, der neunjährigen Elizabeth und dem einjährigen Robert, von einem Campingausflug nach Hause zurückgekehrt.

Danny sah seine Frau an: Die Haut an Händen und Zehen war violett verfärbt. Er trug sie zurück ins Schlafzimmer und rief den Notarzt an. Dann strich er ihr über das am Gesicht klebende feuchte, schwarze Haar und drückte ihren eiskalten Körper an sich. „Ich habe noch nie solche Schmer zen gehabt“, wimmerte Allyson. „Es ist, als ob mich überall Nadeln stechen würden.“

Als das Notarztteam wenige Minuten später eintraf, war ihr Blutdruck nicht mehr messbar. Sie wurde auf eine Trage gelegt und aus dem Haus ge bracht.

Danny stand an der Tür und sah dem Kranken wagen nach, wie er im Dun keln verschwand. Er fühlte sich schwach. Wie konnte so etwas ausge rechnet Allyson zustoßen? Er rief seinen Vater an und bat ihn, auf die Kinder aufzupassen, die tief und fest schliefen.

STRECKT DIE ZUNGE so weit heraus, wie ihr könnt“, hatte Allyson noch we nige Tage vor ihrer Erkrankung bei der Chorprobe zu ihren Schülern gesagt. „Wir machen jetzt Stimmübungen.“ Dann ließ Mrs Moring, wie sie in der Schule hieß, als Erste ihre Zunge aus dem Mund hängen und stimmte fröhlich das „A-a-a-a“ an. Ein fürchterli ches kehliges Krächzen, vermischt mit nervösem Kichern, schallte durch den Musikraum.

„Jetzt kann es losgehen!“, rief Mrs Moring. Die Nasenhöhle der Sänger war geöffnet, der Stimmumfang hatte sich vergrößert, und – was vielleicht am wichtigsten war – das Lachen hatte sie alle vereint. Sie fixierte die 50 ju gendlichen Gesichter und hob die Arme. Mit einer knappen Handbewe gung gab sie das Zeichen, und der Chor setzte wie mit einer Stimme ein.

UNSER KLASSIKER DES MONATS …

wurde diesmal von Musikredakteurin Bianca Karchow ausgewählt: „Diese Geschichte zeigt eindrücklich, wie plötzlich und unbarmherzig ein harter Schicksalsschlag jeden Menschen treffen kann. Zugleich zeigt er aber auch etwas sehr Schönes – nämlich Menschen, die füreinander da sind. Das hat mich sehr berührt und mir wieder einmal bewusst gemacht, was wirklich wichtig ist im Leben.“

Mit ihrer guten Laune und ihren freundlichen blaugrauen Augen hatte Mrs Moring die Herzen ihrer Schüler in der Bishop-England-Oberschule erobert. Beim Dirigieren umspielte selbst in Augenblicken höch ster Konzentration ein kleines Lächeln ihr Gesicht.

Seit ihrer frühesten Kindheit liebte Allyson Moring, die älteste von fünf Schwestern, die Musik. Mit fünf Jahren hatte sie mit dem Klavierunterricht begonnen, und später waren Gesangs stunden dazugekommen.

Als Lehrerin war sie davon überzeugt, dass die Mu sik das Leben zum Besseren wenden und die emotionale Entwicklung fördern könne, dass sie alle guten Seiten des Daseins – die ernsten wie die hei teren – aufwerten und auch über die schwierigsten Zeiten im Leben hinweghelfen könne. Allyson Moring war in jeder Hinsicht eine glühende Ver fechterin der Kraft der Musik.

FÜR DAS WEIHNACHTSKONZERT 1994 hatte sich Mrs Moring mit ihrem Chor eines der selbst für Erwachsene schwierigsten Stücke, das Halleluja aus Händels Messias, vorgenommen. Es sollte den Höhepunkt des Schul konzerts bilden.

16 Wochen lang hatten die Jungen und Mädchen nach der Schule ge probt, einfachere Stücke ausgefeilt und an Händels Meisterwerk gearbei tet. Als Mrs Moring wegen ihrer Rückenoperation ausfiel, hatte die 17-jährige Katherine Allen sie vertreten, die einen Dirigentenkurs absolviert hatte.

Aber dem zierlichen Mädchen mit dem langen blonden Haar war die Leitung eines so großen Chors schwergefallen. Sie hatte sich eingeredet, als Dirigentin versagt zu haben, und geschworen, von nun an nur noch zu singen und den Taktstock anderen zu überlassen.

Als Allyson Moring die Proben wieder aufnahm, schmälerte den Erfolg ihrer Operation nur eine bakterielle Infektion, gegen die sie Antibiotika bekam. Am Samstag vor Thanksgiving beendete sie die Therapie. Wenige Stunden später legte sie sich mit Grippe – wie sie dachte – ins Bett.

ALS DANNY MORING im Krankenhaus ankam, erfuhr er den niederschmetternden Befund. Der Organismus sei ner Frau war von einem der ältesten Feinde der Medizin, einer Blutvergiftung, befallen. Sie hatte einen septischen Schock, bei dem Krankheitserreger den Organis mus überschwemmen und lebenswichtige Organe ihre Funktion einstellen.

Ein Arzt nahm Danny beiseite und riet ihm, die Familie zusammenzurufen. Es bestand wenig Hoffnung, dass Allyson die Nacht über leben würde.

Wie betäubt fuhr Danny nach Hause. Er setzte sich zu Elizabeth ans Bett, küsste sie sanft auf die Stirn und weckte sie.

„Wo ist Mama?“, wollte sie wissen. Sie blickte ihn verwirrt an. „Genauso graublaue Augen wie die von Allyson“, dachte Danny.

„Mama ist im Krankenhaus“, antwortete er. Tränen liefen ihm über die Wangen.

„Muss Mama sterben?“, fragte seine Tochter mit zitternder Stimme.

„Lizzie ...“, sagte er, „das könnte sein. Aber wir wollen Gott bitten, uns beizustehen, und so fest beten wie noch nie.“ Vater und Tochter fielen sich in die Arme. Mit ihrem zarten Stimmchen flehte Elizabeth zu Gott, ihre Mutter gesund zu machen. Dann deckte Danny sie zu. Das Kind weinte sich in den Schlaf.

ALS DANNY MORING wieder ins Krankenhaus kam, war unter den Ärzten, die sich um Allyson kümmerten, auch ihr Va ter, der Kinderarzt Allen Harrell. Während ihre Mutter und ihre Schwe stern um ihr Bett standen, fassten Danny und Dr. Harrell sie an den Händen. Der Gemeindepfarrer Pater Timothy Watters hielt sich bereit.

Allyson öffnete für einen Moment die Augen und blickte zu ihrer Familie und Pater Watters. „Allyson, Liebes“, sagte ihr Vater, „du bist sehr krank. Es könnte uns allen helfen, wenn Pater Watters dir die Krankensalbung spenden würde.“

„Werde ich sterben?“, fragte Ally son. „Liebes“, sagte Dr. Harrell und drückte ihr sanft die Hand, „das soll uns die Kraft geben, die wir brauchen, um den Blick nach vorn zu richten.“

Tränen traten Allyson in die Augen, und sie schloss die Lider. Dann salbte der Priester ihre Handflächen und Stirn mit Öl.

KATHERINE ALLEN bahnte sich in der Pause einen Weg durch die vollen Korridore der Schule. Plötzlich stand sie Jessica Boulware gegenüber, einer jüngeren Schülerin aus dem Chor. Sie sah es Jessica an, dass etwas Schreckliches passiert war.

„Das ist nicht wahr!“, rief Katherine, als sie alles erfahren hatte. „Mrs Moring kann unmöglich so krank sein.“

„Doch“, erwiderte Jessica. „Sie hat die Krankensalbung empfangen.“

Fassungslos starrten sich die beiden Mädchen an. Ein Gefühl der Verlassenheit überkam sie. Lag Mrs Moring wirklich im Sterben? Und was sollte aus dem Weihnachtskonzert werden?

Am nächsten Nachmittag traf sich die Chorgruppe. Die letzten Berichte aus dem Krankenhaus klangen ernst. An das Weihnachtskonzert, das schon in zehn Tagen stattfinden sollte, war kaum zu denken. Vor allem aber, was konnten sie jetzt für Mrs Moring tun? Jessica Boulware hatte eine Idee.

DIE KRANKHEIT verschlimmerte sich. Anfangs hatte das Weihnachtskonzert Allyson im Delirium noch beschäftigt. Dann reagierte sie überhaupt nicht mehr und musste künstlich beatmet werden. Durch die Vergiftung schwoll ihr Körper so stark an, dass die Augen kaum mehr zu sehen waren.

Danny hielt gerade an ihrem Bett Wache, als zwei Lehrerkollegen, Barbara und John McPherson, auf die Intensivstation kamen und ihm ein Ton band gaben. „Von Allysons Schülern“, erklärte Barbara. Danny schob die Kassette in einen Rekorder und schaltete ihn ein. Plötz lich erfüllten fröhliche Jungen­ und Mädchenstimmen den kleinen Raum.

Er sah Allyson an und betete, dass diese Stimmen, die sie so gern hatte, zu ihr durchdrangen. Als dann der wunderschöne Refrain eines ihrer Lieblingslieder erklang – „Hörst du, was ich höre? ... Hörst du, was ich höre?“, machte sein Herz einen Satz.

Während Danny Gott anflehte, Allyson die Musik hören zu lassen, stimmte der Chor plötzlich das Halleluja an. Was dann geschah, überraschte ihn doch. Allysons Augenlider zuckten, und er spürte deutlich den Druck ihrer Hand. In ihrem Gesicht glaubte er ein winziges Lächeln zu erkennen. Vor Erleichterung kamen ihm die Tränen. Das Tonband würde er ihr jetzt immer wieder vorspielen.

Dann fasste ihn jemand an die Schulter. Es war sein Schwiegervater. „Danny“, sagte Dr. Harrell, „ich möchte nicht, dass du dir Hoffnungen machst. Nur ein Wunder kann Allyson retten.“

Aber es geschah kein Wunder. Nach einigen Tagen kam eine Lungenentzündung hinzu, und ihr Zustand verschlechterte sich weiter.

MRS MORING hat gelächelt, als sie das Tonband hörte!“, rief ein Mädchen, als Katherine am nächsten Tag in den Musikraum kam. Der Hoffnungsfunke entfachte im Chor ein Feuer der Begeisterung.

„NUR EIN WUNDER KANN ALLYSON RETTEN“, SAGT DR. HARRELL

„Wir müssen das Konzert geben“, erklärte Jessica. Aber wer sollte es leiten?

Alle Augen waren auf Katherine gerichtet. „Auf keinen Fall“, sagte sie. „Ich kann das nicht.“

Doch alle Bemühungen, einen ande ren Dirigenten zu finden, waren verge bens. Einmal redete Katherine bis ein Uhr nachts mit ihrer Mutter. Sie blieb dabei: „Ich bin keine Dirigentin.“ Aber sie musste immer wieder an Mrs Moring denken. An ihren En thusiasmus, mit dem sie auch die Sänger angesteckt hatte, und an das schöne Gefühl, wenn sie gemerkt hatten, dass sie über sich hinauswuchsen.

Am nächsten Morgen verkündete Katherine ihren Eltern: „Ich habe mich entschlossen, das Konzert zu leiten.“

Die Proben wurden wiederaufgenommen. Katherine arbeitete mit dem Chor an jedem Ton, am Tempo, an den Soli. Doch das schwierigste war, die Stimmen beim Halleluja zusam menzuhalten.

„Der Alt kommt immer wieder raus“, erzählte sie ihren Eltern frustriert. „Ich weiß nicht, wie das al les klappen soll.“ Nachts träumte sie von ihrem Versagen.

Die Proben wurden auch von schlechten Nachrichten aus dem Krankenhaus überschattet. Bei jeder Hiobsbotschaft fing irgend jemand an zu weinen. Katherine hatte Angst.

REIN UND KLAR STEIGT HÄNDELS HALLELUJA IN DIE HÖHE

AM 8. DEZEMBER öffnete Charlestons herrliche Episkopalkirche ihre Pforten für das Weihnachtskonzert der Bishop­England­ Oberschule. Es hatte sich herumgesprochen, dass die Schüler den Traum ihrer Lehrerin verwirklichen wollten. Mehr als 500 Zuhörer drängten sich auf den Bänken und im Vorraum.

In einem anderen Teil der Kirche übte Katherine mit dem Chor ein letztes Mal die schwierigen Stellen. Dann bat sie um Ruhe. „Wir beten jetzt zusammen für Mrs Moring“, sagte sie. „Danach gehen wir hinaus und machen sie stolz auf ihren Chor.“ Als sie mit dem Vaterunser begann, hörte sie Schluchzen. Auch sie rang um Fassung. Anschließend wandte sie sich noch einmal an die Sänger. „Wir dürfen uns jetzt nicht gehenlassen“, erklärte sie, „sonst leidet die Aufführung darunter. Ihr müsst euch sagen, dass ihr für Mrs Moring singt. Es soll das schönste Konzert werden, das wir je gegeben haben.“

Mit Kerzen in der Hand schritt der Chor zu dem Lied O Holy Night durch das dunkle Kirchenschiff zum Altarraum. Dann gingen die Lichter an. Katherine erkannte Mrs Morings Familie in den ersten Reihen; in ihren Gesichtern schimmerte dieselbe Hoffnung, die auch die Sänger inspirierte.

Sie zwang sich zur Ruhe, blickte ins Publikum und erklärte, dass die Chorleiterin lebensgefährlich erkrankt sei. „Deshalb widmen wir das Konzert Mrs Moring in der Hoffnung, dass sie bald wieder gesund wird.“

Dann drehte Katherine sich um und gab mit großer Sicherheit den Einsatz. Als die Stimmen die bekannten Weisen intonierten, wuchs ihr Selbstvertrauen. Doch ein Gedanke beschäftigte sie: „Kann ich den Chor beim letzten Stück zusammenhalten?“

Als die ersten gewaltigen Orgeltöne zum Halleluja erklangen, holte Katherine tief Atem und hob die Arme. Einen quälenden Augenblick lang hielt sie an. Dann gab sie mit einer weit ausholenden Bewegung den Einsatz, und die Stimmen erhoben sich sicher und voll Gefühl. Rein und klar stieg Händels Halleluja­Crescendo in die Höhe und erfüllte Ohren und Herzen mit himmlischem Klang.

Als es schließlich still wurde, sprangen die Zuhörer auf und brachen in Beifall aus; einige weinten, andere stürmten nach vorn und umarmten die Sänger. Katherine fühlte sich erschöpft. Plötzlich schlangen sich Arme um ihre Taille. Es war Mrs Morings Tochter Elizabeth, die sie fest an sich drückte. Als Katherine in die graublauen Augen des Mädchens sah, übermannte sie die Freude.

IN DIESER NACHT saß Danny Moring etwa einen Kilometer von der Kirche entfernt am Bett seiner Frau und hielt ihre Hand, während das Tonband lief. Allysons Zustand war unverändert hoffnungslos. Danny wusste nicht ein mal, ob die Nachricht von dem gelungenen Weihnachtskonzert sie in ihrer Bewusstlosigkeit erreicht hatte.

Doch völlig unerwartet stabilisierte sich ihr Organismus in den nächsten Tagen. Lungen und Nieren arbeiteten wieder und Allyson erholte sich allmählich.

SCHON AM WEIHNACHTSMORGEN, genau 17 Tage nach dem Konzert, saß sie zu Hause in ihrem Wohnzimmer mit dem zappelnden Robert auf dem Schoß und sah zu, wie Danny und Elizabeth die Geschenke unter dem Tannenbaum hervorholten. Sie war schwach, aber auf ihrem Gesicht lag ein Lächeln.

Warum sie gesund wurde, spielt für Allyson keine Rolle. Sie weiß, dass ihr langes, qualvolles Dahindämmern von Musik erfüllt war. „Ich erinnere mich nur an Musik – und an die Stimmen, die mir ans Herz gewachsen sind.“

KURZ NACH Mrs Morings Entlassung aus dem Krankenhaus klopften Kathe rine Allen, Jessica Boulware und ei nige andere Schülerinnen aus dem Chor mit Geschenken und Blumen an ihre Tür. Als die Mädchen Mrs Moring nacheinander umarmten, überwältigten sie ihre Gefühle.

Wie vielen anderen sagte Al lyson auch ihnen, dass das Erlebnis ihren Glauben an die Macht Gottes durch die Musik und das Gebet und ihr Vertrauen in die Fähigkeit junger Menschen bestärkt habe.

Heute ist Allyson Moring wieder ge sund und damit beschäftigt, dem dies jährigen Weihnachtskonzert den letz ten Schliff zu geben. „Gott will mich hier haben“, sagt sie, „und das verlangt meinen ganzen Einsatz. Wenn das Leben die kostbarste Gabe Gottes ist, dann wurde sie den Morings nach Allysons Genesung noch einmal zuteil. Im Oktober kam ihr drittes Kind, ein Sohn, zur Welt.

Frohe Weihnachten, Mrs Moring!