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Ein eingespieltes Team


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 02.11.2022

Paarporträt

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Silke und Hansi Flick kennen sich seit ihrer Jugend. Im Juni haben sie 35. Hochzeitstag gefeiert. Links sind sie auf der Weihnachtsfeier vom FC Bayern München

Außergewöhnlich an Hansi Flicks Karriere ist zweierlei. Dass der ganz große Erfolg sich erst sehr spät einstellte, zu einem Zeitpunkt, an dem der Ruhm anderer Toptrainer oft bereits wieder verblasst, ist das eine. Er war bereits Mitte 50, als er mit dem FC Bayern sechs Titel in einer Saison gewann, darunter die Champions League und den Weltpokal. Das andere ist die Art und Weise, auf die sich der frühere Spieler zu einem der angesehensten Fußballtrainer der Gegenwart entwickelte. Denn der Schlüssel zu seinen Erfolgen liegt nicht so sehr in raffinierten Taktikplänen oder Motivationskünsten, sondern: in seiner Familie. Dass Flick ein Familienmensch ist, hat er in etlichen Interviews durchblicken lassen. Doch Familie ist für den 57-Jährigen viel mehr als Rückzugsort und Kraftquell, das Prinzip Familie ist das Fundament seiner Arbeit. Dazu zählt, dass es klare Regeln gibt, was für die ...

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... Öffentlichkeit bestimmt ist und was in der Kabine beziehungsweise in der Küche bleibt. Über sein privates Leben ist deshalb wenig bekannt. Seine Familie, das sind seine zwei erwachsenen Töchter, Hannah und Kathrin, seine drei Enkelkinder und seine Frau, Silke. Sie ist die zentrale Figur in seinem Leben. „Dass ich als Trainer befreit agiere“, sagt er, „verdanke ich zu großen Teilen ihr.“ Silke Flick, der Coach des Bundestrainers.

Die ersten Worte wechselten Silke und Hansi im Schwimmbad. Sie war damals 15 und ging noch zur Schule. Er war 18 und machte eine Lehre als Bankkaufmann. Wenig später waren sie ein Paar. „Er war ein stiller Typ damals“, erinnert sie sich. Was vermutlich auch daran lag, dass sein ganzer Ehrgeiz dem Fußball galt. Er hatte Talent, wollte etwas daraus machen und mied alles, was ihn davon abhalten könnte. Mittags kam er zu ihrer Familie nach Hause zum Essen, so konnten sie sich täglich sehen. Praktisch war es auch. Mückenloch, der Ort, in dem er aufwuchs, lag zehn Kilometer entfernt von ihrem Zuhause, in Bammental. Fast 40 Jahre ist das nun her. Sie leben noch heute dort.

Flick war 20, als sein Talent auffiel und der FC Bayern ihn als Spieler verpflichtete. Lothar Matthäus war damals der Star der Mannschaft, Silke machte eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Jeden Freitag nahm sie den Zug nach München, Sonntagabend fuhr sie zurück in den Kraichgau. Ein Jahr ging das so, dann zog sie zu ihm. Sie war jetzt Spielerfrau. Es war die Zeit, als der FC Bayern sich den Beinamen FC Hollywood verdiente. Einer von Flicks Teamkollegen war Bobby Dekeyser. Hansi konnte zunächst nichts mit ihm anfangen, der Belgier schien ihm viel zu durchgeknallt. Doch dann freundete Silke sich mit seiner Freundin an, Ann-Kathrin. Schnell waren sie beste Freundinnen, und ihre Männer hatten gar keine andere Wahl, als doch das eine oder andere Wort miteinander zu reden. Es dauerte, doch nach einer Weile schätzten sie sich. Heute sind sie beste Freunde, Dekeyser bezeichnet Flick sogar als eine Art Bruder. Vielleicht auch deshalb, weil Bobby und Hansi eine biografische Parallele verbindet: Dekeyser, der beim FC Bayern nicht über die Rolle des Ersatztorwarts hinauskam, wurde erst nach seiner Zeit als Fußballprofi richtig erfolgreich, als er die Outdoormöbelmarke Dedon gründete, inzwischen eine Weltmarke.

Flicks Zeit als Spieler endete nach einem Kreuzbandriss, mit 28 war er Sportinvalide. Auch damals verdienten Fußballprofis schon viel Geld, doch Flicks erster Impuls war es, für Sicherheit zu sorgen. Klar, auch als Spieler lagen seine Stärken in der Defensive. Er hatte zwei kleine Kinder und eine Familie zu versorgen. Silke, Hansi und ihre Töchter gingen zurück nach Bammental und zogen erst mal bei ihren Eltern ein. Flick hatte vor, als Bankkaufmann zu arbeiten, der Job, den er gelernt hatte. Bobby, der von sich sagt, dass er in allem ganz anders als Hansi sei, überzeugte ihn, das Leben ein bisschen offensiver anzugehen und etwas Neues anzufangen. Mit Erfolg. Silke und er bauten ein Sportgeschäft auf, „Hansi Flick Sport und Freizeit“. 22 Jahre lang führten sie es gemeinsam. Beide waren in ihren 40ern, als kurz nacheinander zwei Nachrichten ihr Leben erschütterten. Nach einem gemeinsamen Urlaub starb völlig überraschend Ann-Kathrin Dekeyser, Bobbys Frau und Silkes beste Freundin. Sie war 44 Jahre. Silke war so bestürzt, dass sie die nächste Schreckensnachricht kaum wahrhaben wollte. Nur ein paar Wochen später wurde Brustkrebs bei ihr diagnostiziert. „Mein Umfeld“, sagt sie heute im Rückblick, „sagte immer, ich wäre damals so tapfer gewesen, aber das war ich eigentlich gar nicht. Ann-Kathrins Tod kam so unerwartet, und es gab nichts, was man tun konnte. So sah ich es als großes Glück, dass es eine Erfolg versprechende Behandlung für mich gab.“

Silke ist in allem das ziemliche Gegenteil von ihrem Mann

Hansi Flick war damals Co-Trainer der Nationalmannschaft. Schon da war oft zu hören, wie wichtig er für das Team sei, doch die Öffentlichkeit bekam wenig davon mit. Er war loyal zu seinem Chef, spielte sich nie in den Vordergrund. Es fiel deshalb auch nicht auf, dass er sich beim DFB für eine Weile ausklinkte, um an Silkes Seite zu sein. „Bis heute“, erzählt Flick, „bewundere ich meine Frau dafür, mit welcher Ruhe und inneren Stärke sie diese Situation meisterte. Ich lag abends deutlich öfter mit Tränen im Bett als sie.“ Zwölf Jahre liegt das jetzt zurück. Aber erst heute erzählen beide davon, in seinem Buch „Im Moment“. Hier geben sie auch Einblicke, wie das „vertrauensvolle, egobefreite Miteinander“ zur Grundlage ihrer Ehe wurde – und später zum Kern seiner Arbeit als Trainer und Sportmanager. Seine großen Stärken sind sein Einfühlungsvermögen und seine Fähigkeit zu kommunizieren, beides geht auf Silke zurück. „Sie kann viel klarer über ihre Innenwelt sprechen“, sagt er. Wenn sie danach gefragt wird, klingt es ein wenig anders. „Wir sind verschieden, aber das macht unsere Beziehung aus. Seine Schwächen sind meine Stärken und umgekehrt“, sagt sie. Flick schreibt, er habe von ihr gelernt, dass es Türen öffnet, „wenn man sich anderen mitteilt. Das schafft Verbindungen, kann Mut machen, im Idealfall bei anderen einen Gedanken auslösen, der für eine neue Haltung sorgt oder ein bewussteres Handeln und eine neue Perspektive. Für eine Veränderung im Leben.“ Dass der jetzige Bundestrainer seine Mannschaften wie eine Großfamilie führt, beruht auf Einsichten wie dieser. In seinem Buch gibt er ein Beispiel, wie er das Prinzip auf seine Mannschaft überträgt. Die Regel, schreibt er, „dass man in der Familie etwas nicht sagen darf, gab es bei uns nicht. Indem Kinder ihre Gedanken uneingeschränkt preisgeben, ohne Angst haben zu müssen, können sie sich frei entfalten und ihr Innenleben ergründen.“ Mit seinen Spielern verhalte es sich ganz ähnlich. „Sie wünschen sich eine faire Behandlung und ehrlichen Umgang und wollen für das Gute in ihnen angenommen werden. Wenn das gegeben ist, blühen sie oft auf “, schreibt Flick.

Ob das wieder klappen wird? In ein paar Wochen wissen wir mehr. Falls ja: immer daran denken, wer der Coach des Bundestrainers ist.