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„EIN ELEKTRO-AUTO MUSS BEGEISTERN“


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 13/2022 vom 31.03.2022

ERKLÄREN / LADE-TALK

Artikelbild für den Artikel "„EIN ELEKTRO-AUTO MUSS BEGEISTERN“" aus der Ausgabe 13/2022 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 13/2022

Der Weg zum „Lade-Talk“ ist über 400 Kilometer lang und führt von Köln zur Messe nach Nürnberg. Audi hat dort seinen ersten „Charging Hub“ errichtet – einen Ladepark der luxuriösen Art, mit stylisher Wartelounge, Photovoltaik-Anlage und sechs 320 kW-Ladern, die sich per App reservieren lassen. Als wir mit unserem Stromer im Schneetreiben auf den weißen Kubus zurollen, dockt dort gerade ein Audi e-tron GT mit Heilbronner Zulassungen an – ein Werkswagen, wie der Fachmann erkennt. Am Steuer eine junge Frau in dunklem Gewand und mit hellem Lachen: Christiane Zorn, die Leiterin des Produktmarketing der Audi AG. Die Antriebswende, merken wir bald, treibt sie auch ganz persönlich um.

Hallo Frau Zorn, die Lackierung Ihres Autos erinnert mich an meine Bundeswehr-Zeit. Sind Sie getarnt unterwegs?

Dieses Fahrzeug muss man definitiv nicht verstecken. Der Farbton heißt Taktikgrün. Ich finde ...

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... ihn sehr schick.

Und ganz flott, vermute ich mal.

Richtig. Das ist ein Audi RS e-tron GT, mit 646 PS im Boost-Modus und einer Beschleunigung von 3,3 Sekunden auf Tempo 100.

PS? Kilowatt sind die neue Währung.

Das stimmt, aber ich finde die Zahl 646 so schön und viele unserer Kunden denken noch in PS.

Wie lange fahren Sie den RS schon?

Schon eine ganze Weile. Ich habe das Glück, dass ich aufgrund meiner Funktion regelmäßig und früh neue Autos fahren und erproben darf. Mein RS e-tron GT ist eines der ersten von 20 Fahrzeugen unserer internen Testwagenflotte. Ich habe ihn bekommen, noch ehe wir die ersten Autos an Kunden ausgeliefert haben.

Man kann also sagen: Sie sind schon elektrisiert?

Das bin ich in der Tat. Wer einmal elektrisch gefahren ist, will nicht mehr zurück auf einen Verbrenner. Der Audi e-tron GT ist ein fantastisches Auto ...

Das müssen Sie so sagen.

Ich meine das aber auch ganz persönlich, aufgrund meiner Fahrten und Erfahrungen auch an den Wochenenden. Ich komme gebürtig aus Kirchhausen in der Nähe von Heilbronn – die Böllinger Höfe, wo das Auto gebaut wird, sind nur einen Katzensprung entfernt.

„Elektroautos sprechen Frauen und Männer gleichermaßen an.“

Ihr Vater war schon bei Audi beschäftigt. Sie sind mit der Marke also aufgewachsen, auch mit PSstarken Autos. Fiel die Umstellung auf die Elektromobilität da nicht schwer?

Überhaupt nicht. Ich fahre sehr gerne Auto, liebe das dynamische Fahren. Da ist ein Auto mit einer so beeindruckenden Beschleunigung natürlich perfekt. Und auf der Autobahn kommt der Audi e-tron GT, zumal in der RS-Ausführung, aufgrund der hohen Antriebsleistung auf sehr respektable Geschwindigkeiten. Ein Elektroauto darf kein Verzichtsmobil sein, es muss begeistern.

Einige Ihrer Kollegen haben anfangs mit der Antriebswende gefremdelt, kann ich mich erinnern.

Das kann ich gar nicht nachvollziehen. Für uns bei Audi ist klar: Die Zukunft ist elektrisch. Auch viele meiner Kollegen sind mit elektrischen Fahrzeugen unterwegs. In unserer Tiefgarage im Audi-Werk haben wir inzwischen viele Möglichkeiten, ein Elektroauto untertags zu laden. Ich bin in München „Laternenparkerin“, habe keine eigene Garage – da ist das sehr komfortabel.

Von München nach Ingolstadt und zurück sind es etwa 160 Kilometer. Da reicht die Lademöglichkeit im Werk. Und auf längeren Strecken?

Da nutze ich den e-tron Charging Service. Mit der dazugehörigen Karte kann ich europaweit über 310 000 Ladepunkte nutzen. Damit hatte ich noch nie ein Problem, Strom zu bekommen. Zumal der e-tron Routenplaner auf der Langstrecke die optimalen Ladestopps empfiehlt. Und wenn man sich danach richtet, kriegt man auch immer die volle Ladeleistung, weil der Akku automatisch vortemperiert wird und der Audi e-tron GT eine Ladeleistung von bis zu 270 kW ermöglicht.

Der e-tron GT ist ein sportliches Fahrzeug, der Stromverbrauch kann da schon mal gen 30 Kilowattstunden steigen und die Reichweite auf 300 Kilometer schrumpfen. Das reicht Ihnen?

Natürlich hängt es stark von der Fahrweise und der Witterung ab, aber ja, das reicht mir. Und es ist manchmal gar nicht schlecht, auf einer langen Tour zwischendurch eine Pause einzulegen und auch als Fahrerin Energie zu tanken. Das ist dann ein sehr entspanntes Reisen.

Sofern einen nicht die Reichweitenangst plagt – die Sorge, mit leerem Akku zu stranden.

Ich kann nachvollziehen, dass mancher E-Auto-Neuling davon am Anfang geplagt wird. Aber mit ein wenig Gewöhnung an die neue Technik legt sich das schnell. Das Auto hilft ja auch, Lademöglichkeiten zu finden.

Hier an dem neuen Charging Hub kann ich einen Ladepunkt sogar reservieren.

Das ist fantastisch. Man kann den Ladepunkt buchen – und dann wird dieser eine Viertelstunde freigehalten. Das erleichtert die Planbarkeit enorm.

Werden wir also in Zukunft mehrere dieser Charging Hubs von Audi mit dieser Technik sehen?

Die Eröffnung unseres Charging Hub in Nürnberg ist ein voller Erfolg. Im nächsten Schritt geht es jetzt darum, die Akzeptanz und das Nutzungsverhalten unserer Kunden und Kundinnen im Realbetrieb zu testen. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich das Konzept bewährt und wir bald auch weitere Schritte diskutieren werden. Zumal die Auslastung schon in den ersten Wochen sehr hoch ist – ganz bewusst können hier auch Fahrer anderer Marken ihre Elektroautos laden. Sie können die Ladezeit zudem dafür nutzen, sich über Audi und unsere Produkte zu informieren.

Es ist also eher ein Marketingtool als ein neues Geschäftsfeld der Verkauf von Ladestrom?

Nein, das ist nicht die Zielsetzung der Einrichtung. Wir verkaufen Autos, keinen Strom. Zur Skalierung der Elektromobilität ist eine entsprechende Ladeinfrastruktur ausschlaggebend. Da leisten auch wir als Hersteller unseren Beitrag.

Viele Menschen fremdeln noch mit der neuen Antriebstechnik. Wie holt man die ab, wie gewinnt man sie für den Elektroantrieb?

Indem man ihnen die Gelegenheit gibt, die begeisternde Technik zu erfahren, selbst zu erleben, etwa auf einer längeren Probefahrt. Dann trauen sich viele, den nächsten Schritt zu tun.

Tun sich Frauen da vielleicht leichter?

Ich glaube, dass es kein Geschlechterthema ist. Elektroautos sprechen nach meiner Feststellung und nach unseren Daten Frauen und Männer gleichermaßen an.

Vorausgesetzt, die Sorge um das Weltklima ist ihnen einen Mehrpreis wert: So ein RS e-tron GT kostet wenigstens 140 000 Euro.

Die CO₂-Vorteile sind elementarer Bestandteil bei der Transformation hin zur Elektromobilität. Der Klimawandel bewegt immer mehr unserer Kunden, speziell die jungen Zielgruppen. Sie wollen einen Beitrag leisten, die Welt besser und nachhaltiger zu gestalten.

Die Elektromobilität leidet derzeit nicht nur unter den Lieferproblemen, sondern auch unter den steigenden Stromkosten. An manchen Ladesäulen kostet die Kilowattstunde schon einen Euro.

Das ist in der Tat ein Thema. Aber mit unserem e-tron Charging Service sind es nur 31 Cent, beispielsweise beim Laden im High-Power-Charging-Netzwerk von IONITY. Da sollte man sich fragen, ob man sich nicht besser vertraglich bindet, statt immer ad hoc zu laden. Natürlich ist es das Komfortabelste, wenn man zu Hause an der Wallbox lädt – womöglich mit Strom, der mit der privaten Photovoltaik-Anlage produziert wird.

Wie lange brauchen Elektroautos noch eine staatliche Förderung?

Die Umweltprämien spielen derzeit sicher eine Rolle. Aber wir sehen auch schon eine starke Eigendynamik in der Absatzentwicklung: Immer mehr Menschen sind bereit, für nachhaltige Produkte entsprechend zu bezahlen. Der Audi e-tron GT beispielsweise ist mit einem Nettolistenpreis von über 85 000 Euro ja nicht durch die Umweltprämie förderfähig. Doch sein Konzept überzeugt und die Nachfrage nach dem Modell ist hoch. Und das gilt auch für den e-tron 55 quattro.

Um die große Welle loszutreten, bräuchte Audi aber noch preiswertere Elektroautos.

Bis 2027 werden wir alle unsere Kernsegmente vollelektrisch aufstellen. Wir sehen uns derzeit alle Marktsegmente an, vom A-Segment aufwärts. Ich kann Ihnen versprechen, dass wir in den kommenden Jahren extrem spannende Elektroautos bringen werden.

Wo werden wir denn in künftigen Audi-Fahrzeugen Ihren Einfluss sehen?

Das Produktmarketing hat die Aufgabe, Brücken zwischen den Märkten und Regionen und den Baureihen und der technischen Entwicklung zu schlagen. Wir bringen die Kundenstimme in die Projekte ein und definieren Anforderungen aus Kunden-und Marktsicht.

Zum Beispiel?

In Zukunft werden Konnektivität und Digitalisierung immer wichtiger. Das Fahrzeug wird zum „Experience Device“, das ganz neue Erlebnisse bietet. Unsere Kunden in China beispielsweise sind auf diesem Gebiet noch weiter als in Europa, sie sind auch jünger. Da müssen wir im Produktmarketing sicherstellen, dass diese Erwartungen von unseren Fahrzeugen erfüllt werden.

„Vorsprung durch Technik“: Der Audi-Claim ist mittlerweile 50 Jahre alt. Wo wird Audi im Zeitalter der Elektromobilität den Vorsprung suchen?

Nicht bei den klassischen Werten aus dem Autoquartett, wie Motorleistung und Höchstgeschwindigkeit. Wir leben Vorsprung, in dem wir eine Haltung zeigen und einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten. Und wenn ich den e-tron GT fahre, muss ich sagen: Da haben unsere Ingenieure einen Top-Job gemacht.

Das komplette Interview lesen Sie unter www.edison.media/ladetalk_zorn