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Ein Garten mit Licht und Schatten


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Liebes Land - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 08.06.2022
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Bildquelle: Liebes Land, Ausgabe 4/2022

Nach vorn kaum zehn Meter, nach hinten zum Feldweg hinter dem Grundstück fast 40 Meter – ohne genaue Pläne ist es fast unmöglich, die seltsame Form des Gartens der Familie Sickau zu erfassen. Sich verbreiternde Seiten und spitze Ecken lassen eine traditionelle Gestaltung kaum zu. Sabine Sickau nickt: „Es gibt praktisch keine rechten Winkel. Das Wohngebiet steht auf dem ehemaligen Gelände einer Fabrik. Als die abgerissen wurde, haben wir das Grundstück gekauft und im Jahr 2001 unser Haus gebaut. Weil die Werksfläche fast rund war, ergaben sich als Bauplätze diese asymmetrischen Formen.“

Ein Gartenparadies, genau geplant

Aus der Not musste eine Tugend gemacht werden. Es spielte dem Ehepaar in die Hand, dass der Boden aufwendig saniert und mit Muttererde aufgeschüttet worden war. Sie konnten quasi bei null anfangen, ohne Altlasten in Form von Bäumen, Schutt oder verfallenen Lauben – ein Luxus, den ...

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... nicht viele Gärtner haben: „Wir sahen das als besondere Herausforderung, dass man da kreativ eigene neue Räume schaffen kann.“ So setzten sich Sabine und Roman Sickau zusammen und kritzelten erste Entwürfe direkt auf die Baupläne: „Wir haben die Wege und Bereiche erst mal mit Mulch aufgeschüttet, um die Aufteilung auf uns wirken zu lassen. Und dann es ist auch tatsächlich genau so entstanden. Es hat sich bewiesen und bewährt und bewahrheitet, dass die erste Idee gleich die richtige war.“ Dieser geglückte Einstieg, für den die Sickaus nach eigener Aussage „zwei Sommer“ brauchten, hat natürlich eine beinahe ironische Kehrseite: „Es ist eigentlich schade, dass man dann auch fertig ist und nichts mehr verändern möchte.“ Ein elementarer Bestandteil des Gartens sind die beiden Teiche: „Wir haben in der Mitte der Gartenfläche angefangen und von dort aus in Richtung der Außengrenzen geplant. Der große Teich liegt zentral, denn man kann die Mitte ja nicht leer lassen und am Ende nicht wissen, was man damit machen will.“

Die Philosophie hinter der Natur

Nun ist es eine Sache, das Layout eines Gartens zu erstellen, die Lage der Beete und Wege festzulegen, jedoch eine andere, ein Thema für den Garten zu finden, eine Philosophie. Naturnah, pflegeleicht, kinderfreundlich oder englisch streng? Sabine Sickau erinnert sich gut an ihre Gedanken dazu: „Das Grundstück grenzt ja direkt an ein Landschaftsschutzgebiet. Wir haben direkt hinter dem Gartenzaun einen Feldweg mit großen alten Eichen. Das bedeutet zuerst einmal relativ viel Schatten. Außerdem wollten wir uns stark auf Pflanzen konzentrieren, die in dieser Gegend nicht wie Fremdkörper wirken und einen passenden Vordergrund zum Hintergrund der Eichen bilden.“ So ist der Garten mittlerweile ein faszinierender Mix aus Oase mit diversen Sitzgelegenheiten, prächtig blühenden Blumeninseln und einem malerisch-rustikalen Laubengang, der das Grundstück in Ruhe- und Arbeitsbereich teilt. Die ungewöhnliche Form sorgt dafür, dass er deutlich größer wirkt, als er ist, und immer wieder neue Ecken preisgibt. Der große Teich hat sich nach der Bepflanzung praktisch von selbst „belebt“, wie Sabine Sickau erzählt: „Da haben wir Molche, Schnecken, Frösche, Libellen. Die fühlen sich sehr wohl, und die Frösche stimmen morgens gerne mal ein Konzert an. Aber das gehört dazu.“

Das Grün im Blick – das ganze Jahr

Ein Garten ist ein Ganzjahresprojekt, und man kann nicht nur für die Rosenblüte im Sommer planen. Die Sickaus haben das in die Gestaltung mit einbezogen: „Wir haben die Sofas und die Tische so ausgerichtet, dass man von ihnen in die Bereiche schaut, die eigentlich immer etwas zu bieten haben. Da blickt man dann nicht auf Stauden, die ja im Winter oft auch zurückgeschnitten werden müssen, sondern auf immergrüne Gewächse wie Buchsbaum. Die Bereiche, die nicht ständig in der Sichtachse liegen, dürfen Pflanzen zeigen, die nicht ganzjährig attraktiv anzuschauen sind. Die dürfen auch mal angemessen Winterschlaf halten.“

✪ Service

Gartentipps von Sabine Sickau

■ Geben Sie Pflanzen wie Fingerhut, Stockrosen, Spornblume, Vergissmeinnicht usw. die Möglichkeit, sich selbst auszusäen. So finden sich oft die schönsten Plätze und optimale Bedingungen. Schreiten Sie nur ein, wenn etwas wuchert.

■ Planen Sie Pflanzen mit essbaren Blüten ein. Der Platzbedarf hierfür ist klein, die Wirkung und der Geschmack auf einem Salat sind hingegen groß.

■ Sammeln Sie Kaffeesatz und düngen Sie damit Rosen, Hortensien und Rhododendren. Er enthält Kalium, Stickstoff, Phosphor, Gerbsäure und Antioxidanzien.

■ Alte Gießkannen vom Flohmarkt sind sehr gut geeignet, um zeitweise kahle Stellen im Beet optisch aufzuhübschen.

■ Stellen Sie die Gartenmöbel spontan um, schaffen Sie neue Konstellationen. Nehmen Sie einen anderen Blickwinkel ein – so lassen sich ganz neue Aspekte des Gartens entdecken.

Zum Ziel gehörte es von vornherein, keinen zu arbeitsintensiven Garten anzulegen. Abgesehen von kleineren Maßnahmen und gelegentlichen Bewässerungen ist die ganze Pracht weitgehend ein Selbstläufer. Die Pflichten teilt sich das Ehepaar fair auf, wie Sabine Sickau erklärt: „Mein Mann verwirklicht die Pläne und Projekte, ich kümmere mich dafür um die tägliche Pflege. Die einzige Ausnahme: Der Rasen ist absolut sein Reich. Das ist vielleicht auch so eine Männersache. Ich erlebe das sogar bei unseren Besuchern. Die Herren fragen immer erst, ob sie den Rasen überhaupt betreten dürfen. Die Frauen marschieren dann einfach drüber hinweg.“

Das ist eine prima Überleitung zum nächsten Thema, denn Sabine Sickau ist nebenher auch noch Organisatorin der Offenen Pforte in Langenhagen. Sie koordiniert an die 35 Gärten der Umgebung, die zu wechselnden Zeiten Interessierten Tür und Tor öffnen. Diese Aufgabe bereitet ihr besonders viel Freude: „Da kommen je nach Garten 20 bis 40, aber auch gerne mal 200 Besucher an einem einzigen Tag vorbei. Manche haben das Heftchen mit den Adressen und haken dann immer ab, was sie schon gesehen haben.“ Aufgrund der Coronapandemie sind die Besuchstage dieses Jahr auf die Zeit von Mai bis September beschränkt.

Passend dazu nähern sich in diesem Moment auf dem Feldweg zwei Reiterinnen. Sie haben von ihren Sätteln aus einen hervorragenden Blick in den Garten der Familie Sickau. Schnell entspannt sich ein freundlicher Plausch – man kennt sich. Ist es denn nicht etwas störend, Spaziergänger, Radfahrer und Reiter hinter dem Garten zu haben, wo der Deutsche doch eigentlich die Abgeschiedenheit einer hohen Hecke bevorzugt? Sabine Sickau winkt ab: „Ach was! Die meisten Ausflügler kennen wir, oft grüßt man nur kurz. Und wenn sich dann doch mal ein Gespräch ergibt – ist doch schön.“

Noch ein Geheimnis im Keller

Der Fotograf hält derweil den Daumen hoch – er hat genügend Bilder vom Garten im Kasten. Aber das ist heute nur ein Aspekt, für den das Liebes Land-Team gekommen ist. Also begeben wir uns nach einer netten Kaffeepause in die Kellerräume der Familie Sickau. Hier hat sich Sabine Sickau ihre eigene kleine Werkstatt eingerichtet, in der sie größere und kleinere „handgetöpferte Lieblingsdinge“ herstellt, wie sie es selbst beschreibt (siehe Kontakt nächste Seite). Diese verkauft sie mit großem Erfolg auf Märkten und Messen. Dekoratives ist dabei, aber auch Geschirr und bezaubernde saisonale Stücke wie der Hase, der sich entspannt mit der Blume zwischen den Zähnen im Rasen fläzt. Uns haben ganz besonders die „Blumenfreunde“ gefallen – so nennt Sabine Sickau schicke Tondeckelchen mit einem Loch in der Mitte (siehe Bild Seite 25 oben). Sie kann man auf Gläser legen und diese damit zu individuellen Vasen für einzelne Blumen umfunktionieren: „Das ist für mich ein ganz wichtiges Produkt aus meiner Werkstatt, denn es gibt einer Blüte noch mal eine richtig schöne Kulisse, wo sie optimal zur Geltung kommt.“ Wie kam sie denn auf die Idee, sich so intensiv mit der Töpferei zu beschäftigen? Sabine Sickau muss nun doch schmunzeln: „Eigentlich ein Zufall. Als Mutter eines Kindergartenkinds gibt es ja immer diese Elterntermine, wo kreative Ideen ausprobiert werden. Da habe ich mit der Töpferei angefangen. Das wurde dann zugunsten des Kindergartens auf dem Kirchenweihnachtsmarkt verkauft. Ja, und das habe ich dann mit der Kindergartenleiterin gemeinsam für mich immer weiter ausgebaut. Als ich genügend Stücke beisammenhatte, bin ich auf die ersten Märkte hier in der Umgebung gefahren, noch ganz unsicher. Mittlerweile stelle ich überregional aus.“

✪ Service

Teichpflanzen-Tipps

■ Eine Faustregel besagt, dass man nur ein Drittel der Fläche bepflanzen sollte, damit der Teich nicht zuwuchert. Da sich viele Teichpflanzen sehr schnell ausbreiten, sollte man ihren Wuchs im Auge behalten und ggf. korrigieren.

■ Viel hilft viel: Bei den Teichpflanzen unbedingt auf Vielfalt achten, das ist auch für die Insekten und Tiere wichtig.

■ Teichpflanzen entziehen dem Wasser Nährstoffe – und das ist notwendig: Je nährstoffreicher das Gewässer, desto schneller und drastischer breiten sich Algen aus.

■ Ein größerer Teich hat üblicherweise verschiedene Zonen, die unterschiedlich zu bepflanzen sind: die Feuchtzone am Rand, die Sumpfzone, die Flachwasserzone und schließlich die Tiefwasserzone.

■ Je nach Tiefe von 10 bis über 50 Zentimeter können Sie Sumpfpflanzen, Schwimmpflanzen, Schwimmblattpflanzen und Tiefwasser-/Unterwasserpflanzen setzen.

■ Der Bereich, in dem gepflanzt wird, sollte idealerweise mit einem speziellen Tongranulat, einer Sand-Kies-Mischung oder reinem, kalkfreiem Kies ausgestattet werden. Im Fachhandel erhältlich.

■ Wenn Sie bei der Bepflanzung alles richtig machen, wird die Tierwelt wie von selbst das neue Zuhause annehmen.

Vom Hobby zum Gewerbe

So wurde aus einer Werkelei für den Kindergarten ein richtiges Gewerbe, und Sabine Sickau hat sich ihre Kellerräume professionell dafür eingerichtet. Die Garage im Erdgeschoss ist der Lagerraum für das Ausstellungsequipment. Wo sie ihre Ideen hernimmt? „Das ändert sich ständig, denn ich bin sehr offen für Neues, sehr neugierig. Wenn ich einen Trend erkenne, dann denke ich mir gleich: Wie kann ich daraus etwas Eigenes entwickeln? Manchmal geht es dabei nur um Farben – wenn z.B. zarte Pastelltöne wieder die kräftigeren Farben ablösen.“ Momentan sieht sie eine Begeisterung für maritime Farben, also Kombinationen aus Weiß, Blau und Rot, und arbeitet an „Zaungästen“ und Gartensteckern für regionale Garten- und Pflanzenmärkte. Der Sommertag neigt sich dem Ende zu. Im Lichtund-Schatten-Garten der Sickaus ist die Sonne schon komplett verschwunden. Zeit für das Team, sich auf die Rückreise zu machen. Zum Abschied schenkt uns Sabine Sickau eine besondere „Liebes Land“-Tasse. Die wird die Chefredakteurin in Ehren halten! ■