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Ein GÖTTLI CHER ORT


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 29/2022 vom 15.07.2022
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Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 29/2022

GIGANTISCH Blick auf die Athener Akropolis mit dem alles überragenden Parthenon-Tempel

D asHerz von Athen schlägt auf der Akropolis, einer 156 Meter hohen Erhebung im Zentrum der griechischen Hauptstadt.

Seit Tausenden von Jahren zieht dieser Ort die Menschen magisch an. Erste Besiedlungsspuren lassen sich bereits für die Jungsteinzeit nachweisen, ab dem 14. Jahrhundert vor Christus war er in mykenischer Zeit Sitz des Königs und wurde zu einer Wehranlage ausgebaut. Übersetzt bedeutet das Wort Akropolis so viel wie „Oberstadt“, und diese war keine athenische Besonderheit. Im antiken Griechenland besaß jeder Stadtstaat eine Oberstadt, die auf dem höchsten Punkt lag und meist auch die Funktion einer Festung hatte. Die Ruinen und Überreste auf der heutigen Athener Akropolis stammen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus.

Zuvor hatten die Perser 480 v. Chr. die Bauten auf der Akropolis in Schutt und Asche gelegt. Den Krieg gewannen letztlich aber die Griechen – und Athen stieg zur ...

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... dominierenden Macht auf. Fast 30 Jahre lang blieb die Akropolis ein Trümmerfeld, bis der Staatsmann Perikles 447 v. Chr. entschied, dort wieder bauen zu lassen.

Und das auf ambitionierte Weise: Die Oberstadt sollte auf dem drei Hektar großen Plateau schöner strahlen als je zuvor. Die Akropolis, die wir heute kennen, geht auf diese Pläne zurück.

Die Athener Akropolis Meister werk der Antike

Von Ruhm und Größe Athens kündeten die Bauwerke der Akropolis, die im 5. Jahrhundert v.Chr. auf Initiative des Staatsmanns Perikles errichtet wurden. Auf einem flachen Plateau, das ungefähr drei Hektar umfasste, standen in einem heiligen Bezirk vor allem Tempel. Gebäude, die später dort errichtet wurden, etwa in osmanischer oder fränkischer Zeit, ließ Griechenland nach dem Erlangen der Unabhängigkeit 1832 entfernen

ENTWENDET

Der Brite Lord Elgin ließ ab 1801 Skulpturen und Fragmente auf der Akropolis abtragen und nach England bringen. Die „Elgin Marbles“ (Elgin-Marmore) werden heute im British Museum in London ausgestellt

Stark und leistungsfähig

„Perikles verfolgte mit seinem gigantischen Bauprojekt zwei Ziele“, sagt Holger Sonnabend, Professor für Alte Geschichte an der Universität Stuttgart. „Zum einen wollte er die mächtige Position zum Ausdruck bringen, die Athen innerhalb der griechischen Welt nach den Siegen über die Perser erlangt hatte. Zum anderen sollte die neue Akropolis speziell die Stärke und Leistungsfähigkeit der athenischen Demokratie beweisen, der ersten Demokratie der Welt. Denn Athens größter Gegner um die Vorherrschaft in Griechenland war Sparta, eine Oligarchie. Zwischen diesen Stadtstaaten bestand also auch eine Konkurrenz zweier Systeme – aber Sparta hatte keine vergleichbar imposanten Bauten vorzuweisen.“ Mit der Umsetzung beauftragte Perikles den Bildhauer Phidias, ihm zur Seite standen die Baumeister Iktinos, Mnesikles und Kallikrates sowie die begabtesten Fachleute ihrer Zeit. Die Knochenarbeit wurde von Sklaven geleistet.

„Wehranlagen besaß die neue Akropolis nicht“, erklärt Prof. Sonnabend. „Sie wurde nicht zur Verteidigung erbaut, sondern als heiliger Bezirk zur Verehrung der Götter geschaffen. Die Hauptgebäude waren bis auf eine Ausnahme Tempel. Das war typisch für die Zeit, denn die Griechen hatten ein intensives Verhältnis zu ihren Göttern.

Sie waren der Meinung, dass alles Wohlergehen auf der Welt von den Göttern abhängt.“ Der wichtigste Tempel auf der Akropolis war der alles überstrahlende Parthenon. Knapp 70 Meter lang und 31

Meter breit. Erbaut aus Marmor, mit Bildhauerarbeiten dekoriert. An vielen Stellen damals vermutlich farbig bemalt. Gewidmet war dieses Meisterwerk der Stadtgöttin Athena, Tochter des Zeus. Im Inneren befand sich eine von Phidias erschaffene monumentale Statue der Athena. Sie war zwölf Meter groß, überzogen mit Elfenbein und Gold. Wie sie genau aussah, lässt sich nur anhand von historischen Nachbildungen und Darstellungen rekonstruieren.

Ein Tempel als Bankhaus

Eine ganz irdische Funktion hatte der Vorzeigetempel auch, weiß der Experte: „Im heiligen Parthenon wurde der athenische Staatsschatz deponiert. Das Gebäude war also in gewissem Sinne auch eine Bank.“

Der Aufenthalt im Parthenon war den Priestern vorbehalten, der Zugang zum Akropolis-Areal stand jedermann frei.

Dieser erfolgte über den prachtvollen Eingangsbereich, die Propyläen, der den weltlichen vom heiligen Bereich trennte.

„Nur wenige Menschen, vor allem religiöse Funktionsträger, lebten auf der Akropolis“, sagt Sonnabend. „Dennoch herrschte dort ein buntes Treiben. Oft kamen Menschen vorbei und baten die Götter um Hilfe. Und schon damals reisten Besucher nach Athen, um sich die Bauwerke anzusehen.“ Regelmäßiger Höhepunkt waren die religiös und politisch geprägten Panathenäischen Spiele. Alle vier Jahre fanden die großen, in den Jahren dazwischen die kleinen Versionen statt. „Die Spiele wurden zu Ehren der Athena ausgetragen und waren ein Ereignis für die athenische Gesellschaft“, sagt Sonnabend. „Es gab unter anderem sportliche Wettkämpfe, einen großen Festzug der athenischen Bürgerschaft und eine Opfergabe. Es wurde gesungen, opulent gegessen und getrunken.“

Auch nach der Blütezeit der Athener erlebte die Akropolis bewegte Jahre. So bauten die Römer dort eine Festung, die Osmanen machten aus dem Parthenon eine Moschee. Bis ins 17. Jahrhundert sollen die antiken Bauten intakt gewesen sein. Doch 1687 ließen die Venezianer den Parthenon beschießen. Da die Osmanen dort ein Pulvermagazin angelegt hatten, wurden der Tempel und umliegende Bauten schwer beschädigt. Viele wertvolle Teile, die sich noch auf der Akropolis befanden, ließ der britische Botschafter Lord Elgin ab 1801 nach London bringen, wo sie heute im British Museum zu sehen sind. Griechenland fordert die Rückgabe, aber eine Einigung ist nicht in Sicht. Vielleicht sollte man die Götter um Rat fragen. 

SVEN SAKOWITZ