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Ein guter Gastgeber


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IT Administrator - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 30.11.2022

Parallels Desktop 18 für Mac Pro-Edition

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Bildquelle: IT Administrator, Ausgabe 12/2022

Welches Betriebssystem darf es sein – macOS, Windows oder doch lieber eine der zahlreichen Linux-Distributionen? Diese Frage ist geeignet, lange und höchst emotional geführte Diskussionen zu beginnen. Doch abseits von Glaubensfragen hat jede dieser Welten ihre Daseinsberechtigung und selbst der glühendste Anhänger von macOS mag in seinem Arbeitsalltag auf die eine Software stoßen, die nur unter Windows läuft. Auch Entwickler, die mit ihren Kreationen möglichst viele Anwender erreichen möchten, betrachten das Thema weniger als Entweder-oder-Frage, sondern müssen die Welten möglichst effizient miteinander verbinden. Beantworten wir die eingangs gestellte Frage daher mit einer Gegenfrage: Warum nicht alles und noch dazu mit möglichst geringem Einsatz an Ressourcen?

Hier kommt nun Parallels ins Spiel, das kürzlich Version 18 seiner Virtualisierungssoftware ...

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... Parallels Desktop für Mac vorgestellt hat. Mit dem Desktop hatte der Hersteller schon vor über 16 Jahren Pionierarbeit geleistet und eine Basis für die Virtualisierung auf Grundlage des damaligen macOS X geschaffen. Das grundlegende technische Funktionsprinzip ist bis heute gleichgeblieben. Parallels Desktop arbeitet als Typ-2-Hypervisor. Im Gegensatz zu Typ-1-Hypervisoren, wie etwa VMware ESXi, läuft ein Hypervisor vom Typ 2 nicht direkt auf der Hardware, sondern benötigt ein Betriebssystem als Wirt, in diesem Fall eben macOS.

Auch für Apple M2-Prozessoren und macOS 13

Grundsätzlich verwendet Parallels Desktop Hardwarevirtualisierung, reicht also die Prozessorarchitektur des Wirts an Gast-VMs durch. Hinzu kommen mit den Parallels-Tools angepasste Treiber für virtuelle Grafik- und Netzwerkkarten sowie Speichergeräte, die für Performance und nahtlose Integration mit dem Betriebssystem des Wirts sorgen.

Dieses Prinzip hat Parallels über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt und unterstützt neben Mac-Computern mit Intel-Prozessoren bereits seit Version 16.5 auch Apples hauseigene Prozessoren auf ARM-Basis. Die neueste Version läuft nicht nur auf sämtlichen Varianten der Apple-M1-Prozessorfamilie, sondern auch auf dem jüngsten Spross namens Apple M2. Laut Hersteller soll Parallels Desktop 18 auch mit macOS Ventura 13 harmonieren, das bis zum Redaktionsschluss zu dieser Ausgabe noch nicht final verfügbar war.

Weiterhin bringt die aktuelle Ausgabe von Parallels Desktop Support für die ProMotion-Displays der jüngeren Apple MacBook Pro Modelle. Dabei handelt es sich um eine variable Bildwiederholfrequenz für besonders flüssiges Scrollen. Parallels Desktop reicht Änderungen der Bildwiederholfrequenz in den Einstellungen von macOS unmittelbar und ohne Neustart an Windows-VMs weiter.

Unterschiede zwischen Intel und ARM

Wichtig zu beachten ist, dass die Prozessorarchitekturen von Wirt und Gästen identisch sein müssen. Macs mit Intel-Prozessoren führen nur Gastbetriebssysteme aus, die mit der x86_x64-Architektur harmonieren. Auf physischen Systemen mit Apples M1- und M2-Prozessoren laufen dagegen nur für die ARM64-Plattform angepasste Betriebssysteme. Dies führt dazu, dass die Kompatibilitätsliste von Parallels Desktop für Intel-Systeme eine deutlich umfangreichere Menge an möglichen Gastbetriebssystemen ausweist.

So unterstützt Parallels auf Intel-Macs sämtliche Client- und Serverausgaben von Windows, begonnen beim seligen Windows 2000 bis hin zu den aktuellen Versionen Windows 11 und Windows Server 2022. Auch Parallels Transporter, ein Werkzeug für die einfache Migration der Daten von physischen Windows-Systemen direkt zu macOS oder in eine Windows-VM, funktioniert nur, wenn Quelle und Ziel der x86_x64-Architektur entsprechen. Parallel bietet der Hersteller auf dieser Plattform Support für eine breitere Palette an Linux-Distributionen sowie auch einige exotischere Systeme, darunter Solaris, ReactOS, openBSD und FreeBSD. Letztere müssen allerdings ohne angepasste Parallels Tools auskommen, laufen folglich nicht optimiert und ohne tiefe Integration mit dem Wirt.

Eine weitere Option, die den Intel-basierenden Systemen vorbehalten ist, ist die Unterstützung für Boot Camp. Dies ist allerdings nicht Parallels Desktop anzulasten, sondern liegt in der technischen Basis begründet. Die Möglichkeit, Windows mittels Boot Camp parallel zu macOS auf einem physischen Mac zu installieren und alternativ zu macOS direkt zu starten, hat Apple für seine ARM-Systeme schlichtweg nicht vorgesehen. Auf Intel-Systemen kann Parallels eine Boot-Camp-Partition, soweit vorhanden, in einer VM starten. Gegenüber einer virtuellen Festplatte ist dies allerdings mit Nachteilen verbunden. Ein aus Boot Camp als Quelle gestartetes Windows kann Parallels Desktop weder pausieren noch komprimieren, nicht für Snapshots verwenden und auch nicht im Rollback-Modus ausführen. Letzterer würde alle zur Laufzeit von Windows vorgenommenen Änderungen verwerfen.

Für ARM-basierte Macs fällt die Liste der möglichen Gäste deutlich kürzer aus. Hier unterstützt Parallels offiziell nur Windows 11 für ARM, einige für diese Plattform angepasste Versionen der Linux-Distributionen Ubuntu, Fedora, Debian, Kali sowie macOS Monterey und Ventura.

Drei Editionen mit zahlreichen Features

Mit der Standard-Edition richtet sich Parallels an Privatpersonen, Schüler und Studenten. Bereits diese kleinste Variante ist für macOS Monterey sowie Ventura optimiert und bietet eine nahtlose Integration von Gästen. Die Standard-Edition unterstützt VMs mit jeweils bis zu vier virtuellen Prozessoren sowie 8 GByte Arbeitsspeicher. Daneben bietet Parallels zwei weitere Varianten an.

Mit der Pro-Edition adressiert der Hersteller fortgeschrittene Anwender und Entwickler. Diese Edition hebt die Limits für die Ausstattung von VMs auf jeweils bis zu 32 vCPU sowie 128 GByte RAM. Weiterhin erschließt die Pro-Edition umfangreiche Möglichkeiten der Automatisierung. So bringt diese Variante ein Command Line Interface (CLI) mit, das nahezu sämtliche Optionen der grafischen Benutzeroberfläche auch für Skripte bereitstellt. Darüber hinaus bietet die Pro- Edition Application Programming Interfaces (APIs) für die Sprachen C und Python, sodass Entwickler Funktionen des Hypervisors auch aus eigenen Anwendungen heraus ansprechen können. Die Verwendung von sowohl CLI als auch APIs unterstützt Parallels jeweils mit umfangreichen Dokumentationen, die sämtliche Befehle und deren Optionen ausführlich und mit Beispielen erläutern.

Zudem enthalten die Parallels Tools für Windows 7 oder neuer ein Plug-in für Visual Studio ab Version 2013, mit dem Entwickler aus einer Windows-VM heraus das Remote-Debugging von Prozessen in einer anderen VM starten können. Voraussetzung dafür ist, dass die beteiligten VMs ein gemeinsames Netzwerksegment verwenden und ihre virtuellen Festplatten mit dem Wirt teilen. Weiterhin integriert die Pro-Edition mit Werkzeugen zur Systemkonfiguration und Container-Virtualisierung, darunter Vagrant, Chef, Docker, Packer und Minikube. Den Umgang mit zahlreichen VMs erleichtert diese Variante durch die Verwendung von Vorlagen, farbliche Hervorhebung sowie Sortierungen nach verschiedenen Kriterien.

Die Pro-Edition integriert den Netzwerk-Conditioner, der die ein- und ausgehende Bandbreite von VMs steuert und hierzu vorgefertigte Profile mitbringt, um etwa Paketverluste oder Verbindungen wie 3G, Edge oder DSL zu simulieren. Zum Funktionsumfang der Pro-Edition gehört ferner die Parallels Toolbox – eine Sammlung kleiner Tools, die diverse Aufgaben im Alltag vereinfacht und der wir bereits einen separaten Test gewidmet hatten [1]. Parallels Access komplettiert das Angebot und ermöglicht den Fernzugriff auf virtuelle Maschinen über Apps für iOS sowie Android.

Zu guter Letzt bietet Parallels mit der Business-Edition eine Variante des Desktops für Unternehmen, die eine größere Flotte von Clients ausstatten möchten. Die Business-Edition erweitert den Umfang der Pro-Edition dazu um zentralisierte Administration und Verwaltung. Admins können ihren Anwendern darüber einmaliges Anmelden per SSO-/SAML-Authentifizierung gegen einen eigenen Identitätsprovider ermöglichen und vorkonfigurierte Windows-VMs zum Download bereitstellen. Die Business-Edition vereinfacht zudem die Aktivierung der Lizenzen mittels einheitlicher Volumenlizenzschlüssel für die Massenbereitstellung.

Die Standard-Edition bietet Parallels wahlweise zum einmaligen Kauf oder im jährlichen Abonnement an. Pro- und Business-Editionen vertreibt der Hersteller nur noch im Abo-Modell.

ARM auf dem Vormarsch

Wenngleich die Intel-Plattform nach Anzahl der unterstützten Gäste aktuell noch die Nase vorn hat, ist doch der Trend hin zu ARM-Prozessoren ungebrochen. So hat Apple inzwischen die komplette Produktpalette mobiler Geräte auf die hauseigenen Prozessoren der Serien M1 und M2 umgestellt. Sowohl das lüfterlose Einsteigergerät MacBook Air als auch die potenteren Pro-Modelle finden sich nur noch mit ARM-Chips im aktuellen Angebot.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Neben der gesteigerten Performance von für diese Plattform angepasster Software glänzen die Geräte mit ihrer Effizienz und daraus resultierenden langen Akku-Laufzeiten. Zwar finden sich bei den stationären Mac- Systemen noch solche mit Intel-Prozessoren, doch auch hier weist Apples Kurs klar in Richtung ARM. Entsprechend haben wir uns mit unserem Test auf diese Plattform konzentriert und Parallels Desktop in Verbindung mit dem ARMbasierten Prozessor Apple M1 ausprobiert. Dazu hatte uns der Hersteller eine Lizenz der Parallels-Desktop-18-Pro-Edition zur Verfügung gestellt.

Parallels Desktop 18 für Mac Pro-Edition

Produkt

Virtualisierungssoftware für Apple macOS.

Herstellerdatenblaetter

Parallels International GmbH

Preise

Standard-Edition: Einjähriges Abonnement für 84 Euro oder 109 Euro bei einmaligem Kauf, Upgrade von früheren Versionen für 59 Euro; Pro-Edition im Abo für 101 Euro pro Jahr; Business-Edition im Abo für 126 Euro jährlich.

Systemvoraussetzungen

-Wirt: Apple-Computer mit Prozessoren der Typen Apple M2, M1 Ultra, M1 Pro, M1 Max oder M1 sowie Intel Core 2 Duo, Core i3, i5, i7, i9, Core M oder Xeon. macOS Ventura 13.0, macOS Monterey 12.4 oder neuer, macOS Big Sur 11.6.7 oder neuer, macOS Catalina 10.15.7 oder neuer, macOS Mojave 10.14.6 oder neuer.

-Gäste (ARM-Systeme): Windows 11, Ubuntu Linux 22.04, 21.10, 21.04, 20.10, 20.04, Fedora Workstation 33-1.2 bis 36, Debian GNU/Linux 11 und 10, Kali-Linux 2022.2, 2022.1, 2021.3, macOS Monterey 12 / Ventura 13.

-Gäste (Intel-Systeme): Windows 2000 (inklusive Server) bis 11 sowie Windows Server 2003 bis 2022, diverse Linux-Distributionen, Solaris 10/11, openBSD 6, FreeBSD 12 oder 11, openVZ 7, eComStation 2 und 1.2, ReactOS 0.4, Android, macOS Sierra 10.12.x oder neuer sowie diverse ältere Versionen von macOS X.

Technische Daten

In Windeseile zur Windows-VM

Nachdem wir uns auf der Webseite des Herstellers für einen Parallels-Account registriert hatten, hinterlegten wir die Lizenz in unserem Kundenkonto und konnten anschließend sämtliche Installationsressourcen sowie die ebenso umfangreiche wie einfach nachvollziehbare Dokumentation herunterladen. Die Installation war mit wenigen Klicks erledigt. Nach den obligatorischen Lizenzbedingungen verlangte die Setuproutine nach Zugriffsrechten auf die Ordner Schreibtisch, Dokumente sowie Downloads. Daraufhin meldeten wir uns auch innerhalb der Anwendung mit unserem Parallels-Konto an und aktivierten die Lizenz. Anschließend führte uns der Assistent direkt durch Download und Installation von Windows 11.

Standardmäßig möchte Parallels Desktop die Home-Edition von Windows installieren. Alternativ durften wir stattdessen auch die Editionen Pro oder Enterprise wählen. Wir beließen es beim Standard, woraufhin der Assistent Windows 11 herunterlud und automatisch die Installation innerhalb einer VM begann. Im Zuge dessen verlangte Parallels auch nach Zugriffsrechten auf Mikrofon und Kamera des Macs, um diese in die VM durchzureichen.

Parallels Desktop überraschte uns positiv damit, wie einfach die Inbetriebnahme von Windows gelang. So waren im weiteren Verlauf des Setups keinerlei manuelle Eingriffe nötig. Der Assistent richtete automatisch Windows 11 21H2 (Build 22000.918) mit einem lokalen Benutzerkonto ein, dessen Name unserem Benutzer unter macOS entsprach.

Windows war allerdings nicht aktiviert, da die Virtualisierung mittels Parallels natürlich nicht Microsofts Lizenzierung erübrigt und wir uns folglich selbst um die Beschaffung und Aktivierung einer passenden Lizenz kümmern mussten. Zu beachten ist weiterhin, dass es sich auf der ARM-Plattform aktuell immer um Builds aus dem Insider-Preview-Programm handelt, da Microsoft derzeit Installationsmedien für die ARM-Variante abseits der Previews nur an OEMs (Original Equipment Manufacturer) herausgibt. Wer Windows 11 also ohne Unterstützung des Assistenten einrichten möchte, muss sich dazu kostenlos im Insider-Preview-Programm registrieren und das Setup in Form eines Festplattenabbilds (VHDX) herunterladen.

Nahtlose Integration mit Parallels Tools

Weiterhin installierte der Assistent auch gleich die Parallels Tools und konfigurierte die nahtlose Integration mit dem Wirt. So fanden wir automatisch die bidirektionale Spiegelung von Dateien und Ordnern aktiv vor, die wir in den Eigenschaften der VM unter "Optionen / Freigabe" nach unseren Wünschen anpassen konnten. Mittels "Mac- und Windows-Benutzerordner spiegeln" sorgte Parallels dafür, dass die Standardordner unseres Benutzerprofils in Windows mit den entsprechenden Ordnern "Desktop", "Dokumente", "Bilder", "Musik", "Filme" und "Downloads" innerhalb von macOS verbunden waren. So konnten wir transparent auf unsere Daten zugreifen, dies auf Wunsch für einzelne Standardordner auch wieder deaktivieren oder aber weitere benutzerdefinierte Ordner aus macOS an Windows durchreichen. Umgekehrt fanden wir die Festplatte sowie optional weitere verbundene Laufwerke der Windows-VM mitsamt OneDrive im Finder von macOS unter "Netzwerk".

Dateitypen plattformübergreifend zuordnen

Die tiefe Integration der beiden Welten setzt Parallels auch bei den Programmen fort. Die Details konfigurierten wir in den Eigenschaften der VM unter "Optionen / Programme". So fügt Parallels optional einen Ordner mit allen in Windows verfügbaren Programmen im Dock von macOS ein und zeigt sämtliche unter Windows laufenden Programme einzeln mit ihren Icons im Dock an. Dies konnten wir optional auf den sogenannten Coherence- Modus beschränken. Mittels dieser Funktion, erreichbar über die Menüleiste der VM unter "Darstellung / In Coherence wechseln" blendet Parallels den Windows-Desktop aus und zeigt alle innerhalb der VM laufenden Anwendungen in Form einzelner Fenster unter macOS an, sodass die Grenzen zwischen beiden Betriebssystemen weiter schwinden.

Zudem unterstützt Parallels Desktop bidirektional die Zuordnung von Dateitypen. So konnten wir unter macOS Dateien per "Öffnen mit" mittels unter Windows verfügbaren Anwendungen öffnen oder umgekehrt aus der Windows-VM heraus Dateien mit Apps unter macOS öffnen und die Dateitypen jeweils auch dauerhaft den gewünschten Apps zuordnen (Bild 1).

Unter "Optionen / Internet & E-Mail" erweitert Parallels die Integration auf Weblinks und E-Mails. So ist ein Plug-in für Apples Browser Safari enthalten, das auf Wunsch Links innerhalb der Windows-VM öffnet. Die Erweiterung trägt zwar noch den Internet Explorer im Namen, den Microsoft inzwischen in Rente geschickt hat, funktioniert aber mit Edge ebenso gut. Umgekehrt öffnet Parallels Weblinks und E-Mails auf Wunsch aus Windows heraus mit Anwendungen unter macOS.

Hardwarezugriffe flexibel steuern

In den Eigenschaften unter "Hardware" hatte der Assistent den Zugriff der VM auf die Geräte des Wirts mit sinnvollen Voreinstellungen versehen und etwa die Darstellung für das Retina-Display unseres MacBooks optimiert sowie Audiogeräte und Kamera und auch unseren Drucker aus macOS in die VM durchgereicht. Unter "Hardware / Netzwerk" konnten wir den Netzwerk-Conditioner aktivieren und über "Hardware / USB & Bluetooth" den Umgang mit Peripheriegeräten detailliert regeln. Standardmäßig fragt Parallels für jedes USB-Gerät nach, ob es mit dem Wirt oder der aktiven VM verbunden werden soll, und ermöglicht zudem permanente Zuweisungen. Auf Wunsch reicht Parallels Desktop auch Bluetooth-Geräte und Smartcard-Leser an VMs durch. Standardmäßig hatte der Assistent die Windows- VM über den TPM-Chip unseres Macs abgesichert und wies entsprechend darauf hin, dass beim Übertragen auf einen anderen Mac neben der VM selbst auch das Passwort aus dem Schlüsselbund von mac-OS erforderlich ist. In seiner Knowledge Base beschreibt Parallels den Transfer via iCloud oder manuell.

Backups und automatische Snapshots

Im Bereich "Sicherheit" der Eigenschaften konnten wir die VM mithilfe eines Passworts verschlüsseln, das Parallels Desktop künftig bei jedem Start der VM verlangte. Zudem konnten wir ein weiteres Passwort bestimmen, das Parallels Desktop bei wählbaren Aktionen verlangt, etwa bei Statusänderungen, zur Verwaltung von Snapshots, beim Wechseln zwischen Fenster- und Vollbildmodus oder bei Anpassungen der Konfiguration. In dem Dialog fanden wir auch die Optionen vor, Windows vom Mac komplett zu isolieren, sowie den Rollback-Modus zu aktivieren. Beides ist praktisch für Testszenarien. Im Rollback-Modus verwirft Parallels Desktop beim Herunterfahren der VM sämtliche Änderungen oder fragt nach, ob diese persistent gespeichert werden sollen.

Im Bereich "Backup" konfigurierten wir mit dem optionalen "SmartGuard" eine Funktion, die Snapshots der VM automatisiert, was allerdings nur bei inaktivem Rollback-Modus funktioniert. In den Details dieser Funktion regelten wir den zeitlichen Abstand in Stunden zwischen zwei Snapshots und die Anzahl der Snapshots, die Parallels aufbewahrt. Die Option "Optimierung für Time Machine" setzt alternativ automatische Standardwerte, legt alle 48 Stunden einen Snapshot an und bewahrt die drei letzten Abbilder auf, die dann von Apples Time Machine gesichert werden. Im Gegensatz dazu konnten wir die VM auch komplett von der Sicherung mittels Time Machine ausschließen.

VMs schnell erstellt dank Klonen und Vorlagen

Alle weiteren Aktionen zur Verwaltung der VM erreichten wir über ihr Kontextmenü im Parallels Kontrollcenter. Hier verwalteten wir die Snapshots und gaben nicht mehr benötigten Speicherplatz frei. In letzterem Fall reduziert Parallels Desktop die Größe der virtuellen Festplatte. VMs konnten wir wahlweise klonen oder verknüpfte Klone erstellen. Letzteres bedeutet, dass Parallels keine vollständige Kopie erstellt, sondern sich der Klon die virtuelle Festplatte mit dem Original teilt und nur die Differenz separat speichert.

Weiterhin fanden wir die Option, die VM zur Übertragung auf einen anderen Wirt vorzubereiten. Über das Menü "Datei" des Kontrollcenters durften wir eine VM zudem in eine Vorlage für neue VMs klonen oder konvertieren. Nur im ersten Fall blieb die ursprüngliche Maschine dabei erhalten.

Über die Option "Datei / Neu …" in der Menüleiste des Kontrollcenters erreichten wir den Assistenten für weitere VMs. Diesen konnten wir wiederholt für die vereinfachte Installation von Windows 11 verwenden, was aber einen erneuten Download des ISO-Images zur Folge hatte. Alternativ dazu starteten wir eine benutzerdefinierte Installation mithilfe einer bereits lokal vorhandenen ISO- oder VHDX-Datei. Dabei durften wir Parallels die Wahl geeigneter Parameter für die VM überlassen oder aber bereits vor der Installation die VM nach unseren Vorstellungen konfigurieren.

Alternativ dazu bot uns der Assistent für die übrigen unterstützten Betriebssysteme Ubuntu, Fedora, Debian, Kali sowie mac-OS selbst ebenso einfache Setupprozesse an, was wir exemplarisch für Ubuntu ausprobierten. Der Assistent lud automatisch die ARM-Variante von Ubuntu 22.04 herunter, konfigurierte und installierte die VM. Unter Linux richtete die Setup-Routine automatisch einen Benutzer namens "Parallels" ein, für den wir ein Passwort vergeben und anschließend noch die Installation der Parallels Tools bestätigen mussten.

Anschließend lief die Linux-VM ebenso reibungslos wie Windows, musste im direkten Vergleich jedoch mit etwas weniger Integrationen auskommen. So konnten wir unsere Benutzer-Ordner aus macOS in die Linux-VM spiegeln, umgekehrt jedoch keine Ordner aus Linux heraus für macOS freigeben. Die Programme unter Linux erschienen mit ihren Icons auch im Dock von macOS, aber eine tiefergehende Integration, etwa über die Zuordnung von Dateitypen ist mit Linux nicht möglich. Weiterhin läuft eine Linux-VM wahlweise in einem Fenster oder im Vollbild-Modus, unterstützt jedoch nicht die Coherence-Funktion.

Remotezugriff dank Parallels Access

Zu guter Letzt installierten wir Parallels Access auf unserem Mac. Es handelt sich dabei um ein Produkt, das Parallels separat oder im Paket mit der Pro-Edition des Desktops anbietet. Dabei dient Access nicht allein dem Fernzugriff auf virtuelle Maschinen, sondern macht sämtliche Anwendungen des Macs remote verfügbar. Die Installation erwies sich als ebenso simpel. Parallels Access verlangte nach drei Berechtigungen. So wollte die Software die Bedienungshilfen sowie die Bildschirmaufnahme von macOS steuern und zudem Festplattenzugriff erhalten. Sobald wir uns mit unserem Parallels-Konto angemeldet hatten, zeigte die Software grünes Licht für den Fernzugriff.

Wir installierten die Parallels Access App auf einem iPad, meldeten uns auch dort mit unserem Parallels-Account an und konnten sofort eine Remote-Sitzung mit unserem Mac starten. Hierbei zeigte sich, dass der Hersteller mit dem Parallels Remote Application Server (RAS) langjährige Erfahrungen bei der Bereitstellung von Anwendungen und Desktops vorzuweisen hat. So optimierte Access den Fernzugriff für die Touch-Bedienung des Tablets mit einer angepassten Sicht auf das Launchpad von macOS, aus dem heraus wir einzelne Apps in Vollbildansicht starten konnten (Bild 2).

Parallels vereinfachte die Bedienung weiter mittels einer um Funktionstasten ergänzten Bildschirmtastatur sowie verschiedener Modi der Mausbedienung. Alternativ zur reinen Touch-Bedienung konnten wir auch eine virtuelle Maus mit Cursor nutzen. Allerdings konnten die praktischen Hilfsmittel nicht vollends ausgleichen, dass die meisten Apps für macOS und insbesondere auch die Anwendungen innerhalb unserer VMs unter Windows und Linux nicht für die Bedienung mittels Touch-Gesten optimiert sind, sodass sich Access zwar für gelegentliche Zugriffe, aber nicht für dauerhaftes Arbeiten empfiehlt.

Fazit

Parallels Desktop setzt Maßstäbe bei der besonders einfachen und schnellen Bereitstellung von VMs unter macOS. Derart simpel bringt keiner der uns bekannten Hypervisoren für andere Plattformen eine fertige VM unter Windows 11 an den Start. Die tiefe Integration mit dem Wirt im Hinblick auf Applikationen und Daten lässt die Grenzen zwischen den Betriebssystemen verschwinden. Und die Verwaltungsfunktionen mitsamt Snapshots, Klonen und dem Rollback-Modus lassen auch für Entwicklungsaufgaben und Tests keine Wünsche offen.

Wer möglichst viele Betriebssysteme und ältere Versionen von Microsoft Windows nutzen möchte, muss auf Macs mit Intel-Prozessoren zurückgreifen. Doch die Entwicklung zeigt klar in Richtung ARM und auch Microsoft intensiviert zunehmend sein Engagement für dies Plattform. Im Rahmen unseres Tests stellte uns dies vor keine Probleme. Alle unsere eigentlich für die x86_x64-Architektur übersetzten Applikationen funktionierten anstandslos und performant auch unter Windows 11 für ARM. Wer keine älteren Anwendungen und Treiber benötigt, die zwingend ein x86_x64-System voraussetzen, kann Parallels Desktop komplikationslos als Basis für die Virtualisierung auf Apples M1- und M2-Systemen verwenden.

(dr)

Link-Codes

[1] Test von Parallels Toolbox 5 in IT-Administrator 12/2021 mbt31