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Ein kleiner „Kunst“-Schwindel


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Sieben Tage - epaper ⋅ Ausgabe 42/2022 vom 15.10.2022

Liebesroman der Woche

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Seufzend steckte Frank Berghof sein Handy ein. Gerade hatte man ihm mitgeteilt, dass sein Klient den Besichtigungstermin verschieben musste, auf fünf Uhr nachmittags. Das hieß, vor ihm lagen drei leere Stunden. Ärgerlich – aber der Kunde war nun mal immer König …

Kurzerhand beschloss Frank, die Wartezeit zu einem Bummel durch die Nürnberger Altstadt zu nutzen. Dass sich über ihm der Himmel zuzog, bemerkte er nicht. Plötzlich begann es zu donnern. Dann klatschten erste Tropfen aufs Pflaster – und binnen einer Minute brach ein wahrer Platzregen los.

Gehetzt schaute Frank sich um und flüchtete sich durch die Flügeltüren eines öffentlichen Gebäudes. Es war ein Museum, erkannte er drinnen – eines für Malerei.

„Na prächtig“, murmelte Frank, „vom Regen in die Traufe!“ Kunst interessierte ihn wenig, jedenfalls nicht, wenn sie aus bekleckster Leinwand oder verschweißten Metallstücken ...

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... bestand. Und von alten Meistern hatte er nicht die geringste Ahnung. Immerhin war es hier drinnen trocken.

Neben der Kasse stand eine Tafel mit Orientierungshilfen: Ausstellungssäle, Direktion, Sonderschau ‚Sammlung Grüger‘, Toiletten, Fernsprecher, Cafeteria …

Cafeteria, wunderbar! Eine Tasse Kaffee wäre jetzt genau das Richtige. Frank zahlte den Eintritt und eilte zielstrebig der Richtungsangabe nach.

Das Lächeln traf Frank mitten ins Herz

Die Cafeteria war durch eine Glaswand von den Ausstellungsräumen getrennt. Frank holte sich Kaffee, setzte sich an einen Tisch und hängte sein feuchtes Jackett über die Stuhllehne. Aufatmend rührte er zwei Löffel Zucker in seinen Kaffee und kehrte in Gedanken zu dem Grundstück und dem bevorstehenden Verkauf zurück.

Eine melodische Stimme ließ ihn hochsehen. „Verzeihung, könnte ich bitte den Süßstoff haben?“

Franks Herz stolperte. Vor ihm stand die bezauberndste Frau, die er je gesehen hatte. Seidiges Haar umrahmte ein herzförmiges Gesicht mit braunen Augen, kleiner Nase,ihnvollen Lippen. Der Zweiteiler unterstrich eine Traumfigur, aber es war ihr Lächeln, das ihn mitten ins Herz traf. „Wahnsinn“, entfuhr es ihm. „Wie bitte?“ Frank wurde rot und riss sich zusammen. „Nichts. Süßstoff, ja, äh, natürlich.“ Hektisch streckte er die Hand aus – und stieß prompt den blauweißen Spender um. Der rollte klappernd vom Tisch. Frank bückte sich eilig danach und richtete sich dann so hastig auf, dass nun auch noch sein Tisch ins Wackeln kam.

Das Lächeln der Zauberfrau vertiefte sich. „Danke!“

Verzweifelt sah Frank ihr nach, als sie zu ihrem Tisch ging. Er fühlte sich wie ein Idiot. Die oder keine, dachte er. Aber was konnte er tun, um sie näher kennen zu lernen? Fieberhaft sah er sich um – und entdeckte, dass nirgends ein zweiter Süßstoffspender zu sehen war. Sofort sprang er auf, griff nach seiner Kaffeetasse und eilte zum Tisch seiner Traumfrau.

Wie schön ihre Augen waren! Er stotterte schon wieder, als nun er um den Süßstoff bat. Lächelnd hielt sie ihm den Spender hin. Frank drückte drei Tabletten Süßstoff in seinen bereits gezuckerten Kaffee.

„Sagen Sie … dürfte ich mich zu Ihnen setzen? An meinem Tisch zieht es grässlich“, behauptete er.

Immer noch lächelnd deu-tete sie auf einen freien Stuhl. Rasch stellte er sich vor und erfuhr, dass sie Anja Kröger hieß. Während er sich setzte, erhaschte er einen Blick in eine Mappe auf dem Tisch, die sie nun zuklappte. ‚Tizian‘ las er als Überschrift auf einem Prospekt. Sie interessierte sich also wirklich für Malerei!?

Hat Frank etwas Falsches gesagt?

„Ein schönes Museum“, log er. „Sind Sie öfters hier?“

„Täglich“, nickte sie. „Ich studiere Kunstgeschichte und jobbe hier.“

„Beneidenswert, in einer solchen Umgebung zu arbeiten.“

„Meistens schon“, lächelte sie. „Sie interessieren sich auch für Malerei? Welcher Stil liegt Ihnen besonders?“

„Och …“ Frank nahm einen Schluck Kaffee – und schluckte mühsam: Das übersüße Gebräu schmeckte grauenhaft! „Alle haben ihre ganz besonderen Höhepunkte, nicht? Die moderne Malerei ebenso wie die klassische …“

„Dann sind Sie wegen unserer Sonderausstellung hier – die größten deutschen Maler des Barocks?“, strahlte Anja. „Das ist mein Lieblingsprojekt. Sie ist wundervoll, nicht wahr?“

Die Sonderausstellung! Deshalb der Prospekt! Tizian … Hatte der nicht diese üppigen Frauen gemalt? Ja, genau, der war es! Prompt fielen ihm noch zwei Namen ein.

„Das war ja auch eine Blütezeit der deutschen Malerei!“, tönte er. „Rembrandt, Rubens, Tizian – fantastisch!“

Irgendwas in ihrem Blick veränderte sich. „Ach … und deren Bilder haben Ihnen hier am besten gefallen?“

Frank erschrak. Hatte er etwas Falsches gesagt? „Leider konnte ich mir die Ausstellung noch nicht ansehen.“ Eilig berichtete er von dem verschobenen Termin. „Drei Stunden sind zu wenig für eine Sonderausstellung, da muss man sich Zeit nehmen und darf den Kopf nicht mit Verträgen und Courtagen voll haben. Und in …“ Ein Blick auf die Uhr ließ ihn aufspringen. „Halb fünf! Ich muss weg, sofort!“ Verzweifelt brach er ab. Wenn er jetzt ging – würde er Anja je wiedersehen?

„Schade. Na, vielleicht haben Sie Samstag Zeit … für eine Führung?“

„Sehr gern!“, strahlte er auf. „Also dann …“

Erst am Eingang bemerkte er, dass er sein Jackett vergessen hatte. Ärgerlich drehte er um. Und sah Anja auf ihn zu kommen – mit seinem Jackett! Verlegen dankte er ihr. Und sprintete los.

Er schaffte es gerade noch. Zum Glück gefiel dem Kunden das Objekt, und Frank konnte bester Laune heimfahren. Dort zog er sofort seinen Computer zu Rate. Gleich darauf wog sein Herz einen Zentner: Von wegen deutsche Maler – Tizian war Italiener, Rubens Flame und Rembrandt Holländer gewesen! Aus und vorbei. Ihn nahm Anja nicht mehr ernst!

Stumm angelte er nach seinem Terminplaner in der Tasche des Jacketts – und starrte auf eine Visitenkarte. Vorn stand Anjas Name und Adresse, hinten eine Notiz. „Man kann nicht alles wissen. Was bedeutet wohl ‚Courtage‘? Ich freue mich auf Samstag!“

Mit einem Jubelschrei ließ Frank sich in einen Sessel plumpsen und gab einen neuen Suchbegriff in den Computer ein: Deutsche Barockmalerei …