Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 3 Min.

Ein komplettes Verbot muss her!


Schwulissimo Das Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 27.11.2020

Auch 2020 ist Europa nicht überall ein freundlicher oder sicherer Platz für die LGBTI*-Gemeinde. Zwar möchte die EU-Kommission die Rechte sexueller Minderheiten stärken, dennoch es gibt einige Mitgliedsstaaten wie beispielsweise Polen, in denen der Widerstand dagegen groß ist. Im Mittelpunkt der Diskussion steht oft die unsägliche Konversionstherapie, die momentan nur in Deutschland, Malta und einigen Teilen Spaniens verboten ist. Die Kampagne von „all out“ setzt sich für ein EU-weites Gesetz ein, diese „Therapie zur Heilung von Homosexualität“ zu verbieten.


Aktueller Stand zum Thema Konversionstherapie ...

Artikelbild für den Artikel "Ein komplettes Verbot muss her!" aus der Ausgabe 12/2020 von Schwulissimo Das Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Schwulissimo Das Magazin, Ausgabe 12/2020

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Schwulissimo Das Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2020 von HALLO: WILLKOMMEN!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HALLO: WILLKOMMEN!
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von HASS-REDE VERBOTEN: Norwegen erweitert Gesetz zum Schutz der Regenbogen- Community. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
HASS-REDE VERBOTEN: Norwegen erweitert Gesetz zum Schutz der Regenbogen- Community
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von LGBTI*-RECHTE IN LITAUEN: Auf dem Weg zur eingetragenen Lebenspartnerschaft. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LGBTI*-RECHTE IN LITAUEN: Auf dem Weg zur eingetragenen Lebenspartnerschaft
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Welt Aids Tag: Wo stehen wir und wo geht die Reise hin?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Welt Aids Tag: Wo stehen wir und wo geht die Reise hin?
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Gastbeitrag von Hartmut Evermann: Sexuelle Gesundheit für schwule Männer. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gastbeitrag von Hartmut Evermann: Sexuelle Gesundheit für schwule Männer
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Gib Gummi!:Treuer Begleiter für ein gesundes Leben. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gib Gummi!:Treuer Begleiter für ein gesundes Leben
Vorheriger Artikel
Andreas Barth
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Umschwung oder Untergang? Corona und die Kunst-, Kultur- und Even…
aus dieser Ausgabe

... in Deutschland:

In Deutschland wurden im Juni dieses Jahres die sogenannten Konversionsbehandlungen bei Minderjährigen komplett verboten. Bei diesen Methoden sollen LGBTI*-Personen von ihrer Sexualität bzw. ihrem Wunsch nach einer Geschlechtsanpassung „geheilt“ und heterosexuell bzw. cisgeschlechtlich werden. Unter den beratenden Personen für die Fachkommission der Bundesregierung war auch Prof. Dr. Stefan Timmermanns, Professor für Sexualpädagogik und Diversität in der Sozialen Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS), welcher diese Behandlung komplett ablehnt, da es zu massiven negativen Folgen kommen kann: „Generell lässt sich sagen, dass mit einer höheren Belastung mit psychischen Erkrankungen bei Betroffenen zu rechnen ist, wie z.B. Angststörungen oder Nervenzusammenbrüche. Auch Hoffnungslosigkeit, Depressionen bis hin zum Suizid können die Folge sein. Und es kann ein verstärkter Substanzkonsum auftreten, um den inneren Konflikt aufgrund der „Behandlung“ überhaupt auszuhalten.“ Das Gesetz zum Verbot dieser Konversionsbehandlungen bezeichnet er deshalb als einen „Meilenstein“. Doch nicht überall in Europa ist man soweit: Zwar planen EU-Mitgliedsstaaten wie Frankreich ebenfalls ein solches Gesetz, aber da mehrere Mitgliedstaaten die Verabschiedung solcher Gesetze in naher Zukunft sonst nicht in Betracht ziehen, ist die EU-Kommission zum Handeln verpflichtet.

Was macht die Kampagne „all out“ gegen diese Konversionstherapien?

Die Kampagne „all out“ will, dass alle EU-Mitglieder diese „Behandlungsmethoden“ in ihren Ländern verbieten und hat innerhalb weniger Tage bereits über 28.000 Unterschriften gesammelt, die am 9. November 2020 an den Vizepräsidenten der Kommission Werte und Transparenz, Vera Jourová, die Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, und die Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Stella Kyriakides, übergeben wurden. Das Ziel sind 50.000 Unterschriften und man kann sich auf der Homepage (https://action.allout.org/en/a/eu-conversion-ban/) weiterhin eintragen, um sich für das Verbot dieser pseudowissenschaftlichen „Therapien“ einzusetzen, die Wissenschaftler eindeutig und klar ablehnen, da sie schweres psychologisches und physisches Leid bei den Betroffenen auslösen.

Wer ist gegen ein Verbot der Konversationstherapien?

Nicht alle Länder in Europa folgen dem klaren wissenschaftlichen Rat. Allen voran Polen, in dem erst kürzlich wieder gegen die Rechte der LGBTI*-Szene demonstriert wurde und Rechtsradikale sowie Bürger über 100 sogenannte LGBTI*-freie Zonen errichtet haben. Auslöser für diese Initiative war die Absichtserklärung des liberalen Bürgermeisters von Warschau, Rafal Trzaskowski, LGBTI* als Stoff in die Sexualerziehung an Warschauer Schulen aufzunehmen. Als Reaktion darauf sprachen sich die betreffenden Gemeinden frei von einer angeblichen „LGBTI*-Ideologie“. Dieser irrationale Hass auf die sexuellen Minderheiten wird von der polnischen Regierung toleriert und sogar gefördert. Die EU kritisiert dies und hat die finanzielle Förderung von Projekten in den betreffenden Regionen gestoppt. Doch nicht nur Polen wehrt sich gegen ein EU-weites Verbot der Konversationstherapien, auch Ungarn ist vehement dagegen. Eine Statistik von ILGA-Europe (hier sind an die 600 LGBT+-Organisationen in Europa und Zentralasien unter seinem Schirm versammelt) zeigt, in welchen EU-Ländern Hass-Verbrechen und Hass-Reden gegen LGBTI*-Menschen besonders hoch sind: Trauriges Schlusslicht ist dabei Italien, auf den folgenden Plätzen liegen Irland, Österreich und Großbritannien. Mit 100 Prozent an Gleichberechtigung und Respekt für die LGBTI*-Gemeinde wird nur Malta genannt, auf Platz zwei mit immerhin 76 Prozent liegt Griechenland, dicht gefolgt von Frankreich mit 75,2 Prozent.

Die EU möchte in allen ihren Mitgliedsstaaten diese positiven Werte erreichen und pseudowissenschaftliche wie ideologische Tendenzen beenden. Die Kommissarin für Gleichberechtigung, Helena Dalli, sagte dazu: „Wie wir geboren wurden, basiert nicht auf Ideologie, sondern auf der Natur, Biologie und Wissenschaft“.


Fotos: george tsartsianidis