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EIN LEBEN FÜR DIE WISSENSCHAFT


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Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 25.10.2021

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Dr. Ugur Sahin (links) und Dr. Özlem Türeci im BioNTech-Labor in Mainz

VOR DREI JAHREN trat Prof. Dr. med. Ugur Sahin bei einer Konferenz in Berlin ans Rednerpult und wagte eine kühne Vorhersage. Vor Spezialisten für Infektionskrankheiten verkündete er, sein Unternehmen wäre im Fall einer Pandemie möglicherweise in der Lage, mit der sogenannten mRNA-Technologie rasch einen Impfstoff zu entwickeln.

Zu diesem Zeitpunkt waren Sahin und BioN Tech außerhalb der kleinen Welt europäischer Biotech-Start-ups kaum bekannt. Er hatte das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Dr. Özlem Türeci und Professor Christoph Huber, einem österreichischen Onkologen, gegründet. Ihr Schwerpunkt lag auf der Entwicklung von Krebstherapien. BioN Tech hatte noch nie ein Produkt auf den Markt gebracht und Covid-19 gab es noch nicht, doch Sahins Worte sollten sich als prophetisch erweisen.

Zwei Jahre später, am 19. November 2020, gaben das Mainzer Unternehmen BioNTech und der US-amerikanische ...

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... Pharmakonzern Pfizer eine gemeinsame Presse mitteilung heraus: Türeci, Sahin und ihr Team hatten einen Impfstoff entwickelt, der die Teilnehmer einer Studie zu mehr als 90 Prozent vor Covid-19 schützte.

Diese Nachricht katapultierte BioNTech und Pfizer an die Spitze des Wettlaufs um den Impfstoff gegen eine Krankheit, der bislang mehr als 4,2 Millionen Menschen weltweit zum Opfer gefallen sind. „Wir glauben, das ist der Anfang vom Ende der Corona­ Ära“, sagte Sahin damals in einem Interview.

Im Januar 2020 hatte BioNTech mit seiner Arbeit an dem Impfstoff begonnen, nachdem Sahin in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet einen Artikel über das Coronavirus gelesen hatte. Er war überzeugt, dass dieses zu einer Pandemie führen würde, denn das Virus breitete sich in China rasch aus. Umgehend starteten die BioNTech­ Wissenschaftler Project Lightspeed (Lichtgeschwindigkeit).

„Es gibt nicht allzu viele Unternehmen auf der Welt, die über die Kapazität und die Kompetenz ver fügen, so schnell zu sein wie wir“, sagte Sahin im Oktober 2020. „Für uns war es daher weniger eine Geschäftsgelegenheit, als vielmehr eine Pflicht, diesen Impfstoff zu entwickeln, denn uns war klar, dass wir mit die Ersten sein würden.“

Nachdem BioNTech mehrere vielversprechende Impfstoffkandidaten identifiziert hatte, benötigte das Unternehmen Sahin zufolge Hilfe, um die Impfstoffe schnell zu testen, die Genehmigung der Aufsichtsbehörden einzuholen und den besten Kandidaten auf den Markt zu bringen. BioN­ Tech und Pfizer arbeiteten bereits seit 2018 gemeinsam an einem Grippeimpfstoff und vereinbarten im März 2020 eine Kooperation auch bei der Entwicklung des Corona­Impfstoffs.

Seitdem ist zwischen Ugur Sahin und dem Pfizer­Chef Albert Bourla eine Freundschaft entstanden. Ihr gemeinsamer Hintergrund als Wissenschaftler und Migranten hat die Verbindung zwischen ihnen vertieft. „Er kommt aus Griechenland, ich aus der Türkei“, sagt Sahin, ohne die lang andauernde Feindschaft zwischen ihren Herkunftsländern zu erwähnen. „Es war von Anfang an eine sehr persönliche Beziehung.“

UGUR SAHIN, 56, wurde in Iskenderun in der Türkei geboren. Als er vier Jahre alt war, zog seine Familie nach Köln, wo sein Vater bei den Ford­Werken arbeitete. Schon als Kind hatte er den Wunsch, Arzt zu werden. Er studierte Medizin an der Universität Köln, wo er mit einer Arbeit zur Immuntherapie bei Tumorzellen promovierte.

Bereits früh in seiner Laufbahn lernte er Özlem Türeci kennen. In ihrer Jugend hatte sie den Wunsch gehabt, ins Kloster einzutreten, studierte dann aber doch lieber Medizin. Heute ist die 54­Jährige medizinische Geschäftsführerin von BioNTech. Sie wurde in Deutschland als Tochter eines türkischen Chirurgen geboren, der aus Istanbul eingewandert war. Türeci und Sahin gingen selbst am Tag ihrer standesamtlichen Trauung gleich wieder ins Labor.

Das Ehepaar konzentrierte sich zunächst auf Forschung und Lehre, unter anderem an der Universität Zürich, wo Sahin im Labor von Rolf Zinkernagel arbeitete, der 1996 den Nobelpreis für Medizin erhielt. 2001 gründeten Sahin, Türeci und Huber gemeinsam das Biotechnologie­ Unternehmen Ganymed Pharmaceuticals, das sich auf Antikörperwirkstoffe gegen Tumore spezialisierte.

Sieben Jahre später gründeten sie zusammen die Firma BioNTech und begannen neue Methoden zur Krebsbehandlung zu erforschen, darunter die mRNA­Technologie. „Wir wollen ein großes europäisches Pharmaunternehmen aufbauen“, sagte Sahin in einem Interview mit der Zeitung Wies badener Kurier.

Bereits vor der Pandemie befand sich BioNTech im Aufwind. Das Unternehmen warb Hunderte Millionen US­Dollar Kapital ein und beschäftigt mittlerweile mehr als 1900 Mitarbeiter an sieben Standorten in Deutschland und zwei in den USA. Im Jahr 2018 begann die Zusammenarbeit mit Pfizer.

2019 investierte die Stiftung von Bill und Melinda Gates 55 Millionen US­Dollar für die Entwicklung von Therapien gegen HIV und Tuberkulose. Im selben Jahr erhielt Sahin den Mustafa­Preis, der alle zwei Jahre an herausragende muslimische Wissenschaftler ver liehen wird.

2016 verkauften Türeci und Sahin Ganymed für 1,4 Milliarden US­Dollar und vor zwei Jahren ging BioNTech an die Börse. Im Juli 2021 hatte das Unternehmen einen Marktwert von mehr als 54 Milliarden US­Dollar – damit gehört das Ehepaar zu den reichsten Menschen in Deutschland. Doch die beiden leben mit ihrer Tochter in einer bescheidenen Wohnung in der Nähe ihrer Arbeitsstätte und fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Sie besitzen kein Auto.

„Ugur ist ein ganz ganz besonderer Mensch“, sagt Pfizer­Geschäftsführer Albert Bourla. „Er interessiert sich nur für die Wissenschaft. Gespräche über Geschäftliches mag er überhaupt nicht. Er ist Wissenschaftler und ein Mann mit Prinzipien.“

In Deutschland war der Erfolg der beiden Wissenschaftler türkischer Abstammung ein Grund zum Jubel, viele Medien berichteten über das Paar.

Als Özlem Türeci und Ugur Sahin vor nur einem Jahr die Datenauswertung zur Wirksamkeit ihres Impfstoffs erhielten, gönnten sie sich zu Hause einen türkischen Tee. „Natürlich haben wir gefeiert“, sagte Sahin. „Es war eine große Erleichterung.“

Gedanken

Das Werk geht dem Ruhm voran, die Arbeit geht dem Werk voran, die Worte gehen der Arbeit voran.

Wer sich nicht auf die Arbeit versteht, wie vermag der den Worten anderer zuzuhören?

LÜ BU WE, CHIN. PHILOSOPH (CA. 300–235 V. CHR.)