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EIN LEHRSTÜCK IN FARBEN UND MUSTERN BEI KAFFE FASSETT


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Mollie Makes - epaper ⋅ Ausgabe 72/2022 vom 04.05.2022

KREATIV-GESPRÄCH

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Wer in Textildesign und Kunst an Farben denkt, kommt an Kaffe Fassett nicht vorbei. Der Meister der extravaganten Schattierungen malt seine Stoffentwürfe von Hand und notiert genau, welche Farben er verwendet. In den letzten 50 Jahren hat er sich dem Stricken, der Stickerei und dem Patchwork gewidmet. Derzeit entwirft er für Free Spirit Fabrics, Rowan und Ehrman Tapestries of London und andere bekannte Unternehmen.

Jetzt, mit Anfang 80, bringt Kaffe ein neues Buch heraus: „Kaffe Fassett In The Studio.“ Darin gibt er Einblicke in seine Arbeit und sein Leben und stellt neun Projekte zum Nachmachen vor.

Wir hatten die wunderbare Gelegenheit, Kaffe Fassett zu besuchen und uns von seiner Begeisterung anstecken zu lassen.

Auf die Frage, welches seiner vielen tausend Projekte ihm am meisten Spaß gemacht hat, antwortet er mit einem Picasso-Zitat: „Das, an dem ich gerade arbeite. Ich finde, ...

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... man sollte sich für sein aktuelles Projekt begeistern und nicht zurückblicken.“

Bei einem Besuch durften wir mehr über Kaffes „chaotische“ kreative Arbeit, seine Inspirationsquellen und seine Ratschläge für andere FarbliebhaberInnen erfahren.

Was magst du an deiner Arbeit?

Wo soll ich da anfangen? Mit Farben spielen zu können und die Dinge zu tun, die ich gerne tue, ist wunderbar. Dieses Haus ist wie ein großes Farblabor. Ich entwickle verschiedene Farbkombinationen und sehe, was am besten zu dem Projekt passt, an dem ich gerade arbeite. Das ist herrlich.

Deine Ästhetik in wenigen Worten?

Dick aufgetragen und aufregend. Es ist eine Mischung aus Mustern und Farben, aber ich strebe immer Harmonie an. Es ist viel los, aber ich möchte eine klare Geschichte erzählen. Was ich tue ist nie fade wie Weißbrot. Es muss immer fruchtig und aufregend und lebendig sein – nicht alltäglich.

Gehst du Malerei und Textildesign auf verschiedene Weise an?

Ja. Als ich mit der Malerei begann, wusste ich, dass es vor mir eine lange Tradition und viele geniale Künstler gab. Ich habe oft an mir gezweifelt. Bei der Arbeit mit Textilien hatte ich mehr Selbstvertrauen. Sie macht mir immer Spaß und ist nicht so anstrengend wie die Malerei. Ich fühle mich experimentierfreudiger und kann freier mit den Farben spielen. Davon profitiert inzwischen aber auch meine Malerei.

Gibt es eine Farbpalette, die du immer wieder verwendest?

Eigentlich nicht. Ich versuche aber, meinen Fans eine vielseitige Palette zu bieten. Darum verwendet ich immer ein gutes Rot, ein Blau, ein Grün und einen sanften, grauen Pastellton. So ist es möglich, mit vielen verschiedenen Stimmungen zu spielen.

Wie ist es mit Mustern?

Mir gefallen Kreise. Ich entwickle gerade ein ganz neues Konzept, das mit Themen innerhalb von Mustern spielt. Eines davon sind Kreise. Mir ist aufgefallen, dass es in meinen Stoffmustern so viele kreisförmige Blumen, Früchte, Punkte, Flecken gibt. Das spricht mich an. Kreise lassen sich auch besser in verschiedenen Winkeln zuschneiden als andere geometrische Formen. Und natürlich liebe ich Blumen.

Arbeitest du mit einer begrenzten Palette anders?

Ich mag Extreme. Wenn ich nicht weiterkomme, liegt es oft daran, dass ich nicht extrem genug bin. Ich habe in letzter Zeit viel mit Schwarz und Weiß und hohen Kontrasten gespielt. Wenn ich nur für mich selbst herumprobieren, arbeite ich oft mit sehr gedämpften Farbpaletten, mit blassen Blautönen, die man nie mit mir in Verbindung bringen würde. Ich schaue mir die Rinde eines Eukalyptusbaums an – diese Art von subtilen Schattierungen faszinieren mich. Ich spiele damit, werfe aber dann etwas Farbe hinein und schaue, was passiert. Vor dem ruhigen Hintergrund kommt die Farbe oft besonders gut heraus.

In deinem neuen Buch geht es auch um Puzzles und Problemlösungen. Hat das etwas mit deiner kreativen Arbeitsweise zu tun?

Ich glaube schon. Brandon bezeichnet mich gern als Puzzler, und das stimmt. Es ist so interessant, kleine Teile zusammenzufügen. Wenn man an einem Puzzle eines berühmten Ge-mäldes arbeitet, fallen einem bestimmte Pinselstriche und Farben viel stärker auf. Wenn ich Kunstlehrer wäre, würde ich die Leute auffordern, Puzzles von Gemälden zusammenzusetzen, um die Intentionen des Künstlers besser zu verstehen. Auch ein Quilt ist ein Puzzlespiel. Wenn man ein falsches Teil einsetzt, fällt es sofort ins Auge.

„Wenn ich nicht weiterkomme, liegt es oft daran, dass ich nicht extrem genug bin.“

Inwiefern passen deine Atelierräume zu dir?

Sie sind chaotisch, wie mein Geist. Alles ist zur Hand. Im Moment sitze ich zum Beispiel vor einem Puzzle und habe meine Farben hier, weil ich gerade ein T-Shirt entworfen habe. Gleichzeitig arbeite ich an einem Quilt. Es ist alles in Bewegung. Es ist vielschichtig. Das spiegelt meinen Arbeitsablauf sehr gut wider.

Hast du einen Lieblingsraum im Haus?

Der Raum, von dem ich immer sage, dass er am ehesten „fertig“ ist, Ware von dem Töpfer Rupert Spira. Die Glasuren waren etwas missglückt, aber ich fand sie so hinreißend, dass ich den ganzen Boden mit ihnen belegt habe.

Wer inspiriert dich, privat und beruflich?

Es gibt nur wenige Menschen, die so mit Farben arbeiten wie ich. Die Textildesignerin Sarah Campbell hat ein wunderbares Gespür für Farben. Zusammen mit ihrer Schwester Susan Collier hat sie in den 1970er und 1980er Jahren unter dem Namen Collier Campbell all diese wunderbaren Liberty-Paisleys entworfen.

Ein Kapitel in deinem Buch ist Menschen gewidmet, mit denen du arbeitest. Was bedeutet dir die Zusammenarbeit?

Sehr viel. Künstler, die klare Vorstellungen von dem haben, was sie tun wollen, werden leicht zum Kontrollfreak. Dabei spart man viel Zeit, wenn man sich mit anderen berät und mit ihnen zusammenarbeitet, zum Beispiel mit Liza Lucy bei meinen Patchwork-Büchern und mit Brandon. Wenn man sich über etwas ärgert oder nicht mehr weiterweiß, kann ein Blick von außen die Kreativität wieder ankurbeln.

Was möchtest du bei den Menschen auslösen?

Ich möchte sie zum Selbermachen inspirieren. Sie sollen denken: „Oh, das ist handgemacht? Also ist es machbar.“ Dann können sie mit der Idee spielen und eine eigene Version entwickeln.

„Wenn man nicht weiterweiß, kann ein Blick von außen die Kreativität wieder ankurbeln.“

Dein Rat für angehende Künstler?

Wenn du bei der Farbwahl stecken bleibst, geh in ein Kosmetikgeschäft. Ich habe einmal bei einem Shooting eine fantastische Lidschattenpalette gesehen: Bronzetöne, Brauntöne, schlammige Grüntöne. Mir war sofort klar: Das ist mein Farbschema.“ Du kannst auch mit den Farben der Natur beginnen. Parks und Gartenzentren sind tolle Inspirationsquellen.

Und zuletzt: Dein Rat an dein jüngeres Ich?

Geduld! Egal wie mühsam etwas erscheint, es wird besser werden. Bleib dran, versuche es, produziere weiter. Mach dir keine Sorgen, ob etwas gelingt oder nicht. Du kannst aus allem lernen. Nur wenn du weitermachst, löst du das Problem und lernst aus der Lösung.

Kaffes neues Buch „Kaffe Fassett in the Studio: Behind the Scenes with a Master Colorist” (in englischer Sprache) gibt Einblicke in seine Arbeit und bietet Ideen, Inspirationen und neue Anleitungen. abramsbooks.com