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Ein Mann sieht Rot


Träume Wagen - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 11.05.2018

Ein Testarossa aus erster Hand, geliebt, gehegt, gepflegt. Der Traum vom Roten Renner wird für die meisten nie wahr werden. Ein Glückspilz hat die Chance genutzt


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Bildquelle: Träume Wagen, Ausgabe 5/2018

Als sich Leonardo Fioravanti Ende der Siebziger daranmachte, einen Nachfolger für den 512 BB zu entwerfen, hatte er schon recht genaue Vorstellungen. Es sollte eine Form werden, die bis 300 km/h auf Flügel und Spoiler verzichten konnte. Also formte der Pininfarina-Designer den gesamten Ferrari zu einer einzigen riesigen Abtriebsfläche, die oberhalb des Frontflügels beginnt und mit einer kleinen ...

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... Abrisskante am Heck endet. Die charakteristischen Lamellen an Türen und Flanken sind kein Design-Gimmick, sondern Luftführung zu den Kühlern, getreu dem Lehrsatz von Sergio Pininfarina, wonach es für jede Form einen technischen Grund geben muss. Die Balance zwischen Form und Funktion macht den Reiz des Testarossa aus. Keine überflüssigen Linien, ein in sich stimmiges, perfektes Konzept. Entsprechend gewaltig war das Echo der Welt bei der Präsentation des neuen Testarossa auf der Pariser Motor Show 1984. Man überschlug sich förmlich mit mehr oder weniger klugen Äußerungen, die letztendlich auch die selbsternannten Markenkenner und Kritiker verstummen ließen: Das kompromisslose Design des Testarossa wurde als würdiger Nachfolger der Legende 512BBi anerkannt. Der 4.943-Kubik-12-Zylinder-Mittelmotor des Testarossa hat vier Ventile pro Zylinder und war damals das stärkste Triebwerk, das jemals in einem Seriensportwagen montiert wurde: 390 PS bei 6.300/min in Europa, 380 PS bei 5.750/min in der US-Version. Der Testarossa wurde, mit wenigen optischen Änderungen über sieben Jahre bis Ende 1991 gebaut, bis er vom 512 TR abgelöst wurde.

7.177 Exemplare eroberten von Maranello aus die Welt und verdrehten vor allem finanzstarken US-Bürgern den Kopf.
Einer davon war Mike Kilbourn aus Kalamazoo in Michigan. Komplett angefixt vom betörenden Auftritt des Ferrari, orderte der solvente Geschäftsmann ein Exemplar bei Classic Italia of Richardson in Texas, immerhin knapp 2.000 Kilometer vom Heimatort des Ferraristi entfernt. Am 29. Mai 1987 übernahm er den Boliden gemeinsam mit seinem Freund. Ein Fehler, wie sich bald herausstellte. Besagter Freund bearbeitete den stolzen Neuwagenbesitzer nämlich während der gesamten Strecke, und je näher sie dem beschaulichen Kalamazoo kamen, desto begeisterter war der Freund und entsprechend genervter Mike Kilbourn. Kurzum: Nach vier Wochen gab Kilbourn dem Drängen nach und verkaufte ihm den Testarossa. Seitdem hat die arme Seele Ruh´ und der roten Renner blieb volle dreißig Jahre sozusagen in zweiter Hand – auch wenn die erste nur vier Wochen lang Zugriff hatte.

Sei es aus Altersgründen, sei es, dass jetzt auch mal andere Jünger des Cavallino Rampante in den Genuss der 87er Ikone kommen dürfen: Im April wurde der Testarossa bei der Sotheby´s Auktion in Fort Lauderdale, Florida, zur Versteigung freigegeben. Der Wagen mit der wohl längsten verbrieften Zugehörigkeit zu einem Besitzer erstrahlt im klassischen Rosso Corsa, das aufgrund der schlechten Lackqualität ab Werk zwischendurch fachmännisch erneuert wurde. Mit exakt 34.400 Meilen, das sind 55.361 km auf dem Tacho, einwandfreiem Interieur und ohne äußere Macken wurden faire 90.000 bis 120.000 Dollar erwartet. Inbegriffen ein fünfteiliges Original-Kofferset, das Ferrari-Fahren zum noch exklusiveren Vergnügen macht, sowie Bordbuch, Serviceheft und das vollständig erhaltene, weil niemals benutzte Wergzeugkit samt Abschlepphaken (!!) und Wagenheber.
Das waren doch mindestens sechs Gründe mehr, ein Gebot auf den Testarossa abzugeben. Für 88.000 Dollar wechselte er den Besitzer.


Fotos: Darin Schnabel ©2018 Courtesy of RM Sotheby‘s