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Ein Mann von Adel


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Das goldene Blatt - epaper ⋅ Ausgabe 48/2022 vom 26.11.2022

Der große abgeschlossene ADELS-ROMAN

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Natürlich wartete Mama mal wieder bis zur letzten Sekunde, ehe sie die Bombe platzen ließ. Stella hatte den Kampf mit dem Koffer, der nach ihrem Beutezug durch den elterlichen Vorratsschrank mal wieder zu klein war, fast gewonnen. Da wedelte Mutter harmlos mit einem Brief. „Fast hätte ich’s vergessen: Deine Großtante hat ihren Besuch angemeldet.“

Stella erstarrte. „Tante Irene?“, kiekste sie. Die Frage war überflüssig, denn sie besaß nur die eine.

Dennoch nickte ihre Mutter. „Sie kommt schon in zehn Tagen an.“

Stella verdrehte stöhnend die Augen. „Herrjeh! Schon wieder!“

„Also wirklich, Stella! Ihr letzter Besuch ist jetzt über zwei Jahre her. Und Irene ist ein herzensguter Mensch, humorvoll, liebenswürdig, überaus großzügig …“

„Das bestreite ich ja gar nicht“, wehrte sich Stella, deren Gewissen zwickte. „Und wenn dieser ...

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... idiotische Spleen nicht wäre … Aber wenn sie glaubt, dass ich mich von ihr zwingen lasse …“

„Ach Unsinn“, beschwichtigte Mama. „Aber bitte verpacke dein Nein diesmal ein wenig diplomatischer.“ Das spöttische Schnauben ihrer Tochter verstärkte ihren mahnenden Ton. „Denk an das Geld, das sie seit Jahren für Papas Institut stiftet! Ohne ihre Unterstützung wären eine Reihe archäologischer Projekte nicht durchführbar.“

„Peanuts“, winkte Stella ab. „Die ist so reich, die weiß doch gar nicht, wohin mit all dem Geld!“

„Das hat damit gar nichts zu tun“, konterte ihre Mutter scharf. „Deine Großtante Irene hat allen Respekt verdient, auch wenn sie in manchen Punkten … na, sagen wir: ein wenig speziell denkt.“

Jetzt musste Stella lachen. „Wirklich Mama, du solltest in die Politik gehen! Du könntest denen noch eine Menge beibringen in puncto Schönrederei!“ „Oha!“ Mama lachte ebenfalls. „Veranstaltet sie auch wie gewohnt ihren Nobelball im Bayerischen Hof?“, wollte Stella wissen.

„Natürlich. Und Irene schreibt, falls du Freunde mitbringen möchtest, sollst du die Namen einfach an ihre Sekretärin mailen! Ihr eigener Bekanntenkreis hier ist inzwischen eher klein. Na ja, sie wird nächstes Jahr ja auch 75! Papa hat schon ein paar Kollegen eingeladen, und ich werde einige Freundinnen dazu bitten. Aber es wäre natürlich schön … Wie steht es denn zum Beispiel mit Chris?“

„Aber da hat sie sich geschnitten“, entschied Stella später zwei Autostunden entfernt in der Mensa ihrer Uni. „Dich kriegt sie nicht!“

Wie immer nach einem Wochenende zu Hause hatte sie ihren Koffer schnell in das kleine Wohnheim-Zimmer gestellt und sich dann sofort mit Chris getroffen. Wie immer hüpfte ihr Herz, als sie ihn kommen sah. Doch das versuchte sie zu ignorieren.

Als sie am Anmelde-Tag vor zwei Jahren im Verwaltungstrakt der Universität mit Chris zusammengestoßen war, hatte sie noch an Herzschmerz wegen Daniel gelitten und von Männern nichts mehr wissen wollen. Chris war es gewesen, der ihr darüber hinweghalf, ihr geduldig zuhörte und sie ablenkte. Vom ersten Tag an waren sie die besten Freunde. Bei Chris fühlte Stella sich sicher und geborgen. Aber er hatte ihr nie Grund gegeben, anzunehmen, dass er mehr für sie empfand als kameradschaftliche Gefühle. Deshalb achtete sie darauf, sich das Kribbeln nicht anmerken zu lassen, das er in ihr auslöste – durch ein Lächeln, eine Berührung … oder wenn er so süß verwirrt aussah wie jetzt.

„Deine Mutter?“, fragte er.

„Nein, meine Tante!“, sagte sie. „Mama hat vorgeschlagen, dass ich dich zum Ball mitschleppen soll.“

Chris runzelte die Stirn. „Das klingt ja alles sehr nett …?“

Immer noch verwirrt, schüttelte er den Kopf: „Am besten, du erklärst mir das Ganze noch mal von vorne. Wie kommst du denn zu einer amerikanischen Tante?“

„Großtante“, korrigierte Stella und setzte sich zurecht. „Also: Tante Irene ist die jüngere Schwester meiner Großmutter mütterlicherseits. Eine total wilde Hummel. Gleich nach dem Abi ging sie nach Amerika zum Studium. Aber ein halbes Jahr später war sie verheiratet mit einem Texaner, der jede Menge Ölquellen besaß. Also schwamm er im Geld. Und Tante Irene natürlich mit. Aber nicht so als Zierpüppchen! Mama sagt, sie hat dafür gesorgt, dass ihr Mann Immobilien kaufte – damals spottbillig, heute Millionen wert. Und Kunst. Und Aktien. Sie war immer schon pfiffig. Als ihr Mann starb, hinterließ er ihr weit mehr, als er bei ihrer Hochzeit besessen hatte. Und das, obwohl beide viel Geld spendeten, für soziale Projekte oder Stipendien und so. Das macht sie heute noch. Inzwischen verwaltet ihr Sohn den ganzen Zinnober. Und sie jettet durch die Welt, genießt das Leben und fördert junge Künstler oder Wissenschaftler. Finanziert auch Forschungsprojekte wie die archäologischen Ausgrabungen meines Vaters.“

Chris runzelte die Stirn. „Klingt nach einer richtig netten Person.“

„Ist sie auch“, bestätigte Stella widerwillig. „Sie war die Heldin meiner Kindheit, nicht nur wegen der Geschenke, die sie schickte. Für mich war es immer ein Fest, wenn sie zu Besuch kam. Das tut sie regelmäßig, um alte Verbindungen aufleben zu lassen. Ich konnte nie genug kriegen von den Geschichten, die sie erzählte. Und als ich sie mal drüben in New York besuchen durfte, hat sie mich bis zum Abwinken verwöhnt.“

Chris schüttelte den Kopf. „Wo liegt dann dein Problem?“

„Sie ist verrückt“, antwortete Stella mit derselben Geste. „Komplett gaga! Meine liebe Tante hat einen Spleen, und mit dem plagt sie mich, seit ich 15 bin: Sie will unbedingt, dass ich einen Adeligen heirate – und möglichst nicht nur einen simplen Von und Zu, sondern mindestens einen Grafen oder so!“

Sie hätte sich die Wirkung dieser Eröffnung nicht dramatischer wünschen können: Chris erstarrte förmlich. Seine Augen wurden groß, und er hielt den Atem an. „Was?“, krächzte er, räusperte sich und wiederholte: „Was? Wie bitte?“

„Du hast ganz richtig gehört“, bestätigte Stella grimmig. „Tantchens Traum ist es, mich mit einem wohlklingenden Titel zu verheiraten! Für Tante Irene stehen Adelige hoch über normalen Menschen: diese Erziehung, die feine Lebensart, der gute Ton … Sie würde alles geben für eine Einladung zur Tea-Party im englischen Königshaus oder für ein privates Geplauder mit einem leibhaftigen Fürsten. Natürlich begegnet sie in Amerika gelegentlich Adeligen in der Hochfinanz-Gesellschaft“, fuhr sie bissig fort. „Aber das reicht ihr nicht. Sie will einen Hochwohlgeborenen als Großneffen. Deshalb fragt sie seit Jahren, ob ich mein Studium nicht lieber – auf ihre Kosten – an einer Elite-Uni absolvieren will, um die richtigen Leute kennenzulernen. Und bei jedem ihrer Besuche kommt unweigerlich das Gespräch darauf, wie es denn so steht mit mir und der Liebe.“

Chris, der Stella während ihres Ausbruchs nicht aus den Augen gelassen hatte, musterte nun konzentriert seine Schuhe und fragte ganz beiläufig: „Na, du scheinst ihre Begeisterung für Adelige ja nicht gerade zu teilen …“

„Natürlich nicht“, sagte Stella unwirsch. „Ausgerechnet ich! Ich wollte ja nicht mal als Kind zu Karneval Prinzessin sein! Die haben doch allesamt alberne Namen, tragen nur rosa Spitzen und Rüschen und Glitzerdiademe … nein, danke. Ich wollte schon immer lieber Feuerwehrfrau werden.“

Sein Lachen klang nicht echt. „Aber es tragen doch nicht alle Prinzessinnen immer Rosa!“

Stella schnaubte nur. „Was du schon davon weißt! Außerdem, darum geht’s doch gar nicht. Ich will nicht nur die Gattin von Graf zu Irgendwas sein. Ich will selbst was bewirken im Leben, der Welt meinen eigenen Stempel aufdrücken – und nicht bloß das Siegel meines hochwohlgeborenen Herrn Ehemanns! Das habe ich Tante Irene auch gesagt, aber sie hört einfach nicht zu!“, erklärte sie gereizt. „Und was ist das für ein Ball?“

Tante Irene würde Chris gewiss sofort ins Herz schließen

„Wenn meine Tante nach Deutschland kommt, veranstaltet sie immer einen Ball im Bayerischen Hof. Sie sagt, so kann sie all ihre alten Verbindungen zugleich pflegen. Nur hat sie inzwischen nicht mehr viele Verbindungen. Meine Eltern haben schon eigene Freunde dazu eingeladen, damit der Saal nicht halb leer bleibt. Diesmal soll ich auch Leute beisteuern. Ich werde mal mit den Mädels reden. Weißt du vielleicht ein paar Kommilitonen, die gern tanzen und gratis gut essen möchten? Keine Angst, Tantchen hat einen sehr modernen Musik-Geschmack. Frack, Smoking oder dunkler Anzug ist aber Pflicht.“

Chris zuckte die Achseln. „Ich würde mich ja gern opfern …“

„Danke, echt süß von dir.“ Stella drückte seinen Arm. „Aber das kommt gar nicht in Frage. Meine Tante würde dich sofort ins Herz schließen. Sie hat ein Faible für genau deinen Typ von Mann. Aber sie ist leider auch sehr … direkt. Und ich werde nicht zulassen, dass sie dir erklärt, wie schade es ist, dass du kein Adeliger bist!“

Chris grinste schief. „Lieb von dir, dass du so gut auf mich aufpasst“, sagte er. „Ich höre mich mal um. Jetzt muss ich los. Morgen habe ich eine Klausur in Chemie.“

Gemeinsam verließen sie die Mensa. Draußen war es bereits dunkel. Fröstelnd strebte Stella dem Studentenwohnheim zu. Chris, der zum Parkplatz ging, bewohnte ein Zimmer in der Stadt. Aber statt dorthin lenkte er seinen Wagen in Richtung Autobahn.

Eine halbe Stunde später parkte er vor dem Haus seines besten Freundes in der Nachbarstadt und klingelte. Frank machte große Augen, als er Chris sah. „Du hast es ihr wieder nicht gesagt, stimmt’s?“

Chris schüttelte den Kopf. Er warf seine Jacke auf einen über- häuften Garderobenständer und ließ sich in einen Sessel fallen. Frank blieb neben ihm stehen. „Was war es diesmal?“

„Eine Katastrophe! Stella kann Adlige nicht ausstehen“, antwortete Chris mit Grabesstimme.

Frank stutzte, dann prustete er los. Doch beim Anblick von Chris’ Miene blieb ihm das Lachen im Hals stecken. Fast staunend sagte er: „Christoph Albert Remigius Johann Prinz zu Aicheldorff und Perchach – du bist ja verliebt!“

Ein wenig verlegen zuckte Chris die Achseln. „Stimmt – und zwar total. Ich dachte, das wüsstest du.“

„Ja, sicher, aber dass es so ernst ist …“ Jetzt lachte er doch wieder. „Wenn das nicht Amors bester Blattschuss ist … Prinz Charming höchstpersönlich, der große Preis auf dem Heiratsmarkt der Society, zappelt in den Fesseln der Liebe. Das muss gefeiert werden!“ Frank holte zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank, gab eine davon Chris und plumpste in den Sessel gegenüber. „Prost! Und jetzt erzähl mal: Was ist passiert?“

Fügsam berichtete Prinz Christoph von dem Gespräch mit Stella. Sein Freund kam aus dem Grinsen und Kopfschütteln nicht heraus.

„Lach nicht. Ich weiß, was Stella durchmacht“, sagte Chris bitter. „Ich habe ja selbst eine verschrobene Tante, die mich seit Jahren drängt, mir endlich eine Braut aus dem Hochadel zu suchen. Die war auch nicht begeistert, dass ich unbedingt hier studieren wollte.“

Frank von Mürzenich, mit Chris seit dem ersten Schultag eng befreundet, nickte wissend. Diese Tante war nicht die einzige, die schockiert war, weil der Sohn und

Erbe eines so bedeutenden Fürstenhauses wie das derer zu Aicheldorff und Perchach entschied, sein Studium an dieser relativ wenig bekannten Universität zu absolvieren – und zwar inkognito. Er selbst verstand Chris gut: Der wollte eben keinen Sonderstatus, keine Extras, sondern in Ruhe studieren.

Einmal kein Prinz sein, sondern einfach nur Chris Aicheldorff – ein Student wie alle anderen, mit normalen Freundschaften, normalem Alltag, normalen Problemen. Dass er dabei Stella begegnen würde, war nicht eingeplant gewesen.

Stella hatte keine Ahnung, wer Chris wirklich war!

Zunächst hatte Frank darüber gelacht, dass dieses Mädchen gar nicht wusste, mit wem sie sich da anfreundete. Hatte amüsiert beobachtet, wie sich der umschwärmte und begehrte Prinz in einen linkischen Schuljungen verwandelte, der es nicht schaffte, Stella die Wahrheit zu gestehen – über sich und über seine Gefühle.

Anfangs, weil Stella alle Männer grässlich fand. Dann, weil sie ihn als ‚besten Kumpel‘ lobte. Oder weil sich keine Gelegenheit zu einem Geständnis bot. Darum saß Chris alle paar Tage in diesem Sessel dort, fragte Frank um Rat und erzählte bedrückt, was wieder schiefgegangen war. Aber erst seit heute war Frank klar, wie tief die Sache wirklich ging.

„Ich wünschte, die lieben Verwandten würden sich um ihren eigenen Kram kümmern, statt uns das Leben mit ihren unsinnigen Vorstellungen schwer zu machen“, meinte Chris nun verdrossen.

„Genau – da müssen wir ansetzen“, entschied Frank. „Am besten überraschend, denn Überraschung ist die Seele jedes Angriffs!“

Chris stöhnte. „Wo hast du denn diese Weisheit wieder her?“

„Das steht unter dem Wappen meiner Ahnen“, sagte Frank unbekümmert. „Stimmt aber: Ich hab das neulich bei einer Vorlesung ausprobiert. Der Professor war so überrascht von dem Blödsinn, den ich geredet habe, dass er mir glatt eine Zwei eingetragen hat!“

Jetzt lachten beide. Plötzlich hob Frank den Zeigefinger: „Und schon ist mir dazu etwas Grandioses eingefallen: Wir verschaffen Stellas Tante einfach einen eigenen Grafen. Dann braucht sie keinen mehr für ihre Nichte zu suchen!“

„Gute Idee“, spöttelte Chris. „Und woher nehmen wir diesen Herrn? Ich kenne keinen, der bei dem Spiel mitmachen würde!“ Frank grinste. „Oh, ich schon.“ „Hör mal, falls du an einen Mitgiftjäger denkst, der nur …“ „Aber nein“, winkte Frank entrüstet ab, dann raunte Chris seinen Plan zu. „Wir brauchen lediglich eine Einladung zu diesem Ball.“

Jetzt sah auch Chris hoffnungsvoll drein. „Die kriegen wir. Vorausgesetzt, dass auch Stella mit der Sache einverstanden ist.“

Das war sie, als Chris sie tags darauf in den Plan einweihte. Mehr noch: Sie wollte es sogar selbst übernehmen, ihrer Tante beim Ball diesen Graf vorzustellen.

Wie sich dort zeigte, brauchte sie das Foto gar nicht, das ihr Chris zwecks Erkennen aufs Handy geschickt hatte: Der elegant gekleidete ältere Herr, der beim Betreten des Ballsaals einen Moment lang in der Tür stehen blieb und seinen Blick kühl und aufmerksam über die Anwesenden gleiten ließ, konnte gar nichts anderes sein als ein Aristokrat. Jetzt wandte er sich ihr zu. Ein leichtes Lächeln, eine angedeutete Verbeugung …

Aufgeregt schluckte Stella und wandte sich an ihre Tante: „Darf ich vorstellen: Thomas Graf von Hohenleye – ein Freund der Familie eines Studienkollegen. Herr Graf: meine Tante, Irene Davis.“

Irene hatte sich eben ein Glas Champagner nehmen wollen. Nun spürte sie ihr Herz einen Doppelschlag tun: Vom messerscharfen Scheitel im vollen weißen Haar bis zu den spiegelblanken Schuhen war der Mann vor ihr unverkennbar ein Gentleman alter Schule.

Kieselgraue Augen hinter rahmenlosen Brillengläsern lächelten sie aus einem Gesicht heraus an, dem die aristokratisch gebogene Nase Würde und Ausdruck verlieh. Und die kultivierte Leichtigkeit, mit der er ihre Hand anhob, um einen Kuss darüber zu hauchen, verriet erlesene Manieren.

„Verehrte gnädige Frau, meinen herzlichsten Dank für die liebenswürdige Einladung!“, sagte er.

Das angenehm dunkle Timbre seiner Stimme stand seiner Erscheinung in nichts nach und weckte in ihr ein prickelndes Echo.

Dieser Mann war eindeutig von Adel – das spürte Irene

„Ich habe zu danken, Herr Graf“, gab Irene – tatsächlich zart errötend – zurück. „Es ist mir eine Ehre, sie hier begrüßen zu dürfen!“

Sein Lächeln verstärkte das Prickeln. „Thomas“, bat er. „Aber mein Eintreten hat Sie, fürchte ich, abgelenkt. Darf ich das wiedergutmachen?“ Schon hielt er zwei Gläser Champagner in der Hand und bot Irene eines davon an.

Dankend neigte sie den Kopf. Mit hellem Klang stießen die Gläser zusammen. Dann wandte sich Irene halb um – und wie erhofft, trat der Graf an ihre Seite und schritt mit ihr durch den Saal. Auf dem Podium begann die Band, gerade einen Walzer zu spielen.

„Eine wundervolle Idee, dieser Ball! Ein stilvolles Ereignis in einem stilvollen Rahmen.“ Um nicht zu laut sprechen zu müssen, beugte sich der Graf ein wenig zu Irene.

Ein edler Herrenduft stieg ihr in die Nase. Halb ärgerlich, halb aufgeregt bemerkte sie, dass ihre Stimme nicht so fest klang wie gewohnt, als sie antwortete: „Sicher sind Sie häufig hier im Haus?“

„Nein“, gab er ruhig zurück. „Wir halten unsere Feiern gewöhnlich im eigenen Hause ab. Aber seit dem Tod meiner Frau vor drei Jahren gab es dafür keinen Grund.“

Wie albern von ihr: Natürlich feierte ein Graf nicht im Hotel! Aber es war nicht dieser Fauxpas, der Irenes Herz stolpern ließ, sondern die schlichte Offenheit des Grafen. Auf einmal standen sie sich als Schicksalsgenossen gegenüber, verwischten sich Rang und Namen. Ihr wurde bewusst, dass dieser Mann auf der Suche war, nach einer neuen Chance auf ein neues Leben, ein neues Glück. Und zum ersten Mal fragte sie sich, ob vielleicht auch sie …

Noch bevor sie diesen Gedanken zu Ende denken konnte, war der Graf stehen geblieben und verbeugte sich. „Darf ich bitten?“

Irene Davis, reich, umworben und berühmt für ihren scharfen Verstand, spürte ihre Wangen heiß werden. Sie legte ihre Hand in die des Grafen, trat mit ihm auf die Tanzfläche – und wurde in einen erregenden Wirbel geführt, der mit der Musik zu schwingen schien.

Irene genoss jeden Schritt, jede Drehung. Der Graf – nein, Thomas! – war ein begnadeter Tänzer, führte sie gekonnt durch den Walzer, einen Foxtrott und dann noch einen Walzer, ehe er sie zu Stella und deren Eltern zurückbrachte. Hier verließ er sie mit einer kleinen Verbeugung und genug Bedauern in den Augen, dass ihr Herz ein paar Takte schneller schlug.

Ein wenig atemlos sah sie ihm nach, wie er hierhin grüßte und dorthin nickte … bis sie Stellas funkelndem Blick begegnete. Die Kleine war neugierig, aber Irene hatte nichts zu erzählen. Jedenfalls derzeit nicht. Deshalb ging sie sofort zum Angriff über. „Was habe ich gesagt, Kind – Adel hat eben Klasse. Merke dir: Wenn du das Beste willst, greif nach oben!“

Wie zu erwarten war, stieg Stella sofort die Röte ins Gesicht. Hastig mischte sich ihre Mutter ein: „Er tanzt wirklich sehr elegant – ein schöner Anblick, ihr zwei! Hast du übrigens Dr. Humbart gesehen? Der ist ebenfalls ein guter Tänzer, und hat vorhin gefragt, ob du wohl auch mit ihm tanzen würdest.“

Natürlich gewährte Irene auch dem Archäologen einen Tanz. Es war schließlich nur höflich, sich allen Gästen zu widmen. Doch sie musste sich sehr beherrschen, nicht über seine Schulter hinweg nach Thomas Ausschau zu halten. Als sie es doch tat, trafen sich ihre Blicke. Und Irene kam um ein Haar aus dem Gleichgewicht …

Weit nach Mitternacht, als sie endlich in ihrer Suite zu Bett gegangen war, spürte sie jeden Muskel im Leib. So viel hatte sie lange nicht mehr getanzt! Sie war eben kein junges Mädchen mehr – wenn sich auch dieses Ziehen in ihrer Brust genau wie mit 20 anfühlte.

Sie hatte ein Date! Morgen Mittag würde Thomas sie zum Essen abholen, und er wollte ihr danach sein Reich zeigen. Irene musste über sich selbst lächeln, als prompt die Frage aller Fragen in ihr aufstieg: Was zog man bloß an zu einem Date mit einem Grafen?

Was sie bei diesem Date erwartete, ahnte Irene nicht …

Offenbar wählte sie das Richtige: Thomas’ Blick wanderte unverkennbar bewundernd über ihre Figur. „Sie sehen hinreißend aus“, sagte er, noch über ihre Hand gebeugt, in einem Ton, der es ihr unmöglich machte, an diesem Kompliment zu zweifeln. Fürsorglich half er ihr, in seine Limousine einzusteigen. „Mögen Sie die italienische Küche?“ Als sie nickte, startete er zufrieden den Wagen. „Ich kenne da ein kleines Restaurant, in dem es die besten Antipasti der Welt gibt!“

Schon die Fahrt war ein Genuss, fand Irene. Die Unterhaltung stockte keine Minute. Sie beschrieb ihr Leben in Amerika und erfuhr, dass Thomas ebenso gern reiste wie sie, aber bisher wenig Gelegenheit dazu gehabt hatte. „Meist hatte ich zu viel zu tun, um mir lange Urlaube leisten zu können“, erzählte er, als sie im Restaurant Platz nahmen. Er hatte einen hübschen Tisch am Fenster reservieren lassen.

Irene gefiel die zwanglose Atmosphäre in diesem exklusiven kleinen Lokal, und der viel versprechende Duft regte ihren Appetit an. Thomas riet zu gemischten Antipasti und einer Dorade als Hauptgang, und beide stimmten dem Kellner zu, der einen toskanischen Weißwein dazu empfahl. Die Vorspeisenplatte übertraf Irenes Erwartungen noch – und erinnerte sie an ein Lokal in San Francisco.

„Dort gibt es delikate Oliven mit den verschiedensten Marinaden“, schwärmte sie. Und lächelte ihr Gegenüber an. „Vielleicht finden Sie ja doch einmal Zeit für einen Besuch. Dann kann ich mich für dieses Essen revanchieren!“

Er erwiderte ihr Lächeln. „Vorsicht mit Einladungen! Seit ich die Geschäfte meinem Sohn übergeben habe, ist Zeit kein Problem mehr für mich. Nun ja“, schränkte er ein, „Jetzt habe ich zu viel davon. Manchmal fühle ich mich fast versucht, wenigstens ein Geschäft wieder zurückzufordern. Aber …“

„Ein Geschäft zurückfordern?“, wiederholte Irene verwirrt.

Thomas nickte und deutete aus dem Fenster. „Das dort drüben zum Beispiel. Es war seinerzeit immer mein Lieblingsladen.“

Verständnislos flog Irenes Blick über den sonntäglich stillen kleinen Platz draußen, sah eine Ladenzeile im Wohnblock gegenüber: Metzgerei, Wäscheladen, Optiker, Geschenkartikel … Ihr Blick ruckte zurück zu dem Schriftzug über dem Optikerladen. ‚Brillen Graf‘ stand darüber. Sprachlos fuhr sie herum und sah Thomas an, der ihrem Blick lächelnd standhielt. „Sie heißen … ich meine, Sie sind gar nicht …“, platzte sie heraus.

„Adlig, meinen Sie? Nein, leider nicht“, sagte er entschuldigend. „Ich bin kein Graf, ich heiße so. Ein kleines Missverständnis!“

Und ich weiß auch, wer daran schuld ist, dachte Irene. Diesen Streich hat Stella mir gespielt! Beherrscht sagte sie: „Wie albern. Ich hatte angenommen, Sie seien ‚Graf von Hohenleye‘.“

„Eine unglückliche Formulierung“, gab er zu, „wenn auch korrekt: Meine Familie stammt von Hohenleye im Rothaargebirge. Aber schon mein Vater siedelte sich hier in München an. Ich habe nicht nur den ersten Laden von ihm übernommen, sondern auch die Leidenschaft, Menschen zu einer klaren Sicht auf die Dinge zu verhelfen …“, schloss er sanft.

Irenes Atem stockte. Sie begriff sofort. Ihre Gefühle wirbelten durcheinander. Und auf einmal begann sie zu lachen. So laut, dass der Kellner, der die Dorade servieren wollte, zögernd stehenblieb.

„Touché“, sagte sie schließlich. „Ein starkes Stück von meiner Großnichte, aber … das habe ich vermutlich verdient. Tja, man ist eben auch in meinen Alter nicht vor Torheit sicher!“

Sie lehnte legte den Kopf schräg und sah ihn an. Lächelnd hielt er ihrem Blick stand. Sonderbar, dachte sie, ein Neuanfang fühlt sich mit 75 nicht viel anders an als mit 20! Sie hob das Kinn. „Jetzt schulde ich Ihnen wirklich eine Revanche, Thomas. Ich hatte geplant, übermorgen nach Nizza zu fliegen. Begleiten Sie mich?“

Er hörte die Herausforderung und zögerte keinen Moment. „Mit dem größten Vergnügen, Teuerste.“

Jetzt plagte Stella doch noch das schlechte Gewissen

„Du hast – was?“, fragte Mama entsetzt, während Stella wieder mit dem Koffer kämpfte. „Dieser Thomas Graf war gar keiner?“

„Nein“, gab diese zu. „Aber immerhin ist er der Hof-Optiker derer zu Mürzenich, sagt Chris. Also der Fürst unter den Brillenmachern!“

„Lass die Witze!“, ärgerte sich Mama. „Was fällt dir nur ein, Tante Irene so aufs Glatteis zu führen!“

„Habe ich doch nicht“, verteidigte sich Stella nicht ganz so unbekümmert wie sie tat. „Ich habe seinen Namen gesagt – wenn sie daraus was Falsches schließt …“

„Du weißt genau, was ich meine!“, fauchte ihre Mutter. „Ach, und sie war auch noch so interessiert an ihm! Wenn deine Tante herauskriegt, dass dieser Brillen-Graf gar kein echter Graf ist …“

Stürmisches Türklingel unterbrach sie. Gleich darauf hörte Stella ihre Mutter mit aufgesetzter Munterkeit Tante Irene begrüßen – und spürte ihr Gewissen. War sie vielleicht doch zu weit gegangen? Sollte sie doch lieber …

Mit ihrem üblichen Elan betrat Irene das Wohnzimmer. „… und habe mich entschlossen, schon einen Tag früher abzureisen“, verkündete sie gut gelaunt. „Erst ein paar Tage Nizza, dann nach Hause. Und dass der Herr Graf mich begleitet, freut mich dabei besonders. Ich kann es kaum erwarten, ihn meinem Sohn und meinen Freunden drüben vorzustellen!“

„W-wirklich?“, kiekste Mama. Stella schluckte und holte tief Luft. Doch noch ehe sie etwas sagen konnte, fuhr Tante Irene genüsslich fort: „Die werden staunen, was wir hier für Optiker haben. Mit denen kann man nicht nur sehen, sondern sich auch sehen lassen!“

Die Eröffnung raubte sowohl Stella als auch ihrer Mutter einen Moment den Atem. Dann fragte Stella vorsichtig: „Du weißt, dass Herr Graf gar nicht adelig ist?“

„Da irrst du dich, mein Kind“, sagte ihre Großtante hoheitsvoll. „An seinem Adel kann nicht gezweifelt werden: Thomas Graf hat zwar keinen Titel, dafür aber jede Menge Herzensadel. Und nur darauf, meine Liebe, kommt es an – merke dir das fürs Leben!“

„Ach?“, sagte Stella, nun mutig geworden. „Das klang aber letztens noch ganz anders …“ „Stella!“, mahnte ihre Mutter. Doch Tante Irene lächelte nur überlegen. „Na und? Ich bin schließlich noch nicht zu alt, um meine Meinung zu ändern!“

„Und dann hat sie mich freches Gör genannt und gesagt, dass ich ganz nach ihr komme“, erzählte Stella Chris tags darauf auf der Autobahn. Er war so neugierig gewesen, dass er nach München gekommen war, um sie mit seinem Wagen abzuholen. „Und darauf gedrängt, dass ich sie bald mal wieder besuche – um meinen Kleiderschrank aufzufüllen!“ Sie verdrehte die Augen, lächelte aber dabei. „Und kein Wort mehr davon, dass mein Zukünftiger von Adel sein muss. Die Lektion hat also gewirkt.“ Ernst werdend, fügte sie hinzu. „Aber ich bin sehr froh, dass der Herr Graf gleich beim ersten Date reinen Tisch gemacht hat. Es hat ja keiner gelogen, aber … irgendwie ist doch was Faules daran. Huch – was machst du denn?“

Unvermittelt hatte Chris nach rechts gezogen und steuerte nun auf eine Ausfahrt zu. „Hier müssen wir doch gar nicht abfahren!“

„Doch“, sagte er fest. „Ich muss dir unbedingt etwas zeigen.“

Sie fuhren eine ganze Weile über Landstraßen, dann bog er in einen Wirtschaftsweg ab und blieb stehen. „Komm bitte mal mit“, sagte er zu Stella und stieg aus.

Die machte große Augen. „Wenn ich es nicht besser wüsste …“

Ungeduldig nahm er sie an der Hand und zog sie einen schmalen Trampelpfad entlang, der am Zaun eines großen landwirtschaftlichen Betriebs endete. Offenbar handelte es sich um einen Reitbetrieb oder ein Gestüt, denn auf dem Platz hinter den Stallgebäuden waren mehrere Pferde angebunden.

Eine junge Frau, von oben bis unten mit Schlammspritzern bedeckt, half einem Jungen, ein Pony zu putzen. Pferd und Kind sahen ebenfalls ziemlich schmutzig aus, aber der Kleine strahlte. Offensichtlich hatte er einen abenteuerlichen Geländeritt hinter sich.

Der Junge reckte sich, um mit der Bürste höher hinauf zu kommen, schwankte plötzlich und wäre wohl gestürzt, wenn die junge Frau ihn nicht festgehalten hätte.

Chris’ doppeltes Geständnis machte Stella glücklich

„Er heißt Jakob und kam ohne Beine auf die Welt. Jetzt hat er künstliche“, raunte Chris Stella ins Ohr. „Und das ist meine Schwester, Prinzessin Friederike Amalia Sophie zu Aicheldorff und Perchach, genannt Fritzi. Sie leitet unser Gestüt hier und verschafft Kindern wie Jakob Erlebnisse, die sie sonst nie haben könnten. Meine Mutter versucht seit Jahren, ihr die Kurzhaarfrisur auszureden – erfolglos. Könnte auch daran liegen, dass Mama als Leiterin einer großen Stiftung einfach nicht die Zeit hat, sich bei Fritzi durchzusetzen.“

Er holte tief Luft und hielt Stellas fassungslosem Blick stand. „Und ich heiße Christoph Albert Remigius Johannes – aber nur an hohen Feiertagen. Ich wollte es dir die ganze Zeit sagen, aber …“

„Soll das heißen, du bist ein Prinz?“ Stella schnappte nach Luft.

Chris nickte. „Und außerdem habe ich mich rettungslos in dich verliebt“, gestand er, entschlossen, endlich reinen Tisch zu machen.

Im nächsten Augenblick hatte sich Stella mit einem Jubelschrei in seine Arme gestürzt. Eng an ihn geschmiegt, hob sie den Kopf. Und was er in ihren Augen las, ließ sein Herz fliegen. „Das trifft sich gut“, sagte sie, „weil ich mich nämlich auch verliebt habe – in dich!“

Er begann zu strahlen. „Wirklich? Aber ich dachte, du kannst Adelige nicht ausstehen!“ 

Ihr Lachen vibrierte in seiner Brust. „Oh, ich bin noch nicht zu alt, um meine Meinung zu ändern!“

Drüben am Sattelplatz war Prinzessin Fritzi aufmerksam geworden. Sie spähte zum Waldrand. „Chris – bist du das?“, rief sie erstaunt. „Was machst du denn da?“

Ihr Bruder unterbrach seine Tätigkeit nur kurz: „Wenn du das nicht erkennst, brauchst du dringend eine Brille!“, rief er zurück.

In seinen Armen kicherte Stella. „Und wir kennen genau den richtigen Optiker dafür“, wisperte sie. Und dann küssten sich die beiden wieder, Stella und ihr Prinz!

ENDE

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